Melanie Langenhan – Die Internet-Pionierin

Melanie Langenhan bei einer Veranstaltung des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises e.V. in Heidelberg (2005)

Ich laufe Gefahr, mit meinem Alter zu kokettieren, wenn ich sage: Es gab mal eine Zeit, in der Privatpersonen im Internet NICHTS publizieren konnten. Das ist, finde ich, noch gar nicht mal so lange her. Auch wenn wir uns nicht mehr daran erinnern. Die Gründung von Wikipedia erfolgte 2001. Mark Zuckerberg gründete Facebook 2004, und Youtube entstand im Jahr 2005. Deutschland erreichten diese Innovationen aber erst jeweils etwa drei Jahre später. Man kann also sagen: Demokratisiert wurde das Internet in Europa zwischen 2005 und 2008. Ob das wirklich in allen Belangen ein Fortschritt war, stelle ich angesichts der Polarisierung der Gesellschaften durch die neuen Möglichkeiten mal ein klein wenig in Frage. Aber natürlich war – und ist – es eine riesige Innovation.

Melanie Langenhan (geb. Grimm) setzte auf sogenannte Blog-Systeme wie „Blogger“ (gegründet 1999) und „WordPress (entstanden 2003) und war damit eine echte Internet-Pionierin. Damit konnten auch Privatpersonen erstmals Inhalte und Bilder online stellen. Schon um die Jahrtausendwende betrieb sie mit ihrem Mann in Nieder-Olm diverse juristische Blogs und auch genealogische Webseiten, die auf Blog-Systemen wie „Blogger“ fußten. Ihr zentraler Blog war „rheinhessenarchiv.de“. Im Bereich Familienforschung interessierte sie sich vor allem für Rheinhessen und insbesondere Saulheim. Als wir uns Ende 2000 kennenlernten, war sie knapp über 30 Jahre alt. Getroffen hatten wir uns, um familiäre Beziehungen zwischen unserer Region und Pennsylvania zu identifizieren und bekannte US-Persönlichkeiten mit Wurzeln im heutigen Rheinhessen zu finden. Familie Hassinger aus Schornsheim ist so ein interessanter Fall. Ursprünglich aus Wörrstadt stammend, wanderten Mitglieder des Clans im 18. Jahrhundert nach Pennsylvania aus und verbreiteten sich dort stark. Heute gibt es Familientreffen in den USA, und manchmal besuchen Menschen mit Hassinger-Vorfahren auch Rheinhessen. Meine gute Freundin Alice Spayd in Lebanon County (Pennsylvania) hat auch Hassingers in ihrem Familienstammbaum.

Jedenfalls war ich begeistert, als sie von ihren Internet-Blogs erzählte, und sie erklärte sich bereit, mit beim Aufbau einer ersten Website für „Hiwwe wie Driwwe“ zu helfen. Das war 2001. Über Weihnachten 2001/2002 bastelte sie ein wenig herum und präsentierte mir das Ergebnis im Januar 2002. Am 6. Februar – also eine Woche später – erstellte die „Wayback Machine“ des Internet-Archivs „archive.org“ ein erstes „Picture“ (Abbild) der neuen Website). Die Website kann man sich noch heute ansehen.

Hier geht es zur Quelle, wo man Archivseiten von „hiwwe-wie-driwwe.de“ seit 2002 recherchieren kann.

Fünf Jahre (2002 bis 2007) war dieser Blog online, dann wechselte „Hiwwe wie Driwwe“ – wieder mit Hilfe von Melanie Langenhan – zu WordPress. Dort entstand die jetzige Struktur und Optik, die bis 2024 über die Domain „hiwwe-wie-driwwe.de“ und ab dann zusätzlich auch über „hiwwe-wie-driwwe.com“ erreichbar war.

2003 war Melanie dabei, als wir in Ober-Olm den Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis e.V. gründeten, und kümmerte sich auch dort um den Aufbau einer ersten Website. Bis etwa 2010 kam sie immer wieder zu Veranstaltungen, dann ließ es nach. Das hatte damit zu tun, dass sie privat extrem ausgelastet war. Ihr Mann verstarb. Eine ganze Zeit später erzählte sie mir, sie ziehe in die Niederlande, um sich mit einem neuen Partner ein neues Leben aufzubauen. An ihrer Hochzeit nahm ich teil.

Melanie veränderte sich beruflich, ließ sich zum Coach ausbilden. Wir blieben im Kontakt, vor allem über Facebook. Bis mich 2017 die Nachricht erreichte, dass sie in einer Nacht ohne Vorwarnung überraschend verstorben war. Da war sie noch keine 50 Jahre alt. Das war ein Schock für alle, die sie kannten.

Ich bin Melanie für vieles dankbar. In der großen Zeit des Internet-Umbruchs Anfang der 2000er Jahre hat sie mich dabei unterstützt, digital „laufen zu lernen“. Und sie brachte mich mit einem ihrer Freunde zusammen, mit dem ich auch heute noch verbunden bin: Dr. Helmut Schmahl, Historiker mit dem Spezialgebiet „Auswanderung aus Rheinhessen in die USA“. Aber das ist eine andere Geschichte …

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