Kategorie-Archiv: Pfalz und Pfälzisch

Pfälzische Mundart-Stiftung fördert Projekte

Mundart ist Heimat. Mundart hat Zukunft. Und dennoch ziehen sich Kommunen aufgrund knapper Kassen zunehmend aus der Finanzierung von mundartlichen Kulturveranstaltungen zurück. Um hier einen Ausgleich zu schaffen, haben Ute Zimmermann (Schifferstadt) und Dr. Michael Werner (Ober-Olm) Anfang 2025 die „Pfälzische Mundart-Stiftung“ gegründet. Die Stiftung ist Teil der „Stiftergemeinschaft der Sparkasse Vorderpfalz“ und startet mit einem Kapitalstock in Höhe von € 25.000,00.

Gefördert werden können Projekte rund um die pfälzische Mundart bis hin zu Siedlungsmundarten in aller Welt, die auf Grundlage des Pfälzischen entstanden sind. Interessierte können jeweils bis zum 31. August eines Jahres ihre Projektskizze mit Budgetplanung einreichen. Über die Vergabe von Fördergeldern entscheidet der Stiftungsrat. Die Fördersumme wird im darauffolgenden Jahr ausgezahlt.

Die Stiftung will den großen kulturellen Schatz des Pfälzischen festigen und verweist dabei besonders auf die Kreativität und die Originalität der Mundart. Sie betont, dass sich die Dialekte gegenüber der Standardsprache zwar in Aussprache und Wortschatz unterscheiden, nicht jedoch in ihrer Wertigkeit. Der Schutz, die Pflege und das Ansehen der pfälzischen Mundarten und der Sprechenden liegen der Pfälzischen Mundart-Stiftung besonders am Herzen. Daher ist ein weiterer Stiftungszweck auch die Imagepflege. Hierzu gehört als Fernziel, die Aufnahme in das rheinland-pfälzische und dann in das bundesweite Verzeichnis zur Internationalen UNESCO-Liste „Immaterielles Kulturerbe“ zu erreichen. Ebenso möchte die Stiftung darauf hinwirken, dass in Politik und Medien Strukturen errichtet werden, die der Mundart dauerhaften Schutz und Akzeptanz gewähren.

Die neue Stiftung fühlt sich dem „Bockenheimer Manifest für Vielfalt und Toleranz“ des Förderkreises Mundart Bockenheim e.V. aus dem Jahr 2024 verpflichtet, dessen Zustandekommen die Stiftungsgründerin und der Stiftungsgründer als Mitglieder des Vereins mit initiiert hatten. Rund 180 Kulturschaffende aus der Pfalz und angrenzenden Regionen hatten sich hinter dem Text, der sich für den Erhalt einer offenen und multikulturellen Gesellschaft einsetzt, versammelt. Eine starke Stiftung benötigt Kapital. Deshalb werben die Stifter um Zustiftungen ebenso wie um themenbezogene Spenden, die ebenfalls bereits mit überschaubaren Geldbeträgen möglich sind. Zuwendungen sind steuerlich absetzbar. Überweisungen gehen auf das folgende Konto: Stiftergemeinschaft der Sparkasse Vorderpfalz IBAN: DE85 5455 0010 0191 4629 93 Verwendungszweck: Pfälzische Mundart-Stiftung (immer angeben). Weitere Informationen zur Stiftung und zur Förderung mundartlicher Projekte erhalten Sie hier: Ute Zimmermann: ute.zimmermann2@gmx.de, Dr. Michael Werner: info@hiwwe-wie-driwwe.de. Schifferstadt/Ober-Olm, im März 2025. Unterstützen auch Sie die Pfälzische Mundart-Stiftung: Helf uns helfe!

des derf mer doch net


des derf mer doch net
des derf mer doch noch net emol denke
un als dochder derf mer des doch schunn gar net denke

awwer s denkt sich ääfach doch
awwer s denkt sich ääfach doch hoch
awwer s denkt sich ääfach doch ach bei re dochder hoch

wann d doch endlich mol
wann d doch endlich mol gehe detscht
wann d doch endlich mol fer immer gehe detscht
wann d doch endlich mol fer immer un ewig gehe kenne detscht mudder

jetzert mit deine 89 mudder

ich soll fer dich koche
ich soll mer daach fer daach dei iwwerzwerches gegiftel aaheere
ich soll dich verbinne un sauwermache
ich soll der noch dabber dei briefe schreiwe
un ich soll mich doch net so dabbich draastelle

du detscht doch noch alles heere
du detscht der doch ach jetzert noch dei spritze selwer gewwe
du detscht dich doch noch alle daach allää dusche

du hetscht dich doch frieher ach um mich gekimmert
du hetscht s doch immer gut gemäänt mit mir
du hetscht dich doch ach immer fer mich uffgeopfert

des is doch alles iwwerhaupt net wohr mudder awwer
du hoscht jo doch widder recht wie immer mudder
du hoscht recht wie all mei 61 lange johr lang mudder

un noch dezu vergesse soll ich alles annere mudder
des is doch de falsche mann
fer was gehscht n du mit zwää kinner noch schaffe
brave kinner kricht mer doch net vum gut zuredde
ennere mudder gebt mer doch net so beese widderworte
do ghert ach mol widder gebutzt

un jedesmol wann ich mich iwwer was gfräät hab mudder
hoscht du doch widder druff rumgetrambelt
un hoscht mer s kabutt gemacht

awwer gell mudder

des derf mer doch net
des derf mer doch noch net emol denke
un als dochder derf mer des doch schunn gar net denke

awwer doch doch
s denkt sich doch ääfach so
bei deinere liewe dochder hoch

wann d doch endlich mol fer ewig gehe detscht mudder
fer immer un ewig
dochdochdoch

Matthias Zech

Mundartgedicht des Jahres 2025 – eine Aktion der Zeitschriften „VielPfalz“ und „Hiwwe wie Driwwe“

Noch sechs Wochen Winter!

Herbert Tiefel (Hauptmann), Uli Keidel (Ortsbürgermeister) und Wieland Benß (Förderverein Mundart Bockenheim e.V.) beim Murmeltiertag 2025

Das war nicht schön, aber unmissverständlich: Wir müssen uns auf sechs weitere Wochen Winter einstellen. Verkündet hat das „Bockrem Bert“, das Bockenheimer Murmeltier, das in einem Weinfass im Park hinter dem „Haus der Deutschen Weinstraße“ lebt. Zum Glück – oder in diesem Fall vielleicht „Un-Glück“ – spricht Herbert Tiefel die Murmeltiersprache „Groundhogese“. Als Hauptmann von „Grundsau Lodsch No. 19 im alde Land“ gehört er mit seinen 18 Kollegen anderer Groundhog Lodges in Pennsylvania zu einem ganz engen Zirkel, in dem dieses Wissen weitergegeben wird. Rund 150 Gäste waren im Park anwesend uns sahen bei bestem Sonnenschein nicht nur ihren eigenen Schatten, sondern auch den Schatten von „Bockrem Bert“. Und damit war’s passiert, denn auch Bockrem Bert war sich angesichts der Faktenlage sicher: Schatten gesehen – der Winter bleibt noch sechs Wochen! Machen wir alle das Beste draus …

Rudolf Post spricht in Ober-Olm

Dr. Rudolf Post

Der Förderverein der Gemeindebücherei Ober-Olm e.V. lädt am „Welttag der Muttersprache“ der UNESCO am 21. Februar 2025 zu einem Vortrag von Dr. Rudolf Post über „Mundarten in Rheinhessen“ ein. Die Veranstaltung findet ab 19 Uhr in der Alten Schule gegenüber von Rathaus von Katholischer Kirche statt.

Rudolf Post war von 1981 bis 1997 Bearbeiter des „Pfälzischen Wörterbuchs“ in Kaiserslautern und von 1998 bis 2009 Bearbeiter des „Badischen Wörterbuchs“ in Freiburg. Neben seinem Standardwerk „Pfälzisch – Sprachkultur in der Pfalz und der Kurpfalz“ (neu erschienen 2023) hat er im Herbst 2024 das Buch „Mundarten in Rheinhessen“ vorgelegt. Hier wird die rheinhessische Sprachlandschaft erstmals ausführlich vorgestellt. Rudolf Post ist eng mit dem Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit in Bockenheim (Pfalz) verbunden und war lange Mitglied und Vorsitzender der Jury.

Zum Vortrag: Das Gebiet links des Rheins zwischen Worms, Mainz und Bingen, das seit etwas mehr als 200 Jahren „Rheinhessen“ genannt wird, war und ist sprachlich und kulturell vielen verschiedenen Einflüssen ausgesetzt. Carl Zuckmayer hat dies mit seinem Bild von der „Völkermühle am Rhein“ zu fassen versucht. Die Mundarten in diesem Gebiet sind geprägt von dieser Geschichte zwischen Austausch und Beharren. Sie zeigen neben einigen Gemeinsamkeiten eine Fülle von Verschiedenheiten, die den Charakter einer jeweiligen rheinhessischen Ortsmundart ausmachen. So hört man in einem großen Teil Rheinhessens für „ihr habt“ ehr hunn, anderswo aber ihr hett und wieder anderswo ihr hann oder ihr henn.

Im Vortrag werden mit Hilfe von Abbildungen und Sprachkarten sprachliche Abgrenzungen innerhalb Rheinhessens und nach außen thematisiert und dabei die Frage erörtert, inwieweit man überhaupt von einer „rheinhessischen Mundart“ sprechen kann. Darüber hinaus werden Alter und Entwicklung der Mundarten in Rheinhessen, Besonderheiten der Laut-, Formenlehre und Syntax, der Reichtum des rheinhessischen Wortschatzes und seine Beziehungen zum Lateinischen, Französischen oder Jiddischen nicht ausgelassen. Auch die Verwendung des Rheinhessischen in Literatur und Kultur – also die Mundartliteratur und mundartliche Liedinterpreten – werden kurz vorgestellt.

Der Vortrag bietet sowohl den „eingeborenen“ Rheinhessen wie auch den Zugezogenen manches Vertraute, aber auch viel Neues über das in der Mundart manifestierte immaterielle Kulturerbe Rheinhessens. Im Anschluss an den Vortrag können Zuhörerinnen und Zuhörer Fragen stellen oder ihre eigenen Beobachtungen und Sichtweisen zum Mundartgebrauch in Rheinhessen mitteilen.

Rudolf Post: Vortrag „Mundarten in Rheinhessen“.
Ober-Olm 21.02.2025 – Alte Schule Ober-Olm, 19 Uhr

Gemeindebücherei Ober-Olm
Kontakt: gemeindebuecherei@ober-olm.de

Matthias Zech gewinnt Mundartdichterwettstreit 2024 in Bockenheim

Mit „des derf mer doch net“ gewann Matthias Zech den Mundartdichterwettstreit 2024 in Bockenheim

Matthias Zech aus Speyer fand mit mit seinem Text „des derf mer doch net“ beim 72. Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit am vergangenen Samstag die Anerkennung von Jury und Publikum gleichermaßen. Die beiden getrennten Abstimmungen führten zum selben Ergebnis: Zech hat mit dem Gedicht über die Klage einer Tochter über das Verhalten ihrer hochbetagten Mutter offensichtlich einen Nerv getroffen und entschied den Wettbewerb für sich. Auf Rang 2 landete der im Elsass lebende Südpfälzer Wilfried Berger mit „drauss uff’m dach“. Hier wünscht sich ein Kranker im Krankenhaus, wie die Amsel vor dem Fenster seiner Lebenssituation entfliehen und einfach fortfliegen zu können. Auf Rang 3 landete Norbert Schneider aus Rehborn mit „koschbarkääde“, einem Text über Demenz. Die Themen Alter und Krankheit landeten damit auf dem Siegerpodest.

Hans-Ulrich Ihlenfeld, Landrat des Landkreises Bad Dürkheim, heißt die Gäste im Festzelt in Bockenheim willkommen. Im Hintergrund: Dr. Michael Werner (Moderator), Weingräfin Sarah I. des Leiningerlands und Ortsbürgermeister Uli Keidel

Den „Dr. Wilhelm Dautermann-Preis 2024“ für eine mundartliche Erstveröffentlichung erhielt Rudy Kupferschmitt für sein Buch „Heimatliches und Befremdliches“, den „Preis fer Neie“ Angelika Futterer für ihr Gedicht „Rhoiwasser mit Balge …“. Den „Hiwwe wie Driwwe Award 2024“ für einen Text in pennsylvanisch-deutscher Mundart erhielt Edward Quinter aus Allentown (Pennsylania) mit „Em Iemker sein Winsch“.

Im Frühjahr hatte der Förderkreis Mundart Bockenheim e.V. ein „Bockenheimer Manifest für Vielfalt und Toleranz“ verfasst, dem sich bis Redaktionsschluss über 180 pfälzische Künstlerinnen und Künstler anschlossen. Zum Wettbewerb war deshalb des Sonderthema „bloss net nochemol – #niewiederistjetzt“ ausgeschrieben. Das Publikum entschied sich unter den drei ausgezeichneten Texten für Cornelius Molitors Gedicht „beizeit“, der sich mit dem Thema „Stolpersteine“ befasst.

Herzlichen Glückwunsch an alle – das Bild mit allen Siegerinnen und Siegern des Jahrgangs 2024.

Die musikalische Umrahmung übernahm Scott Reagan aus Nazareth (Pennsylvania), der im Rahmen der „Hiwwe wie Driwwe Tour 2024“ für mehrere Konzerte in der Pfalz gastierte. Überraschungsgäste waren neben rund 200 Einheimischen – unter ihnen Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld – auch etwa ein Dutzend Amerikaner, die mehrheitlich pennsylvanisch-deutsche Mundart sprachen. So hatten die Anwesenden Gelegenheit zu testen, wie gut sich Pfälzisch und Pennsylvania-Deutsch für ein gemeinsames Gespräch eignen. Es klappte in vielen Fällen überraschend gut.

Elwedritsche – Dunkle Gefährten

Mein neues Buch folgt der Spur der Elwedritsche von Pennsylvania aus rund um den halben Globus und zeigt, was wirklich hinter dem vermeintlichen Fabeltier steckt. Eine Reise durch 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte und zu den Abgründen unserer Seele. Erscheint 2025.

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Franz von Kobell – Wegbereiter der pfälzischen Mundartdichtung war erster deutscher Fotograf

Franz von Kobell (1803-1882)

Bei der Recherche für ein Buch über die deutsche Fotografiegeschichte hat die Wissenschaftlerin Cornelia Kemp einen Sensationsfund gemacht: Im Archiv des Deutschen Museums fand sie das bisher älteste Foto Deutschlands, datiert auf den März 1837. Bislang dachte man, ein Foto aus dem Jahr 1839 sei die erste Aufnahme, die auf deutschem Boden gemacht wurde. Das Bild stammt von dem bayerischen Mineralogen Franz von Kobell (1803-1882) und zeigt die Frauenkirche in München. Es war auf der Rückseite von Kobell selbst datiert worden. Der Mann ist in der Pfalz kein Unbekannter.

Kobell war kein Pfälzer, sondern Bayer. Dennoch gilt er als Wegbereiter der pfälzischen Mundartdichtung. Geboren im Jahr 1803 als Sohn eines Professors und Staatsrates in München, stammte er doch aus einer Mannheimer Malerfamilie. Diese war von Kurfürst Karl Theodor gefördert worden und mit den Wittelsbachern von der Pfalz nach München umgezogen.

Pfälzisch hatte Kobell durch einen Großvater und ein pfälzisches Kindermädchen gelernt. Er schätzte auch die Eigenheiten der „bayerischen Volksgruppe links des Rheines“. Kobell verfasste die „Gedichte in pfälzischer Mundart“ (1849) und das Buch „Pälzische Gschichte“ (1863).

Dass das Jahr 1839 dennoch als Geburtsjahr der Fotografie gilt, ist dem französischen Maler und Erfinder Louis Daguerre (1787-1851) zu verdanken. Dieser entwickelte eine Fotografietechnik names Daguerreotypie. Dabei wird eine versilberte Kupferplatte zunächst mit Jod-, Brom-, und Chloriddampf chemisch behandelt, um sie lichtempfindlich zu machen. Dann wird das Bild mithilfe eines speziellen Fotoapparates durch Belichtung auf die Platte gebracht. Die Technik wurde wohl bereits ab 1837 sukzessive entwickelt, so dass es Fotos gibt, die vor 1839 entstanden. Wichtig war aber vor allem: Daguerre schrieb eine Gebrauchsanweisung für die Daguerreotypie. Damit konnten auch andere Menschen zu Fotografen werden, was der Startschuss für die Fotografie war.

Für Kobell, der eigentlich Mineraloge war und damit naturwissenschaftlich vielseitig interessiert, waren seine fotografischen Experimente mit einem eigenen technischen Verfahren genau das: Experimente. Seine wenigen Versuche bannte er auf Salzpapier. Schnell wandte er sich aber wieder anderen wissenschaftlichen Themen zu.

Aus dem Jahr 1826 stammt übrigens die älteste bekannte Fotografie der Welt: „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“ von Joseph Nicéphore Niépce (1765-1833). Mit seinem „Heliografie“ genannten Verfahren wurde es in Saint-Loup-de-Varennes aufgenommen. Bei der Heliografie wurde das Motiv über acht Stunden belichtet und auf eine mit Asphalt bestrichene Zinn-, Kupfer-, Zink- oder Silberplatte gebracht.

Was bleibt also festzuhalten? Überraschenderweise hat der Begründer der pfälzischen Mundartdichtung einen Beitrag zur Erfindung der Fotografie geleistet. Wir danken Cornelia Kemp für diese fachliche Information und Lisa Lamm für den Online-Artikel im „National Geographic“ vom 7. Juni 2024.

Zum Artikel von Lisa Lamm: Link