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En Friehjohr fer die Schprooch 2026

“Hiwwe wie Driwwe” unterstützt verschiedene Initiativen, die sich darum bemühen, die regionalen Mundarten wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken – mal direkt, mal indirekt. Im Elsass gibt es seit vielen Jahren die Initiative “E Friehjohr fer unseri Sproch“.

Das Frühjahr ist ein wunderbarer Zeitpunkt für eine Aktion dieser Art. Und während im Elsass die Schwalbe ein schönes Symbol darstellt, passt im pfälzisch-pennsylvanischen Kontext natürlich das Murmeltier: die Grundsau! Und so listen wir hier Mundart-Veranstaltungen, die zwischen Murmeltierttag Anfang Februar und Ende April 2026 durchgeführt werden.

Eine Übersicht der Veranstaltungen findet sich hier.

Rheinhessisch und Pennsylvanisch-Deitsch

Hannelore Wingert und Michael Werner präsentieren Mundart in Partenheim

Ach ja, Amerika – wie soll man dich verstehen? Dabei haben wir so viel gemeinsam. Viele Menschen aus dem heutigen Rheinhessen haben im 18. Jahrhundert ihre Heimat verlassen und sich in Pennsylvania niedergelassen. Dort und in anderen Staaten der USA leben heute rund 500.000 Amerikaner, die so etwas wie rheinhessische Mundart sprechen. Mit ihnen verbindet uns ganz viel. Ihre Sprache, Kultur und Musik stellt Dr. Michael Werner vor. Hannelore Wingert hat kleine Geschichten aus ihrem Alltag aufgeschrieben. Kurze Momente, die zum Lächeln oder Nachdenken anregen. Das Ganze schreibt sie in ihrer Muttersprache – also in rheinhessischer Mundart. Sie erzählt unter anderem von einem Vogelkonzert, von schlaflosen Nächten, von einer Urlaubsreise oder von ihrem sonntäglichen Dienst an der Kirchenorgel. Ihre Lesung begleitet sie mit kleinen musikalischen Einlagen auf dem Keyboard. Beide präsentieren Ausschnitte aus ihren Programmen am 13. März in Partenheim. Die Veranstaltung findet im Rahmen des „rheinhessenKULTur Mundartfestivals 2026“ statt.

Partenheim, 13. März 2026, St. Georgen-Halle. Der Eintritt beträgt 8,00 €. Tickets können über die Mail-Adresse: tickets@kulturforum-partenheim.de reserviert werden.

Herzlichen Glückwunsch, Edsel!

Die „Anonyme Giddarischde“ bei der Verleihung des „Emichsburgpreises“ der Gemeinde Bockenheim 2023 – im März 2026 wird die Band in Freinsheim mit der „Sinsheimer Plakette“ geehrt

Die Stadt Freinsheim zeichnet Thomas „Edsel“ Merz und die Band „Anonyme Giddarischde“ mit der Hermann-Sinsheimer-Plakette aus. Das wurde im Rahmen des Neujahrsempfangs der Gemeinde bekanntgegeben. Die Verleihung der Auszeichnung findet am Sonntag, 8. März, statt.

Aus Sicht der Jury stehen Merz und die „Anonyme Giddarischde“ für Heimat und regionale Identität. In ihren pfälzischen Liedern kommt eine enge Verbundenheit zur Pfälzer Sprache und Kultur zum Ausdruck. Seit Jahrzehnten begeistere diese Mischung Menschen auf den Bühnen der Pfalz. Darüber hinaus würdigte die Jury die Band als „herausragende Vertreter der Region und als Botschafter der Demokratie“.

Die Hermann-Sinsheimer-Plakette wird in Freinsheim seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre vergeben. Der Preis würdigt Persönlichkeiten, die sich um die Literatur und Kultur der Pfalz verdient gemacht haben. Die Ehrung erinnert an Leben und Werk des in Freinsheim geborenen jüdischen Publizisten Hermann Sinsheimer, der 1938 ins englische Asyl ging.

„Hiwwe wie Driwwe“ freut sich über die verdiente Auszeichnung für Thomas „Edsel“ Merz und die „Anonymen Giddarischde“ und gratuliert herzlich!

Link zur Band: https://www.dieanonymegiddarischde.de/

Volker Gallé kommt nach Ober-Olm

Zum UNESCO TAG DER MUTTERSPRACHE 2026 veranstaltet die Gemeindebücherei Ober-Olm in Zusammenarbeit mit „Hiwwe wie Driwwe“ einen exklusiven Mundart-Abend mit „Mr. Rheinhessen“: Volker Gallé. Die Veranstaltung bildet gleichzeitig den Auftakt zum neuen „Mundartfestival Rheinhessen 2026“, das mit mehreren Veranstaltungen im Februar/März 2026 über die Bühnen der Region geht.

Volker Gallé wurde am 3. Mai 1955 in Alzey geboren und studierte in Mainz Germanistik, Philosophie und Ethnologie. Seit Jahrzehnten ist er als Mundartautor, Liedermacher und Regionalhistoriker aktiv — vor allem widmet er sich der Kultur, Sprache und Geschichte seiner Heimat Rheinhessen. Darüber hinaus war er viele Jahre Kulturkoordinator der Stadt Worms und hat mit seinem Einsatz das kulturelle Profil der Region nachhaltig geprägt. Über sein aktuelles Programm schreibt er:

„Mit Mundart auf der Straße aufgewachsen haben mich Lesen und Schule mit der Standardsprache vertraut gemacht. Es gab daher zwei Welten miteinander, eine mündliche und eine schriftliche Sprachwelt. Die Mundart als Literatursprache für Lieder, Gedichte und Kabarett habe ich für mich entdeckt, nachdem Kulturausflüge in Irish Folk und die Autonomiebewegung der Irokesen mich zurückgeworfen haben auf die eigene Kultur, sprachlich und historisch. Und ich begann in beiden Sprachwelten nebeneinander zu schreiben und zu performen. Daraus ist Mundartliteratur entstanden, die nicht nur Kindheits- und Heimaterinnerungen aufnimmt, sondern auch Traditionen des französischen Chansons, der Folkmusic, des Dadaismus, der modernen Lyrik und der Mischung von Sprachen. All das war eingebettet in eine bundesweite Bewegung von Mundart als Ausdrucksform von Kunst, die beispielsweise mit dem rheinhessischen Mundartwettbewerb auch die Region erfasste. Damit erhielten älterer Mundartgenres wie die Büttenrede an Fastnacht neue Geselligkeit von anderen Inhalten und Formen. Am Beispiel meiner Mundartgeschichte will ich von dieser Entwicklung erzählen sowie Texte und Lieder beisteuern, die zeigen, was ich meine.“

Der Eintritt kostet 8 Euro. Vorbestellungen über die Gemeindebücherei Ober-Olm: 06136 7638

Deep Dive: Die Lösung des Elwedritsch-Rätsels

Jetzt auf Youtube: Nach nur 15 Minuten ist klar, was Elwedritsche wirklich sind

CCT, HADD und BVT sind die entscheidenden Codes, die zur Lösung des Elwedritsche-Rätsels notwendig sind. Mit Hilfe der „Compensatory Control Theory“ (CCT), des „Hyperactive Agency Detection Device“ (HADD) und der „Benign Violation Theory“ (BVT) klärt sich nicht nur, was hinter dem vermeintlichen Fabelwesen wirklich steckt. Es lässt sich mit diesen psychologischen Theorien auch auflösen, weshalb es das Ritual des „Groundhog Day“ in Pennsylvania gibt. Beiden kulturellen Mustern liegt dasselbe evolutionäre Angstverarbeitungssystem zugrunde. Neugierig gemacht? Dann einfach auf das Bild oder hier klicken. Natürlich gibt es das Ganze auch in englischer Sprache. Please click here for an English version.

Parallele Struktur: Elwedritsche-Jagd und Groundhog Day Rituale folgen dem selben psychologischen Angstverarbeitungsmuster: Die Furcht wird zunächst personalisiert und im Anschluss durch Humor gezähmt.

The HADD–CCT–BVT Model: An Integrative Psychological–Cultural Model of Fear Processing


By Michael Werner (2026)


Abstract

The HADD–CCT–BVT model describes a multi-stage psychological–cultural process of fear processing that integrates evolutionary-cognitive mechanisms, social-psychological control processes, and affective regulation strategies. Building on the Hyperactive Agency Detection Device (HADD), Compensatory Control Theory (CCT), and Benign Violation Theory (BVT), the model explains how subjectively threatening and uncontrollable experiences are transformed into culturally stabilized, socially integrated, and emotionally regulated narratives.

As formulated on elwedritsch.de (to explain the Elwedritsch phenomenon), the model abstracts beyond concrete folkloristic content and provides a generally applicable structural framework for analyzing individual and collective phenomena of fear processing.


1. Aim and Theoretical Framework

Fear is a universal human phenomenon that is mediated both biologically and culturally. While neurobiological and clinical models primarily analyze fear as an individual reaction or disorder, the HADD–CCT–BVT model focuses on fear as a cultural process of meaning-making and regulation.

The aim of the model is to explain the emergence of fear interpretations, to trace their social and cultural stabilization, and to describe their affective transformation.

The approach is explicitly non-pathologizing and functional: fear is understood as a starting point for sense-making rather than as a deficit. This perspective is developed on elwedritsch.de using folkloristic examples, while deliberately remaining abstract and transferable.


2. Overview of the Complete Model (Graphical)

┌──────────────────────────────────────────────┐
│ 1. Subjective Loss of Control / Fear │
│ (existential, bodily, social, epistemic) │
└──────────────────────────┬───────────────────┘
┌──────────────────────────────────────────────┐
│ 2. Agency Attribution (HADD) │
│ Ascription of intentionality to ambiguous │
│ stimuli │
└──────────────────────────┬───────────────────┘
┌──────────────────────────────────────────────┐
│ 3. Narrative Externalization │
│ Rules, myths, concepts, stories, symbols │
└──────────────────────────┬───────────────────┘
┌──────────────────────────────────────────────┐
│ 4. Reconstruction of Control (CCT) │
│ Rituals, norms, social order │
└──────────────────────────┬───────────────────┘
┌──────────────────────────────────────────────┐
│ 5. Humorous Transformation (BVT) │
│ Fear becomes playful, ironic, comic, funny │
└──────────────────────────┬───────────────────┘
┌──────────────────────────────────────────────┐
│ 6. Social Integration & Meme Stabilization │
│ Culturally persistent form of fear processing│
└──────────────────────────────────────────────┘

3. The Individual Components of the Model

3.1 Phase 1: Loss of Control and Fear

The starting point is always a subjectively experienced loss of control. This can take various forms:

  • bodily (e.g., paralysis, pain),
  • social (loss of status, exclusion),
  • epistemic (ignorance, ambiguity),
  • existential (death, loss of meaning).

Fear emerges here as a diffuse affect that can neither be clearly localized nor directly controlled.


3.2 Phase 2: Agency Attribution via HADD

Theory and Origin:
The Hyperactive Agency Detection Device (HADD) was primarily described by Justin L. Barrett. It refers to an evolutionarily developed cognitive disposition to infer intention and agency even where no empirical evidence for agency exists.

Functions within the Model:

  • Reduction of epistemic uncertainty: ambiguous events become explainable by attributing them to an “agent.”
  • Structuring of fear: fear gains an object and becomes personalized.

Although this phase often produces supernatural or fictitious explanations, it is cognitively functional. On elwedritsch.de, this mechanism is described as the central entry point of cultural fear processing.


3.3 Phase 3: Narrative Externalization

Agentified fear rarely remains purely intrapsychic. It is externalized through:

  • language (naming),
  • narrative (stories),
  • symbols (images, signs).

Diagram: Transition from Affect to Narrative

Diffuse affect
Agency assumption (HADD)
Rules / Story / Myth / Symbol

Narratives enable social transmission, collective memory, and cultural condensation.


3.4 Phase 4: Reconstruction of Control (CCT)

Theory and Origin:
Compensatory Control Theory, developed among others by Arie W. Kruglanski, describes the human need for order and control and the tendency to rely on external systems of order when personal control is threatened.

Functions within the Model:

Narratives become embedded in structured cultural practices:

  • rituals,
  • rules,
  • social roles,
  • temporal repetition.

This produces a subjective sense of control even when objective control is absent.


3.5 Phase 5: Humorous Transformation (BVT)

Theory and Origin:
The Benign Violation Theory was developed by Peter McGraw and Caleb Warren. Humor arises when a norm violation is perceived as simultaneously harmless.

Functions within the Model:

Humor acts as an affective regulator:

  • fear is not denied, but emotionally defused and made socially acceptable.

Diagram: Humor as a Transformational Filter

Threatening narratives
Humorous framing
Fear becomes playable

3.6 Phase 6: Social Integration and Meme Stabilization

In the final stage, the result stabilizes as a cultural meme:

  • shared collectively,
  • ritualized,
  • affectively regulated.

Fear thus becomes part of collective identity without losing its original function.


4. Summary of the Model (Table)

PhaseMechanismTheoryOrigin
1Fear / Loss of control
2Agency attributionHADDBarrett
3NarrativizationCultural cognition
4Reconstruction of controlCCTKruglanski
5Humorous transformationBVTMcGraw & Warren
6Meme stabilizationCultural psychology

5. Generalizability of the Model

The HADD–CCT–BVT model is content-open but structurally precise. It can be applied to:

  • individual fear processing,
  • collective myth formation,
  • rituals and customs,
  • modern meme and internet cultures,
  • symbolic conflict processing.

It does not describe what people fear, but how fear is processed when rational control is unavailable.


6. Conclusion

The HADD–CCT–BVT model presented here offers a theoretically coherent, interdisciplinary framework for analyzing cultural fear processing. By linking agency attribution, compensatory reconstruction of control, and humorous transformation, the model explains how fear is not merely coped with, but made culturally productive.

The model is therefore suitable for both cultural studies and psychological analysis.


References

Barrett, J. L. (2004). Why Would Anyone Believe in God? AltaMira Press.
Kay, A. C., Gaucher, D., Napier, J. L., Callan, M. J., & Laurin, K. (2008). God and the government: Testing a compensatory control mechanism. Journal of Personality and Social Psychology, 95(1), 18–35.
Kruglanski, A. W., & Webster, D. M. (1996). Motivated closing of the mind. Psychological Review, 103(2), 263–283.
McGraw, A. P., & Warren, C. (2010). Benign violations: Making immoral behavior funny. Psychological Science, 21(8), 1141–1149.
Werner, M. (2025). The HADD–CCT–BVT Model of Fear Processing. Available online at elwedritsch.de.

Hallicher Grischtdaag!

Das Jahr 2025 stand für „Hiwwe wie Driwwe“ ganz unter dem Thema „Elwedritsche“. Das neue „Hiwwe wie Driwwe“-Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ hat dem vermeintlichen Fabeltier eine Biografie und einen Stammbaum gegeben. Erstmals wurde beleuchtet, was der Grund dafür ist, dass es überhaupt Elwedritsche gibt.

Dabei hat sich herausgestellt, dass keine einzelne wissenschaftliche Disziplin allein in der Lage ist, das Geheimnis zu lüften. Die Ursache für die Existenz der Elwedritsche liegt in einem medizinisch-neurologischen Phänomen des Gehirns („Schlafparalyse“). Die menschliche Verarbeitung lässt sich gut mit Modellen der Psychologie beschreiben („HADD Hyperactive Agent Detection Device“ und „BVT Benign Violation Theory“), die historische Entwicklung wiederum am besten mit kulturwissenschaftlichen Instrumentarien („Memetik“). Zu diesem neuen psychologisch-memetischen Ansatz wurden als Hilfswissenschaften einbezogen: Geschichte, Archäologie, Linguistik und Theologie („Indoeuropäische Migrationsforschung“, „Translationswissenschaft“, „Indogermanistik“ und andere). Ganz am Ende lieferte die Volkskunde einen wichtigen deskriptiven Beitrag, die Quellen zu Elwedritschen in der Pfalz in den letzten 175 Jahren darzustellen und zu interpretieren.

Dass die Volkskunde allein das Rätsel nicht lösen kann, wird schon dadurch deutlich, dass erste Quellen zu Elwedritschen in der Pfalz Mitte des 19. Jahrhunderts auftreten – das Phänomen aber z.B. auch im Banat und in Pennsylvania bekannt ist und damit bei Auswanderergesellschaften, die bereits im 18. Jahrhundert etabliert wurden. Nur was um 1700 bereits bekannt war, konnte auch ins Ausland mitgenommen werden. Dieser Sachverhalt wird in der Beschreibung der Elwedritsch als „Fabeltier“, als „fantastisches Tierwesen“, als vermeintlich im 19. Jahrhundert entstandener „Dorf-, Kneipen- oder Jägerspaß“ meist geflissentlich ausgeblendet. Die Dissonanz, dass die Elwedritsche im europäischen und nordamerikanischen Ausland düster-dämonisch, in der Pfalz aber harmlos-lustig daherkommt, war einer der Ausgangspunkte der langen Reise zum Ursprung der Elwedritsche. Es musste einen Grund für diese unterschiedliche Wahrnehmung geben. Diesem galt es nachzuspüren.

Wenn es 2025 gelungen sein sollte, die deskriptive volkskundliche Beschreibung um eine historische Tiefenperspektive zu erweitern, ist schon etwas erreicht. Für die Zukunft gilt: Nur ein interdisziplinärer Erklärungsansatz wird dem Thema Elwedritsche wirklich gerecht. Es wäre vermessen zu glauben, dass jetzt alle Geheimnisse dieser imaginären Kreatur bereits gelöst sind. Die Entdeckungsreise wird weitergehen. Ich bin sicher, dass die Ergebnisse um so besser sein werden, je mehr engagierte Menschen aus den genannten wissenschaftlichen Disziplinen sich daran beteiligen und dabei auch vertrauensvoll fachübergreifend zusammenarbeiten. Nur wenn wir gemeinsam aus verschiedenen Perspektiven auf das „Phänomen Elwedritsch“ schauen, werden sich auch die verbliebenen Rätsel lösen lassen.

In diesem Sinne verabschiedet sich „Hiwwe wie Driwwe“ bis ins neue Jahr und wünscht allerseits „Hallicher Grischtdaag“. Alles Bescht fer 2026!

Michael Werner