Kategorie-Archiv: Der Pälzylvanier

Melanie Langenhan – Die Internet-Pionierin

Melanie Langenhan bei einer Veranstaltung des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises e.V. in Heidelberg (2005)

Ich laufe Gefahr, mit meinem Alter zu kokettieren, wenn ich sage: Es gab mal eine Zeit, in der Privatpersonen im Internet NICHTS publizieren konnten. Das ist, finde ich, noch gar nicht mal so lange her. Auch wenn wir uns nicht mehr daran erinnern. Die Gründung von Wikipedia erfolgte 2001. Mark Zuckerberg gründete Facebook 2004, und Youtube entstand im Jahr 2005. Deutschland erreichten diese Innovationen aber erst jeweils etwa drei Jahre später. Man kann also sagen: Demokratisiert wurde das Internet in Europa zwischen 2005 und 2008. Ob das wirklich in allen Belangen ein Fortschritt war, stelle ich angesichts der Polarisierung der Gesellschaften durch die neuen Möglichkeiten mal ein klein wenig in Frage. Aber natürlich war – und ist – es eine riesige Innovation.

Melanie Langenhan (geb. Grimm) setzte auf sogenannte Blog-Systeme wie „Blogger“ (gegründet 1999) und „WordPress (entstanden 2003) und war damit eine echte Internet-Pionierin. Damit konnten auch Privatpersonen erstmals Inhalte und Bilder online stellen. Schon um die Jahrtausendwende betrieb sie mit ihrem Mann in Nieder-Olm diverse juristische Blogs und auch genealogische Webseiten, die auf Blog-Systemen wie „Blogger“ fußten. Ihr zentraler Blog war „rheinhessenarchiv.de“. Im Bereich Familienforschung interessierte sie sich vor allem für Rheinhessen und insbesondere Saulheim. Als wir uns Ende 2000 kennenlernten, war sie knapp über 30 Jahre alt. Getroffen hatten wir uns, um familiäre Beziehungen zwischen unserer Region und Pennsylvania zu identifizieren und bekannte US-Persönlichkeiten mit Wurzeln im heutigen Rheinhessen zu finden. Familie Hassinger aus Schornsheim ist so ein interessanter Fall. Ursprünglich aus Wörrstadt stammend, wanderten Mitglieder des Clans im 18. Jahrhundert nach Pennsylvania aus und verbreiteten sich dort stark. Heute gibt es Familientreffen in den USA, und manchmal besuchen Menschen mit Hassinger-Vorfahren auch Rheinhessen. Meine gute Freundin Alice Spayd in Lebanon County (Pennsylvania) hat auch Hassingers in ihrem Familienstammbaum.

Jedenfalls war ich begeistert, als sie von ihren Internet-Blogs erzählte, und sie erklärte sich bereit, mit beim Aufbau einer ersten Website für „Hiwwe wie Driwwe“ zu helfen. Das war 2001. Über Weihnachten 2001/2002 bastelte sie ein wenig herum und präsentierte mir das Ergebnis im Januar 2002. Am 6. Februar – also eine Woche später – erstellte die „Wayback Machine“ des Internet-Archivs „archive.org“ ein erstes „Picture“ (Abbild) der neuen Website). Die Website kann man sich noch heute ansehen.

Hier geht es zur Quelle, wo man Archivseiten von „hiwwe-wie-driwwe.de“ seit 2002 recherchieren kann.

Fünf Jahre (2002 bis 2007) war dieser Blog online, dann wechselte „Hiwwe wie Driwwe“ – wieder mit Hilfe von Melanie Langenhan – zu WordPress. Dort entstand die jetzige Struktur und Optik, die bis 2024 über die Domain „hiwwe-wie-driwwe.de“ und ab dann zusätzlich auch über „hiwwe-wie-driwwe.com“ erreichbar war.

2003 war Melanie dabei, als wir in Ober-Olm den Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis e.V. gründeten, und kümmerte sich auch dort um den Aufbau einer ersten Website. Bis etwa 2010 kam sie immer wieder zu Veranstaltungen, dann ließ es nach. Das hatte damit zu tun, dass sie privat extrem ausgelastet war. Ihr Mann verstarb. Eine ganze Zeit später erzählte sie mir, sie ziehe in die Niederlande, um sich mit einem neuen Partner ein neues Leben aufzubauen. An ihrer Hochzeit nahm ich teil.

Melanie veränderte sich beruflich, ließ sich zum Coach ausbilden. Wir blieben im Kontakt, vor allem über Facebook. Bis mich 2017 die Nachricht erreichte, dass sie in einer Nacht ohne Vorwarnung überraschend verstorben war. Da war sie noch keine 50 Jahre alt. Das war ein Schock für alle, die sie kannten.

Ich bin Melanie für vieles dankbar. In der großen Zeit des Internet-Umbruchs Anfang der 2000er Jahre hat sie mich dabei unterstützt, digital „laufen zu lernen“. Und sie brachte mich mit einem ihrer Freunde zusammen, mit dem ich auch heute noch verbunden bin: Dr. Helmut Schmahl, Historiker mit dem Spezialgebiet „Auswanderung aus Rheinhessen in die USA“. Aber das ist eine andere Geschichte …

Mike Hertzog – Der schneller spielt als sein Schatten

Mike Hertzog mit seiner Frau Linda vor dem Container des Dokumentationszentrums Ramstein (2017)

Was „Lucky Luke“ für die Cowboyszene ist, ist Mike Hertzog als Banjo-Spieler für die Musikszene östlich der Appalachen: Niemand ist schneller als er. Wo er auf der Bühne steht, fliegen einem die 32stel-Noten nur so rechts und links um die Ohren. Keith Brintzenhoff hatte mir schon um 2010 von ihm erzählt, als er mir erstmals ein Banjo in die Hand drückte und mich in erste Geheimnisse einweihte. Etwa zwei Jahre danach hielt ich ein Banjo in der Hand, das Chris LaRose gehört. Chris macht gemeinsam mit Doug Madenford pennsylvanisch-deutsche Musik in der Band „The Broken Spokes“. Er erklärte mir unter anderem die Unterschiede zwischen Picking-Style und Clawhammer-Style. Danach kaufte ich mir in Mainz-Finthen ein gebrauchtes Instrument – und vor meiner nächsten Pennsylvania-Reise im Jahr 2015 kontaktierte ich Mike Hertzog mit der Frage, ob er mir während meines zweiwöchigen Aufanthalts in Berks County Unterricht geben würde. Er sagte zu, und so ging ich mit einem geliehenen Element vier oder fünf Mal in diesen 14 Tagen zu „Meadowood Music“ nach Blandon, wo Mike als Musiklehrer unterrichtete. Das war ein Spaß. Wir freundeten uns ans, und ich lud ihn 2017 ein, mit der „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ insgesamt vier Auftritte in der Pfalz zu spielen. Er sagte zu und kam mit seiner Frau Linda in die Pfalz.

Eigentlich hätte ich Mike schon viele Jahre früher kennenlernen müssen. Denn zu seinen besten Freunden gehörte Peter Fritsch (1945-2015). Gemeinsam mit ihm gingen sie an Silvester immer von einer Veranstaltung zur nächsten, um einen traditionellen pennsylvanisch-deutschen „Neiyahrswinsch“ zu präsentieren. Und Peter gehörte bis zu seinem Tod über zwanzig Jahre zu meinen engsten Kontakten und wichtigsten Informationen zu Sprache und Kultur der Pennsylvania-Deutschen.

Als Linda und Mike 2017 in die Pfalz kamen, arrangierte ich ein Treffen mit Thomas „Edsel“ Merz von den „Anonymen Giddarischde“. Edsel kam zu mir nach Ober-Olm, und wir hatten einen sehr lustigen Abend zusammen. Einige Tage spielten Hertzogs beim Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit in Bockenheim und besuchten einen Tag danach auch das Konzert der „Anonymen“ im Festzelt des Winzerfestes. Von der Bühne grüßte Mike dann rund 1000 Zuhörer in Pennsylvanisch-Deitsch.

2019 machte ich mit der „New Paltz Band“ im Auftrag des Goethe Instituts Washington und des Auswärtigen Amtes in Berlin Musik beim Kutztown Folk Festival. „Wunderbar together!“ hieß das Motto einer Veranstaltungsserie, die über mehrere Monate Werbung für deutsche Kultur in den USA machte. Hier gab es gemeinsame Auftritte mit Mike, ebenso drei Jahre später im Jahr 2022, als ich als Solokünstler eingeladen war, um beim Folk Festival in Kutztown das musikalische Programm mit zu gestalten.

Zwischenzeitlich spielt Mike in seinen pennsylvanisch-deutschen Programmen auch amerikanische Stücke, für die wir hier in Deutschland eine pennsylvanisch-deutsche Übersetzung erstellt haben. Aus den etwa 60 Stücken, die zur Verfügung stehen, interessierte sich Mike besonders für die Johnny-Cash-Songs, etwa „Folsom Prison Blues“ und „I walk the line“. Kurz: Unsere Beziehung ist stark musikalisch geprägt, und ich freue mich schon heute auf das nächste Zusammentreffen mit Mike und Linda.

Ach so, was das Banjo betrifft: Da bin ich leider weitgehend Analphabet geblieben. Ich nutze es zwar bisweilen auf der Bühne, spiele aber auf dem Instrument eher Picking-Gitarre als wirklich Banjo. Es ist ein Jammer. Vielleicht muss ich mal wieder nach Blandon zu Mike in den Unterricht …

Ashley Snyder: Die Deutschlehrerin

Ashley Snyder beim Kutztown Folk Festival im Jahr 2019

Ashley Snyder habe ich im Juli 2010 im Rahmen des Kutztown Folk Festivals kennengelernt. Gemeinsam mit Paul Kunkel (1926-2020) saß sie am Stand der Groossdaadi Grundsau Lodsch – jener Vereinigung, die als Dachorganisation die 17 regional verteilten pennsylvanisch-deutschen Grundsau-Lodsches repräsentiert. Besuchern gaben sie mit Hilfe einer alten Tafel einen kleinen Sprachkurs in Pennsylvanisch-Deitsch. Ebenso wurde am Stand Musik gemacht, um Festival-Gäste zum Mitsingen alter Mundart-Lieder zu bringen. Wir kamen schnell ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass sie an der Conrad Weiser Highschool in Robesonia Deutsch unterrichtet.

In den Folgejahren besuchte ich sie immer wieder in ihren Klassen. Eine amerikanische Highschool funktioniert anders als ein deutsches Gymnasium – angefangen bei der Prüfung des Reisepasses im Schulsekretariat und dem anschließenden offiziellen Einlass. Die Eingangstüren sind aus gutem Grund in vielen Schulen verschlossen und werden vom Schulpersonal geöffnet. Besonderen Eindruck machte auf mich, dass manche Schüler in Jahren einer Fußball-WM mit deutschem Trikot in die Schule kamen. Sie erklärten mir, sie hätten Verwandte in Deutschland und regelmäßigen Kontakt mit der alten Heimat ihrer Vorfahren.

Ashley bemüht sich immer, pennsylvanisch-deutsche Elemente in den Hochdeutsch-Unterricht einzubauen. Denn das ist ja gerade das Besondere in Berks County, Pennsylvania: Es gibt einen konkreten Anlass, die Sprache der Vorfahren zu lernen. Oft gibt es in den Familien noch alte schriftliche Unterlagen oder eben persönlichen Kontakt mit entfernten Verwandten. Viele Amerikaner interessieren sich für Familienforschung, und in diesem Kontext macht das Erlernen der deutschen Sprache ebenso Sinn.

Ashley treffe ich seitdem immer wieder: bei Folk Festivals, beim pennsylvanisch-deitschen Zammelaaf oder aber in Deutschland. Seit 2026 gibt es eine offizielle Schulpartnerschaft zwischen der Conrad Weiser Highschool und dem Gymnasium am Römerkastell in Alzey. Auf deutscher Seite wird der Austausch von Dr. phil. habil. Helmut Schmahl betreut, der dort als Lehrer arbeitet. Am Zustandekommen dieses ganz neuen Programms war „Hiwwe wie Driwwe“ nicht ganz unschuldig. Wir sind alle froh, dass das geklappt hat, und wünschen diesem deutsch-amerikanischen Austausch einen langen Bestand!

Jim Schlegel – Der Möglichmacher

Jim Schlegel beim 17. Deutsch-Pennsylvanischen Tag in Eberbach (Neckar) im Jahr 2023

Im Jahr 2026 wurde Jim Schlegel die Ehrenmitgliedschaft im Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis e.V. verliehen. Und das aus gutem Grund: Seit vielen Jahren ist der Bürgermeister der Stadt Kutztown (PA) eine wichtige Schaltzentrale in der Zusammenarbeit zwischen „hiwwe“ und „driwwe“. Selbst Dialektsprecher, hat er ein großes Interesse am Austausch über den Atlantik hinweg. Und gleichzeitig gelingt es ihm vor Ort, die Universitätsstadt Kutztown mit ihrem studentischen Milieu mit dem ländlichen, pennsylvanisch-deutschen Umland zu verbinden. Das ist keine leichte Aufgabe, denn manchmal fühlt es sich an, als sei mit der „Kutztown University“ ein UFO in dem kleinen Städtchen gelandet. Die Uni startete 1866 als Ausbildungsstätte für angehende Lehrer, die den pennsylvanisch-deutschen Kindern englisch beibringen sollten. Ein Schulgesetz von 1834 hatte die englische Sprache als Unterrichtssprache gestärkt. Es galt, Anspruch und Wirklichkeit in Einklang zu bringen.Während historische Vereine und Bürger darum bemühen, die Geschichte und die bürgerlichen Strukturen zu erhalten und auszubauen, braucht die Universität schlicht Platz: für neue Gebäude, für Sportfelder etc. – das birgt Konflikte. So muss sich das „Pennsylvania German Cultural Heritage Center“ immer wieder darum bemühen, dass nicht Teile seines Areals Baseball-Feld werden. Jim Schlegel ist hier ein wundervoller Verbindungsmann, dem der Ausgleich gelingt. Deshalb wurde er erst vor kurzem erneut zum Bürgermeister gewählt – ein Amt, das er selbst als sein „last adventure“ beschreibt.

Ich habe Jim bereits 2010 kennengelernt, als er noch nicht Bürgermeister war. Zwei Jahre später durfte ich vor dem Stadtrat darum werben, das pennsylvanisch-deutsche Erbe in der Stadt Kutztown prominenter öffentlich zu machen. Ein erstes Projekt – drei Schilder an Ortseingängen mit der Aufschrift „Wilkum zu Kutzeschtettel“ hatten wir im Deutsch-Pennsylanischen Arbeitskreis e.V. zu diesem Zeitpunkt in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Lions Club bereits umgesetzt.

Bei einem Vortrag vor dem Stadtrat in Kutztown – im Hintergrund links Jim Schlegel (2012)

Mühlen mahlen bekanntlich langsam, und so dauerte es noch ein paar Jahre, bis Nachfolgeprojekte starten konnten. Entscheidend war, dass sich die Gemeinde Altrip bei Ludwigshafen aufgrund der Filmdokumentation „Hiwwe wie Driwwe – Pfälzisch in Amerika“ (2019) entschied, Kutztown eine Städtepartnerschaft anzubieten. Im Jahr 2020 wurde diese – nach einem initialen Startprojekt mit Brieffreundschaften über den Atlantik – offiziell besiegelt. Und auf einmal wurde manches möglich, was vorher undenkbar schien. Der Deutsch-Pennsylvanische Arbeitskreis e.V. stellte Gelder zur Verfügung, und Kutztown installierte mehrere zweisprachige Schilder (Pennsylvanisch-Deitsch / Englisch) im Stadtgebiet.

2023 kam Jim Schlegel mit seinen beiden Söhnen nach Altrip und nahm am 17. Deutsch-Pennsylvanischen Tag in Eberbach am Neckar teil. Der Austausch ist weiterhin freundschaftlich, und weitere Projekte scheinen möglich. Wir bleiben dran.

Der Pennsylvanier

Dale Schwoyer – Die Engagierte

Dale Laura Schwoyer aus Pricetown im Jahr 2000 im Oley Daal Deitsch Club mit Parre Richard Wolf (1931-2016) und – im Hintergrund – ihrem Mann David Schwoyer (1933-2009)

Zum 90. Geburtstag

Dale Schwoyer lernte ich im Jahr 1996 in Birdsboro (PA) kennen. Da war sie ziemlich genau so alt, wie ich heute bin – und arbeitete im Büro der „Pennsylvania German Society“, das auf dem Gelände des Daniel Boone Homestead war. Wir kamen ins Gespräch und blieben im Kontakt. Im Jahr 2000 besuchte ich sie und ihren Mann David auf ihrer Farm in Pricetown (PA) und verbrachte einige Tage bei ihnen.

Schnell merkte ich, dass Dale sich wirklich intensiv für das Pennsylvania-Deutsche interessiert. Zwar hat sie auch andere Nationalitäten in ihrem Stammbaum, aber sie entschied sich für „Deitsch“. Die Mundart selbst sprach sie zwar nicht flüssig, aber sie bemühte sich, in vielen Kursen ihre Kenntnisse zu verbessern. Das funktionierte gut.

Anfang der 2000er Jahre übernahm sie von Stella Labe die Moderation der „Pennsylvanisch-Deitsch Schtunn“ im Regionalfernsehen auf Berks County TV (BCTV). Sie moderierte und interviewte in Englisch – aber immer gab es auch Dialektsprecher, die etwas erzählten, vorlasen oder sangen. Die musikalische Gestaltung lag federführend immer beim „Dolpehocken Saenger Chor“, der von Francis D. Kline (1937-2013) geleitet wurde.

In Oley engagierte sie sich im „Oley Daal Deitsch Club“ von Parre Richard Wolf (1931-2016), und gemeinsam mit ihm Ruth Bridegam und anderen organisierten sie auch ein „Summer Enrichment Program“ zum Pennsylvanisch-Deutschen in der Oley Valley High School.

Ich besuchte sie im Verlauf der letzten 25 Jahre immer wieder auf ihrer Bauerei, und wir verbrachten viel Zeit miteinander. Weil sie so vielseitig interessiert war, kamen wir weit rum – besuchten Musiker (wie die Irish Martins), gingen auf Auktionen („Fendus“) oder besuchten Bauernhöfe, auf denen gerade geschlachtet worden war. Immer auf der Suche nach Mundart-Sprecherinnen und -Sprechern, die ich interviewen konnte. Kurz: We had a good time together.

Dale Schwoyer wird in diesem Jahr 90 Jahre alt, un „fer sell waref ich mein deitscher Schtrohhut in die Heeh un winsch ihr Hallicher Gebottsdaag un alles Bescht fer die neegschte Yaahre!“

Grooss Dank fer alles, Dale!

Michael Dostal – Der „VielPfälzer“

Michael Dostal hat mit seinem Magazin „VielPfalz“ die Pfalz zehn Jahre publizistisch begleitet (Foto: VielPfalz)

Wir neigen dazu zu glauben, dass Dinge ewig währen. Das ist in unserer Natur angelegt. Deshalb wollen wir dann nicht wahrhaben, wenn sich Veränderungen einstellen. So ging es mir, als Michael Dostal mir vor einer Weile erzählte, dass er Ende des Jahres 2025 in den Ruhestand gehen wird.

Zehn Jahre – von Frühjahr 2016 bis Dezember 2025 – hat sein Magazin „VielPfalz“ die Kultur, die Winzerbetriebe und die Restaurant- und Eventszene begleitet und Heft für Heft ein journalistisch hochwertiges Portrait der Pfalz gezeichnet. Hervorragende Fotografen und sehr gute freie Autorinnen und Autoren haben das möglich gemacht.

Michael und ich kamen in Kontakt, als er 2019 ein ausführliches Feature über den pfälzischen Dialekt und die Mundartwettbewerbe der Region vorbereitete. Er besuchte unsere Jury-Sitzung in Bockenheim und war auch beim Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit im Rahmen des Winzerfestes vor Ort, um mit Autorinnen und Autoren zu sprechen. Dasselbe tat er auch bei anderen Wettbewerben.

Wir verstanden uns gut, und so schlug ich ihm nach dem Erscheinen des Features in der ersten VielPfalz-Ausgabe des Jahres 2020 vor, gemeinsam mit „Hiwwe wie Driwwe“ einen neuen Mundart-Preis auszuloben: das „Pfälzische Mundartgedicht des Jahres“. Die Idee war, die Siegertexte der verschiedenen Wettbewerbe eines Jahres im Folgejahr im Rahmen einer Leser-Abstimmung in den Zeitschriften „VielPfalz“ und „Hiwwe wie Driwwe“ gegeneinander antreten zu lassen. Die Resonanz war sehr gut, und Lothar Sattel setzte sich mit dem Text „Äfach so“ als erster Sieger durch. In den darauffolgenden Jahren wechselten sich Norbert Schneider und Maritta Reinhardt zweimal als Gewinner bzw. Gewinnerin ab, und im Jahr 2024 gewann Matthias Zech mit „des derf mer doch net“.

Nun endet die wirklich sehr nette und vertrauensvolle Zusammenarbeit, was ich bedaure. Der Preis „Pfälzisches Mundartgedicht des Jahres“ wird aber auch im Jahr 2026 vergeben werden. Für „VielPfalz“ tritt die neue „Pfälzische Mundart-Stiftung“ in das Projekt ein.

„VielPfalz“ wird der Pfalz sehr fehlen. Das zeigt, wie wertvoll Michael Dostals publizistische Arbeit in den vergangenen zehn Jahren war!

Der Pälzylvanier

Earl C. Haag: Der „Alt Professer“

Dr. Michael Werner und Prof. Earl C. Haag (2012)

Ein Nachruf zum Tod von Prof. Earl C. Haag

Earl C. Haag (1929-2025) lernte ich im Jahr 2007 im Rahmen eines Briefaustauschs kennen. Bereits 2002 hatten Dr. Walter Sauer (Edition Tintenfaß) und ich in der Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“ den Aufruf gestartet, das Buch „Der Struwwelpeter“ ins Pennsylvanisch-Deutsche zu übersetzen. Fünf Jahre danach erreichte uns eine wunderbare Übersetzung von Hiwwe-wie-Driwwe-Leser Earl C. Haag, Deutsch-Professor an der Penn State University. Drei weitere Jahre brauchte es, bis die Finanzierung des Buches gesichert war – und so erschein die pennsylvanisch-deutsche Version „Schtruwwelpitter“ 2010.

Das war Grund genug für mich, Earl Haag bei meinem nächsten Aufenthalt in Pennsylvania im Sommer 2012 einen Besuch abzustatten. Da war er 83 Jahre alt und immer noch sehr aktiv. Eine ganze Reihe von pennsylvanisch-deutschen Büchern hatte er bis zu diesem Zeitpunkt schon veröffentlicht, darunter „A Pennsylvania German Reader and Grammar“ (1985) und „A Pennsylvania German Anthology“ (1988). Ich lernte ihn als belesenen, zugewandten Menschen kennen. Er erzählte mir, dass seine Eltern aus dem kurpfälzischen Waldhof bei Mannheim stammten, und dass er in seiner Jugend immer wieder den deutschen Teil der Familie besucht hatte. Konsequenterweise studierte er Ende der 1940er Jahre in Heidelberg und machte dort 1951 seinen Abschluss. Danach besuchte er Penn State University Park, wo er als Student Prof. Albert Buffington kennenlernte – einen der ganz bekannten Professoren mit Schwerpunkt „Pennsylvania German“. Konsequenterweise begann er, seine fast muttersprachlichen Kenntnisse des Pfälzischen zu nutzen, um den Dialekt der deutschsprachigen Nachfahren kurpfälzischer Auswanderer zu lernen. Das war es, was Earl Haag und mich verband: Wir beide mussten uns erst Zugang zum Pennsylvanisch-Deutschen verschaffen. Geholfen hat uns unsere Familiengeschichte. Die alte Heimat seiner Eltern im Waldhof und Frankenthal, wo ich in den 1970er Jahren aufgewachsen bin, lagen nur rund 10 Kilometer auseinander. Dialektal trennte uns nicht viel.

Und so blieben wir im Kontakt, wobei er immer das Briefeschreiben bevorzugte. Das fiel mir in einer Zeit, als E-Mails und dann Zoom-Meetings sich durchsetzten, allerdings immer schwerer. Dazu kam, dass er in seinen Briefen meist auf Dialekt-Projekte von Freunden und Bekannten zu sprechen kam – und dabei im Detail erklärte, was man besser machen könnte – nein, besser machen müsste.

Natürlich hatte er mit seiner akademischen Sicht auf die Dinge oft recht. Aber in der pennsylvanisch-deutschen Szene ist es besser, die Aktiven für ihr Engagement zu loben und die Früchte ihrer Arbeit – seien es Gedichte, Prosa- oder Theaterstücke, Musik- oder Zeitungsprojekte oder was auch immer – anzuerkennen. Deshalb schrieb ich immer freundlich zurück, behielt Earl Haags Kritik an Projekten Dritter aber stets für mich.

In der pennsylvanisch-deutschen Szene war er dennoch ein ganz Großer. Mit seiner linguistischen Kompetenz und seiner Akribie hat er wundervolle Bücher geschaffen, die überdauern werden. Über Jahrzehnte schrieb er eine Dialektkolumne für die Zeitung „Schuylkill Haven“. Die Stücke erschienen 2010 im mehr als 300 Seiten umfassenden Buch „Die Pennsylvanisch-Deitsche“.

Bis 2023 war der „Alt Professer“ noch publizistisch aktiv. Jetzt ist er im Alter von 96 Jahren gestorben.

Der Pälzylvanier