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Mike Hertzog – Der schneller spielt als sein Schatten

Mike Hertzog mit seiner Frau Linda vor dem Container des Dokumentationszentrums Ramstein (2017)

Was „Lucky Luke“ für die Cowboyszene ist, ist Mike Hertzog als Banjo-Spieler für die Musikszene östlich der Appalachen: Niemand ist schneller als er. Wo er auf der Bühne steht, fliegen einem die 32stel-Noten nur so rechts und links um die Ohren. Keith Brintzenhoff hatte mir schon um 2010 von ihm erzählt, als er mir erstmals ein Banjo in die Hand drückte und mich in erste Geheimnisse einweihte. Etwa zwei Jahre danach hielt ich ein Banjo in der Hand, das Chris LaRose gehört. Chris macht gemeinsam mit Doug Madenford pennsylvanisch-deutsche Musik in der Band „The Broken Spokes“. Er erklärte mir unter anderem die Unterschiede zwischen Picking-Style und Clawhammer-Style. Danach kaufte ich mir in Mainz-Finthen ein gebrauchtes Instrument – und vor meiner nächsten Pennsylvania-Reise im Jahr 2015 kontaktierte ich Mike Hertzog mit der Frage, ob er mir während meines zweiwöchigen Aufanthalts in Berks County Unterricht geben würde. Er sagte zu, und so ging ich mit einem geliehenen Element vier oder fünf Mal in diesen 14 Tagen zu „Meadowood Music“ nach Blandon, wo Mike als Musiklehrer unterrichtete. Das war ein Spaß. Wir freundeten uns ans, und ich lud ihn 2017 ein, mit der „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ insgesamt vier Auftritte in der Pfalz zu spielen. Er sagte zu und kam mit seiner Frau Linda in die Pfalz.

Eigentlich hätte ich Mike schon viele Jahre früher kennenlernen müssen. Denn zu seinen besten Freunden gehörte Peter Fritsch (1945-2015). Gemeinsam mit ihm gingen sie an Silvester immer von einer Veranstaltung zur nächsten, um einen traditionellen pennsylvanisch-deutschen „Neiyahrswinsch“ zu präsentieren. Und Peter gehörte bis zu seinem Tod über zwanzig Jahre zu meinen engsten Kontakten und wichtigsten Informationen zu Sprache und Kultur der Pennsylvania-Deutschen.

Als Linda und Mike 2017 in die Pfalz kamen, arrangierte ich ein Treffen mit Thomas „Edsel“ Merz von den „Anonymen Giddarischde“. Edsel kam zu mir nach Ober-Olm, und wir hatten einen sehr lustigen Abend zusammen. Einige Tage spielten Hertzogs beim Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit in Bockenheim und besuchten einen Tag danach auch das Konzert der „Anonymen“ im Festzelt des Winzerfestes. Von der Bühne grüßte Mike dann rund 1000 Zuhörer in Pennsylvanisch-Deitsch.

2019 machte ich mit der „New Paltz Band“ im Auftrag des Goethe Instituts Washington und des Auswärtigen Amtes in Berlin Musik beim Kutztown Folk Festival. „Wunderbar together!“ hieß das Motto einer Veranstaltungsserie, die über mehrere Monate Werbung für deutsche Kultur in den USA machte. Hier gab es gemeinsame Auftritte mit Mike, ebenso drei Jahre später im Jahr 2022, als ich als Solokünstler eingeladen war, um beim Folk Festival in Kutztown das musikalische Programm mit zu gestalten.

Zwischenzeitlich spielt Mike in seinen pennsylvanisch-deutschen Programmen auch amerikanische Stücke, für die wir hier in Deutschland eine pennsylvanisch-deutsche Übersetzung erstellt haben. Aus den etwa 60 Stücken, die zur Verfügung stehen, interessierte sich Mike besonders für die Johnny-Cash-Songs, etwa „Folsom Prison Blues“ und „I walk the line“. Kurz: Unsere Beziehung ist stark musikalisch geprägt, und ich freue mich schon heute auf das nächste Zusammentreffen mit Mike und Linda.

Ach so, was das Banjo betrifft: Da bin ich leider weitgehend Analphabet geblieben. Ich nutze es zwar bisweilen auf der Bühne, spiele aber auf dem Instrument eher Picking-Gitarre als wirklich Banjo. Es ist ein Jammer. Vielleicht muss ich mal wieder nach Blandon zu Mike in den Unterricht …