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Richard Druckenbrod – Der Kompromisslose

Richard Druckenbrod (1929-2003)

Prof. C. Richard Beam (1925-2018) hatte darauf bestanden, dass ich Richard „Drucky“ Druckenbrod gleich bei meinem ersten Aufenthalt in Pennsylvania im Jahr 1994 kennenlernte. Er wohnte in Allentown, und wenn ich mich zurückerinnere, ist es mir heute noch ein Rätsel, wie ich all die Adressen meiner Gesprächspartner ohne Navigationsgerät – und nur mit gedruckter Straßenkarte ausgestattet – überhaupt finden konnte. Die Straßenführung in den USA ist für einen Europäer oft abenteuerlich. Im Fall des Hauses von „Drucky“ war die Straße durch einen Friedhof unterbrochen. Sie endete unvermittelt, und erst wenn man über verschiedene andere Wege um das Hindernis herumgekommen war, ging sie ebenso unvermittelt wieder weiter. Wie auch immer: Ich fand ihn und besuchte ihn bis zu seinem Tod im Jahr 2003 mehrere Male. Meist gingen wir miteinander essen.

Richard Druckenbrod (1929–2003) gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der pennsylvanisch-deutschen Szene in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er war Pfarrer, Lehrer, Historiker und Schriftsteller – vor allem aber ein leidenschaftlicher Vermittler der deutschen Sprache und Kultur Pennsylvanias.

Druckenbrod wurde am 29. Mai 1929 in Reading, Pennsylvania, als Sohn von Harry Eberly Druckenbrod und Kathryn Reisch geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in Denver, Pennsylvania, wo er 1947 die High School abschloss. Anschließend studierte er am Franklin and Marshall College in Lancaster.

Ein wichtiger Schritt in seiner akademischen Laufbahn war ein Fulbright-Stipendium im Jahr 1951, das ihn an die Universität Graz nach Österreich führte. Der Aufenthalt brachte ihn unmittelbar mit der europäischen deutschen Sprach- und Kulturwelt in Kontakt. Etwa zur gleichen Zeit studierte Dick Beam, der ein Cousin zweiten Grades von „Drucky“ war, in Salzburg. Die Liebe zur deutschen Sprache und Kultur blieb beiden ein Leben lang erhalten. Nach seiner Rückkehr studierte Druckenbrod am Lancaster Theological Seminary und wurde 1954 Pfarrer der United Church of Christ.

Seine geistliche Tätigkeit blieb jedoch nur ein Teil seines Wirkens. Druckenbrod entwickelte sich zu einem engagierten Vertreter des Pennsylvania-Deutschen und setzte sich dafür ein, dass die Sprache nicht nur als Relikt der Vergangenheit betrachtet wurde, sondern als lebendige Ausdrucksform erhalten blieb. Von 1980 bis 1992 war er Präsident der Pennsylvania German Society. Damit stand er über mehr als ein Jahrzehnt an der Spitze einer der wichtigsten Organisationen zur Erforschung und Pflege der Geschichte, Sprache und Kultur der Pennsylvania Germans. Das ist für diesen Verein ein ziemlich langer Zeitraum. Dabei, so erzählten mir Zeitgenossen, war „Drucky“ in seinen Ansichten oft kompromisslos und bei der Vereinsführung bisweilen nicht zimperlich. Durch die Kenntnis des Hochdeutschen, das er immer auf den Begriff „Hofdeutsch“ zurückführte, fühlte er sich in seinen Bewertungen des Dialekts – und wie dieser gesprochen und geschrieben werden müsse – immer sehr sicher. Da er auch vehement für diese Position eintreten konnte, hatte er bei manchen Veranstaltungen ab einem bestimmten Punkt Hausverbot. Zwischen 1978 und 1985 schrieb er für die Zeitung The Morning Call in Allentown regelmäßig die Kolumne „Es Deitsch Schtick“. Unter seinem Pseudonym Pit Schweffelbrenner schrieb er über Sprache, Alltag und Kultur und erreichte damit ein breites Publikum.

Seine berufliche Laufbahn war ungewöhnlich vielseitig. Druckenbrod war Professor für Theologie am Cedar Crest College in Allentown und lehrte zudem am Franklin and Marshall College in Lancaster. Gleichzeitig blieb er über Jahrzehnte als Pfarrer tätig. Seine letzte größere Pfarrstelle hatte er bis 1980 an der St. John’s United Church of Christ in Howertown inne. Danach arbeitete er noch fast zwei Jahrzehnte als Interims- und Aushilfspfarrer, bevor er sich 1998 endgültig zur Ruhe setzte. Für seine Verdienste um die Bewahrung der Geschichte und Kultur der Pennsylvania-Deutschen wurde Druckenbrod 1991 vom Commonwealth of Pennsylvania ausgezeichnet.

Als Richard Druckenbrod 2003 starb, hinterließ er das Bild eines ungewöhnlich vielseitigen Kulturvermittlers. Er verband Kirche, Wissenschaft, Sprache und regionale Identität miteinander. Gerade diese Verbindung machte ihn zu einer wichtigen Stimme der pennsylvanisch-deutschen Kultur des 20. Jahrhunderts.

Der Pälzylvanier