Jennifer Trout – Die Managerin

Jennifer Trout bei einem Essen am Franklin & Marshall College (Lancaster, PA) im Jahr 2007

Es gab eine Zeit, da glaubten einige Menschen nicht mehr daran, dass das große pennsylvanisch-deutsche Wörterbuchprojekt „The Comprehensive Pennsylvania German Dictionary“ (11 Bände, 2004-2007) überhaupt beendet würde. Anfang der 2000er Jahre hatte Dick Beam, Direktor des „Centers for Pennsylvania German Studies“, schon über 40 Jahre an der Millersville University Lexeme gesammelt. Hunderte von Gesprächen hatte er mit – meist gemeinsam mit seiner Frau Dorothy – in Lancaster County und anderen Regionen der USA sowie Kanada bereits geführt, doch bis zu diesem Zeitpunkt war nichts erschienen. Dick stand kurz vor seinem 80. Geburtstag, und sein Assistent Yoshua „Yossi“ Brown war kurz vor der Beendigung seines Studiums. Es war klar, dass er nicht ewig in Lancaster County bleiben würde. Doch dann überreichte der Postbote mir eines Tages im Jahr 2004 „Band 1 (A)“, herausgegeben von Dick Beam und Yoshua Brown. Dem Buch folgte 2005 noch „Band 2 (B)“. Dann musste Yossi weg. Und wieder machten sich Dick Beams Freunde Gedanken, wie es weiter gehen würde. Doch es dauerte keine vier Wochen, dann hielten wir „Band 3 (C, D, E) in Händen, herausgegeben von Dick Beam und Jennifer Trout.

„Die Tschenni“ kannte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch bei meinen Besuchen zwischen 2007 und 2010 wurde mir schnell klar, dass ohne sie dieses Lebenswerk niemals zu einem Ende gekommen wäre. Nicht nur, dass Jennifer die Umsetzung der Wortkarteien in Wörterbuchartikel übernahm. Sie wurde mit der Zeit auch mehr und mehr zur Managerin von Dick und Dorothy Beam. Gleichzeitig, das darf man sagen, sahen die Beams sie auch zunehmend als die Tochter, die sie selbst nie hatten. Für uns Außenstehende war es beruhigend, Jennifer an der Seite der Beams zu wissen. Wie ein Uhrwerk lief die Produktion weiter, und so konnten bis 2011 alle 11 Bände des Wörterbuchs in Druck gehen, verlegt von Masthof Press (Lancaster County).

Jennifer, die selbst gelernte Deutschlehrerin ist, blieb auch danach an Dick und Dorothys Seite, und es wurden in den Folgejahren noch eine Reihe kleinerer Buchprojekte umgesetzt. Daneben erschienen Ausgaben des „Journals of the Center for Pennsylvania German Studies“.

2015 flog ich nach Pennsylvania, um mit Dick Beam am 15. Februar seinen 90. Geburtstag zu feiern. Er war alt, aber guter Dinge – etwas hilfebedürftig, aber geistig topfit. Ab 2017 ging es ihm deutlich schlechter. Jennifer informierte mich von Zeit und Zeit. Ich flog nach Pennsylvania, um ihn noch einmal zu treffen. Es war das letzte Mal. Im Januar 2018 schrieb Jenny, dass er im Krankenhaus sei und es ihm deutlich schlechter gehe. Kurz danach starb Dick Beam. Jennifer blieb an der Seite von Dorothy Beam. Auch sie feierte 2024 noch ihren 90. Geburtstag. Dann starb sie.

Dick Beam würde sagen: „Mer warefe all unser deitsche Schtrohhiet in die Heh un saage Grooss Dank zu die Tschenni fer alles, ass sie geduh hot!“ Und dem würde ich nichts hinzufügen wollen.

Der Pälzylvanier

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