Archiv für den Autor: Michael Werner

Es Katz Deitsch Schtick: Ebbes wehich die Sume

Henry Antes Haus (Source: Goschenhoppen Historians)

Mary Laub (Kutztown, PA)

Yeder Yaahr gleiche mer en Gaarde blanse. So im Friehyaahr hemmer Sume gekauft. Weil mer im Busch wuhne, blanse mer Sume as net viel Sunn hawwe misse. Un mer hen net genunk Blatz fer Welschkann, Grumbiere, Wassermelun, Karebse, un anneri, so kaafe mer ken Sume fer selli. Yaahre zerick henn mer Sume fer Gehlriewe, Aerebse, un Schpinaat kaaft – awwer net nau. Fer was? Die Wareme! Sie sin in de Gehlriewe gange, wu sie am Waxe waare!

Mei Aenti hot gsaat, as mer Esch mit die Sume neiduh sott. Awwer des hot net fer uns geschafft! Nau fer die Aerebse. Mer gleiche sie ganz viel, so ee Yaahr henn mer die Sume kaaft. Wann mer sie geroppt henn, waare die Blanse voll mit Blansungeziffer! Mer henn gedenkt, as mer sie mit Insecticide gschpritze sott. Awwer mer gleiche ken Chemicals druff duh. So heitesdaag kaafe mer ken Aerebse Sume fer blanze. Was noch? Die Schpinaat Sume! Ah, vielleicht meinscht du Popeye, der Schiffman! Er hot allsfatt Schpinaat gesse un hot gut Gesundheit ghat.

Gut Gesundheit iss aa wichdich fer alli-epper. So hemmer Schpinaat Sume kaaft, weil wann es gewaxe hot, hemmer es picke kenne fer in unser Salaat neiduh. Des schafft gut, weil es Wedder kiehl waar. Awwer wann es Wedder waarem iss waarre, hot es gschosse un mer henn sie die Blanse ausroppe misse! So heitesdaag kaafe mer ken Schpinaat Sume. So, was fer Sume duhne mer in unserem Gaarde blanse?

Mer kaafe Sume fer Rotriewe, Kochbohne, Swiss Chard, un alsemol Zwiwwel Sets. Awwer weil mer net so yung sin un kenne net uff unser Gnie so gut graddele, wie mer Yaahre zerick henn kenne, kaafe mer Blanse un net zu viel Sume. Mer kaafe die Blanse wie Pfeffer, Oierblanse, Tomaets, Selaat, Gummere, Zucchini, un Pederli. Un letscht Yaahr weil mer henn wennich Blatz, hemmer Blumme Sume geblanst!! Hoscht du gewisst, as meh as zehe dausend Yaahre zerick, henn Leit Sume geblanst? Waricklich Sume sin rauskumme baut zwee hunnert milliyoon Yaahre zerick. Sell iss eppes!

Es wunnert mich, eb eenichepper weescht, was iss die greescht un die glennscht Sume. Ich hab mich awwer ordlich verschaunt wann ich des ausgfunne hab! Die greescht iss en Dopplecoconut Sume. Sie wiege baut fimfunfuffzich Pund, sin baut achtzeh Zoll lang, un nemme baut zehe Yaahr fer zeidich warre. Du kannscht sie im Seychelles finne, en Insel Land as Oscht vun Afrika iss. Die glennscht iss en Satt Gungelrieb. Die Sume sin wie Schtaab! Humm…Ich hab gedenkt, es waar die Moschdert Sume. Nau hawwich meh glannt! Yammer yeh!! Ich hab net eenich ebbes wege Umgraut Sume gschriwwe! Wu kumme sie bei? Vum Wind odder die Vogel? Ich wees net, awwer sie sin alsfatt in meim Gaarde un alliwwer! Weescht du der Johnny Eppelsume? Er hot Eppelsume alliwwer geblanst! Ei, ei, ei! Es gebt so viel Sume, as ich net schwetze kann devun!

Gut Gick mit deine Sume, wann du deel blanscht! Un geb acht fer die Umgraut Sume!

Hiwwe wie Driwwe Award 2026

Bockenheimer Anthologie 1953

Briefmarke zur Erinnerung an deutsche Kriegsgefangene (1953)
Widder dehääm

Am Kubeefenschter steht e Mann
Mit grooe Hoor un Falte,
Ma sieht's em an de Auge an
Un an seim Rock, dem alte - -

Der kummt aus Russland, aus de Höll -
Der wääß was zu verzähle ...
Was guckt er nor so hart un grell
Was duht en nor so quäle?

Er schluckt un greift sich an de Hals
"Ach Gott" heert ma ne schtöhne.
"Do sin mer jo, des is mei Palz,
Die Haardt, die Berg, die scheene.

Do stehn die Reewe in de Sunn.
Ich siehn's, sie duhn schun reife ...
Ach, dausendmol han ich devun
Getreemt, ich kennt se greife!

Wie scheen leit jetzt de Trifels do
De Annebos denewe.
Ach, Pälzer Wald, da bisch de jo.
Ich därf dich noch erleewe!" -

Der Mann mit seine grooe Hoor
Geht langsam durch die Gasse
Er kann sei Glick, no soviel Johr,
Uff enmol noch net fasse.

Erscht wie sei Fraa ne an sich zieht
Do kummen em die Träne.
Un wie er all sei Kinner sieht,
Die Enkelcher, die Klääne,

De Philp mit seiner rode Nas,
- Sei Freind aus alte Daage -
Kummt mit me volle Schoppeglas
Un duht zum Peter sage:

"Guck, Freind, den han ich uffgehoob.
Es is vum allerbeschte.
Des Feschber werd net uffgeschoob,
Mei Fraa bringt glei die Keschte."

Er spiert de Troppe uff de Zung
- Was will de Peter mache -
Er fiehlt's - "Jetzt werr ich widder jung.
Jetzt kann ich widder lache."

Liesl Ott (1900-1983)

Acht Jahre war der Zweite Weltkrieg vorbei. Noch immer saßen ehemalige deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft in Sibirien. Die Städte in der Pfalz lagen in Trümmern. Das Land war besetzt. Und Liesl Ott (1900-1983) dichtete 1953 diese Zeilen.

„So spricht das Herz im Wein sich aus“ war das Motto des ersten „Wettbewerbs pfälzischer Dichter“ am 17. Oktober 1953 in Bockenheim. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Bockenheimer Winzerfests statt. Stark gemacht für eine solche Veranstaltung hatte sich seinerzeit der Bockenheimer Amtsrat Hans Niederberger. Die Jury war hochkarätig besetzt, aber zum Teil politisch nicht unbelastet. Und sie traf zwei Entscheidungen. Erstens: Keiner der eingereichten Beiträge ist gut genug, um einen ersten Preis zu erhalten. Friedrich Köhler wurde für seinen Text „De Winzer un sein Bu(b)“ deshalb als Sieger mit einem zweiten Preis bedacht. Zweitens: Die ersten vier Ränge wurden an typische „Pfalz- und Weingedichte“ vergeben, die ausnahmslos von Männern geschrieben waren:

„Bloß der, mein Borsch, werd Wingertsmann / wo aa sei Rebstöck schneire kann“ (Friedrich Köhler) – „De sieße Saft soll treiwe. / De Weistock, der muss bleiwe!“ (Kurt Kölsch) – „Bedächtig nimmt er Schluck fer Schluck … / Do weicht’m vun de Seel en Druck“ (Gerhard Rossato) – „Bei mer dehääm im Kücheschrank, / do steht e Glas, so fei’che, / mit lauter Dubbe, blitzeblank. / Un bin gesund ich oder krank, / trink ich dodraus mei Wei’che.“ (Werner Wendel). So texteten die Autoren.

Ganz anders die einzigen beiden prämierten Frauen, die auf den hintersten Plätzen landeten: „Die Brems kreischt uf, de Zug macht Halt / un mit me Arm voll Blumme / sieht er e langgeliebti G’stalt, / sei alti Mutter kumme. / Sie greint – un nemmt ne um de Hals …“ (Karoline Kriechbaum) – und dann eben Liesl Ott, die in diesem Teilnehmerfeld mit ihrem Text ganz hinten landete, auf Rang 7.

Liesl Ott ist hier etwas Besonderes gelungen: Sie nahm das Motto, das einen Weinbezug forderte, ernst und entwickelte eine zeithistorische Rahmenhandlung: Die Heimkehr eines Kriegsgefangenen. In der Wechselwirkung beider Ebenen entwickelt sich die Qualität des Gedichts.

Die Zweibrückerin hatte in ihren jüngeren Jahren eine unglückliche Ehe verlassen und war kinderlos. Sie arbeitete in einem Kinderheim als Erzieherin und betreute gemeinsam mit ihrer Schwester zwei verwaiste Neffen. Zum Schreiben kam sie um 1950 herum im Alter von 50 Jahren. Nach 1953 nahm Liesl Ott noch oft an Mundartwettbewerben teil und erhielt zahlreiche Preise. Ihre Gedichte erschienen in Zeitungen und Zeitschriften. Auch war sie oft in Radiosendungen zu Gast, die in Mainz, Saarbrücken und Stuttgart produziert wurden. Ott veröffentlichte zwei Gedichtbände und das Theaterstück „Die Tante aus Amerika“, welches 1959 vom Saarländischen Rundfunk als Hörspiel gesendet und 1970 mit guten Kritiken in Zweibrücken aufgeführt wurde. Die Liedermacherin Anni Becker (1926-2009) aus Kaiserslautern hat Verse von Liesl Ott vertont und diese als Lieder bei „Liesl-Ott-Abenden“ auf vielen Bühnen gesungen. 1983 starb Liesl Ott, die „Pfälzer Lieselott“, nahezu erblindet in einem Zweibrücker Seniorenheim.

Michael Werner

Vom Nahetal ins Pennsylvania Dutch Country: Heinrich (Henry) Nadig und seine Kutsche ohne Pferde

Henry Nadig (1843-1930) mit seiner Ehefrau in Allentown (PA)

Ein Auswanderer aus Odernheim gehörte zu den frühen Automobilpionieren Amerikas. Jetzt ist sein außergewöhnliches Fahrzeug in einer originalgetreuen Rekonstruktion in die alte Heimat zurückgekehrt.

Als Henry Nadig 1891 in Allentown, Pennsylvania, eine selbstfahrende Kutsche baute, war das Automobil noch eine Sensation. Die Straßen gehörten den Pferden, und wer sich ohne Gespann fortbewegen wollte, brauchte eine gehörige Portion Erfindergeist. Nadig hatte ihn.

Geboren wurde Heinrich Nadig am 14. Februar 1843 in Odernheim am Glan. Um 1850 wanderte er mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten aus. In Pennsylvania erlernte er das Maschinenbauerhandwerk und machte sich später gemeinsam mit seinem Bruder Philipp selbstständig. Der Betrieb beschäftigte sich unter anderem mit Pumpen und Motoren – beste Voraussetzungen, um sich an eine damals geradezu revolutionäre Idee zu wagen.

Das Ergebnis war ein Automobil mit einem Einzylindermotor von gerade einmal zwei PS. Die offene Kutsche bot Platz für zwei Personen. Ein Luxusfahrzeug war das nicht. Aber es brauchte auch kein Pferd mehr, um sich aus eigener Kraft fortzubewegen. Das Gefährt blieb offenbar bis etwa 1900 in Gebrauch. Die Kutsche hatte sich Nadig offensichtlich bei Amish besorgt, die in der Region wohnten. Aus dem Nahetal in unmittelbarer Nachbarschaft zur Pfalz ausgewandert, sprach er eine sehr ähnliche Mundart wie die deutschstämmigen Einwohner des Pennsylvania Dutch Country.

Henry Nadig machte weiter. Im Winter 1895/96 entstand ein weiteres Automobil, diesmal mit einem stärkeren Zweizylindermotor. Auch seine Söhne Charles und Lawrence waren beteiligt. Um 1900 baute Nadig sogar einen Lastkraftwagen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in Allentown weitere Fahrzeuge unter dem Namen Nadig nach Kundenwünschen gefertigt.

Lange blieb die Geschichte des Pioniers vor allem ein Thema für Heimatforscher. Nun ist sie wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt: Anfang Oktober 2026 wurde in Odernheim in Rheinland-Pfalz ein originalgetreuer Nachbau des Nadig-Automobils vorgestellt. Grundlage waren historische Fotografien und Pläne, die mit Unterstützung amerikanischer Kontakte beschafft werden konnten. Das Besondere daran: Der Nachbau ist nicht nur ein Ausstellungsstück, sondern tatsächlich fahrfähig.

Damit schließt sich ein bemerkenswerter Kreis. Ein Mann, der als Kind aus dem Nahetal nach Amerika auswanderte, tüftelte dort an einer Technik, die die Welt verändern sollte. Mehr als 135 Jahre später erinnert sein Fahrzeug wieder an seinem Geburtsort an diese Pionierleistung.

Henry Nadigs Geschichte verbindet zwei Seiten des Atlantiks: die alte Heimat in Rheinland-Pfalz und das Pennsylvania, in dem Generationen deutschsprachiger Einwanderer neue Wege gingen. Sie zeigt, dass Auswanderergeschichte nicht nur von Sprache, Tradition und Erinnerung handelt – sondern manchmal auch von zwei Pferdestärken und einer Idee, die ihrer Zeit voraus war.

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30 Jahre „Hiwwe wie Driwwe“ – Redebeitrag beim 20. Deutsch-Pennsylvanischen Tag

Meine Damen und Herren, liebe Freunde von „Hiwwe wie Driwwe“,

dreißig Jahre. Das ist zunächst nur eine Zahl. Für mich aber steckt darin viel mehr: dreißig Jahre Begegnungen, dreißig Jahre Sprache, dreißig Jahre Projekte verschiedenster Art. Und damit bin ich schon beim Titel: „Hiwwe wie Driwwe“ – hüben wie drüben. Drei Wörter, die eigentlich schon das ganze Programm enthalten.

Der Titel stammt aus einem Mundarttheaterstück, das in den 1990er Jahren im Ludwigshafener Hemshof gespielt wurde. Das wurde zu einem Leitgedanken. Wir wollten nie über Pennsylvania berichten wie über ein fernes Ausland. Wir wollten Nachbarschaft schaffen – auf Augenhöhe. Hier die Pfalz, dort Pennsylvania. Hier das Pfälzische, dort das Pennsylvaniadeutsche.

„Hiwwe wie Driwwe“ war für mich von Anfang an auch eine kulturpolitische Aussage. Denn viele in der Pfalz hatten die Auswanderer weitgehend vergessen oder sie als Menschen betrachtet, die irgendwann „drüben“ verschwunden waren.

Ziel war ein anderer Blick: Sie sind noch da. Ihre Sprache ist noch da. Ihre Geschichten sind noch da. Und uns verbindet etwas – eine gemeinsame Vergangenheit und gemeinsame kulturelle Wurzeln.

Ich weiß natürlich, dass die Gleichung „Pennsylvanideutsche = Pfälzer in Amerika“ so nicht stimmt. Viele andere Einflüsse – aus der Schweiz, dem Elsass, Baden, Württemberg, dem niederdeutschen Sprachgebiet und auch England, Schottland und Irland – haben die Kultur der Pennsylvaniadeutschen geprägt. Es war eine bewusste Entscheidung, sich auf die pfälzischen Aspekte zu konzentrieren und zu schauen, was wir als Pfälzer in der Beschäftigung mit dem Pennsylvania über uns selbst lernen können.

Was fehlte, war eine dauerhafte Infrastruktur: ein Netzwerk, ein Archiv und eine Verbindung, die nicht an einer einzelnen Person endet. Die ersten Fäden nahm ich 1993 auf. Damals entstand die Zusammenarbeit mit dem Center for Pennsylvania German Studies der Millersville University. Wir wollten zunächst ein Deutsch-Pennsylvanisches Archiv aufbauen. Auch das Auswanderermuseum Oberalben wurde zu einem wichtigen Partner. Aus diesen ersten Fäden wurde langsam ein Netz. Die erste Ausgabe der Zeitung erschien im Januar 1997.

Unser Ziel war klar: Wir wollten Menschen verbinden. Die deutschsprachigen Gruppen in Pennsylvania – und vor allem die Menschen hüben und drüben, deren Geschichte über die Auswanderung verbunden ist. Die ähnliche Mundart sollte dabei die Brücke sein.

Das Pennsylvaniadeutsche ist keine schlechte Kopie des Deutschen und keine bloße Folklore. Es ist eine lebendige Sprachvarietät mit eigener Grammatik, eigener Literatur und eigenen Sprechern. Entstanden in Nordamerika, vor allem auf Grundlage des Pfälzischen, wurde es durch andere deutsche und schweizerische Einwanderer und durch das Englische geprägt.

Mehr als hundert zeitgenössische pennsylvaniadeutsche Autoren haben inzwischen in „Hiwwe wie Driwwe“ veröffentlicht, dazu zahlreiche pfälzische Mundartdichter. So ist die Zeitung selbst zu einem lebendigen Archiv der Mundartliteratur geworden. Etwa 1.600 Menschen wurden in dieser Zeit in der Zeitung namentlich erwähnt. Deshalb ist „Hiwwe wie Driwwe“ auch ein Spiegel der kulturellen Szene in Pennsylvania von den 1990er Jahren bis in die 2020er Jahre.

Parallel dazu wuchs unser Archiv. Aus einer privaten Sammlung wurde ein Bestand von rund 1.500 Büchern, Ton- und Videodokumenten und etwa 16.000 pennsylvaniadeutschen Schrifttexten. Zwischen 2016 und 2022 wurde dieses Archiv Schritt für Schritt in die Bibliothek des Mennonitischen Forschungszentrums auf dem Weierhof überführt. Mittlerweile ist es wissenschaftlich erschlossen. Damit wurde aus einer privaten Sammlung ein Forschungsbestand, der öffentlich zugänglich ist. Doch eine Zeitung und ein Archiv allein tragen ein solches Projekt nicht dreißig Jahre lang. Dafür braucht man Menschen – und ein Netzwerk.

2003 entstand der Deutsch-Pennsylvanische Arbeitskreis. Das Pennsylvania German Cultural Heritage Center der Kutztown University wurde zu einem wichtigen Partner. 2011 kam ein Literaturpreis in Bockenheim hinzu. Wir haben Kinderbücher veröffentlicht – denn eine Sprache hat nur dann Zukunft, wenn Kinder sie entdecken.

Und Sprache muss nicht nur gelesen werden. Sie muss gehört werden. Deshalb gibt es seit 2013 die Folkband „New Paltz“, die als „Hiwwe wie Driwwe Folkband“ das Pennsylvaniadeutsche auf die Bühnen hier bei uns bringt.

Seit 2008 holen wir Pennsylvania regelmäßig in die Pfalz. Künstlerinnen und Künstler kommen zu uns, besuchen Oberalben, Ober-Olm, Bockenheim und den Deutsch-Pennsylvanischen Tag und treten vor Publikum auf.

Seit 2019 geht die Reise auch in die andere Richtung. Die Pennsylvania Tour führt pfälzische und deutschsprachige Künstler nach Pennsylvania, unter anderem zum Kutztown Folk Festival.

Dann gab es zwei Kinodokumentationen, die mehr als 50.000 Zuschauer gesehen haben: Hiwwe wie Driwwe 1+2.

Auch digital sind wir früh losgegangen. 2002 ging „Hiwwe wie Driwwe“ online. Heute kommen Sprachkurse, Blogs, Archivtexte und unser YouTube-Kanal hinzu.

Warum gibt es „Hiwwe wie Driwwe“ nach dreißig Jahren noch? Ich glaube, die Antwort ist einfach: Wir wollten nie eine tote Sprache konservieren. Wir wollten eine lebendige Sprache sichtbar machen.

„Hiwwe wie Driwwe“ ist ein Angebot. Die Zeitung ist dabei heute nur noch ein Aspekt von vielen. Aus einer kleinen Idee ist eine Infrastruktur geworden. Eine Brücke, die viele Menschen gemeinsam tragen. Dabei hat das Printprodukt seit dem Start eine Gesamtauflage von deutlich über 100.000 Exemplaren erreicht. Die Bücher der „Hiwwe wie Driwwe Series“ erreichten einen Absatz von mehr als 10.000 Exemplaren. Die Online-Aktivitäten – allen voran Website und Youtube-Channel – generierten über 1.000.000 Views. Und die Reichweite der Social-Media-Kanäle – hier vor allem Facebook und Instagram – hat zwischenzeitlich die Marke von 5.000.000 Views überschritten. Deutlich mehr als 10.000 Menschen besuchten Veranstaltungen, die von „Hiwwe wie Driwwe“ initiiert, organisiert bzw. in Kooperation mit der Marke realisiert wurden. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um Konzertveranstaltungen, Vorträge, Gesprächsrunden und auch Seminare. Die Kinovorführungen sind hier nicht mitgerechnet.

Wenn ich heute auf diese dreißig Jahre zurückblicke, denke ich deshalb nicht zuerst an eine Zeitung. Ich denke an Gesichter. An Begegnungen. An Menschen, die sich über den Atlantik hinweg verstanden haben.

Drei Dinge braucht es, damit diese Brücke auch weiter existieren kann:

Erstens Menschen, die Lust haben, sich bei diesem Thema zu engagieren – auch im Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis und dort auch im Vorstand!

Zweitens Toleranz. Auch wenn uns Geschichte, Kultur und Sprache auf beiden Seiten des Atlantiks verbinden, sind wir als Deutsche und Amerikaner unterschiedlich geprägt. Das muss man aushalten.

Und drittens Geduld. Oft möchten wir gerne schneller vorankommen und intensiver zusammenarbeiten als unsere Partner auf amerikanischer Seite. Ein gemeinsames Vorankommen funktioniert aber nur, wenn wir jeweils akzeptieren, das anzunehmen, was die Partner zu geben bereit sind – und nicht mehr verlangen, als sie leisten können.

Ich danke allen, die diese Brücke in den vergangenen dreißig Jahren mitgebaut haben – allen voran dem heutigen Mitherausgeber von „Hiwwe wie Driwwe“: Patrick Donmoyer. Ein Freund, der entgegen der ursprünglichen Planung heute leider nicht dabei sein konnte. Ich werde ihm von der Veranstaltung berichten.

Michael Werner, Herausgeber

20. Deutsch-Pennsylvanischer Tag in Alzey

Die „Shooflies“ spielen beim 20. Deutsch-Pennsylvanischen Tag in Alzey vor rund 150 Zuschauern

Rund 250 Gäste kamen am 18. Oktober 2026 zum 20. Deutsch-Pennsylvanischen Tag in die Mensa des Alzeyer Gymnasiums am Römerkastell. Im Mittelpunkt standen der Auftritt der Band „The Shooflies“ aus Pennsylvania, die Präsentation der Geschichts-AG des Gymnasiums über die rheinhessisch-pennsylvanische Geschichte und anlässlich des 30. Geburtstags von „Hiwwe wie Driwwe“ ein Überblick über die Projektentwicklung seit 1996.

Es sprachen Frank Kessler (1. Vorsitzender des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises e.V.), Dr. Helmut Schmahl (Gymnasium am Römerkastell, Heimat- und Kulturverein Ober-Flörsheim e.V.), John Degory (Deputy Principal Officer des US-Konsulats in Frankfurt am Main), Heiko Sippel (Landrat des Kreises Alzey-Worms), Janna Uhry-Ganz (Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz) und Dr. Michael Werner (Hiwwe wie Driwwe).

Bruno Steinhauer gewinnt Mundart-Wettbewerb 2026

Alle Preisträgerinnen und Preisträger des 74. Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreits in Bockenheim (2026)

Er war zum ersten Mal in Bockenheim dabei – und gewann auf Anhieb: Bruno Steinhauer aus Edenkoben überzeugte die 10-köpfige Jury des Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreits mit seinem Text „Im Stroßecafé“. Die Experten kommentierten das Gedicht mit folgenden Worten:

„In ungebundenen Reimen und lockeren Versen nähert sich der Autor den Themen „Hitzesommer“, „Klimawandel“. Dies geschieht jedoch weder beschreibend, noch anklagend. Im Gegenteil: Anscheinend völlig unbeschwert wird der „schöne Sommer dieses Jahr“ vom Protagonisten genossen und fast unmerklich werden dabei auf gefährlich leichte Weise Gedanken an Umweltkatastrophen formuliert: Austrocknende Seen, das Schmelzen von Gletschern und Eis. Dass unreflektiert von „Eskimos“ die Rede ist, unterstreicht die beim Lesen fast schmerzliche Ignoranz im Text, der schon mit einem Paukenschlag an Oberflächlichkeit beginnt: „in afrika, do unne“. Darauf einen Riesling und ein Lachen – das uns wahrscheinlich spätestens beim nächsten ach so schönen Sommer im Halse stecken bleiben wird.“

Bruno Steinhauer schreibt über sein Gedicht: „Der Text ist eine emotionale Momentaufnahme an einem sehr heißen Sommersonntag, als ich an einem Café vorbeiging, die gutgelaunten BesucherInnen und den sonntäglichen „Genuss“-Autoverkehr an der benachbarten Ampelkreuzung wahrnahm und einige Tage zuvor tatsächlich einen Artikel über die Situation der Inuit im Klimawandel las.“

Insgesamt 90 Texte waren in diesem Jahr für den Hauptwettbewerb und die Sonderkategorien in diesem Jahr eingereicht worden. Die Preisträger im Überblick:

  1. Preis: Bruno Steinhauer (Edenkoben, Pfalz) mit „im strooßecafé”
  2. Preis: Silvia Kästner (Mainz, Rheinhessen) mit „Uffgäwwe”
  3. Preis: Max Stapf (Weisenheim am Sand, Pfalz) mit „Fetze im Kopp”

Anerkennungspreise:

Maritta Reinhardt (Wonsheim, Rheinhessen) mit „Ich will face booke“
Heidi Eller (Uelversheim, Rheinhessen) mit „Dehaam unn aach dehaam“
Lothar Sattel (Waldsee, Pfalz) mit „Zeitvertreib“
Gisela Gall (Bad Dürkheim, Pfalz) mit „s große Spiel“
Norbert Schneider (Rehborn, Naheland) mit „Kerwegedicht“
Matthias Zech (Speyer, Pfalz) mit „Mit 94″
Stefan Klopp (Bliesransbach, Saarland) mit „Uffpasse“

Sonderpreis mit dem Motto „Weihnachten”: Maritta Reinhardt (Rheinhessen) mit „Weihnachtscountdown”
Publikumspreis: Maritta Reinhardt (Rheinhessen) mit „Ich will face booke“
Dr. Wilhelm-Dautermann-Preis für eine mundartliche Neuerscheinung: Peter Eckert (Saarland)
Preis fer Neie: Heidi Eller (Rheinhessen) mit „Anisplätzjer”
Hiwwe wie Driwwe Award: Mary Laub (Kutztown, Pennsylvania) mit „Ebbes wehich die Sume”

Die musikalische Umrahmung übernahm die Band „The Shooflies“ aus Pennsylvania mit einem Programm in pennsylvanisch-deutscher Mundart. Der Pfälzische Mundartdichter-Wettstreit ist der älteste Wettbewerb dieser Art in Deutschland und in der Pfalz der einzige, der jährlich ausgeschrieben wird. Im Jahr 2027 feiert er sein 75-jähriges Bestehen.

Das Programmheft 2026 mit allen Texten:

Lester Breininger – Der Töpfer

Lester Breininger (1935-2011)

Muss man Pennsylvanisch-Deutsch sprechen, um sich als Pennsylvania-Deutscher zu fühlen? Das ist eine interessante Frage, denn sie berührt die Frage nach der eigenen Identität. Klar ist, dass Sprache als ethnischer Marker fungiert. Aber könnte man sich nicht ebenso Pennsylvanisch-Deutsch fühlen, wenn man am Sonntag einen „Shooflie Pie“ backt, das Goschenhoppen Folk Festival im August jeden Jahres rund um die Antes Plantation besucht oder sich typische pennsylvanisch-deutsche Töpferkunst in ein Sammelregal stellt?

Ich schätze, ich war über die letzten 30 Jahre hinweg vermutlich in ungefähr 300 Häusern und Wohnungen privat bei Menschen, die sich zu den Pennsylvania-Deutschen zählten. Nicht alle sprachen noch die Mundart ihrer Vorfahren. Aber viele kochten und backten nach pennsylvanisch-deutschen Rezepten – und viele hatten auch Töpferkunst von Lester Breininger im Wohnzimmer oder der Küche stehen.

Lester Breininger in den 1970er Jahren

Zweimal hatte ich gemeinsam mit Don Breininger dessen Cousin Lester Breininger besucht – 2002 und 2005. Er war nicht mehr jung, gesundheitlich schon etwas angeschlagen, aber noch als Töpfer aktiv. „Redware Pottery“ nennt sich die Art von Töpferkunst, die Lester betrieb. Jedes Jahr gab es in seinem Haus in Robesonia, um das eine umlaufende 30 Meter lange Veranda ging, eine große Verkaufsshow. Er gehörte zu den großen künstlerischen Stars der Szene im 20. Jahrhundert. Noch heute gibt es viele Menschen, die seine Stücke sammeln und bei Auktionen ersteigern.

Lester lebte auf einem riesigen Grundstück, und ich fragte mich oft, wie die Eigentümer dafür sorgen, dass die Rasenflächen immer gründlich gemäht sind – wie das in den USA üblich ist. Die pragmatische Antwort: Meist übernimmt das jemand anderes – ein Nachbarsjunge, jemand aus der Kirchengemeinde oder ein beauftragter Gärtner.

Jedenfalls war das Haus der Breiningers in Robesonia etwas Besonderes. Und im Gebäude befand sich eine riesige Sammlung mit pennsylvanisch-deutscher Volkskunst. Auf manchen Stücken fand sich ein Spruch in pennsylvanisch-deutscher Mundart. Bei den Besuchen saßen wir auf der Veranda bei kühlen Getränken und sprachen über die Veränderungen, die sich im Pennsylvania Dutch Country durch die zunehmende Verstädterung ergeben. Zum Abschied schenkte er mir jedes Mal etwas aus seinem Bestand – einen kleinen Teller, ein getöpfertes und gebranntes Ei.

Nach seinem Tod im Jahr 2011 lebte seine Ehefrau weiter im Haus, und nach deren Tod wurde 2016 das Gebäude mitsamt der Sammlung pennsylvanisch-deutscher „Redware“ versteigert. Ehemalige Mitarbeiter von Lester gründeten bereits 2013 ein Nachfolge-Unternehmen: „Robesonia Redware“. Das Geschäft bestand bis 2023, als sich die Eigentümer zur Ruhe setzten.

Wer sich für „Redware Pottery“ interessiert, wird heute bei Foltz Pottery (Reinholds, PA) und Nolde Forest Pottery (Mohnton, PA) fündig.

Redware Pottery von Lester Breininger