Jim Schlegel – Der Möglichmacher

Jim Schlegel beim 17. Deutsch-Pennsylvanischen Tag in Eberbach (Neckar) im Jahr 2023

Im Jahr 2026 wurde Jim Schlegel die Ehrenmitgliedschaft im Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis e.V. verliehen. Und das aus gutem Grund: Seit vielen Jahren ist der Bürgermeister der Stadt Kutztown (PA) eine wichtige Schaltzentrale in der Zusammenarbeit zwischen „hiwwe“ und „driwwe“. Selbst Dialektsprecher, hat er ein großes Interesse am Austausch über den Atlantik hinweg. Und gleichzeitig gelingt es ihm vor Ort, die Universitätsstadt Kutztown mit ihrem studentischen Milieu mit dem ländlichen, pennsylvanisch-deutschen Umland zu verbinden. Das ist keine leichte Aufgabe, denn manchmal fühlt es sich an, als sei mit der „Kutztown University“ ein UFO in dem kleinen Städtchen gelandet. Die Uni startete 1866 als Ausbildungsstätte für angehende Lehrer, die den pennsylvanisch-deutschen Kindern englisch beibringen sollten. Ein Schulgesetz von 1834 hatte die englische Sprache als Unterrichtssprache gestärkt. Es galt, Anspruch und Wirklichkeit in Einklang zu bringen.Während historische Vereine und Bürger darum bemühen, die Geschichte und die bürgerlichen Strukturen zu erhalten und auszubauen, braucht die Universität schlicht Platz: für neue Gebäude, für Sportfelder etc. – das birgt Konflikte. So muss sich das „Pennsylvania German Cultural Heritage Center“ immer wieder darum bemühen, dass nicht Teile seines Areals Baseball-Feld werden. Jim Schlegel ist hier ein wundervoller Verbindungsmann, dem der Ausgleich gelingt. Deshalb wurde er erst vor kurzem erneut zum Bürgermeister gewählt – ein Amt, das er selbst als sein „last adventure“ beschreibt.

Ich habe Jim bereits 2010 kennengelernt, als er noch nicht Bürgermeister war. Zwei Jahre später durfte ich vor dem Stadtrat darum werben, das pennsylvanisch-deutsche Erbe in der Stadt Kutztown prominenter öffentlich zu machen. Ein erstes Projekt – drei Schilder an Ortseingängen mit der Aufschrift „Wilkum zu Kutzeschtettel“ hatten wir im Deutsch-Pennsylanischen Arbeitskreis e.V. zu diesem Zeitpunkt in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Lions Club bereits umgesetzt.

Bei einem Vortrag vor dem Stadtrat in Kutztown – im Hintergrund links Jim Schlegel (2012)

Mühlen mahlen bekanntlich langsam, und so dauerte es noch ein paar Jahre, bis Nachfolgeprojekte starten konnten. Entscheidend war, dass sich die Gemeinde Altrip bei Ludwigshafen aufgrund der Filmdokumentation „Hiwwe wie Driwwe – Pfälzisch in Amerika“ (2019) entschied, Kutztown eine Städtepartnerschaft anzubieten. Im Jahr 2020 wurde diese – nach einem initialen Startprojekt mit Brieffreundschaften über den Atlantik – offiziell besiegelt. Und auf einmal wurde manches möglich, was vorher undenkbar schien. Der Deutsch-Pennsylvanische Arbeitskreis e.V. stellte Gelder zur Verfügung, und Kutztown installierte mehrere zweisprachige Schilder (Pennsylvanisch-Deitsch / Englisch) im Stadtgebiet.

2023 kam Jim Schlegel mit seinen beiden Söhnen nach Altrip und nahm am 17. Deutsch-Pennsylvanischen Tag in Eberbach am Neckar teil. Der Austausch ist weiterhin freundschaftlich, und weitere Projekte scheinen möglich. Wir bleiben dran.

Der Pennsylvanier

Kommentare sind geschlossen.