Mundarten bewahren und stärken: Vorschlag für eine Dialektstrategie Rheinland-Pfalz

Von Michael Werner (Hiwwe wie Driwwe)

Vorwort

Der größte Reichtum von Rheinland-Pfalz ist seine Vielfalt – die Vielfalt der Landschaften zwischen Eifel und Pfälzerwald und die Vielfalt seiner Menschen, die sich in ihren Dialekten widerspiegelt. In einer Zeit globaler Mobilität ist der Dialekt für viele ein Stück Identität. Akzeptanz gegenüber Mundarten ist somit ein Teil des Respekts vor der Identität des Mitmenschen. Zugleich fördern Dialekte als Form der inneren Mehrsprachigkeit das Erlernen weiterer Sprachen.

Der nachfolgende Vorschlag ist dabei dem „Bockenheimer Manifest für Vielfalt und Toleranz“ aus dem Jahr 2024 verpflichtet, dem sich mehr als 180 Künstlerinnen und Künstler im Bereich Mundart angeschlossen hatten. Hierin heißt es wörtlich: „Wir Kulturschaffende im Bereich Mundart wünschen uns, dass die Pfalz ein Ort bleibt, der Vielfalt begrüßt und Toleranz lebt. Wir fühlen uns bereichert durch Menschen, die in den letzten Jahrzehnten aus anderen Teilen Deutschlands, aus Europa und der ganzen Welt zu uns gekommen sind, um zu bleiben und in der Pfalz eine Heimat zu finden. Sie brachten neue Perspektiven, Traditionen und Ideen mit, die uns allen zugutekommen. Unsere Heimat hat in den vergangenen Jahrhunderten mit offenem Herzen immer auch jene aufgenommen, die Zuflucht gesucht haben. Wir möchten, dass das auch in Zukunft so bleibt. Gemeinsam wollen wir die Zukunft gestalten. Und deshalb sagen wir laut: Uffbasse! Bloß net nochemol!“ Mit anderen Worten: Mundarten bedeuten sprachliche Vielfalt, und gleichzeitig bereichert gesellschaftliche Vielfalt auch die Mundarten und das Zusammenleben in Rheinland-Pfalz insgesamt.

I. Einführung

a. Ziele der Dialektstrategie Rheinland-Pfalz setzt sich zum Ziel, die rheinfränkischen und moselfränkischen Dialekte zu bewahren, zu fördern und zu stärken. In Zeiten von Globalisierung und Medienrevolution wächst das Bedürfnis der Menschen nach Halt und Beheimatung. Wer Mundart spricht, verweist auf seine Herkunft und stärkt seine persönliche sowie regionale Identität.

b. Gegenstand der Dialektstrategie Besonders prägend für Rheinland-Pfalz sind die historisch verankerten Dialekte, die sich grob in zwei große Familien unterteilen lassen:

  • Rheinfränkisch: Vorwiegend in der Pfalz, Rheinhessen und an der Nahe gesprochen.
  • Moselfränkisch: Beheimatet in der Eifel, im Hunsrück und im Westerwald.

Diese Dialekte gehören zu den mitteldeutschen Mundarten, welche die zweite Lautverschiebung nur teilweise durchgeführt haben. Die Strategie berücksichtigt dabei die kleinräumigen Unterschiede im Vokalismus, der Grammatik und der Wortgeographie (z. B. regionale Bezeichnungen für Alltagsobjekte).

c. Träger der Dialektstrategie Dialekt ist ein gesellschaftliches Phänomen, das aus der Sprechpraxis der Bevölkerung entsteht. Rheinland-Pfalz setzt daher auf das Engagement der Bürgergesellschaft und möchte organisch gewachsene Sprachpraxis schützen, statt staatliche Sprachvorgaben zu machen.

II. Die Strategie im Einzelnen

a. Wissen erhalten und stärken Um das immaterielle Kulturerbe zu schützen, muss man es kennen.

  1. Universitäre Forschung: Forschungsstellen für Dialektologie in Rheinland-Pfalz werden gesichert.
  2. Digitalisierung: Historische Tonbandaufnahmen und Dialektarchive sollen erschlossen und über interaktive Webportale der Öffentlichkeit und Lehrkräften zugänglich gemacht werden.
  3. Wörterbucharbeit: Die Fortführung und Online-Überführung großlandschaftlicher Dialektwörterbücher wird als wissenschaftliche Dokumentation des Wortschatzes unterstützt. Hier ist vieles erreicht, aber manches noch offen.

b. Sichtbarkeit verschaffen

  1. Markenbildung: Eine neue Dachmarke soll die Sichtbarkeit der Mundarten erhöhen.
  2. Veranstaltungen: Das Thema Dialekt soll einen festen Platz bei den Heimattagen und Landesfesten erhalten, insbesondere mit Formaten, die gezielt junge Menschen ansprechen.
  3. Medienförderung: Die Unterstützung von Film- und Medienproduktionen, in denen authentischer Dialekt gesprochen wird, soll intensiviert werden.

c. Bildung vermitteln Dialekt ist kein Hindernis, sondern eine Bildungskompetenz.

  1. Schulen: In den Bildungsplänen wird die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen Standardsprache und Dialekt als Teil der Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ gestärkt.
  2. Mundart in der Schule: Künstler (Autoren, Musiker) sollen regelmäßig Schulen besuchen, um in Doppelstunden oder Projekttagen die Freude am Dialekt zu vermitteln.

d. Zivilgesellschaft stärken

  1. Dachverband: Die Gründung eines Dachverbandes der Dialekte Rheinland-Pfalz wird angestrebt, um regionale Vereine (z. B. aus der Pfalz oder der Eifel) landesweit zu vernetzen.
  2. Landespreis für Dialekt: Zur Würdigung besonderer Leistungen in der Pflege und Vermittlung der Mundart wird ein dotierter Landespreis ausgelobt. Dieser wird jährlich in Kategorien wie Literatur, Musik, Neue Medien oder an „Dialektbotschafter“ vergeben.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung: info@hiwwe-wie-driwwe.de

Wilhelm Hauth – Der Chef-Tritschologe

Wilhelm Hauth (1950-2025) im Auswanderermuseum Oberalben im Jahr 2015

Zum Tod von Wilhelm Hauth

„Tritsch, tritsch – uiuiuiui“ – so habe ich Wilhelm Hauth kennengelernt. Das war bei einem Vortrag in seiner Heimatstadt Landau, möglicherweise im Jahr 2010. Jedenfalls sprach er überzeugend von der Pfalz als „Elwedritsche“- und Bayern als „Wolpertinger“-Gebiet – und davon, dass er sich zu einer Expedition aufmachen wollte, um die Zwischenbereiche dieser beiden Habitate zu erforschen. Insbesondere sei er auf der Suche nach „Elwetingern“ und „Wolpertritschen“. Dann erklärte er mit dem Brustton der Überzeugung Biologie und Verbreitung beider Populationen, Mutationen und natürlich seine besonderen Fangmethoden. Auf einem nachfolgenden Vortrag wolle er seine bahnbrechenden Erkenntnisse präsentieren. „Ich werde nachweisen, dass“ kam in seiner Rede bestimmt zwei Dutzend mal vor.

Gestern habe ich gelesen, dass er im Alter von 75 Jahren verstorben ist.

Auf seinem Folgevortrag war ich nicht gewesen, aber wir waren seitdem in Kontakt und einem freundschaftlichen Austausch. Er besuchte Veranstaltungen des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises, und manchmal sah man ihn auch in Bockenheim bei Mundartveranstaltungen. Mich interessierte das Thema Tritschologie, und gleichzeitig wurde mir bei meinen regelmäßigen Aufenthalten in Pennsylvania immer mehr klar, dass hier etwas nicht stimmt: Die Gebräuche „hiwwe“ und „driwwe“ sind – abgesehen von der Jagd als solcher – einfach zu unterschiedlich. Die Elwedritsch in der Pfalz gilt als lustiger, aber scheuer Vogel. Die pennsylvanische Elbedritsch kommt düster-dämonisch daher, und man hält sich das, was sich dahinter verbirgt, besser vom Leib. Haus und Hof schützt man vor diesem Einfluss. Das passte nicht zusammen. Der Widerspruch löst sich erst auf, wenn man die Elbedritsch in Pennsylvania als 300 Jahre ältere Variante des fantastischen Tierwesens begreift, das man heute in der Pfalz jagt. Ich sprach öfter mit Wilhelm über das Thema, auch über meinen Entschluss, ein Buch zum Thema „Elwedritsche“ zu schreiben und der Geschichte darin auf den Grund zu gehen. Er hat mich bestärkt und das Crowdfunding noch im Januar 2025 großzügig unterstützt. Als ich ihm im April das fertige Buch schickte, blieb es jedoch unerwartet ruhig. Da ich wusste, dass seine Gesundheit seit längerem angeschlagen war, rechnete ich mit einem Anruf oder einer Mail zu einem späteren Zeitpunkt. Jetzt erreichte mich die Todesnachricht, die mich sehr traurig macht.

Wilhelm Hauth in einem Interview in Hiwwe wie Driwwe Ausgabe 2 (2012)

Denn die Pfalz verliert mit Wilhelm Hauth den unumstrittenen Chef-Tritschologen. Jahrzehntelang hat er das Jägerlatein rund um die Elwedritsche-Jagd gesponnen und vermehrt – immer ausgesprochen unterhaltsam. Als er sich im vergangenen Jahr aus dem Elwetrittche Verein Landau zurückzog, fand sich kein Nachfolger. So musste sich der Verein 2024 auflösen. Auch Gernot Rumpf (1941-2025), Schöpfer des wundervollen Elwedritsche-Brunnens in Neustadt an der Weinstraße, ist vor wenigen Wochen verstorben. Diese Daten markieren im kulturellen Leben der Pfalz eine tiefe Zäsur. Hoffentlich finden sich irgendwann Jüngere, die in die großen Fußstapfen von Wilhelm Hauth treten.

Was die wirkliche Herkunft der Elwedritsche betrifft, waren Wilhelm Hauth und ich am Ende übrigens völlig einig. Darüber sprach der listige Tritschologe mit mir aber nur unter vier Augen. Sobald die Tür aufging, die Bühne wartete und das Publikum klatschte, machte er sich wieder auf die Suche nach „Elwetingern“ und „Wolpertritschen“.

„Weidmannsheil“, lieber Wilhelm – wo immer du jetzt jagst.

Der Pälzylvanier

Die „Shooflies“ kommen in die Pfalz

The Shooflies – Pennsylvania Dutch Band

Die „Shooflies“ sind eine singende Familienband rund um die Schwestern Brigitte Weinsteiger und Erika Gustavson. Mit dabei sind auch Erikas Mann Pete und ihre Tochter Adelaide. Im Oktober 2025 kommen sie auf ihrer „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ für insgesamt fünf Konzerte in die Pfalz. Sie stellen die pennsylvanisch-deutsche Kultur in Musik und Texten vor. Gemeinsam singen sie traditionelle pennsylvanisch-deutsche Folk Songs mit Gitarre, Banjo, Geige, Bass, Harfe und vierstimmigem Chorgesang. Und das sind die aktuell geplanten Termine:

  • 16. Oktober 2025: Auswanderermuseum Oberalben, 19 Uhr
  • 17. Oktober 2025: Gemeindebücherei Ober-Olm, 19 Uhr
  • 18. Oktober 2025: Pfälzischer Mundartdichter-Wettstreit Bockenheim, 14 Uhr
  • 18. Oktober 2025: Heimatmuseum Altrip, 20 Uhr
  • 19. Oktober 2025: Deutsch-Pennsylvanischer Tag, Theodor-Zink-Museum Kaiserslautern,

Das Video zeigt die Band bei einem Auftritt im One-Room-Schoolhouse in Kutztown auf dem Gelände des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers. Sie gelangen zum Video, wenn Sie hier klicken. Die „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ wird von „Hiwwe wie Driwwe“ seit 2008 durchgeführt. 21mal waren seitdem Künstler unter diesem Label in der Pfalz unterwegs.

Pälzer Krischer in Kutzeschtettel

Ende Juni 2025 starten die „Pälzer Krischer“ aus Altrip ihre Pennsylvania-Reise. Innerhalb einer Woche werden sie mehrere Auftritte im Pennsylvania Dutch Country absolvieren. Höhepunkt ist der Auftritt beim „Pennsylvania German Day“ des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers in Kutztown gemeinsam mit Scott Reagan. Wir wünschen den Krischern viel Spaß bei der „Hiwwe wie Driwwe Pennsylvania Tour 2025“ und sind gespannt, mit welchen Eindrücken sie in die Pfalz zurückkehren.

Der Elwedritsch-Code ist geknackt!

Steffen Boiselle (Agiro Verlag) und Dr. Michael Werner

Gestern war endlich der große Tag: Nach 30 Jahren Forschungsarbeit in Pennsylvania, drei Jahren Arbeit am Thema „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ und einer sechmonatigen Projektphase mit Crowdfunding-Aktion und Buchproduktion wurden die ersten Exemplare an die Unterstützenden des Crowdfundings versandt. Nächste Woche kommen sie bei den Empfängerinnen und Empfängern an. In Kürze wird das Buch auch über den Buchhandel erhältlich sein.

Das Buch bietet einen neuen Ansatz zum Verständnis, was Elwedritsche sind, indem das Motiv erstmals in den Kontext der indoeuropäischen Migrationsbewegungen gestellt wird. In einer Reise rund um den halben Globus und durch 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte erschließen sich mehrere grundlegend neue Erkenntnisse. Zwei seien vorab angedeutet: Hinter den Elwedritsche steckt ein medizinisches Phänomen, das erst seit wenigen Jahren wissenschaftlich erforscht wird. Kulturhistorisch liegt der Ursprung der Elwedritsche im fruchtbaren Halbmond. Es gibt mehrere mögliche Wurzeln, aber ein mesopotamischer Dämon drängt sich bei der Frage nach der Hauptrolle deutlich in den Vordergrund.

Achtung, Elwedritsch in Sicht!

Jetzt noch nicht im „Hiwwe wie Driwwe“-Fanshop: Die Action-Figur, die zeigt, wie Elwedritsche aussahen, bevor sie wie Elwedritsche aussahen. Drei Zitate in der aktuellen Kino-Dokumentation „Hiwwe wie Driwwe 2“ sind besonders interessant. Ein Mann sagt: „En Elbedritsch guckt en wennich wie en granki Katz!“ Ein anderer meint: „En Elbedritsch hot gliehende Aage!“ „Es iss ebbes ganz Schreckliches“, sagt ein Dritter. Und ganz am Ende heißt es kurz vor dem Abspann sinngemäß: „Elwedritsche gibt es auch in den USA – aber sie sehen düsterer aus als bei uns in der Pfalz“. So in diese Richtung …

Weshalb ist das so? Weil die Pennsylvanisch-Deutschen ein Bild von den Elwedritsche haben, das ihre Vorfahren im 18. Jahrhundert aus der Pfalz mitbrachten. Und dieses Bild hat sich seitdem kaum geändert. Bei uns in Deutschland ist das ganz anders: Aufklärung, Industrialisierung, Kriege. Dauernd waren unsere Vorfahren gezwungen, nach disruptiven Ereignissen Bräuche neu zu bewerten, anzupassen, zu verändern oder abzulegen. So hat sich auch das Bild der Elwedritsche in den vergangenen 300 Jahren immer wieder geändert. Übrigens auch in den vergangenen 20 Jahren wieder: Bis etwa zum Jahr 2000 galt die Elwedritsch als Fabeltier. Dann kam Harry Potter – und auf einmal soll die Elwedritsch ein fantastisches Tierwesen sein. So ändern sich Vorstellungen. In der Tendenz wurde die Elwedritsch immer weiter verniedlicht. Das Pummel-Einhorn lässt grüßen!

Folgen wir aber der Elwedritsch durch Raum und Zeit zurück, können wir ihre Evolution rückwärts Schritt für Schritt nachvollziehen, und ganz am Ende dieses langen Weges rund um den halben Globus und durch 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte steht: die Buchhandlung Ihres Vertrauens. Denn dort gibt es schon sehr bald mein neues Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“.

Gerda

Preisträger beim „Pälzer Prosa Preis 2025“: Stefan Klopp aus Bliesransbach

Von Stefan Klopp (Bliesransbach)

‘S letscht hónn ich umm Spicher nochemól de alde kläne Kinnerkoffer von minner Oma enn de Hónd gehaat unn dó hónn ich ónn die Geschicht dódezu misse denke, die wo minni Großmómme mir immer verzehlt gehaat hat:

Die Geschicht spillt emm Jóhr 1939, dó isch minni Großmómme noch e klänes Mäde von so 6 – 7 Jóhr gewän.Von dort ón, wo se gebor genn isch, bis dorthien enn sellem Jóhr, isch enn dem kläne Dorf emm Bliesgau alles gónz normal gewän. Minn Großmómme isch mit drei Geschwischdre dort uff’m Dorf uffgewachs, se hónn e klänes Hissje unn e Stall gehaat mit e paar Wutze, rer Geiß unn e paar Hinkle, de Babbe hat uff’m Halberch geschafft – Unn jetze verzehlt minn Großmómme widschder:

„Awwer dónne – änes scheene Daas – unn es isch eijentlich wirklich e schenner Daa gewän – es war noch warm, die Liet hónn dälsewies Grummet gemach gehaat – unn doch isch ónn däm 1. September 1939 uff ämól alles ónnersch gewän – unn nóde nix meh so wie vóredrón. De Kriech isch kumm – awwer noch sinn kä Bombe gefall, oder isch a nurre geschoß wor – nää – awwer uff ämól hat’s gehäschd: Mir misse furt! Mir misse furt!? Was hat das fir e klänes Mäde von 6-7 Jóhr solle häsche? Furt? Wohien? Fer wie lóng???

De Birjermäschder isch met der groß Schell durch’s gónze Dorf góng, hat ónn die Diere gekloppt unn die Liet triwweliert, fer sich fertig se mache. Es käme Busse, die wirde allegär mitholle, mer soll awwer nur es Needischde mitholle! Mitholle! Es Needischde! Awwer was, was isch fór mich es Needischde? Es hat noch gehäsch, es wär nur fer 14 Daa. Die Mómme hat e Koffer met Kläder gepackt, Bettzeich unn so Króm, awwer das war’s a schunn, meh ham’mer jó nidd gepackt.

Unn ich, was soll ich’an mitholle? Enn minnem kläne Kinnerkefferchje ware än/zwei Mondure drin, e paar Unnerbuxe, Unnerhemde unn Strimp – ferdich. Unn jetz? Isch das alles, was ich mitholle kónn, was ich mitholle derf? Unn’s Gerda? Wo isch’s Gerda? Es Gerda muss ich doch mitholle! Ich kónn doch nidd ohne es Gerda fahre!

Es Gerda, das ich minn Pupp gewän – ohne die kónn ich doch nidd fahre!!!

Zwei Stunn ham’mer Zitt gehaat, fór’s Neddischde se packe – unn fór mich war’s Gerda es Needischde. Ich honn’s a nidd misse suche – vill Spillzeich ham’mer jó nidd gehaat – unn ich hónn’s gekrómschd, feschd ón mich gedrickt unn mit enn de Bus geholl.

Wie mer dónn durch’s Dorf ónn unserm Huss verbei gefahr sinn, hat unser Geiß noch gónz versteert uss’m Schierdóór geluht unn mir sinn e paar Tränchjer de Backe erunner gerollt! Die missde mer doch a mitholle! Was passiert jetz mit der? Awwer dó ware mer a schunn furt.

Mir sinn e gónzer Sturme mim Bus uff de Zuch nó Saarbrigge gefahr unn dónn ómm Bóhnhóff ussgesteiht; hunnerte von Liet vunn iwwerall her, die Mómme met uns vier Kinn de Koffere unn nix wie Durchenónner unn Bagasch, alles isch drunner unn driwwer góng. Die ville Liet hónn gar nidd allegär enn die normale Wän vom Zuch enenngepasst. Dó hónn se naue Waggonge misse ónhinkge, wo sunsch es Vieh met gefahr genn isch – unn dó isch passiert: uns hónn se gónz óm Schluß als Leschdes noch enn de Waggong eninngepercht – die schwär Waggong-Dier uss Holz unn Ise isch zugeschlah unn’s Gerda war – . . . nä, nidd furt, awwer verrobt unn gedält – ich hón nurremeh äner Arm von minner scheen Pupp enn der Hónd gehaat, das ónnere isch druß blieb – – – . Ich hónn nadierlich gekrisch wie óm Spieß, geje die Dier geträt, awwer es hat kä Wert gehaat, de Zuch isch gefahr – gefahr – gefahr – unn gefahr – uns Gerda, de Reschd vum Gerda, hónn ich nie meh gesiehn. Nur de Arm, dänne äne, armseeliche, verrobte Arm hón ich gónz feschd ón mich gedrickt unn nimmeh losgeloss.

Ich wäß nimmeh wónn mir ónkumm sinn wo’s gewän isch – irjendwo emm Hessische. Dó sim’mer dónn vumm Wóón erunner dort ómm Bóhnhóff ussgeladt unn verdält wor. Nó unn nó sinn allegär unnerkumm, nur mir hónn noch wie lóng dó gestónn, bis ball känner meh dó gewän isch. Awwer dónn isch doch noch e Mónn kumm, wo Plätz gehaat hat, fer e Frau mett vier Kinner! Der hat dónne gesaat: „Wir können euch nehmen!“ Das isch de erschde Satz gewän, wo ich enn minnem Läwe geherrt hónn, wo nidd Platt gewän isch. „Wir könne  euch nehmen!“ Känner hat mer meh ebbes abgeholl, furtgeholl, weggeholl! Nä, mir hónn jetzt ebbes kritt – e naues Dehämm! Der Mónn hat uns uff sinn Pärdskarre gelaad. Die Mómme unn die ónnere, greßere Kinn sinn hinne uff de Wóón. Zu mir hat der Mónn gesaat: „Komm du zu mir, ich kann dich auf den Schoß nehmen!“ Ich hónn mich bei denne Mónn uff de Gerre gehuckt unn gónz feschd de abne Arm vum Gerda gehall. Dó hat der Mónn noch gesaat: „Keine Angst mehr, ich nehme sie dir nicht weg!“ Spät ómends sin’mer uff’m Hoff vun dem Mónn ónkumm. Sinn Frau hat schun vórón der Hussdier gestónn unn gesaat: „Kommt nur herein. Da liegen Schlafkleider und Bettzeug für euch!“ Mir Kinn sinn, weil mer jó allegär noch ziemlich klän gewän sinn – all in än Bett eninn kumm unn hónn de quere Wää näwenónner gelää. Ich hónn als noch de Arm vom Gerda enn minne kläne Händchjer gehall unn bin nó unn nó enngeschlóf.

Uss zwei Wuche, wo mer hónn solle dort bliwwe, isch’s nägsch e gónzes Jóhr wór.

Dónn sim’mer redour – unn em Dorf isch alles ónnersch gewän – gónz ruich – seersch emol – kä Kih enn de Ställ, kä Geiße, kä Wutze, kä Kinn uff de Gass, die Hieser leer, die Diere unn Finschdre uffgerobt, die Scheiwe kabuttgeschlaa, die Mewele dälsewies druss uff de Stróß, es Gescherr uff de Bodem geplackt unn die Kläder uff de Powei verdält. Uss minne Kläder, wo ich mittgeholl hott, war ich schunn ball erussgewachs, desweje war enn minnem Kefferchje a nimmeh vill drenn – eijentlich nur noch de abne Arm vum Gerda – denne hónn ich kinne mitholle – vun dehemm enn die Ewakuierung unn von de Ewakuierung widder mit enns Dehämm. Mitgeholl vun dómóls hónn ich nidd vill – vielleich sogar nur de abne Arm vum Gerda – ich hónn ne heit noch!“

So hat’s mer minni Großmómme immer verzehlt. Unn ab unn zu holl ich a als emól denne abne Arm uss dem kläne Kinnerkefferchje unn denke drón, dass der es enzichde war, was minn Oma uss ihrer Kindhätt hat kinne mitholle – awwer mir hat se doch noch gónz vill genn: vill Erlebtes, vill Geschichte vum Läwe, so wie die dó, wo ich allewill grad uffgeschrieb hónn.