Muss man Pennsylvanisch-Deutsch sprechen, um sich als Pennsylvania-Deutscher zu fühlen? Das ist eine interessante Frage, denn sie berührt die Frage nach der eigenen Identität. Klar ist, dass Sprache als ethnischer Marker fungiert. Aber könnte man sich nicht ebenso Pennsylvanisch-Deutsch fühlen, wenn man am Sonntag einen „Shooflie Pie“ backt, das Goschenhoppen Folk Festival im August jeden Jahres rund um die Antes Plantation besucht oder sich typische pennsylvanisch-deutsche Töpferkunst in ein Sammelregal stellt?
Ich schätze, ich war über die letzten 30 Jahre hinweg vermutlich in ungefähr 300 Häusern und Wohnungen privat bei Menschen, die sich zu den Pennsylvania-Deutschen zählten. Nicht alle sprachen noch die Mundart ihrer Vorfahren. Aber viele kochten und backten nach pennsylvanisch-deutschen Rezepten – und viele hatten auch Töpferkunst von Lester Breininger im Wohnzimmer oder der Küche stehen.
Zweimal hatte ich gemeinsam mit Don Breininger dessen Cousin Lester Breininger besucht – 2002 und 2005. Er war nicht mehr jung, gesundheitlich schon etwas angeschlagen, aber noch als Töpfer aktiv. „Redware Pottery“ nennt sich die Art von Töpferkunst, die Lester betrieb. Jedes Jahr gab es in seinem Haus in Robesonia, um das eine umlaufende 30 Meter lange Veranda ging, eine große Verkaufsshow. Er gehörte zu den großen künstlerischen Stars der Szene im 20. Jahrhundert. Noch heute gibt es viele Menschen, die seine Stücke sammeln und bei Auktionen ersteigern.
Lester lebte auf einem riesigen Grundstück, und ich fragte mich oft, wie die Eigentümer dafür sorgen, dass die Rasenflächen immer gründlich gemäht sind – wie das in den USA üblich ist. Die pragmatische Antwort: Meist übernimmt das jemand anderes – ein Nachbarsjunge, jemand aus der Kirchengemeinde oder ein beauftragter Gärtner.
Jedenfalls war das Haus der Breiningers in Robesonia etwas Besonderes. Und im Gebäude befand sich eine riesige Sammlung mit pennsylvanisch-deutscher Volkskunst. Auf manchen Stücken fand sich ein Spruch in pennsylvanisch-deutscher Mundart. Bei den Besuchen saßen wir auf der Veranda bei kühlen Getränken und sprachen über die Veränderungen, die sich im Pennsylvania Dutch Country durch die zunehmende Verstädterung ergeben. Zum Abschied schenkte er mir jedes Mal etwas aus seinem Bestand – einen kleinen Teller, ein getöpfertes und gebranntes Ei.
Nach seinem Tod im Jahr 2011 lebte seine Ehefrau weiter im Haus, und nach deren Tod wurde 2016 das Gebäude mitsamt der Sammlung pennsylvanisch-deutscher „Redware“ versteigert. Ehemalige Mitarbeiter von Lester gründeten bereits 2013 ein Nachfolge-Unternehmen: „Robesonia Redware“. Das Geschäft bestand bis 2023, als sich die Eigentümer zur Ruhe setzten.
Wer sich für „Redware Pottery“ interessiert, wird heute bei Foltz Pottery (Reinholds, PA) und Nolde Forest Pottery (Mohnton, PA) fündig.












































































