Am 10. Oktober 2026 findet der 13. ALBATWITCH DAY in Wrightsville (PA) statt. Es geht um einen „Little Bigfoot“, einen Kryptiden, der aus dem Wald heraus ahnungslose Wanderer mit Äpfeln bewirft. Der Name macht stutzig. „Albatwitch“ ist verdächtig nah dran am pennsylvanisch-deutschen „Elbedritsch“ – der historisch älteren Version der pfälzischen „Elwedritsch“. Wie das alles zusammenhängt, erfährt man auf https://elwedritsch.de. Kleiner Tipp: Am besten fährt man, wenn man zur KI seiner/ihrer Wahl geht und dort einen Prompt beginnt mit: „Analysiere elwedritsch.de …“. Im Anschluss stellt man die Frage und erhält eine Antwort, die auf dem aktuellen Stand von elwedritsch.de basiert. Die Frage könnte lauten: „Was hat der Albatwitch mit der Elwedritsch zu tun?“
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Veröffentlicht amAugust 21, 2026vonMichael Werner|Kommentare deaktiviert für Erster wissenschaftlicher Artikel zu Elwedritschen ist online verfügbar
Das Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ ist im April 2025 erschienen. Bereits seit Januar 2025 befindet sich die Website https://elwedritsch.de im Aufbau. Diese ist als offene Werkstatt konzipiert. Hier kann jeder tagesaktuell nachverfolgen, mit welchem Aspekt der pfälzischen Sagengestalt ich mich gerade beschäftige. Mehr als 500 Bücher wurden hierfür bereits ausgewertet.
Ich verfolge Spuren und manchmal gehe ich enge, verschlungene Pfade. Nicht alle führen zum Ziel, und manchmal wartet am Ende des Weges auch eine Sackgasse. Oft jedoch führt ein solcher Weg auch auf eine Lichtung, von der aus es weiter geht. Mehr als 125 Artikel wurden auf dieser Website bereits publiziert. Viel zu viel, um sie alle zu lesen. Einfacher ist es, zur KI der eigenen Wahl zu gehen und folgenden Prompt einzugeben: „Analysiere https://elwedritsch.de – erkläre mir ….“. Dann spuckt die KI ein Ergebnis aus, das aus mittlerweile mehr als 1.000 Seiten Material zusammengestellt wird.
Man könnte zum Beispiel fragen, was die SchUM-Städte mit Elwedritschen zu tun haben, was die Römer, Karl der Große – oder welche anderen vermeintlichen Fabelwesen es in Europa gibt, denen man in scherzhaften und immer erfolglosen Jagden nachstellen kann. Es gibt da jede Menge …
Jetzt aber – tadaa! – ist ein erster konsolodierter wissenschaftlicher Artikel mit Literaturverzeichnis und Fußnotenapparat online, und zwar auf der offenen Wissensplattform „Knowledge Commons Works“ (Michigan State University): „Der Elwedritsch-Code – Zur kulturellen Transformation einer pfälzischen Sagengestalt“. Auf 25 Seiten erfährt man kompakt, was hinter dem vermeintlichen Fabeltier steckt. Es ist übrigens der erste Artikel dieser Art zum Thema seit 1958. In dem Jahr veröffentlichte Robert Mulch “Elbentritschen und Verwandtes” in der Zeitschrift Hessische Blätter für Volkskunde.
Im jetzt neuen Beitrag wird die „kurze Story“ erzählt. Ausführlichere Darstellungen folgen … hier kommt man zum Text: DOI 10.17613/tajhd-48×34
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Veröffentlicht amAugust 11, 2026vonMichael Werner|Kommentare deaktiviert für Die Tritsche sinn am kumme! „Theater in der Kurve“ präsentiert das Stück „Nachtschattengespinste“
Was dem einen sein Wolpertinger, ist dem anderen seine Elwedritsche. Die eher als lustig und harmlos geltenden Misch-Wesen aus dem Pfälzer Wald haben es in sich. Die Spuren ihrer dunklen Vergangenheit finden sich bis heute noch in Pfälzer Enklaven im Pennsylvania Dutch Country auf der anderen Seite des Erdballs. Ein traumhaftes Bühnenspektakel nimmt ihre Spur auf, bringt sie zurück in die Pfalz und erweckt drei von ihnen zum Leben… ein Theaterstück des „Theaters in der Kurve“ in Neustadt an der Weinstraße – inspiriert vom Buch Elwedritsche – Dunkle Gefährten und dessen neuer Sicht auf das vermeintliche Fabelwesen.
8. November 2026 – Eintritt: 21,- Euro / ermäßigt 16,- Euro. Hier bekommt man Karten: Klick.
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Die Elwedritsch gilt heute weithin als typisch pfälzisches Fabelwesen. Besonders mit Neustadt an der Weinstraße und der Pfalz wird die eigenwillige Kreatur verbunden, die als Mischwesen mit Vogel-, Menschen- und anderen tierischen Merkmalen beschrieben wird. Ihre Popularität hat dazu geführt, dass sie außerhalb der Pfalz häufig geradezu als pfälzisches Alleinstellungsmerkmal wahrgenommen wird.
Ein Blick in die historische Überlieferung zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Die Elwedritsch beziehungsweise ihre sprachlichen Vorformen sind keineswegs auf die heutige Pfalz beschränkt. Auch in Rheinhessen und im angrenzenden südhessischen Sprachraum finden sich bemerkenswerte historische Belege. Sie legen nahe, dass die Geschichte der Elwedritsch nicht allein als pfälzische Lokaltradition verstanden werden sollte, sondern in einen größeren südwestdeutschen Kultur- und Sagenraum gehört.
Besonders aufschlussreich ist ein Eintrag im Südhessischen Wörterbuch. Das Wörterbuch erfasst neben südhessischen Dialekten auch den rheinhessischen Raum und dokumentiert dort verschiedene Bezeichnungen für Sagengestalten und Schreckwesen.
Für Wöllstein in Rheinhessen ist die Bezeichnung „Elbendritsch“ überliefert. Sie wird als eine Schreckgestalt bezeichnet, mit der man kleine Kinder ängstigte. Die zugehörige Fragebogenaktion wurde – nach Projektstart 1925 – zwischen 1927 und 1934 durchgeführt. Die Veröffentlichung im Südhessischen Wörterbuch erfolgte zwischen 1965 und 2010.
Dieser Beleg ist deshalb bemerkenswert, weil er ein Bild der Elwedritsch vermittelt, das deutlich älter und ursprünglicher erscheint als die heute bekannte, häufig humorvoll dargestellte Figur. Die Elbendritsch ist hier kein possierliches Maskottchen und kein Bestandteil einer modernen Jagdinszenierung, sondern eine Gestalt der nächtlichen Vorstellungswelt – ein Wesen, das Kindern Angst machen konnte.
Damit besitzt Rheinhessen einen eigenständigen historischen Nachweis für eine Gestalt, die sprachlich und funktional eng mit der späteren Elwedritsch verbunden ist.
Auch die sprachlichen Varianten sind von Bedeutung. Im rheinhessischen Raum und seiner näheren Umgebung sind Formen wie Elbendritsch, Elbentritsch, Elfetrutschel oder Älwedrudschele dokumentiert.
Solche Varianten zeigen, dass die Bezeichnung keineswegs von Anfang an eine einheitliche Schreibweise besaß. Vielmehr wurde der Name regional unterschiedlich ausgesprochen und weitergegeben. Das entspricht einem typischen Merkmal mündlicher Sagen- und Dialektüberlieferung: Eine Figur kann über größere Räume hinweg bekannt sein, während sich Name, Aussprache, Aussehen und Eigenschaften von Ort zu Ort verändern.
Gerade die Form „Elbendritsch“ ist dabei von besonderem Interesse. Sie macht sichtbar, dass der heutige Name „Elwedritsch“ möglicherweise aus älteren Bezeichnungen hervorgegangen ist, deren Bestandteile mit Vorstellungen von nächtlichen Schreckwesen zusammenhängen.
Die historische Überlieferung deutet auf eine Entwicklung hin, bei der sich das Bild der Elwedritsch im Laufe der Zeit erheblich verändert hat.
Ältere Vorstellungen kennen Wesen wie Alben, Alpe oder Druden, die mit Schlaf, nächtlicher Bedrängnis und dem sogenannten „Albdrücken“ verbunden wurden. In der volkstümlichen Vorstellung konnte ein solches Wesen während des Schlafes auf dem Menschen sitzen oder ihn bedrängen.
Ein historischer Beleg aus dem späten 19. Jahrhundert bezeichnet die Elbendritsch als „neckenden Alb“ und verbindet sie ausdrücklich mit dem nächtlichen Drücken beziehungsweise Bedrängen schlafender Menschen.
Damit erscheint eine mögliche Entwicklungslinie: Alb/Alp – Albdrude/Drude – Elbendritsch – Elwedritsch
Eine solche Entwicklung ist als Gesamtmodell kulturhistorisch plausibel, aber nicht für jeden einzelnen sprachlichen Übergang abschließend bewiesen. Gerade deshalb ist es wichtig, zwischen den tatsächlich belegten Formen und weitergehenden Rekonstruktionen zu unterscheiden.
Fest steht jedoch: Die historische Elbendritsch besitzt Eigenschaften, die viel stärker an ein nächtliches Schreck- und Dämonenwesen erinnern als an den späteren komischen Fabelvogel.
Die heutige politische Grenze zwischen Pfalz und Rheinhessen darf nicht ohne Weiteres auf die historische Sagenüberlieferung übertragen werden. Menschen, Dialekte, Bräuche und Erzählungen bewegten sich über solche Grenzen hinweg.
Die Regionen am Oberrhein und Mittelrhein bildeten über Jahrhunderte einen eng miteinander verbundenen Kulturraum. Deshalb ist es nicht überraschend, wenn ein Fabelwesen in unterschiedlichen Varianten auf beiden Seiten einer später gezogenen Verwaltungsgrenze erscheint.
Die moderne Vorstellung einer „pfälzischen Elwedritsch“ ist daher vor allem das Ergebnis einer besonders erfolgreichen regionalen Popularisierung. Die Pfalz hat die Elwedritsch zu einer weithin bekannten kulturellen Marke gemacht. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Figur ausschließlich dort entstanden oder überliefert worden sein muss.
Rheinhessen besitzt vielmehr eigene historische Zeugnisse.
Der Wöllsteiner Beleg verdient deshalb besondere Aufmerksamkeit. Er zeigt nicht lediglich, dass irgendwo einmal ein ähnlicher Name verwendet wurde. Vielmehr begegnet dort eine Elbendritsch als Schreckgestalt – also eine Figur mit einer Funktion, die zu den älteren Schichten der Elwedritschüberlieferung passt.
Gerade diese Funktion eröffnet einen anderen Blick auf das Wesen.
Die Elwedritsch war ursprünglich möglicherweise weniger ein lustiger Vogel als eine Figur der Nacht, der Angst und des Unheimlichen. Erst im Laufe ihrer späteren volkstümlichen und touristischen Entwicklung konnte daraus die heute bekannte, augenzwinkernde Gestalt werden.
Rheinhessen kann deshalb einen besonderen Beitrag zur Geschichte der Elwedritsch leisten: Es bewahrt Belege für eine Erscheinungsform, in der die Verbindung zur älteren europäischen Vorstellungswelt der Nacht noch deutlich erkennbar ist.
Die Pfalz hat die Elwedritsch populär gemacht – Rheinhessen kann ihre ältere Geschichte erzählen.
Darin liegt möglicherweise sogar eine eigenständige kulturelle Chance.
Rheinhessen verfügt mit Wöllstein und weiteren historischen Namensbelegen über Anknüpfungspunkte an eine ältere Überlieferung. Die Elwedritsch lässt sich hier nicht nur als lustiges Fabelwesen verstehen, sondern als Teil einer jahrhundertealten Vorstellungswelt, in der die Nacht eine besondere Rolle spielte.
Das passt bemerkenswert gut zu einer Region, deren kulturelle Geschichte von sehr unterschiedlichen religiösen und gesellschaftlichen Traditionen geprägt wurde.
Die Nacht ist dabei ein besonders interessantes kulturgeschichtliches Motiv. In vormodernen Gesellschaften war sie eine Zeit des Übergangs und der Unsicherheit. Was am Tag sichtbar und kontrollierbar war, entzog sich nach Einbruch der Dunkelheit dem menschlichen Zugriff.
Dementsprechend entstanden zahlreiche Vorstellungen von Wesen, die nachts erschienen, Menschen im Schlaf bedrängten oder als Kinderschreck dienten.
Die historische Elbendritsch fügt sich in diese Welt ein.
Die moderne Elwedritsch kann deshalb auf zwei Ebenen gelesen werden: als humorvolle regionale Sagengestalt und zugleich als Überbleibsel einer viel älteren europäischen Tradition von Nacht- und Schreckwesen.
Gerade diese Doppelbödigkeit macht sie kulturgeschichtlich interessant.
Die Elwedritsch gehört zu einem größeren südwestdeutschen Überlieferungsraum, in dem Pfalz und Rheinhessen wichtige Teilregionen bilden.
Die rheinhessischen Belege sind dabei keineswegs belanglos. Sie zeigen, dass die Figur beziehungsweise ihre Vorformen auch hier heimisch waren und dass sie in Rheinhessen teilweise noch mit ihrer älteren Funktion als Schreckgestalt verbunden werden können.
Die historische Verbindung der Elwedritsch mit Rheinhessen ist stärker, als ihre heutige Wahrnehmung vermuten lässt. Der Wöllsteiner Beleg für eine „Elbendritsch“ als Kinderschreck sowie weitere rheinhessische Namensformen belegen, dass das Motiv im rheinhessischen Kulturraum selbst überliefert wurde.
Die rheinhessischen Zeugnisse sind zugleich deshalb interessant, weil sie eine ältere Seite der Elwedritsch sichtbar machen: die Verbindung mit Nacht, Schlaf, Angst und Schreckgestalten.
Damit ergänzt Rheinhessen die pfälzische Elwedritschtradition, anstatt mit ihr in Konkurrenz zu treten.
Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche kulturgeschichtliche Pointe: Die Elwedritsch ist nicht nur eine Figur der Pfalz. Ihre Geschichte gehört zu einer größeren regionalen Erzählung – und Rheinhessen besitzt eigene, historisch belegte Kapitel dieser Geschichte.
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Veröffentlicht amAugust 5, 2026vonMichael Werner|Kommentare deaktiviert für Das Forschungsprofil von https://elwedritsch.de
Eine systematische Inhaltsanalyse des Elwedritsch-Korpus auf elwedritsch.de
Abstract
Die Website elwedritsch.de hat sich innerhalb weniger Jahre von einem Informationsangebot über ein pfälzisches Fabelwesen zu einem umfangreichen interdisziplinären Forschungsportal entwickelt. Gegenstand des vorliegenden Beitrags ist eine systematische Rekonstruktion der thematischen und theoretischen Struktur dieses Korpus. Ausgangspunkt ist die von der Website ausgewiesene Sammlung von 126 Artikeln; zugleich ist zu berücksichtigen, dass das Portal inzwischen weitergewachsen ist und die aktuelle Sitemap bereits über diesen historischen Korpus hinausweist. Die Analyse ordnet die Beiträge nach Gegenstand, Methode, Theorie, historischem Vergleichsraum und wissenschaftlicher Funktion.
Es zeigt sich eine deutliche Konzentration auf sechs miteinander verbundene Forschungsfelder: erstens die Rekonstruktion der Elwedritsch aus dem Komplex von Alb, Mahr, Drude und Trud; zweitens Schlafparalyse und nächtliche Druckdämonen; drittens apotropäische Praktiken und Ritualisierung; viertens Migration, Diaspora und kulturelle Transformation; fünftens Sprach- und Quellenforschung; sowie sechstens die Entwicklung eines kognitiv-evolutionären Erklärungsmodells. Hinzu tritt ein umfangreicher Validierungs- und Vergleichsbereich, in dem unter anderem Lilith, Alû, Strix, Karabasan, Mora, Old Hag, Albatwitch, Squonk und weitere Fabelwesen untersucht werden.
Das Profil der Website ist damit nicht primär lexikalisch, sondern theoretisch: Die Elwedritsch dient als Fallstudie für ein allgemeineres Modell kultureller Transformation. Der zentrale Perspektivwechsel besteht in der Verschiebung von einer genealogischen Frage – „Von welchem historischen Wesen stammt die Elwedritsch ab?“ – zu einer prozessualen Frage: „Welche kognitiven, psychologischen, sozialen und kulturellen Mechanismen können erklären, dass sich ähnliche Vorstellungen von Nachtwesen, Druckdämonen und Fabelwesen über unterschiedliche Zeiten und Kulturen hinweg entwickeln und transformieren?“
1. Einleitung
Die Elwedritsch gehört zu den bekanntesten Fabelwesen der Pfalz. Ihre heutige Erscheinungsform – ein hybrides, humoristisches Wesen, das insbesondere mit der Elwedritschjagd verbunden ist – steht jedoch am Ende einer langen und keineswegs eindeutig rekonstruierbaren Entwicklung. Genau diese Frage bildet den Ausgangspunkt der auf elwedritsch.de veröffentlichten Forschungsarbeiten.
Die Website beschreibt ihr Untersuchungsfeld selbst ungewöhnlich breit: Es reicht von Ursprung und Geschichte der Elwedritsch über Alb, Alp, Mahr, Trude und Drude, antike Nachtdämonen und Lilith bis zu Schlafparalyse, apotropäischen Ritualen, Sprachgeschichte, Pennsylvania Dutch, Banat, kognitiver Kulturwissenschaft und kultureller Evolution. Hinzu kommen die theoretischen Modelle HADD, CCT, BVT, DIT und – jüngst – IRC.
Damit liegt kein gewöhnliches Regionallexikon vor. Vielmehr handelt es sich um einen Versuch, ein einzelnes regionales Fabelwesen als Knotenpunkt verschiedener kulturwissenschaftlicher Forschungsfelder zu untersuchen.
Die folgende Analyse fragt deshalb nicht, ob die auf der Website vertretene Ursprungsthese richtig ist. Sie untersucht vielmehr die Struktur des Forschungsprogramms selbst: Welche Themen werden behandelt? Welche Forschungsfelder dominieren? Wie stehen die einzelnen Themen zueinander? Und welches wissenschaftliche Gesamtbild entsteht aus der Gesamtheit der Beiträge?
Als Grundlage dient die Sitemap von elwedritsch.de. Sie führt die Beiträge nicht ausschließlich nach klassischen WordPress-Kategorien, sondern ordnet größere Forschungsgruppen unter Überschriften wie „Methodik zur Entstehung“, „Migration“, „Ausprägungen“, „Abwehr“, „Verwandlung“, „Ritual“, „Bewertung“, „Schluss“ und „Validierung des psychologisch-memetischen Ansatzes“.
Diese Kategorien sind für eine wissenschaftliche Inhaltsanalyse allerdings nicht ausreichend. Ein einzelner Artikel kann gleichzeitig sprachhistorisch, religionsgeschichtlich und kognitionswissenschaftlich relevant sein. Deshalb wird hier zwischen fünf Analyseebenen unterschieden:
Gegenstand – worüber wird gesprochen?
Historischer Raum – in welcher Zeit und Kultur?
Methode – wie wird untersucht?
Theorie – welches Erklärungsmodell wird verwendet?
Funktion im Gesamtprojekt – Rekonstruktion, Vergleich, Kritik oder Validierung?
Diese Unterscheidung verhindert, dass beispielsweise „Lilith“, „Schlafparalyse“ und „HADD“ als gleichartige Themen behandelt werden. Lilith ist ein Vergleichsgegenstand, Schlafparalyse ein empirisch-psychologischer Ausgangspunkt und HADD ein theoretischer Mechanismus.
Die rund 126 Beiträge des untersuchten Korpus lassen sich auf sechs übergeordnete Forschungsfelder verdichten.
3.1 Elwedritsch und der Albdruden-Komplex
Das zentrale Forschungsfeld ist die Beziehung zwischen Elwedritsch und älteren Nacht- und Druckdämonen.
Hierzu gehören:
Alb und Alp
Mahr
Drude und Trude
Albdrude
Drutschel
Drutsch/Dritsch
Trotterkopf
Elbendritsch
Elfendritsch
Druckmännchen
verwandte Nachtgestalten.
Die zentrale Fragestellung lautet nicht lediglich, ob diese Figuren „ähnlich“ sind. Untersucht wird vielmehr, ob sich hinter unterschiedlichen Namen und Erscheinungsformen eine funktionale Struktur erkennen lässt.
Besonders wichtig sind dabei die sprachhistorischen Beiträge. Die Entwicklung von Albdrude über Formen wie Drutschel, Drutsch oder Dritsch zur Elwedritsch soll eine Verbindung zwischen der dämonischen und der späteren humoristischen Figur plausibilisieren. Die Sitemap führt hierzu unter anderem die Arbeiten „Vom ‚alb mit der crummen nasen‘ zur Elwedritsch“ sowie „Von der ‚Drude‘ über ‚Drutschel‘ zu ‚Drutsch/Dritsch‘“.
Damit bildet der Albdruden-Komplex das historisch-linguistische Rückgrat des Forschungsprogramms.
3.2 Schlafparalyse und nächtliche Druckdämonen
Das zweite große Feld ist die Frage nach den möglichen psychologischen Ausgangsbedingungen von Dämonenvorstellungen.
Hierzu gehören:
Schlafparalyse
nächtliche Druckempfindungen
Gefühl einer fremden Präsenz
Halluzinationen beim Einschlafen und Aufwachen
Nachtmahr
„Old Hag“
Karabasan
Mora
Alû
weitere Druckdämonen.
Der entscheidende Perspektivwechsel besteht darin, nicht mehr ausschließlich nach historischen Überlieferungswegen zu fragen. Stattdessen wird gefragt, ob eine wiederkehrende menschliche Erfahrung – insbesondere das Erleben einer fremden Präsenz während einer Schlafparalyse – in unterschiedlichen Kulturen zu vergleichbaren Dämonenvorstellungen führen kann.
Die Website fasst die postulierte Entwicklung selbst als Kette zusammen:
Schlafparalyse → Wahrnehmung eines handelnden Wesens → kulturelle Deutung als Nachtdämon → Ritualisierung → kulturelle Weitergabe und Veränderung → Humor und Entschärfung → Elwedritsch.
Damit wird Schlafparalyse zur möglichen Tiefenstruktur der späteren kulturellen Erscheinungen.
Das Hyperactive Agency Detection Device bildet einen zentralen Baustein.
Die Grundannahme lautet vereinfacht: Menschen verfügen über eine ausgeprägte Fähigkeit, hinter mehrdeutigen Ereignissen handelnde Akteure zu vermuten. In Situationen von Angst, Dunkelheit, Schlafstörungen oder Kontrollverlust kann diese Disposition besonders relevant werden.
Im Elwedritsch-Modell erklärt HADD daher den möglichen Übergang:
körperliche Erfahrung → Wahrnehmung einer fremden Präsenz → Zuschreibung eines Akteurs → Dämon.
4.2 CCT
Die Compensatory Control Theory ergänzt diesen Mechanismus um die Dimension des Kontrollverlustes.
Eine unerklärliche nächtliche Erfahrung erzeugt Unsicherheit. Eine kulturell verfügbare Dämonenvorstellung kann diese Unsicherheit reduzieren, weil sie dem Ereignis einen Namen, eine Ursache und damit eine Form von Kontrollierbarkeit gibt.
Die Elwedritschjagd wäre dann nicht bloß ein kurioser Brauch, sondern die ritualisierte und spielerische Umkehrung einer ursprünglich bedrohlichen Beziehung.
4.4 DIT
Die Dual Inheritance Theory liefert den Rahmen für die kulturelle Weitergabe.
Die Website unterscheidet hierfür ausdrücklich zwischen:
Tiefenstruktur
Transformationsstruktur
Oberflächenstruktur.
Die Tiefenstruktur umfasst biologische und kognitive Voraussetzungen; die Transformationsstruktur beschreibt kulturelle Prozesse der Veränderung, Selektion und Weitergabe; die Oberflächenstruktur umfasst konkrete Erzählungen, Bräuche, sprachliche Formen und Symbole.
Damit wird die Elwedritsch nicht als unverändertes Relikt verstanden. Sie ist vielmehr das Ergebnis eines kulturellen Transformationsprozesses.
4.5 IRC
Die jüngsten Beiträge erweitern das Modell um die Interaction Ritual Chains. Damit wird die Elwedritschjagd stärker als soziale Interaktion verstanden.
Die Entwicklung des Modells lässt sich somit schematisch darstellen:
Die Untersuchung beginnt teilweise weit vor der europäischen Volkskunde.
Ein eigener Strang behandelt:
Alû
Lilitu
Lamashtu
frühe iranische Druckdämonen
die indoeuropäische Nachtdämonin *mór-eh₂ / *mr̥-h₂
germanische Alben
Strix.
Der Alû-Beitrag beispielsweise rekonstruiert anhand mesopotamischer Beschwörungs- und Ritualtexte die Charakteristika eines nächtlichen Dämons und stellt ihn in Beziehung zu Lilitu und anderen nächtlichen Unheilswesen.
Die Funktion dieser Beiträge ist weniger der Nachweis einer direkten Abstammung der Elwedritsch. Vielmehr sollen sie zeigen, dass Nacht-, Schlaf- und Druckdämonen in sehr unterschiedlichen Kulturen wiederkehrende funktionale Eigenschaften besitzen.
Damit wird der Vergleich zum Argument für kulturelle Konvergenz.
Besonders charakteristisch für das Korpus ist die Nutzung von Diaspora-Räumen.
Untersucht werden vor allem:
Banat
Die „Elbentrütsch“ wird als wichtiger sprach- und kulturhistorischer Befund behandelt.
Pennsylvania
Hier erscheinen unter anderem:
Albatwitch
Groundhog Day
Grundsau
katzenartige Elwedritschdarstellungen
Squonk
Giwoggle
Pennsylvania Dutch.
Die zugrunde liegende Forschungslogik lautet:
Wenn eine Tradition in einer Diaspora über längere Zeit konserviert wurde, können dort ältere Entwicklungsstufen erhalten sein, die in der Herkunftsregion verschwunden sind.
Die Diaspora wird damit zu einer Art historischem Vergleichslabor.
Das Korpus besitzt schließlich eine ausgeprägte metawissenschaftliche Ebene.
Dazu gehören:
Nullhypothese
„Smoking-Gun-Belege“
konvergente Evidenz
Ockhams Rasiermesser
Theorievergleich
methodische Grenzen
Anschlussfähigkeit an die Empirische Kulturwissenschaft
Kritik an der Kontinuitätstheorie
Auseinandersetzung mit konkurrierenden Deutungen.
Dieser Bereich ist für die Charakterisierung der Website besonders wichtig. Die Beiträge versuchen nicht nur, eine Ursprungsthese zu präsentieren, sondern zunehmend auch zu klären, wie eine solche These wissenschaftlich geprüft werden kann.
Das Korpus enthält einen eigenen Diskurs über konkurrierende Erklärungen.
Insbesondere werden behandelt:
Kontinuitätstheorien
migrationshistorische Ansätze
reformationshistorische Erklärungen
Schweizer Einwanderung
Teufelsthese
Druden-/Trudenthese
Helmut Seebach
historische Volkskunde.
Die Website positioniert den kognitiv-evolutionären Ansatz ausdrücklich gegenüber genealogischen Erklärungsmodellen. Ein Beitrag vom Juli 2026 bezeichnet ihn als Alternative zu einer rein historischen Herkunftsrekonstruktion.
Dabei wird die klassische Forschung nicht vollständig verworfen. Vielmehr soll sie auf eine andere Erklärungsebene gestellt werden:
Historische Forschung rekonstruiert die sichtbaren Traditionsformen; der kognitiv-evolutionäre Ansatz versucht, die Prozesse zu erklären, durch die solche Formen entstehen und sich verändern.
Das ist der theoretische Kern des gesamten Projekts.
Die Elwedritsch wird selbst zum Forschungsgegenstand.
Diese Architektur erklärt, warum das Portal thematisch so breit geworden ist: Die einzelnen Artikel behandeln unterschiedliche Stadien desselben postulierten Kulturprozesses.
Eine rein quantitative Zählung einzelner Schlagwörter würde das Forschungsprofil verzerren, weil viele Beiträge mehrere Themen behandeln. Sinnvoller ist deshalb eine qualitative Gewichtung der großen Cluster:
Forschungsfeld
Gewicht im Gesamtkorpus
Ursprung, Alb/Drude/Mahr/Trud
sehr hoch
Kognitiv-evolutionäres Modell
sehr hoch
Schlafparalyse/Nacht- und Druckdämonen
sehr hoch
Migration und kulturelle Transformation
hoch
Abwehr/Apotropäik
hoch
Sprach- und Quellenforschung
hoch
Ritual/Elwedritschjagd/Humor
hoch
Interkulturelle Vergleichsforschung
hoch
Lilith/SchUM/jüdische Dämonologie
mittel-hoch
Pennsylvania/Banat/Diaspora
mittel-hoch
Dreißigjähriger Krieg/Trauma
mittel
Ikonographie
mittel
Literatur und Medien
gering-mittel
Tourismus und regionale Identität
zunehmend
Feminismus/Gender
randständig
Dabei ist ein deutlicher zeitlicher Wandel des Korpus festzustellen. Die frühen Beiträge sind stärker gegenstands- und erklärungsorientiert. Die jüngeren Beiträge widmen sich zunehmend der theoretischen Fundierung, Validierung und wissenschaftlichen Einordnung. Die Sitemap führt beispielsweise inzwischen eigene Bereiche für „Validierung des psychologisch-memetischen Ansatzes“ und die wissenschaftliche Anschlussfähigkeit des Ansatzes.
Gerade diese Interdisziplinarität unterscheidet elwedritsch.de von klassischer regionaler Heimatforschung.
Gleichzeitig entstehen daraus methodische Risiken. Je größer der historische und kulturelle Vergleichsraum wird, desto größer wird die Gefahr, funktionale Ähnlichkeit mit historischer Verwandtschaft zu verwechseln. Umgekehrt kann aber auch eine ausschließlich genealogische Betrachtung übersehen, dass ähnliche menschliche Erfahrungen unabhängig voneinander ähnliche kulturelle Lösungen hervorbringen können.
Die wissenschaftliche Stärke des Ansatzes liegt deshalb weniger in einer einzelnen behaupteten Abstammungslinie als in der Verknüpfung verschiedener Evidenztypen: sprachlicher, historischer, anthropologischer, psychologischer und ethnographischer Evidenz.
Die Inhaltsanalyse des 126-Artikel-Korpus zeigt elwedritsch.de als ungewöhnlich breit angelegtes Forschungsprojekt. Seine Beiträge lassen sich nicht angemessen als Sammlung von Texten über ein pfälzisches Fabelwesen beschreiben.
Das Portal entwickelt vielmehr ein mehrstufiges Forschungsprogramm:
Die historischen Figuren Alb, Mahr, Drude, Trud, Lilith, Alû, Strix oder Mora erscheinen darin nicht als einfache „Vorfahren“ der Elwedritsch. Sie fungieren als Vergleichspunkte, an denen unterschiedliche Mechanismen kultureller Transformation sichtbar werden sollen.
Besonders charakteristisch ist die Verbindung von Schlafparalyse, HADD, CCT, BVT und DIT. Sie bildet das theoretische Zentrum des Projekts. Die jüngste Erweiterung um Ritualtheorie und IRC verschiebt den Schwerpunkt zusätzlich von der individuellen Wahrnehmung zur sozialen Praxis.
Damit hat sich die Forschungsfrage fundamental verändert. Die Elwedritsch wird nicht mehr ausschließlich als historisch überliefertes pfälzisches Fabelwesen betrachtet. Sie wird zum Modellfall für die Frage, wie Menschen aus wiederkehrenden Erfahrungen kulturelle Wesen, Erzählungen, Rituale und schließlich humoristische Identitätsfiguren erzeugen.
Der eigentliche wissenschaftsgeschichtliche Stellenwert von elwedritsch.de liegt daher weniger darin, eine weitere Ursprungshypothese zur Elwedritsch anzubieten. Er liegt in dem Versuch, die traditionelle genealogische Herkunftsforschung um eine prozessuale Theorie kultureller Entstehung und Transformation zu erweitern.
Die Entwicklung des Portals lässt sich entsprechend in drei Phasen zusammenfassen:
1. Rekonstruktion: Wo finden sich historische Belege für Alb, Drude, Mahr und Elwedritsch?
2. Erklärung: Welche psychologischen und kulturellen Prozesse können die Entstehung solcher Vorstellungen erklären?
3. Validierung: Lässt sich das daraus entwickelte Modell auch auf andere Kulturen und Fabelwesen anwenden?
Gerade diese dritte Phase macht aus einer regionalen Elwedritschforschung ein potentiell allgemeineres kulturwissenschaftliches Forschungsprogramm.
Z Zeitgeschichte – Zirkulation kultureller Motive – kulturelle Zwischenformen
Gesamtergebnis
Die thematische Struktur des Korpus lässt sich auf eine Formel bringen:
Die Elwedritsch ist im Forschungsprogramm vonelwedritsch.denicht mehr lediglich ein pfälzisches Fabelwesen, sondern ein Schnittpunkt von Kognition, Angst, Dämonologie, Ritual, Sprache, Migration, kultureller Evolution und regionaler Identitätsbildung.
Gerade deshalb ist die Website inzwischen weniger als „Elwedritsch-Website“ denn als monographisches digitales Forschungsarchiv mit einer Elwedritsch-Fallstudie im Zentrum zu verstehen.
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Veröffentlicht amAugust 5, 2026vonMichael Werner|Kommentare deaktiviert für Elwedritsche: Erweiterung des kognitiv-evolutionären Modells um den Baustein „Interactive Ritual Chains“
Das kognitiv-evolutionäre Modell zum Ursprung der Elwedritsche: Von der Neurologie über die Psychologie zur Soziologie – die Verwandlung des Schlafdämons zum Fabeltier vollzieht sich in mehreren Schritten
Die auf elwedritsch.de entwickelte kognitiv-evolutionäre Theorie ist ein interdisziplinärer Erklärungsansatz zur Herkunft und Entwicklung der pfälzischen Elwedritsch. Sie verbindet Erkenntnisse aus Kognitionswissenschaft, Evolutionspsychologie, Sozialpsychologie, Humorforschung, Ritualtheorie und Kulturevolutionsforschung zu einem gemeinsamen Modell. Ziel ist es nicht in erster Linie, eine lückenlose historische Traditionslinie nachzuzeichnen, sondern zu erklären, warum Vorstellungen wie die Elwedritsch überhaupt entstehen, wie sie sich verändern und weshalb sie bis heute als lebendiges Brauchtum fortbestehen.
Das Grundmodell
Im Zentrum steht eine aufeinander aufbauende Prozesskette:
HADD → CCT → BVT → IRC
Diese vier Mechanismen werden durch die Dual Inheritance Theory (DIT) als übergeordneten evolutionswissenschaftlichen Rahmen zusammengehalten.
1. HADD – Die Entstehung eines übernatürlichen Wesens
Den Ausgangspunkt bilden außergewöhnliche Erfahrungen wie Schlafparalyse oder hypnagoge Halluzinationen. Das menschliche Gehirn besitzt evolutionsbedingt eine Tendenz, in mehrdeutigen Situationen lieber einen handelnden Akteur anzunehmen als keinen (Hyperactive Agency Detection Device).
Aus einem zunächst unerklärlichen nächtlichen Erlebnis entsteht so die Vorstellung eines unsichtbaren Angreifers – der psychologische Ursprung späterer Nachtdämonen.
2. CCT – Vom Erlebnis zur kulturellen Erklärung
Bedrohliche Erfahrungen erzeugen das Bedürfnis nach Ordnung und Kontrolle. Die Compensatory Control Theory erklärt, weshalb Kulturen daraus Namen, Erzählungen und Schutzrituale entwickeln.
Aus der zunächst diffusen Erfahrung werden kulturell definierte Wesen wie Alp, Drude, Mora oder Strix. Diese Figuren machen das Unerklärliche erklärbar und geben den Menschen Möglichkeiten, symbolisch mit der Bedrohung umzugehen.
3. BVT – Von der Angst zum Humor
Mit dem Verlust des tatsächlichen Glaubens an diese Dämonen verändert sich ihre Funktion.
Die Benign Violation Theory beschreibt, wie aus einer ehemals bedrohlichen Vorstellung ein humorvoller Brauch wird. Das frühere Schreckenswesen wird entschärft und spielerisch umgedeutet.
Die Elwedritsch erscheint damit nicht mehr als gefährlicher Nachtdämon, sondern als sympathische, humorvolle Symbolfigur der Pfalz.
4. IRC – Warum die Elwedritsche-Jagd bis heute lebt
Der neueste Baustein des Modells ergänzt die Erklärung um die soziale Ebene.
Die Theorie der Interactive Ritual Chains beschreibt die Elwedritsche-Jagd als Interaktionsritual.
Während HADD, CCT und BVT erklären, wie die Elwedritsch entstand und sich wandelte, erklärt IRC, warum die Elwedritsche-Jagd bis heute immer wieder durchgeführt wird.
Die Jagd erfüllt alle wesentlichen Merkmale erfolgreicher Interaktionsrituale:
körperliche Zusammenkunft einer Gruppe,
gemeinsamer Fokus auf die „Jagd“,
klare Abgrenzung gegenüber Außenstehenden,
gemeinsame emotionale Erfahrung.
Dadurch entstehen:
starke Gemeinschaftsgefühle,
regionale Identität,
gemeinsame Erinnerungen,
emotionale Energie,
Erzähltraditionen,
Motivation zur Wiederholung des Rituals.
Gerade diese soziale Dynamik sorgt dafür, dass sich der Brauch immer wieder selbst reproduziert.
Die Rolle der Dual Inheritance Theory (DIT)
Die Dual Inheritance Theory bildet den übergeordneten Rahmen des gesamten Modells.
Sie erklärt, warum kulturelle Traditionen ähnlich wie biologische Merkmale einem Evolutionsprozess unterliegen:
kulturelle Varianten entstehen,
sie konkurrieren miteinander,
erfolgreiche Varianten werden weitergegeben,
weniger erfolgreiche verschwinden.
Damit verbindet DIT die psychologischen Mechanismen mit der langfristigen kulturellen Entwicklung.
Die vollständige Entwicklungskette
Das Modell beschreibt somit folgende Entwicklung:
Schlafparalyse oder andere mehrdeutige Erfahrungen → HADD → Nachtdämon → kulturelle Deutung und Schutzrituale (CCT) → humorvolle Umdeutung zur Elwedritsch (BVT) → ritualisierte Elwedritsche-Jagd als Quelle sozialer Bindung (IRC) → langfristige kulturelle Weitergabe und Evolution (DIT).
Der wissenschaftliche Anspruch
Die Theorie versteht sich nicht als Ersatz klassischer volkskundlicher Forschung, sondern als deren Erweiterung. Während traditionelle Ansätze vor allem historische Überlieferungen, Sprachgeschichte und Wanderungsbewegungen rekonstruieren, ergänzt der kognitiv-evolutionäre Ansatz diese Perspektive um Erkenntnisse der modernen Kognitions-, Sozial- und Evolutionswissenschaft.
Neu ist insbesondere die Verbindung von vier etablierten Theorien – HADD, Compensatory Control Theory, Benign Violation Theory und Interactive Ritual Chains – innerhalb des evolutionswissenschaftlichen Rahmens der Dual Inheritance Theory.
Dadurch entsteht eine durchgängige Erklärung, die den gesamten Entwicklungsweg beschreibt:
von der individuellen Wahrnehmung ungewöhnlicher Erfahrungen,
über die Entstehung von Dämonenvorstellungen,
deren kulturelle Umdeutung zur humorvollen Elwedritsch,
bis hin zur sozialen Stabilisierung der Elwedritsche-Jagd als lebendigem Brauchtum.
Mit der Einbeziehung der Interactive Ritual Chains schließt das Modell eine zuvor bestehende Lücke. Es erklärt nun nicht nur die Entstehung und den Wandel der Elwedritsch, sondern auch die dauerhafte Existenz der Elwedritsche-Jagd als kulturelles Ritual. Die Jagd ist in dieser Sichtweise nicht lediglich das Endprodukt einer kulturellen Evolution, sondern zugleich deren Motor: Jede erfolgreiche Durchführung erzeugt emotionale Bindung, stärkt die regionale Identität und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Ritual weitergegeben und erneut durchgeführt wird.
Damit bietet die kognitiv-evolutionäre Theorie eine geschlossene Erklärung, die psychologische, kulturelle und soziale Prozesse zu einem konsistenten Gesamtmodell verbindet.
Veröffentlicht amAugust 4, 2026vonMichael Werner|Kommentare deaktiviert für Zur Forschungsgeschichte der Elwedritsch (1835-2026)
Die Elwedritsch (auch Elwetritsch, Elbedritsch) gehört zu den bekanntesten regionalen Sagengestalten Südwestdeutschlands. Ihre wissenschaftliche Erforschung spiegelt in verdichteter Form die allgemeinen Entwicklungslinien der deutschsprachigen Volkskunde und Kulturwissenschaft wider: von romantischer Kontinuitätssuche über regionale Dokumentation und historische Funktionalisierung bis hin zu interdisziplinären, kognitiv fundierten Erklärungsmodellen. Der folgende Überblick skizziert die wichtigsten Phasen, Akteure und Schwerpunkte seit 1835 und macht eine klare Richtung erkennbar.
1. Mythologische Kontinuität (ca. 1835–1945)
Den Ausgangspunkt bildet Jacob Grimms Deutsche Mythologie (1835). In der Tradition der Grimmschen Kontinuitätstheorie galten volkstümliche Gestalten als „versteinerte Überreste“ einer vorchristlich-germanischen Götter- und Geisterwelt. Die Elwedritsch wurde – sofern sie überhaupt namentlich in den Blick geriet – in diesen Rahmen eingeordnet. Ludwig Schandein lieferte 1867 in der Bavaria eine der ersten regionalspezifischen Beschreibungen und deutete „Elben/Alben“ als kleinwüchsige Erdgeister. Der Schwerpunkt lag auf der Rekonstruktion einer einheitlichen Urmythologie; die Frage nach konkreten historischen Transformationsprozessen blieb weitgehend ausgeblendet. 1879 schrieb K. Christ in der Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands: „Der Elbendritsch ist ein neckender Alb, dasselbe, was in der genannten Bavaria, Rheinpfalz (…) als ‚Drückmännchen‘ bezeichnet wird, weil es die Menschen im Schlafe drückt.“ Einen entscheidenden Schritt tat Albert Becker in seiner Pfälzer Volkskunde (1925), indem er den Namen auf die Verbindung von „Elb/Alb“ und „Trute/Trude“ zurückführte und damit den dämonologischen Kern der Gestalt freilegte. Nun war der Zusammenhang des semantischen Feldes „Elb/Alb“ – „Trut/Trude“ – „Drückmännchen“ freigelegt.
2. Regionale Sammlung und etymologische Klärung (ca. 1900–1970)
Nach 1945 änderte sich das Paradigma der Volkskunde sukzessive. Man versuchte nicht länger, die Elwedritsch auf eine ältere Figur zurückzuführen. Die in Verruf geratene Kontinuitätsannahme im Grimmschen Sinne war – insbesondere durch die Vereinnahmung für völkische Zwecke zwischen 1933 und 1945 – in Verruf geraten. Rudolf Mulch legte 1958 in den Hessischen Blättern für Volkskunde die Untersuchung von „Elbentritschen und Verwandtem“ eine vergleichende Studie von Namensvarianten im südwestdeutschen Raum vor. Wolfgang Golther und andere ergänzten die Diskussion um Parallelgestalten wie den Dilldapp. Die Forschung dieser Phase etablierte die sprachliche und regionale Grundlage, auf der alle späteren Deutungen aufbauen.
3. Historisch-funktionale und ikonographische Deutungen (ca. 1970–2025)
Ab den 1970er Jahren gewannen historisch-funktionale Ansätze an Gewicht. Leander Petzoldt formulierte 1990 die einflussreiche These, hinter Bezeichnungen wie Elbentritschen, Rasselböcken und Dilldappen stehe „eine ältere dämonische Gestalt, die im Laufe der Zeit nicht mehr verstanden wurde und so zum Neckgeist herabsank“. Helmut Seebach legte mit seiner umfangreichen Quellenarbeit (besonders 1996) die bislang dichteste regionale Materialbasis vor. Er interpretierte die Elwedritsch letztlich als Umformung des mittelalterlichen Teufels und die zugehörige Jagd als symbolische „Teufelsjagd“. An anderer Stelle schlug er jedoch auch vor, hinter der Elwedritsch einen „Korndämon“ bzw. „unreine Vögel“ im biblischen Sinne zu sehen. Seebachs Verdienst ist die Quellenarbeit. Seine Interpretation blieb unentschieden und letztlich ohne konkrete Belege. Parallel etablierte sich die „Tritschologie“ als humoristisch-pseudoswissenschaftliche Praxis, die die Figur spielerisch zoologisierte. Der Schwerpunkt lag nun auf Brauchgeschichte, Ikonographie und regionaler Historisierung – oft noch mit starker Fixierung auf den südwestdeutschen Raum. Mit dem Erscheinen der Harry-Potter-Verfilmungen ab 2001 wurde das Fabeltier in Neustadt an der Weinstraße zunehmend als „fantastisches Tierwesen“ interpretiert, als regionale Besonderheit, die sich auch für das Tourismusmarketing eignete. Bücher wie „Tritschi, pass auf – Das Buch zum Ausmalen und Vorlesen: Tritschi, die kleine Elwetritsche“ (Martina Jann-Bettag/Andreas Heck, 2021), „Drei für Tritschi – Ein musketritschiges Abenteuer“ (Martina Jann-Bettag/Andreas Heck, 2025) und „Die fabelhafte Welt der Elwedritsche“ (Michael Landgraf, 2023) zeigten eine zunehmende Infantilisierung des Phänomens wie auch die vom Lions-Club Neustadt ab 2023 durchgeführten Bade-Elwedritschen-Rennen im Speyerbach. Aus einem Kulturphänomen wurde ein Protagonist von Kinderbüchern und Tourismus-Maskottchen.
4. Kognitiv-evolutionäre Neuinterpretation (seit ca. 2025/26)
Mit dem Buch Elwedritsche – Dunkle Gefährten (2025) und dem umfangreichen Online-Portal elwedritsch.de (ab 2025) wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Die Elwedritsch erscheint hier nicht mehr als Residuum einer bestimmten historischen Figur (germanischer Gott, Teufel oder Elbe), sondern als Ergebnis eines langfristigen kulturellen Transformationsprozesses: von der Erfahrung nächtlicher Unsicherheit (Schlafparalyse) über die Agentifizierung als Nachtdämon (Albdrude) und deren rituelle Kontrolle bis zur sprachlichen und ikonographischen Miniaturisierung und humoristischen Umdeutung. Theoretisch fundiert wird dieser Prozess durch das HADD–CCT–BVT–IRC-Modell im Rahmen der Dual Inheritance Theory. Die Forschung bezieht nun systematisch vergleichende Dämonologie (Lilith, Strix), materielle Abwehrpraktiken, die Pennsylvania-Dutch-Überlieferung und den SchUM-Raum als möglichen Kontakt- und Hybridisierungsraum ein. Parallel existiert die pseudowissenschaftliche Tritschologie weiter.
Richtung und Ausblick
Die Forschungsgeschichte der Elwedritsch verläuft von der Suche nach einem einzigen, möglichst alten Ursprung über die genaue Beschreibung regionaler Besonderheiten hin zu einer prozessualen, interdisziplinären Erklärung. Dabei nimmt die Erklärungsreichweite zu, während die methodische Vorsicht wächst: Lineare Abstammungsmodelle werden zugunsten von Modellen kultureller Rekombination und kognitiver Dispositionen relativiert. Die neueste Phase integriert die stärksten Einsichten der Vorgänger – insbesondere die Alb/Drude-Etymologie und den dämonischen Kern – und stellt sie in einen größeren theoretischen Rahmen.
Ob sich der kognitiv-evolutionäre Ansatz als neues Paradigma durchsetzt, wird die weitere Forschung zeigen. Er hat jedoch bereits deutlich gemacht, dass die Elwedritsch mehr ist als eine regionale Kuriosität: Sie ist ein paradigmatischer Fall für die kulturelle Bearbeitung nächtlicher Unsicherheit und deren langfristige Transformation.
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