
Als wir 2003 bei der Gründung des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises e.V. vor der Frage standen, welches Logo der neue Verein haben sollte, wurden eine ganze Reihe von Optionen diskutiert. Am Ende entschieden wir uns für ein pennsylvanisch-deutsches Signet, das in der Mitte ein Herz zeigt, aus dem rechts und links jeweils eine Tulpe sprießt. Es war das Logo des „Pennsylvania Dutch Folk Culture Centers“ in Lenhartsville gewesen, das Mitte der 1990er Jahre schließen musste.
Die Gründerin, Florence Baver (1911-1999), hatte ich gemeinsam mit meinem Freund Peter Fritsch (1945-2015) im Jahr 1994 in ihrem Haus in Topton besucht. Vor uns saß eine 83jährige Frau, die mit guter Erinnerung und fester Stimme aus ihrem pennsylvanisch-deutschen Leben erzählte.
Sie war Grundschullehrerin gewesen und interessierte sich mit ihrem Mann Russell für pennsylvanisch-deutsche Traditionen und Artefakte. Sie fuhren überall herum und kauften, was sie bekommen konnten. „Wann du deitsch schwetze kannscht“, erzählte sie, „hoscht en Fuss in die Deer ghatt bei de Leit.“ Wenn ihr Mann dann zum Eigentümer sagte: „Ich hab gsehne, dihr hennd alter Schtofft do bei eich in die Scheier … deetscht ebbes drum gewwe, wann ich mol en wennich guck, was es iss?“, erhielt er meist zur Antwort: „Geh anne, mer verbrenne sell ennihau!“ So kamen sie günstig an „Farm Equipment“. Schwieriger war es bei Büchern. Oft gab es bei Buchauktionen aus Nachlässen („Fendus“) Kisten, die man nur komplett kaufen konnte – auch wenn man sich nur für ein oder zwei Bücher interessierte. Aber die Sammlung wuchs.
Florence engagierte sich in den 1950er und 1960er Jahren intensiv beim Kutztown Folk Festival, das 1950 von Prof. Don Yoder, Prof. Alfred Shoemaker und Prof. William Frey gegründet worden war. Aber Anfang der 1960er Jahre muss es Streitigkeiten gegeben haben mit „Craftsmen“ (Folk Art – Künstlern), die in der Berks Guild of Craftsmen engagiert waren. Worum es genau ging, hat Florence nicht erzählt. Aber es war der Impuls, das Kutztown Folk Festival zu verlassen und nur etwa fünf Meilen entfernt in Lenhartsville (PA) eine neue Gesellschaft zu gründen und ein „Pennsylvania Dutch Folk Culture Center“ aufzubauen. Das war 1965.
Sukzessive errichteten sie dort, quasi vor den Toren von Kutztown, ein Zentrum mit One-Room School („Eeschtubbich Schulhaus“), Blockhütte, Museum, Scheune mit Farm Equipment , Bücherei und Gift Shop. Ein besonders engagierter Mitstreiter war Paul Wieand (1907-1993) gewesen – ein Kunstlehrer, Volkskünstler und Autor pennsylvanisch-deutscher Mundart-Theaterstücke. Ein interessanter Mann, den ich selbst leider nicht persönlich kennenlernte.
1990 feierte der Verein, der mittlerweile ein ganzes kleines Museumsdorf betrieb, seinen 25. Geburtstag. Die meisten Mitglieder waren in die Jahre gekommen, und der Betrieb war immer schwieriger aufrechtzuerhalten. Florence wandte sich unter anderem an Richard Druckenbrod (1929-2003) in der Hoffnung, mit ihm gemeinsam an einer Lösung für die Zukunft arbeiten zu können. Der langjährige Präsident der Pennsylvania German Society winkte ab mit der Begründung, er verstehe etwas von Büchern und dem Verlagswesen, aber nichts vom Führen eines Museumsdorfs.
1991 gründete Prof. David Valuska in Kutztown das „Pennsylvania German Cultural Heritage Center“. Es war viele Jahre in einem Trailer auf dem Gelände einer Farm untergebracht, die der Kutztown University gehörte. Hintergrund der Gründung war eine Schenkung: Dr. Ruth Freyberger (1912-2002) war eine renommierte amerikanische Kunstpädagogin, Professorin, Künstlerin und Philanthropin. Sie engagierte sich ihr Leben lang für den Erhalt der pennsylvanisch-deutschen Kultur. Aus dem Geld wurde ein „Freyberger Professor“ finanziert, und David Valuska war der erste, der dieses Position ausfüllte. Und so kam es zu einem Kontakt zwischen Valuska und Baver. Zunächst ging es darum Studierende zu finden, die im Sommer auf dem Gelände in Lenhartsville als Tour Guide arbeiten würden. Die erste Idee, dafür „University Credits“ zur Verfügung zu stellen, also die Leistungen universitär anzuerkennen, funktionierte nicht. Denn die jungen Leute wollten im Sommer keine Credits verdienen, sondern Geld. So wurden sie bezahlt. Dies funktionierte zunächst leidlich und dann von Jahr zu Jahr schlechter. Das Museumsdorf musste schließen, und es kam zu einer Vereinbarung zwischen Verein und Universität, dass die Artefakte auf das Pennsylvania German Cultural Heritage Center übertragen wurden. Das war Mitte der 1990er Jahre.

1997 schließlich verkaufte der Verein ein Gebäude in Lenhartsville, das sich an einer Kreuzung mitten im Ort befindet. Der neue Eigentümer eröffnete in diesem Haus das „Deitsch Eck“-Restaurant, das noch heute in Betrieb ist. Authentischer als hier kann man nicht pennsylvanisch-deutsch essen.
Ich hatte Florence bei unserem Besuch übrigens auf das schöne Vereinslogo hingewiesen, das sich auf einer alten Broschüre gefunden hatte. „Mier yuuse sell nimmi“, hat sie geantwortet. Und: „Wann du es gleiche duhscht (wenn es dir gefällt), kannscht des yuuse, wannd witt.“ Das haben wir bei der Gründung des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises e.V. im Mai 2003 in Ober-Olm dann auch getan. Grooss Dank, Florence!
Hier kann man sich ein Interview mit Florence Baver aus dem Jahr 1992 anhören, das Prof. Bill Donner – der aktuelle „Freyberger Professor“ der Kutztown University – geführt hat.
Der Pälzylvanier








































































