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Vom Nahetal ins Pennsylvania Dutch Country: Heinrich (Henry) Nadig und seine Kutsche ohne Pferde

Henry Nadig (1843-1930) mit seiner Ehefrau in Allentown (PA)

Ein Auswanderer aus Odernheim gehörte zu den frühen Automobilpionieren Amerikas. Jetzt ist sein außergewöhnliches Fahrzeug in einer originalgetreuen Rekonstruktion in die alte Heimat zurückgekehrt.

Als Henry Nadig 1891 in Allentown, Pennsylvania, eine selbstfahrende Kutsche baute, war das Automobil noch eine Sensation. Die Straßen gehörten den Pferden, und wer sich ohne Gespann fortbewegen wollte, brauchte eine gehörige Portion Erfindergeist. Nadig hatte ihn.

Geboren wurde Heinrich Nadig am 14. Februar 1843 in Odernheim am Glan. Um 1850 wanderte er mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten aus. In Pennsylvania erlernte er das Maschinenbauerhandwerk und machte sich später gemeinsam mit seinem Bruder Philipp selbstständig. Der Betrieb beschäftigte sich unter anderem mit Pumpen und Motoren – beste Voraussetzungen, um sich an eine damals geradezu revolutionäre Idee zu wagen.

Das Ergebnis war ein Automobil mit einem Einzylindermotor von gerade einmal zwei PS. Die offene Kutsche bot Platz für zwei Personen. Ein Luxusfahrzeug war das nicht. Aber es brauchte auch kein Pferd mehr, um sich aus eigener Kraft fortzubewegen. Das Gefährt blieb offenbar bis etwa 1900 in Gebrauch. Die Kutsche hatte sich Nadig offensichtlich bei Amish besorgt, die in der Region wohnten. Aus dem Nahetal in unmittelbarer Nachbarschaft zur Pfalz ausgewandert, sprach er eine sehr ähnliche Mundart wie die deutschstämmigen Einwohner des Pennsylvania Dutch Country.

Henry Nadig machte weiter. Im Winter 1895/96 entstand ein weiteres Automobil, diesmal mit einem stärkeren Zweizylindermotor. Auch seine Söhne Charles und Lawrence waren beteiligt. Um 1900 baute Nadig sogar einen Lastkraftwagen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in Allentown weitere Fahrzeuge unter dem Namen Nadig nach Kundenwünschen gefertigt.

Lange blieb die Geschichte des Pioniers vor allem ein Thema für Heimatforscher. Nun ist sie wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt: Anfang Oktober 2026 wurde in Odernheim in Rheinland-Pfalz ein originalgetreuer Nachbau des Nadig-Automobils vorgestellt. Grundlage waren historische Fotografien und Pläne, die mit Unterstützung amerikanischer Kontakte beschafft werden konnten. Das Besondere daran: Der Nachbau ist nicht nur ein Ausstellungsstück, sondern tatsächlich fahrfähig.

Damit schließt sich ein bemerkenswerter Kreis. Ein Mann, der als Kind aus dem Nahetal nach Amerika auswanderte, tüftelte dort an einer Technik, die die Welt verändern sollte. Mehr als 135 Jahre später erinnert sein Fahrzeug wieder an seinem Geburtsort an diese Pionierleistung.

Henry Nadigs Geschichte verbindet zwei Seiten des Atlantiks: die alte Heimat in Rheinland-Pfalz und das Pennsylvania, in dem Generationen deutschsprachiger Einwanderer neue Wege gingen. Sie zeigt, dass Auswanderergeschichte nicht nur von Sprache, Tradition und Erinnerung handelt – sondern manchmal auch von zwei Pferdestärken und einer Idee, die ihrer Zeit voraus war.

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