
In der Studie „Comparative phylogenetic analyses uncover the ancient roots of Indo-European folktales“ (S. Graca da Silva und J.J. Tehrani, erschienen 2016) gelingt es Wissenschaftlern erstmals, mit modernen Methoden den Ursprung von Märchen bis in die indoeuropäische Frühzeit zurückzuverfolgen.
Erst seit wenigen Jahren versucht man nun, mit neuen – von der Biologie übernommenen – quantitativen Methoden, kulturübergreifende Textbeziehungen zu identifizieren. Mit dieser „phylogenetischen Methode“ lassen sich Verwandtschaftsverhältnisse und Entwicklungen nachzeichnen. Die Geschichten mit ihren Protagonisten und Handlungen sind gewissermaßen das „genetische“ Material für den Blick in die Vergangenheit. Vorab identifizierten die Forscher das Vorkommen der Erzählungen in 50 indoeuropäischen Sprachen. Um eindeutige Spuren der Abstammung zu finden, verwendeten sie bereits existierende Stammbäume der indoeuropäischen Sprachentwicklung.
Auf der Basis dieser Daten ermittelten die Forscher mit statistischen Verfahren die Abstammungslinien der Geschichtstypen und erstellten einen Stammbaum. Bei 100 der 275 Prototypen fanden sie signifikante Parallelen mit der sprachlichen Entwicklungsgeschichte. Demnach muss es einen großen Teil der Märchen schon lange vor ihrer schriftlichen Aufzeichnung gegeben haben.
Mit der neuen Methode lassen sich ihre Wurzeln bis zur Entstehung der großen indoeuropäischen Sprachgruppen zurückdatieren – die sich im Zeitraum von vor 6.500 bis vor 2.500 Jahren gebildet haben. Es könnte sie laut den Forschern sogar schon in der letzten gemeinsamen indoeuropäischen Sprache gegeben habe.
Für das Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ ist diese aktuelle Studie relevant, weil sie zeigt, wie sich kulturelle Muster (dazu zählen auch Märchen) mit den ersten Indoeuropäern im fruchtbaren Halbmond über tausende von Jahren räumlich bewegt haben, so dass noch heute Großeltern ihren Enkelinnen und Enkeln diese Geschichten erzählen können. In dieser Weise – so meine These – lässt sich auch das kulturelle Muster „Elwedritsche“ bis in die indoeuropäische Frühzeit zurückverfolgen.
Klicken Sie hier, um zur Quelle (englisch) zu gelangen.



























































