Archiv für den Autor: Michael Werner

Matthias Zech gewinnt Mundart-Wettstreit

Matthias Zech aus Speyer liest seinen Siegertext

Zum dritten Mal in Folge gewinnt Matthias Zech (Speyer) den Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit – diesmal mit dem Text „Hasselniss vum Vadder“. Dass die Jury so entschieden hat, konnte er selbst kaum glauben. Zweiter wurde Manfred Dechert (Ludwigshafen) mit „Mer redde nix“, Dritte Silvia Kästner (Mainz) mit „äfach mol liche bleiwe“. Den Publikumspreis erhielt Maritta Reinhardt (Wonsheim) mit ihrem Gedicht „Realität“. Den „Preis fer Neie“ sicherte sich Uwe Jung (Rommersheim). Den Sonderpreis für den besten Text zum Thema „300 Jahre Casanova“ schrieb nach Meinung der Zuschauer Cornelius Molitor mit „De Casanova im Alder“. Den Dautermann-Preis für die beste mundartliche Neuveröffentlichung erhielt Hermann J. Settelmeyer für sein Buch „Gut ufghowe – Gedichte und Geschichten in Pfälzer Mundart“ (Maiermedien, Lingenfeld 2024). Den „Hiwwe wie Driwwe Award“ für den besten pennsylvanisch-deutschen Text erhielt Patrick Donmoyer (Kutztown, PA). Begeistert war das Publikum von der musikalischen Umrahmung der Veranstaltung. Für diese sorgte die Band „The Shooflies“ aus Pennsylvania, die im Rahmen der „Hiwwe wie Driwwe Tour 2025“ an diesem Tag in Bockenheim zu Gast waren.

Hasselniss vum Vadder

frieher
do hot er viel gebabbelt
gerechent hot er schnell
fescht gschafft hot er fer uns
un alle Leit hot er gholfe
draagelangt un hiegelangt
uff alle Zochziche gedanzt
gelacht un verzehlt
un verzehlt un gelacht

des alles kanner himmie
heit mit seine 91
er hert nix mäh
er kennt känns mäh
hot uffghert zu verzehle

stunnelang
dut er draus uff de Terrass
Niss uffmache
Hasselniss aus seim Gaade

e Kinnerbreigläselsche voll
hot er mer mitgewwe

un ich du jeden Morche
do draus immer norre
äänie
in mei Müsli
ää äänzischie

do drin is alles
do drin do is
sei ganzie Lieb
sei ganzes Leewe

in dere Hasselnuss fer mich

Matthias Zech (Speyer)
1. Platz

Von Schlafparalyse zu Elwedritschen: Ein psychologisch-memetischer Ansatz zu Angst, Deutung und Ritualisierung

Le Cauchemar (The Nightmare), by Eugène Thivier (1894)

Von Michael Werner

Abstract

Der Beitrag analysiert die psychologisch-memetische These zur Entstehung der Elwedritsche, wie sie im Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ und auf der Website „elwedritsch.de“ dargelegt sind. Nach diesem Ansatz handelt es sich bei den in der pfälzischen Folklore tradierten Elwedritsche nicht nur um mythologische Fabelwesen, sondern kulturell stabilisierte Projektionen universeller Angstphänomene – insbesondere von Schlafparalyse. Aufbauend auf Theorien der evolutionspsychologischen Agentendetektion, Freuds Projektion sowie memetischer Kulturtheorie entwickelt die These ein Phasenmodell der Angstverarbeitung: von der neurophysiologischen Erfahrung über kognitive Interpretation, Narrativbildung bis zur Ritualisierung. Darüber hinaus beschreibt die These, wie ein medizinisch fassbares Phänomen (Schlafparalyse) einen nächtlichen Druckdämon (Alb, Mahr, Drude, Albdrude) entstehen lässt, der nach seiner kulturellen Verarbeitung zur Elwedritsch zu einem folkloristischen Ritual für Einheimische und Touristen werden kann – und welche theoretischen wie empirischen Implikationen diese Sichtweise hat.

1. Einleitung

Die Elwedritsche sind in der Pfälzer Kultur als hühnergroße vogelartige Wesen bekannt, die in Legenden, Erzählungen und lokalen Bräuchen vorkommen. Diese Wesen sind keine bloßen Fabelgestalten, sondern gehen auf nächtliche Druckdämonen zurück (Alben, Mahre, Druden, Albdruden), die wiederum als psychokulturelle Projektionen tief verwurzelter menschlicher Erfahrungen fungieren – insbesondere solcher, die mit Schlafparalyse verbunden sind. Ihre Existenz ist das Resultat langdauernder memetischer Prozesse, die Erzählung, Ritual und kollektive Erinnerung verbinden. Diese These ist interdisziplinär: Sie verknüpft neurowissenschaftliche und psychologische Phänomene mit kultureller Evolution, Ritualforschung und Folklore.

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Schlafparalyse und neurophysiologische Grundlagen

Schlafparalyse ist ein gut dokumentiertes Phänomen, bei dem eine Person beim Übergang zwischen Schlaf und Wachzustand zwar bewusst ist, jedoch motorisch gelähmt ist – typischerweise in der REM-Schlafphase, in der Muskelatonie herrscht. Begleitphänomene können sein: Druck auf der Brust, Atembeschwerden, Halluzinationen, das Gefühl einer „Präsenz“ im Raum. Diese Erfahrungen sind nicht nur subjektiv, sondern lassen sich neurophysiologisch erklären: REM-assoziierte Hemmungsmechanismen bleiben aktiv, während Teile des Bewusstseins wach sind, was das Erleben von Lähmung und real empfundenen Halluzinationen begünstigt.

Dieses Erlebnis liefert den „rohen Input“ für kulturelle Bedeutungsbildung: Menschen erleben eine intensive Angst, gekoppelt mit dem Eindruck eines Beobachters oder Akteurs – eine „leere“, aber bedrohliche Präsenz.

2.2 Kognitionspsychologische Mechanismen: Agentendetektion & Projektion

Aus der evolutionspsychologischen Perspektive neigt das menschliche Gehirn dazu, in mehrdeutigen sensorischen Situationen Agenten zu vermuten – selbst wenn die Evidenz unscharf ist. Diese Tendenz zur Agentendetektion gilt als adaptiv: Es ist evolutionär vorteilhaft, eine potenzielle Gefahr frühzeitig zu erkennen. In der Situation der Schlafparalyse wird eine solche Agentenhypothese besonders plausibel: Ein Druckgefühl, eine Halluzination, ein Geräusch – all das kann als bewusstes Wesen interpretiert werden.

Darüber hinaus wirkt Projektion: Auf der psychodynamischen Ebene wird das Schmerz- oder Angstgefühl auf eine andere „Person“ übertragen. Solche projizierten Inhalte verbinden sich mit kulturellen Symbolen – z. B. mit Dämonen, Nachtgeistern oder mythologischen Wesen. Diese Deutungen sind nicht zufällig, sondern werden kulturell vermittelt (z. B. durch überlieferte Geschichten, Folklore, regionale Mythen).

2.3 Memetischer Ansatz

Kernthese ist, dass die Elwedritsche als Mem-Strukturen fungieren: kulturelle Einheiten, die sich analog zu biologischen Replikatoren verhalten – sie replizieren, variieren, werden selektiert. Dieser Gedanke entstammt dem memetischen Paradigma, das auf Richard Dawkins’ Konzept des Meme zurückgeht Dawkins definierte Meme als Einheiten kultureller Information, die durch Nachahmung übertragen werden.

Susan Blackmore argumentiert, dass Memes als selbstständige Replikatoren existieren, auch wenn ihre Arbeitsmechanismen noch unvollständig verstanden sind. Darüber hinaus weist die memetische Theorie auf Variation, Selektion und Replikation als zentrale Prozesse hin, die die kulturelle Evolution antreiben.

Der Ansatz der psychologisch-memetischen These lässt sich als hybride Theorie beschreiben: Er kombiniert die memetische Logik (Replikatoren, Evolution) mit kognitiven Selektionsmechanismen, um die Verarbeitung der körperlichen Erfahrung der Schlafparalyse mit dem Entstehen eines nächtlichen Druckdämons zu erklären und die Persistenz der Elwedritsche (als verharmloste und verkleinerte Version des Druckdämons) in der Kultur zu verstehen.

3. Methodik

Da es sich bei dem Ansatz um eine konzeptionelle These handelt, ist das methodische Vorgehen in diesem Artikel theoretisch und modellbildend. Es wird folgendermaßen vorgegangen

  1. Literaturanalyse: Analyse der wissenschaftlichen Literatur
  2. Theorieintegration: Verknüpfung der These mit etablierten Theorien aus Psychologie, Evolutionsforschung und kultureller Evolution (Memetik, Kognitionspsychologie, Ritualtheorie).
  3. Modellbildung: Entwicklung eines Phasenmodells der Angstverarbeitung, das den Ansatz operationalisiert und systematisiert.
  4. Soziokulturelle Analyse: Untersuchung der Mechanismen, durch die individuelle Erfahrungen (Schlafparalyse) in gemeinschaftliche Rituale transformiert werden – mittels soziologischer und anthropologischer Kategorien (Identität, Ritual, Tourismus).

4. Modell: Phasen der Angstverarbeitung und Ritualisierung

Das folgende Phasenmodell strukturiert die psychologisch-memetische These und macht die Dynamik von individueller Erfahrung zu kulturellem Ritual transparent:

  1. Auslösender neurophysiologischer Zustand
    • Schlafparalyse-Episode (Lähmung, Halluzination, Druck).
    • Intensives Angstempfinden, eventuell physiologische Erregung.
    • Subjektives Erleben einer „Präsenz“.
  2. Kognitive Interpretation & Zuschreibung
    • Agentendetektionsmechanismen schlagen an: Das Gehirn postuliert ein bewusstes Wesen.
    • Projektion von inneren Zuständen auf eine externe Entität.
    • Kulturelle Deutungsmuster (Mythen, Dämonologie) werden aktiviert.
  3. Emotional-personalisierende Verfestigung
    • Die „Präsenz“ bekommt Intention: Beobachtet sie, will sie etwas tun?
    • Angst wird stark personalisiert (z. B. „es“ ist böse, neugierig, rachsüchtig).
    • Erinnerung an das Erlebnis, möglicherweise mit dramatischen Bildern (Schatten, Hände, Augen).
  4. Narrativbildung
    • Das Erlebnis wird sprachlich in eine Geschichte transformiert.
    • Einbettung in kulturelle Kontexte (Traditionsfiguren, alte Legenden, bekannte Motive).
    • Strukturierung: Wer, was, wann, warum? Einschluss von moralischen, warnenden oder erklärenden Elementen.
  5. Soziale Übertragung & Selektion
    • Erzählungen werden weitergegeben: Familie, Gemeinschaft, Freunde.
    • Varianten entstehen, da andere Erzähler Aspekte ändern oder ergänzen.
    • Selektionsprozess: Emotional starke, leicht erinnerbare oder ritualisierbare Versionen setzen sich durch.
  6. Ritualisierung & Institutionalisierung
    • Gemeinschaftliche Rituale entstehen: Apotropäische Handlungen wie das Anbringen von Schutzzeichen und Beschwörungen, Jagden, Erzählabende.
    • Diese Rituale schaffen kollektive Praxis, verankern das Meme in der sozialen Struktur.
    • Die Ereignisse werden wiederholt, in bestimmten Zeitpunkten (z. B. Jahreszeiten, Dorffeste) institutionalisiert.
  7. Feedback & Persistenz
    • Erwartungseffekte: Menschen, die im kulturellen Umfeld aufwachsen, deuten Paralyse-Erlebnisse eher als Begegnung mit einem benamten und in die Kultur eingebetteten Wesen.
    • Memeplexe (Erzählung, Bild, Ritual) stabilisieren sich über Generationen.
    • Moderne Medien (Bücher, Internet, Tourismus) transformieren die Meme weiter, generieren neue Varianten.

5. Soziokulturelle Transformation: Von medizinischem Phänomen zu folkloristischem Ritual

Psychischer Ursprung

Im Ausgangspunkt steht ein medizinisch fassbares Phänomen: Schlafparalyse. Für betroffene Personen ist diese Erfahrung sehr real, oft beängstigend, manchmal traumatisch. Kulturell wird das Erlebnis im Rahmen bekannter mythischer Symbolik interpretiert. Das soziale Gedächtnis liefert archaische Muster, die Projektion und Deutung ermöglichen.

Identität und Gemeinschaft

Elwedritsche sind Teil eines regionalen Brauchtums, das Identität stiftet. Für Einheimische kann der Glaube an diese Wesen ein kollektives Bindeglied sein. Geschichten über Elwedritsche werden bei Gemeinschaftstreffen, Festen oder Erzählabenden geteilt.

Ritualbildung

Durch gemeinschaftliche Rituale (z. B. symbolische Jagden, Beschwörungen, Schutzzeichen) wird das kulturelle Meme institutionalisiert. Solche Rituale dienen mehreren Zwecken:

  1. Verarbeitung von Angst: Durch das symbolische „Bändigen“ des nächtlichen Druckdämons als „Elwedritsch in Ritualen können Menschen ihre Nachtängste kollektiv adressieren und relativieren.
  2. Soziale Kohäsion: Rituale schaffen ein Gemeinschaftserlebnis, das Zugehörigkeit stärkt und Ängste in eine soziale Struktur einbettet.
  3. Kulturelles Kapital & Tourismus: Der Mythos kann als kulturelles Alleinstellungsmerkmal dienen, das Touristen anzieht, kulturelle Veranstaltungen fördert und wirtschaftlichen Nutzen generiert.

6. Schlussfolgerung und Ausblick

Die psychologisch-memetische These bietet ein integratives Modell zur Erklärung der Elwedritsche als kulturelle Entitäten: Durch die Verbindung von neurophysiologischer Angst (Schlafparalyse), kognitiver Interpretation, memetischer Evolution und sozialer Ritualisierung entsteht eine kohärente Erklärung dafür, warum solche Legenden persistent sind und bis heute in lokalen Traditionen lebendig bleiben.

Abschließend ist festzuhalten, dass Elwedritsche nicht einfach Relikte der Vergangenheit sind, sondern lebendige, sich entwickelnde Mem-Strukturen, die tief in menschlicher Psychologie verwurzelt sind und gleichzeitig durch soziale und mediale Praktiken weiter transformiert werden.

Literatur

  • Blackmore, Susan (1999). The Meme Machine. Oxford University Press.
  • Dawkins, Richard (1976). The Selfish Gene. Oxford University Press.
  • Sperber, Dan (1996). Explaining Culture: A Naturalistic Approach. Blackwell.
  • Aunger, Robert (Hrsg.) (2001). Darwinizing Culture: The Status of Memetics as a Science. Oxford University Press.

Shooflies „rocken“ das Auswanderermuseum

„The Shooflies“, derzeit auf „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour 2025“ in der Region unterwegs

Von Michael Werner

Seit 17 Jahren gibt es die von der Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“ organisierte „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“. Sie bringt jährlich im Herbst Künstler aus Pennsylvania nach Deutschland – für vier bis fünf Konzerte an vier Tagen. In diesem Jahr ist die erst vor drei Jahren gegründete Band „The Shooflies“ zu Gast, bestehend aus den Schwestern Brigitte Weinsteiger (2. von rechts) und Erika Gustavson (rechts) sowie deren Tochter Adelaide Gustavon (2. von links) und Ehemann Pete Gustavson. Bei einigen Liedern wirken auch die drei jüngeren Töchter der Schwestern mit, so dass auf der Bühne dann ein vielstimmiger Chor singt. Die „Shooflies“ rissen bei ihrem Debut in Deutschland im Auswanderermuseum Oberalben die mit über 100 Zuschauern voll besetzte Museumsscheune zu Begeisterungsstürmen hin.

Traditionelle pennsylvanisch-deutsche Stücke wie „Bucklich Maennli“, „Mir breichte keini Schwieger-ma-ma-ma“ oder „Schnitzelbank“ wechselten sich mit beschwingten „Hoe Down“-Stücken ab, bei denen Tochter Adelaide mit ihrer Geige die Führungsrolle übernahm. Eindrucksvoll sind die gut inszenierten mehrstimmigen Gesänge, die man in dieser Perfektion im Pennsylvania Dutch Country so vielleicht noch nie gehört hat. Die Band macht „hiwwe wie driwwe“ eine wunderbare Werbung für die beeindruckende bäuerliche Kultur der Nachfahren überwiegend pfälzischer Auswanderer in Pennsylvania. Gut möglich, dass sich künftig in ihrer Heimat noch mehr Menschen für die Kultur ihrer Vorfahren interessieren und begeistern. „The Shooflies“ sind schon jetzt charmante Botschafter ihrer Region, mit der die Pfalz und Rheinhessen so viel verbindet. Die Zuschauer ließen die Band erst nach mehreren Zugaben und mit Standing Ovations von der Bühne.

Am heutigen Freitag, 17. Oktober, spielt die Band ab 19 Uhr in der Gemeindebücherei in der Alten Schule in Ober-Olm. Am morgigen Samstag, 18. Oktober, kann man ihre Musik beim Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit im Festzelt des Winzerfestes in Bockenheim hören und ab 20 Uhr im Bürgerhaus Alta Ripa in Altrip bei Ludwigshafen. Höhepunkt ist schließlich die Begleitung des 19. Deutsch-Pennsylanischen Tages, der am Sonntag, 19. Oktober, ab 15 Uhr im Theodor-Zink-Museum in Kaiserslautern begangen wird. Diese Veranstaltung organisieren die Stadt Kaiserslautern, der Deutsch-Pennsylvanische Arbeitskreis e.V. und die Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz gemeinsam.

Die Elwedritsche-Ahnengalerie

Von Lilith zur Elwedritsch war es kulturhistorisch ein langer Weg …

Dürfen wir vorstellen: Die Elwedritsche-Ahnengalerie von Lilith (links) über die frühneuzeitliche Albdrude (2. von links) und die Elbedritsch des 18. Jahrhunderts in Pennsylvania (2. von rechts) zur pfälzischen Elwedritsch des 21. Jahrhunderts. Man könnte die Reihe erweitern um mesopotamische Sturmgottheiten, antike Göttinnen bzw. Dämonen sowie gestaltwandlerische Hexen des ausgehenden Mittelalters. Sie alle gehören in die lange Reihe negativer Gestalten, die Menschen in der Nacht bedrücken sowie Schwangeren, Säuglingen und Wöchnerinnen zur tödlichen Gefahr werden. Medizinisch stecken hinter dem Phänomen Ereignisse wie die Schlafparalyse (Schlaflähmung), Schlafapnoe, nächtliche Herztode sowie der plötzliche Kindstod. Was wir hier sehen, ist die kulturelle Verarbeitung von Todes- und Verlustängsten. Übrigens: Fabeltiere und fantastische Tierwesen fehlen nicht in dieser Reihe. Sie sind für die Erklärung des Phänomens, das sich hinter den Elwedritschen verbirgt, schlicht irrelevant.

Mehr Informationen findet man hier: http://www.elwedritsch.de

Die Elwedritsche als Tarnform Liliths: Dämonologie, Volksmythos und christlich-jüdische Abwehrkulturen im Rheintal

Albdrude – Vorstufe der Elwedritsch – und Drudenmesser zu ihrer Abwehr

Abstract: Die Elwedritsche, ein pfälzisches Fabelwesen, wurde bislang als humoristische Regionalfigur ohne tiefere mythologische Bedeutung betrachtet. Neue kulturhistorische Arbeiten deuten jedoch auf eine Verbindung zur altorientalischen Dämonin Lilith hin. Diese These erlaubt nicht nur eine Reinterpretation der Elwedritsche als Trägerin verdrängter Archetypen, sondern eröffnet auch neue Perspektiven auf die interreligiösen Dynamiken im mittelalterlichen Rheintal. Der Artikel untersucht, ob die Dämonenabwehr als kollektive Schutzpraxis oder als Projektionsfläche für die Ausgrenzung des „Fremden“ – insbesondere der jüdischen Bevölkerung – diente.

1. Einleitung

Die Elwedritsche ist ein regionales Fabelwesen der Pfalz, das in volkstümlichen Erzählungen als vogelähnliches Mischwesen mit Geweih und nächtlicher Aktivität beschrieben wird. Ihre Funktion war lange auf humoristische Brauchtumspflege beschränkt. Erst jetzt wird ein kulturhistorischer Zugang eröffnet, der die Elwedritsche als Trägerin verdrängter mythologischer Inhalte interpretiert – insbesondere als Tarnform der altorientalischen Dämonin Lilith.

2. Lilith: Dämonin der Nacht und archetypische Bedrohung

Lilith ist eine zentrale Figur der jüdischen Dämonologie. In babylonischen und talmudischen Quellen erscheint sie als geflügeltes, weibliches Nachtwesen, das Neugeborene bedroht und Männer in erotischen Träumen heimsucht. Ihre mythologische Funktion oszilliert zwischen weiblicher Autonomie und dämonischer Bedrohung. In der jüdischen Volksreligion wurde Lilith durch Amulette, Bannzettel und Schutzformeln abgewehrt – ein Brauch, der sich bis ins mittelalterliche Rheintal nachweisen lässt.

3. Die Elwedritsche als Transformationsfigur

Die These, dass die Elwedritsche eine volkstümlich entdämonisierte Erscheinungsform Liliths ist, basiert auf mehreren strukturellen Parallelen:

  • Hybride Anatomie: Beide Wesen sind Mischformen aus Tier und Mensch.
  • Nächtliche Aktivität: Sie erscheinen bevorzugt in der Dunkelheit.
  • Weibliche Konnotation: Beide Figuren sind weiblich codiert und mit Fruchtbarkeit, Wildheit und Unkontrollierbarkeit assoziiert.
  • Narrative Funktion: Sie dienen als Projektionsfläche für Ängste und als Erklärung für unerklärliche nächtliche Phänomene.

Diese Merkmale deuten auf einen Prozess des „Mythentransfers“ hin, bei dem eine bedrohliche Urgestalt in eine scherzhafte Regionalfigur überführt wurde.

4. Dämonenabwehr im Rheintal: Gemeinsamkeit oder Ausgrenzung?

Im mittelalterlichen Rheintal existierten sowohl christliche als auch jüdische Praktiken zur Abwehr nächtlicher Dämonen. Während Christen auf Exorzismen, Heiligenbilder und architektonische Schutzsymbole setzten, verwendeten jüdische Gemeinden Lilith-Bannzettel, Schutzamulette und Segenssprüche.

Diese Praktiken könnten auf eine gemeinsame Abwehrkultur hindeuten – ein interreligiöses Schutzbündnis gegen das Unheimliche. Doch es gibt auch Hinweise darauf, dass die Dämonisierung Liliths als Chiffre für die Ausgrenzung des Jüdischen diente. In christlichen Darstellungen wurde das Dämonische häufig mit dem „Fremden“ gleichgesetzt – eine Gleichsetzung, die zur sozialen Marginalisierung jüdischer Gemeinden beitrug.

Die Elwedritsche könnte somit als kultureller Puffer fungiert haben: eine Figur, die es erlaubte, die Angst vor Lilith zu externalisieren, ohne sich mit deren jüdischer Herkunft auseinandersetzen zu müssen. Ihre Harmlosigkeit war möglicherweise nur Oberfläche – darunter lag ein verdrängter Mythos, der mit realer Ausgrenzung korrespondierte.

5. Schlussfolgerung

Die Reinterpretation der Elwedritsche als Tarnform Liliths stellt einen Fortschritt im Zugang zum Thema dar. Sie zeigt, wie tief globale Archetypen in lokalen Erzählungen verborgen sein können – und wie eng Dämonologie, Volksglaube und interreligiöse Dynamiken miteinander verwoben sind. Die Elwedritsche ist damit nicht nur ein pfälzisches Fabelwesen, sondern ein Spiegel kultureller Ängste, Transformationsprozesse und sozialer Spannungen im mittelalterlichen Rheintal.

Literaturverzeichnis

  1. Patai, Raphael: The Hebrew Goddess. Detroit: Wayne State University Press, 1990.
  2. Schäfer, Peter: Mirror of His Beauty: Feminine Images of God from the Bible to the Early Kabbalah. Princeton University Press, 2002.
  3. Trachtenberg, Joshua: Jewish Magic and Superstition. Philadelphia: University of Pennsylvania Press, 1939.

Die pfälzische Elwedritsch als Nachfahrin der nächtlichen Druckdämonen Mahr, Albe, Drude und Trotterkopf (Schweiz)

Von Michael Werner

1. Einleitung

Die pfälzische Elwedritsch gilt heute als humorvolle Sagengestalt, die in Jagdbräuchen und folkloristischen Erzählungen präsent ist. Ihre Wurzeln reichen jedoch tief in den europäischen Volksglauben zurück. Sie ist nicht isoliert entstanden, sondern steht in einer Traditionslinie mit den nächtlichen Druckdämonen: Mahr, Alb, Drude und Trotterkopf. Diese Gestalten wurden über Jahrhunderte als Erklärung für Albträume, Schlafparalyse und nächtliche Beklemmung herangezogen.

2. Überblick über die historischen Vorläufer

  • Mahr (ahd. mara, 9. Jh.): Nachtgeist, der sich auf die Brust des Schlafenden setzt und Albträume verursacht.
  • Alb/Albe (ahd. alb, 11. Jh.): germanischer Elf oder Nachtgeist, Ursprung des Wortes „Albtraum“.
  • Drude (mhd. trute, 12.–13. Jh.): weibliches Zauberwesen, das Menschen durch nächtliche Plagen bedrängt.
  • Trotterkopf (Schweiz, Volksglaube): Mischwesen aus Nachtmahr und Totengeist, gegen das Bannformeln überliefert sind.

Das älteste der drei Wörter ist Mahr (ahd. mara, 9. Jh.), gefolgt von Albe (ahd. alb, 11. Jh.). Das Wort Drude taucht erst deutlich später im Mittelhochdeutschen (ca. 12.–13. Jh.) auf.

2.1 Mahr

  • Beleg: Althochdeutsch mara (9. Jahrhundert).
  • Bedeutung: Ein weiblich vorgestelltes Nachtwesen, das sich auf die Brust des Schlafenden setzt und Albträume verursacht.
  • Verwandt mit engl. nightmare, schwed. mara, altnord. mara.
  • Fazit: Sehr alte Wurzel, vermutlich indogermanisch (morā), mit Belegen schon im frühen Mittelalter.

2.2 Albe (Alb)

  • Beleg: Althochdeutsch alb (11. Jahrhundert).
  • Bedeutung: Unterirdischer Naturgeist, elbisches Wesen, verwandt mit elf im Englischen und alfr im Altnordischen.
  • Fazit: Etwas jünger als Mahr, aber ebenfalls tief im germanischen Volksglauben verwurzelt.

2.3 Drude

  • Beleg: Mittelhochdeutsch trute (12.–13. Jahrhundert).
  • Bedeutung: Hexen- oder Zauberwesen, oft weiblich, das Menschen durch Zauber oder nächtliche Übergriffe plagt.
  • Herkunft: Unsicher; möglicherweise verwandt mit „truten“ = „betrügen, täuschen“.

3. Der Trotterkopf als Sonderform in der Schweiz

Beim Trotterkopf handelt es sich um eine dämonische Vorstellung im schweizerischen Volksglauben. Das Konzept vermischt die nächtlichen Druckdämonen (Mahr, Alb, Drude) mit Totengeistern – Wiedergängern, die keine Ruhe finden. Der Trotterkopf konnte als krankmachendes Wesen oder als Last auf dem Menschen verstanden werden, ähnlich wie die Mahr oder die Drude, die nachts auf die Brust drückten. In manchen Regionen wurde der Begriff auch mit Hexerei oder Besessenheit verbunden.

Alle vier Begriffe (Mahr, Alb, Drude, Trotterkopf) stehen für nächtliche Bedränger oder dämonische Kräfte.Gegen Mahr, Alb und Drude gab es Bannsprüche und Abwehrzauber (z. B. Kreuze über das Bett, Gebete, Schutzzeichen).Der Trotterkopf reiht sich hier ein: ein regionaler Ausdruck für eine ähnliche Vorstellung, mit eigenen Bannformeln. Das Schweizerisches Idiotikon verzeichnet Trotter und Trotterkopf mit Hinweisen auf Bannformeln. Im Volksglauben in der Schweiz (Sammlungen des 19. Jh.) sind Bannsprüche gegen nächtliche Dämonen und Krankheitsgeister dokumentiert.Diese sind vergleichbarmit den Bannformeln gegen Mahr und Drude, die in den Grimmschen Sammlungen und in Volkskundeliteratur überliefert sind.

Verbindung zum Nachtmahr

  • Der Nachtmahr (ahd. mara) ist ein dämonisches Wesen, das sich nachts auf die Brust des Schlafenden setzt und Atemnot sowie Albträume verursacht.
  • Der Trotterkopf übernimmt diese Funktion: er „sitzt“ auf dem Menschen, verursacht Beklemmung und wird durch Bannformeln vertrieben.
  • Damit ist er funktional identisch mit dem Mahr, aber regional anders benannt.

Verbindung zum Totengeist

  • In vielen Regionen der Schweiz galt der Trotterkopf nicht nur als Dämon, sondern auch als Seele eines Verstorbenen, die keine Ruhe findet.
  • Er konnte als „Toter, der zurückkehrt“ interpretiert werden – ähnlich wie andere Totengeister im Volksglauben.
  • Diese Vorstellung erklärt, warum gegen den Trotterkopf Bannsprüche gesprochen wurden: man wollte nicht nur einen Dämon, sondern auch einen ruhelosen Toten abwehren.

Mischcharakter

  • Doppelrolle:
    • Als Nachtmahr → verursacht Albträume und nächtliche Beklemmung.
    • Als Totengeist → Ausdruck des Glaubens an unruhige Seelen, die die Lebenden heimsuchen.
  • Der Trotterkopf ist damit ein Hybridwesen, das beide Vorstellungen verbindet.
  • Diese Mischform ist typisch für den Volksglauben: Grenzen zwischen Dämonen, Hexenwesen und Totengeistern waren oft fließend.

4. Beispiele aus Originalquellen

Schweizerisches Idiotikon (Band XI, Artikel Trotterkopf)

Dort wird ein Bannspruch dokumentiert, der in der Ostschweiz gegen nächtliche Plagen verwendet wurde:

„Trotterkopf, fahr us, im Namen Jesu Christi, du sollst nimmer wider cho.“ (Idiotikon, Bd. XI, Sp. 1423f.)

  • Inhalt: Aufforderung an den Trotterkopf, den Menschen zu verlassen.
  • Form: Klassische Bannformel mit christlicher Anrufung.
  • Funktion: Schutz vor nächtlicher Beklemmung und Albträumen.

Volkskundliche Sammlung (19. Jh., Toggenburg)

Ein weiterer Spruch lautet:

„Trotterkopf, ich bann dich, dass du mir nit meh uf d’Bruscht sitzisch, im Namen vom Vater, Sohn und heiligem Geist.“ (Quelle: Sammlung Tobler, zitiert im Idiotikon, Bd. XI)

  • Inhalt: Dreifache Anrufung der Trinität.
  • Funktion: Abwehr des nächtlichen Drucks, der als Ursache für Atemnot und Angst gedeutet wurde.

Vergleich mit Mahr- und Drudenbann

  • Ähnliche Sprüche finden sich auch gegen die Mahr und die Drude, z. B.: „Mahr, Mahr, du sollst nit uf mir fahr, im Namen Jesu Christi.“

5. Die Albdrude als Verschmelzung von Albe und Drude

Im süddeutschen und österreichischen Raum entwickelte sich die Vorstellung der Albdrude, einer besonders gefährlichen Kombination aus Alb und Drude. Sie bedrohte insbesondere Frauen und Kinder und galt als Inbegriff des nächtlichen Druckdämons.

Die Albdrude ist eine Gestalt des süddeutschen und österreichischen Volksglaubens. Sie gilt als eine dämonische Mischfigur aus Alb (Nachtgeist) und Drude (Hexenwesen), die nachts Menschen bedrückt, Atemnot und Albträume verursacht und besonders Frauen, Kinder und Wöchnerinnen heimsucht.

Herkunft des Begriffs

  • Alb: germanischer Nachtgeist, der Albträume verursacht (vgl. engl. elf, nightmare).
  • Drude: weibliches Zauberwesen, das sich nachts auf die Brust setzt und Beklemmung auslöst.
  • Albdrude: Kombination beider Vorstellungen – ein besonders gefährlicher „Druckgeist“.

Erscheinung und Wirkung

  • Beschrieben als nächtlicher Druckgeist, der sich auf die Brust des Schlafenden setzt.
  • Verursacht Albträume, Atemnot, Beklemmung.
  • In manchen Regionen speziell gefürchtet als Bedrohung für Kinder, Schwangere und Wöchnerinnen.
  • Teilweise mit hexenhaften Zügen dargestellt: lange Nase, zusammengewachsene Augenbrauen, blasses Gesicht.

Regionale Verbreitung

  • Besonders im Schwabenland, Mittelfranken, Bayern und Österreich verbreitet.
  • In der Pfalz und Rheinhessen wurde die Albdrude später „verkleinert“ und in die Figur der Elwedritsch überführt – ein Beispiel für die Transformation von Schreckgestalten in harmlose Sagentiere.

Bann und Abwehr

  • Gegen die Albdrude wurden Bannsprüche und christliche Schutzformeln gesprochen, ähnlich wie gegen Mahr und Drude.
  • Typische Abwehrmaßnahmen: Kreuzzeichen über dem Bett, Gebete, Amulette.
  • Ziel: die Albdrude am nächtlichen „Drücken“ hindern und sie vertreiben.

Die Albdrude ist ein dämonisches Mischwesen aus Alb und Drude, das im süddeutschen und österreichischen Volksglauben als besonders gefährlicher Druckgeist galt. Sie verbindet die Eigenschaften des Albtraum verursachenden Nachtmahrs mit denen einer hexenhaften Drude und wurde durch Bannformeln und Schutzrituale abgewehrt.

6. Von der Albdrude zur Elwedritsch

Die Elwedritsch (Pfälzer Fabelwesen) ist im Vergleich zu Mahr, Alb, Drude, Trotterkopf und Albdrude eine humorisierte, verkleinerte und entschärfte Form der Albdrude. Während die Albdrude als gefährlicher nächtlicher Druckgeist galt, wurde sie in der Pfalz „verkleinert“ und in ein harmloses, vogelähnliches Sagengeschöpf verwandelt – die Elwedritsch.

Die Albdrude bedrohte nach Volksglauben besonders Kinder, Schwangere und Wöchnerinnen mit nächtlicher Beklemmung und Atemnot. Um den Schrecken zu nehmen, wurde die Figur im Pfälzer Volksglauben verkleinert und verniedlicht. Ergebnis: Die Elwedritsch, ein vogelähnliches, oft komisch dargestelltes Wesen, das man nicht mehr fürchtete, sondern „jagte“ (Elwedritsche-Jagd als Brauch). Die Elwedritsch zeigt, wie sich Volksglauben transformiert: Vom dämonischen Druckgeist (Albdrude) zum harmlosen Fabeltier (Elwedritsch). Dieser Prozess ist typisch: Schreckgestalten werden im Laufe der Zeit „verkleinert“ oder „verharmlost“ und in die Folklore integriert.

WesenUrsprungWirkungStatus im Volksglauben
Mahrahd. mara (9. Jh.)Albträume, Druck auf BrustDämonisch
Albahd. alb (11. Jh.)Nachtgeist, TraumdämonDämonisch
Drudemhd. trute (12.–13. Jh.)Hexenwesen, nächtliche PlageDämonisch
AlbdrudeKombination Alb + Drude (mglw. 16. Jh. – Belege erst ab 19. Jh.)besonders gefährlicher DruckgeistDämonisch
TrotterkopfSchweiz, VolksglaubeMischwesen Nachtmahr + Totengeist, mit BannformelnDämonisch
ElwedritschPfalz (ab ca. 17. Jh.)humorisiertes Fabeltier, JagdobjektVerharmloste Sagengestalt

Nach der sprachlichen Verkleinerung folgte die rituelle Verbannung: Die Elwedritsch wurde „in den Wald gejagt“, um sie aus der Gemeinschaft zu entfernen. Aus dem Bannritual entwickelte sich ein humorvoller Brauch: die Elwedritsche-Jagd, bei der man Fremde mit Sack und Laterne nachts auf die Suche schickte. Damit wurde die frühere Angstgestalt endgültig in die Folklore integriert und ihrer Bedrohlichkeit beraubt.

Die pfälzische Elwedritsch ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Transformation von Angstgestalten zu Folklorefiguren. Aus der gefürchteten Albdrude wurde durch sprachliche Verkleinerung und rituelle Verbannung ein harmloses Sagengeschöpf, das heute als Symbol pfälzischer Kultur gilt. Damit zeigt sich, wie Volksglaube über die Jahrhunderte Angst in Humor verwandelt und Dämonen in Fabelwesen transformiert.

7. Quellen:

Originalquellen und Zitate

Mahr

  • Grimm, Deutsches Wörterbuch (DWB): „ahd. mara, mhd. mar(e), ein weiblicher Nachtgeist, der den Schlafenden bedrückt.“ (DWB, Bd. 12, Sp. 1546f.)
  • DWDS – Etymologisches Wörterbuch: „ahd. mara f. (9. Jh.), mhd. mar(e) m./f., asächs. mara, engl. nightmare.“ Quelle: DWDS – Mahr
  • Duden Online → „mittelhochdeutsch mar(e), althochdeutsch mara, ursprünglich vielleicht = Zermalmerin“ Quelle: Duden – Mahr

Alb / Albe

  • Grimm, DWB: „ahd. alb, mhd. alp, unterirdischer Naturgeist, elbisches Wesen.“ (DWB, Bd. 1, Sp. 293–296)
  • Wikipedia – Nachtalb: „Ahd. alb (11. Jh.), mhd. alp, aengl. ælf, engl. elf, anord. alfr.“ Quelle: Wikipedia – Nachtalb

Drude

  • Grimm, DWB: „mhd. trute, drude, weibliches Zauberwesen, Hexe, Gespenst.“ (DWB, Bd. 2, Sp. 1225–1228)
  • Forum OÖ Geschichte: „Die Drud ist, wie der Alb und der Mahr, ein nächtlicher Druckgeist, der böse Träume verursacht.“ Quelle: Forum OÖ Geschichte – Drud
  • Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (24. Aufl., 2002) → „Drude, mhd. trute, Hexenwesen; möglicherweise verwandt mit trügen.“ Quelle: Kluge, Etymologisches Wörterbuch, S. 234.

Trotterkopf

  • Schweizerisches Idiotikon: „Trotterkopf, ein nächtlicher Druckgeist, halb Mahr, halb Totengeist; gegen ihn wurden Bannformeln gesprochen.“ (Idiotikon, Bd. XI, Sp. 1423f.)
  • Bannspruch (Ostschweiz, 19. Jh.): „Trotterkopf, fahr us, im Namen Jesu Christi, du sollst nimmer wider cho.“

Albdrude

  • Grimm, DWB: „Albdrude, eine besonders gefährliche Drude, die Frauen und Kinder bedrückt.“
  • Legende der Drude: „Die Drude stammt aus den Sippen der Maren und Alpdrücker und treibt als nächtlicher Druckgeist ihr Unwesen.“ Quelle: druden.de – Legende der Drude

Elwedritsch

  • Wikipedia – Elwetritsch: „Die Elwetritsch ist ein pfälzisches Fabelwesen, das als Verkleinerungsform der Albdrude gilt.“
  • Hiwwe wie Driwwe: „Weißt du nicht, daß böse Seelen nächtlich aus dem Leibe rücken, um den Menschen zu bedrücken…“ Quelle: Hiwwe wie Driwwe – Albdrud/Elwedritsch

Quellenliste

  1. Grimm, Jacob & Wilhelm: Deutsches Wörterbuch, diverse Bände (Leipzig, 1854–1961).
  2. Schweizerisches Idiotikon, Bd. XI (Zürich, 1881ff.).
  3. DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: Mahr.
  4. Wikipedia: Nachtalb.
  5. Forum OÖ Geschichte: Die Drud/Trud.
  6. Druden.de: Legende der Drude.
  7. Wikipedia: Elwetritsch.
  8. Hiwwe wie Driwwe: Das wahre Wesen der Elwedritsch.

Literatur

  • Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter, 2002.
  • Grimm, Jacob & Wilhelm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1854–1961.
  • Schweizerisches Idiotikon: Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Zürich, 1881ff.
  • Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg, 1991.
  • Bächtold-Stäubli, Hanns: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin/Leipzig, 1927–1942.

Wilhelm Busch und die Albdrud

Weißt du nicht, daß böse Seelen
Nächtlich aus dem Leibe rücken,
Um den Menschen zu bedrücken
Und zu treten und zu quälen,
Wenn er auf dem Rücken ruht?
Lautlos durch verschloss’ne Türen
Immer näher siehst du’s kommen,
Zauberhaft und wunderlich.
Und dir graust es vor dem Dinge,
Und du kannst dich doch nicht rühren,
Und du fühlst dich so beklommen,
Möchtest rufen, wenn’s nur ginge,
Und auf einmal hat es dich. (Wilhelm Busch)

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