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Dorfdisco am Dunnerschberg

Sieger beim ersten „Pälzer Prosa Preis“: Cornelius Molitor aus Kaiserslautern

Von Cornelius Molitor

„Die nächste Scheibe ist schon etwas äldä …“ horre gsaat, de Udo, un dann is „Moviestar“ geloff. Die Määd hun gequiekt vor Frääd un ahgfang se danze. Nur die Määd! Paarweis, Danzhaldung, Discofox. Meer Männer hun grundsätzlich net gedanzt, weil do hett merr sich jo ferr alle Zeide blamiert vor seine Kumbel. Meer sin de ganze Ohment mit unserm Colabier an de Thek gestann un warn uns ähnich, dass Pink Floyd un Santana viel besser sin wie der Quatsch, wo de Udo als do uffleet.

Em Udo sei Vadder war de Wärrt vun de „Bierschänk“. Der hot sellemols im Nähwezimmer ferr uns Junge e Disco ingericht. Nix Großardiches, bloß e paar Disch un Stiehl um die Danzfläch, e Thek un e Flibberaudomat, wo immer kabutt war. Alle Samschdaa Ohment war merr dort. Wo hedde merr dann ah sunscht solle anne? Un vor allem: wie? De Ähnzich, wo schun e Mofa hatt, des war de Riebseggel Dieder, der war e bissje älder wie meer Annere.

De Udo war de Discjockey un is sich vorkumm wie de Ilja Richter aus em Fernseh. Viel Schallpladde hatt er net, deswäh horre de „Moviestar“ an so me Ohment ah glei e paar Mol gespielt. Die Määd warn jedesmol begeischdert. Was ah noch efder geloff is, war „Lady Bump“. Dodezu sin die Määd als enunner in die Knie, dann werre nuffer un hun sich nanner me’m Bobbes ahgestubbt. Des Lied war genauso bleed wie die annere ah, awwer wennischdens hadde meer Männer do ebbes se gugge.

Ganz besonners gern hun ich jo als des Schäffler Gabi aus de Keesgass ahgeguggt. Die hot ah so komisch serickgeguggt, wie wann ich re ah gefalle deet. Se ahsespreche hun ich mich awwer net getraut. Iwwerhaupt: wann die vun meer ebbes wollt, do hatt se gefällichst zu meer se kumme un mich ahsespreche! Ähmol hot se des ah gemacht. Do is se riwwerkumm an die Thek un hot werre so komisch geguggt. „Danzsch de mo mit?“ hot se mich gefroot. Ich hun in dem Moment kää Ton erausgebrung, hun se bloß dumm ahgeglotzt un mich dann rumgedreht zu meine Kumbel. Es Gabi hot e roder Deetz kriet un is werre ab. Mei Kumbel un gelacht un merr uff die Schulder gekloppt. „Die dumm Tudd!“ hot ähner gemähnt.“Ahjo,“ hun ich gsaat, „was bild dann die sich in?“

Manchmol sin ah die Schobbeschligger aus de Wertschaft riwwerkumm. Die warn schun zimmlich alt, e paar schun iwwer Dreißich. „Was wollen dann die alde Säck noch in de Disco?“ hummer uns do als gefroot. „Warum hoggen die dann net dehääm bei de Fraa un guggen de Rudi Carrell?“. Die sin awwer bloß als in de Deer stehegeblibb, die Alde, hun veständnislos de Kopp geschiddelt iwwer uns Junge un sin dann werre niwwer. Wer alsemol ah noch kumm is, des warn die Ami, wo uff em Dunnerschberg stationiert warn. Die warn arisch beliebt bei unsere Määd, weil die hadden Geld – un gedanzt hun se ah. Meer hun se gehasst! Jetz war’s awwer net so, dass meer Männer iwwerhaupt net gedanzt hedden. Wann als es ähnzich veninfdiche Lied vum ganze Ohment geloff is, do hummer dann ah e bissje in de Knie gewippt un mit de Kepp gewaggelt. Un beim Refräh vun dem Lied hummer unser Colabier in die Luft gehall un gesung: „Smoug on se Woooder … la-la-la-la-laha!“. Mäh vun dem Text hummer net gekennt.

In de Nacht simmer dann häämgedappt, all e bissje dummelich vun denne zwää Colabier, wo sich jeder de ganze Ohment geleischt hot. Merr hun iwwer die Määd geredd un warn iwwerzeucht, dass die uff so hadde Männer wie uns jo eigentlich voll abfahre missden. Als Beweis ferr unser Männlichkeit hummer alle paar Meder uff’s Trottwa gespauzt. Wann ich heit so serickdenk, do mähn ich, dass merr uns doch ganz schää iwwerzwerch drahgestellt hun, als junge Kerl sellemols. Ganz besonners ich gähniwwer dem Schäffler Gabi. Also net, dass ich dere immer noch nohtrauere deet, die is jo ah schun e aldie Fraa jetz. Ich mähn awwer, dass merr bei de Määd noch besser ahkumm weern, wammer alsemol mit ne gedanzt hedden. Weil zum Beispiel, wann die Ami kumm sin, do hun die Määd schun als iwwer de Äh orre Anner vun denne gsaat: „Gugg emol, wie schää der danze kann!“. Dass awwer mol Ähnie iwwer mich gsaat hett: „Gugg emol, wie schää der Colabier trinke kann!“ – des is net so oft vorkumm. Genau genumm: eigentlich gar net!

Pälzer Prosa Preis 2025 geht an Cornelius Molitor

Teilnehmer des Prosa-Wettbewerbs und der Mundart-Werkstatt sowie Mitglieder der Jury

Das war ein Start! 23 Einsendungen gab es für den ersten „Pälzer Prosa Preis“, und am Ende gewann Cornelius Molitor (Kaiserslautern) mit dem Text „Dorfdisco am Dunnerschberg“ die Publikumswertung. Insgesamt sieben Texte hatte die neu formierte Prosa-Jury für die Endausscheidung ausgewählt. Unter Schirmherrschaft des Literarischen Vereins der Pfalz e.V. führte der Förderkreis Mundart Bockenheim e.V. die neue Veranstaltung im Weingut Griebel erstmals in Bockenheim durch. Rund 60 Gäste wollten die Texte hören und mitentscheiden – das bedeutete ein volles Haus! Auf Rang 2 landete Margit Wippel aus Neustadt-Haardt mit ihrem Prosa-Stück „Pesch g’habbd“. Dritter wurde Rudy Kupferschmitt (Ludwigshafen) mit „Es werd duschber“. Weitere Preisträger sind: Angelika Futterer (Bruchsal), Hermann Settelmeyer (Lingenfeld), Berthold Kracke (Grendelbruch, Frankreich) und Stefan Klopp (Bliesransbach).

Der Tag hatte mit einer Lyrik-Mundartwerkstatt begonnen, an der Renate Demuth, Jennifer Schäfer, Thomas Maul und Manfred Dechert teilnahmen. Die Leitung des Workshops lag bei Ute Zimmermann.

Noch sechs Wochen Winter!

Herbert Tiefel (Hauptmann), Uli Keidel (Ortsbürgermeister) und Wieland Benß (Förderverein Mundart Bockenheim e.V.) beim Murmeltiertag 2025

Das war nicht schön, aber unmissverständlich: Wir müssen uns auf sechs weitere Wochen Winter einstellen. Verkündet hat das „Bockrem Bert“, das Bockenheimer Murmeltier, das in einem Weinfass im Park hinter dem „Haus der Deutschen Weinstraße“ lebt. Zum Glück – oder in diesem Fall vielleicht „Un-Glück“ – spricht Herbert Tiefel die Murmeltiersprache „Groundhogese“. Als Hauptmann von „Grundsau Lodsch No. 19 im alde Land“ gehört er mit seinen 18 Kollegen anderer Groundhog Lodges in Pennsylvania zu einem ganz engen Zirkel, in dem dieses Wissen weitergegeben wird. Rund 150 Gäste waren im Park anwesend uns sahen bei bestem Sonnenschein nicht nur ihren eigenen Schatten, sondern auch den Schatten von „Bockrem Bert“. Und damit war’s passiert, denn auch Bockrem Bert war sich angesichts der Faktenlage sicher: Schatten gesehen – der Winter bleibt noch sechs Wochen! Machen wir alle das Beste draus …

Herbert Tiefel – Der mit dem Murmeltier spricht

Herbert Tiefel, Hauptmann von Grundsau Lodsch No. 19 im alte Land (2020)

Eine Würdigung

Es gibt Menschen, die sind für eine bestimmte Rolle wie gemacht. Und wenn sie diese übernommen haben, ist es ein wenig, als könne nie wieder ein anderer diese Aufgabe übernehmen. Wir alle wissen, dass das letztlich nicht stimmt. Und dennoch treffen wir im Leben immer wieder auf Menschen, die mit einer Rolle mehr als nur verwachsen sind. So ist es mit Herbert Tiefel, der seit Ende 2019 „Hauptmann“ der „Grundsau Lodsch No. 19 im alte Land“ ist und damit der oberste Murmeltier-Versteher. Das ist wichtig, denn wer außer einem Murmeltier kann schon einen verlässlichen Wetterbericht für komplette sechs Wochen abgeben?

In der Pfalz heißt es: „Wenn der Dachs seinen Schatten an Maria Lichtmess sieht, bleibt der Winter noch sechs Wochen.“ Das Datum ist wichtig, denn der 2. Februar markiert exakt die Mitte der kalten Jahreszeit: Sechs Wochen sind vorbei, sechs weitere Wochen kommen (vielleicht) noch. Die Bauern prüften an diesem Tag früher, ob etwa die Hälfte der Vorräte noch in den Scheunen und Fruchtkammern war. Falls nicht, kauften sie nach. Zuvor gingen sie nach draußen und sahen nach, ob Maria Lichtmess sonnig und kalt oder aber trüb und regnerisch war. Im zweiten Fall bestand begründete Hoffnung, dass das Frühjahr schon bald kam. Zumindest traf das – vor dem Klimawandel – auf die Region im Südwesten Deutschlands zu. Mit Auswanderern gelangte das (vermeintliche) Wetterwissen über den Rhein und das Meer nach Pennsylvania – wo es keine Dachse gab. Es gab aber jede Menge Murmeltiere, die wie der Dachs ebenso Winterschlaf machten. Also nutzte man in der neuen Welt eine „Grundsau“ (von engl. „ground hog“), um eine Wetterprognose zu erhalten. Die Tiere wurden am betreffenden Termin aus dem Bau gezogen und peinlich befragt. Dies geschah in der Sprache „Groundhogese“ (Grundsauisch). Das bekannteste Murmeltier in Pennsylvania ist „Punxsatawny Phil“ in Zentral-Pennsylvania, aber ab Mitte der 1930er Jahre gründeten sich im pennsylvanisch-deutschen Kerngebiet im Südosten des Staates 18 Groundhog Lodges, die den Brauch in pennsylvanisch-deutscher Mundart auch heute noch pflegen. Groundhog Lodsch No. 19 hat ihren Sitz in Bockenheim an der Weinstraße, und ihr Hauptmann ist Herbert Tiefel!

New Paltz Band mit Herbert Tiefel (2019)

Als ich Herbert im Sommer 2019 in Kutztown kennenlernte, freundeten wir uns schnell an. Er zeigte großes Interesse an der pennsylvanisch-deutschen Kultur und wollte tiefer in Sitten und Gebräuche eintauchen. Ich fragte ihn am Rande des Folk Festivals, ob er eigentlich einen Frack und einen Zylinder besitzt. Er bejahte beides, und so entstand die Idee für die Gründung einer ersten Grundsau Lodsch in Deutschland – eben in der Pfalz.

Zum Glück stieß die Idee in Bockenheim auf reges Interesse, und so konnten wir am 2. Februar 2020 erstmals einen „Murmeltiertag“ in der Pfalz feiern. Rund 200 Menschen kamen, um die Veranstaltung zu sehen, die komplett in Pennsylvanisch-Deutsch gehalten war. Die musikalische Gestaltung übernahm die „New Paltz Band“. Zwischenzeitlich ist der Event immer pfälzischer geworden und hat seine eigenen kleinen Rituale entwickelt. So wohnt das (Plüsch-)Murmeltier „Bockrem Bert“ seit einiger Zeit in einem Weinfass im Park hinter dem Haus der Deutschen Weinstraße. Dort wird es feierlich zum Murmeltiertag („Grundsaudaag“) geweckt. Nach einem Rückblick von Bürgermeister und Ortshonoratioren auf das vergangene Jahr in Bockenheim und der Pfalz befragt Herbert Tiefel das „Murmel-Plüschi“ und übersetzt die Prognose im Anschluss für die Zuschauer vor Ort. In manchen Jahren schließt sich eine Festveranstaltung in der Emichsburg an – im Jahr 2025 bleibt es bei der Zusammenkunft im Park. Das Medieninteresse ist jährlich gewachsen, und so hoffen wir alle, dass der Bockenheimer Murmeltiertag weiterhin eine Konstante im kulturellen Leben der Gemeinde bleibt.

Herbert Tiefel jedenfalls ist in der Rolle seines Lebens, wenn er feierlich die Wetterprognose für die nachfolgenden sechs Wochen abgibt. Hoffentlich bleibt er noch lange Grundsau-Hauptmann, denn auch die „echten“ pfälzischen Murmeltiere, die im Wildpark Silz in der Südpfalz leben und regelmäßig besucht werden, haben sich zwischenzeitlich sehr an ihn gewöhnt.

Videotipp: Grundsaudaag in Bockenheim 2020

Matthias Zech gewinnt Mundartdichterwettstreit 2024 in Bockenheim

Mit „des derf mer doch net“ gewann Matthias Zech den Mundartdichterwettstreit 2024 in Bockenheim

Matthias Zech aus Speyer fand mit mit seinem Text „des derf mer doch net“ beim 72. Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit am vergangenen Samstag die Anerkennung von Jury und Publikum gleichermaßen. Die beiden getrennten Abstimmungen führten zum selben Ergebnis: Zech hat mit dem Gedicht über die Klage einer Tochter über das Verhalten ihrer hochbetagten Mutter offensichtlich einen Nerv getroffen und entschied den Wettbewerb für sich. Auf Rang 2 landete der im Elsass lebende Südpfälzer Wilfried Berger mit „drauss uff’m dach“. Hier wünscht sich ein Kranker im Krankenhaus, wie die Amsel vor dem Fenster seiner Lebenssituation entfliehen und einfach fortfliegen zu können. Auf Rang 3 landete Norbert Schneider aus Rehborn mit „koschbarkääde“, einem Text über Demenz. Die Themen Alter und Krankheit landeten damit auf dem Siegerpodest.

Hans-Ulrich Ihlenfeld, Landrat des Landkreises Bad Dürkheim, heißt die Gäste im Festzelt in Bockenheim willkommen. Im Hintergrund: Dr. Michael Werner (Moderator), Weingräfin Sarah I. des Leiningerlands und Ortsbürgermeister Uli Keidel

Den „Dr. Wilhelm Dautermann-Preis 2024“ für eine mundartliche Erstveröffentlichung erhielt Rudy Kupferschmitt für sein Buch „Heimatliches und Befremdliches“, den „Preis fer Neie“ Angelika Futterer für ihr Gedicht „Rhoiwasser mit Balge …“. Den „Hiwwe wie Driwwe Award 2024“ für einen Text in pennsylvanisch-deutscher Mundart erhielt Edward Quinter aus Allentown (Pennsylania) mit „Em Iemker sein Winsch“.

Im Frühjahr hatte der Förderkreis Mundart Bockenheim e.V. ein „Bockenheimer Manifest für Vielfalt und Toleranz“ verfasst, dem sich bis Redaktionsschluss über 180 pfälzische Künstlerinnen und Künstler anschlossen. Zum Wettbewerb war deshalb des Sonderthema „bloss net nochemol – #niewiederistjetzt“ ausgeschrieben. Das Publikum entschied sich unter den drei ausgezeichneten Texten für Cornelius Molitors Gedicht „beizeit“, der sich mit dem Thema „Stolpersteine“ befasst.

Herzlichen Glückwunsch an alle – das Bild mit allen Siegerinnen und Siegern des Jahrgangs 2024.

Die musikalische Umrahmung übernahm Scott Reagan aus Nazareth (Pennsylvania), der im Rahmen der „Hiwwe wie Driwwe Tour 2024“ für mehrere Konzerte in der Pfalz gastierte. Überraschungsgäste waren neben rund 200 Einheimischen – unter ihnen Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld – auch etwa ein Dutzend Amerikaner, die mehrheitlich pennsylvanisch-deutsche Mundart sprachen. So hatten die Anwesenden Gelegenheit zu testen, wie gut sich Pfälzisch und Pennsylvania-Deutsch für ein gemeinsames Gespräch eignen. Es klappte in vielen Fällen überraschend gut.

Scott Reagan auf Hiwwe wie Driwwe Tour 2024: Download der Liedtexte

Pennsylvanisch-Deutsch und Pfälzisch sind ähnlich, aber nicht gleich. In 300 Jahren Trennung haben sich die Mundarten auch unterschiedlich weiterentwickelt. Deshalb bieten wir hier die Möglichkeit, die Songtexte von Scott Reagan als PDF herunterzuladen. Viele haben uns in den vergangenen Jahren die Rückmeldung gegeben, dass das Mitlesen der Songtexte sehr hilfreich ist:

So einfach geht’s: Einfach klicken und das jeweilige PDF öffnen bzw. herunterladen. Viel Spass!

Scott Reagan auf „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour 2024“

Scott Reagan aus Nazareth (PA) kommt in der Zeit vom 17. Oktober bis 20. Oktober in die Pfalz und nach Rheinhessen, um sein Programm mit pennsylvanisch-deutschen Liedern zu spielen. Er ist am 17. Oktober im rheinhessischen Ober-Olm in der Alten Schule (19 Uhr) und am 18. Oktober im Auswandererungsmuseum Oberalben bei Kusel in der Westpfalz (19 Uhr). Am 19. Oktober tritt er im Rahmenprogramm des Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreits in Bockenheim auf (14 Uhr), und am Sonntag begleitet er den 18. Deutsch-Pennsylanischen Tag in Altrip in der Pfalz musikalisch (14 Uhr).