Meine lange Reise zu den Elwedritschen

Elbedritsche in Pennsylvania (Patrick Donmoyer 2012)

Der Mensch neigt zur Effizienz: Er tut, was er tun muss – und was er tut, hat in aller Regel einen Grund. Wenn wir in der Geschichte zurückschauen, ging es für die Einzelnen im Alltag immer um die einfachen Dinge: Wo schlafe ich heute Nacht? Wie bekomme ich etwas zu essen? Wie schütze ich mich vor Krankheiten, vor Fremden etc.? Wie sichere ich mein Seelenheil? Und wenn sich in diesen Kontexten Bräuche – kulturelle Muster – ausgebildet haben, zahlten sie in irgendeinder Weise auf eines dieser Grundbefürfnisse ein. Gerade der bäuerliche Alltag war in früheren Zeiten geprägt von einer Abfolge von Dingen, die getan oder gelassen werden mussten – und Festen, die man gemeinsam feierte. Immer ging es darum, das Überleben der Bauersfamilie zu sichern.

Den bäuerlichen Jahreslauf habe ich bei meinen Reisen nach Pennsylvania über 30 Jahre kennenlernen dürfen: bei Amish und Mennoniten, bei Lutheranern und Reformierten. Das Denken in Kreisläufen und im Jahreslauf hat mich stets sehr beeindruckt.

Während meiner vielen Besuche haben die Menschen mir Geschichten erzählt. Sie handelten von Figuren, die ich aus meiner Kindheit kannte: Zwergen und Kobolden im Garten („Eckleit“), einem „bucklich Maennli“ im Haus, das allabendlich eine Schale Milch erhält, dem Buschmops und dem Butzemann auf dem Feld, dem Belznickel und – ja – auch den Elbedritsche (in Pennsylvania mit „b“ geschrieben). Ich war überrascht, sie alle in Amerika wiederzufinden, und sogar noch einige mehr. So lernte ich „Albatwitch“, den pennsylvanischen Bigfoot kennen, den „Ewich Yaeger“ und den schrecklichen „Snallygaster“, der durch die Luft fliegt und Menschen mit sich zieht, aber auch die Wilde Jagd, die in ähnlicher Weise vor allem im Winter Schrecken verbreitete. Dann begegneten mir auch noch Frau Holle und „Rips“, wie Rübezahl in Pennsylvania genannt wird.

Lange habe ich mir diese Geschichten angehört und mir weiter nichts dabei gedacht. Doch dann, eines Abends, kam mir ein fast unheimlicher Gedanke: Was, wenn all diese Figuren in einer Beziehung zueinander stehen. Mehr noch: Was, wenn sie in einer Weise in Beziehung miteinander stehen, dass sich daraus ein in sich geschlossenes System ergibt? Falls ja, würde sich vielleicht sogar besser erklären lassen, was wirklich hinter dem Belznickel steckt, und was hinter den Elbedritsche.

Dem vermeintlichen Fabeltier ist noch niemand wirklich auf die Schliche gekommen – weder in der Pfalz noch in Pennsylvania. Und doch glaube ich nicht, dass es Aliens waren, die es irgendwann mit einem Raumschiff in der Pfalz absetzten, von wo es mit Auswanderern auch nach Pennsylvania gelangte.

Was da ist, hat einen Grund. Und diesem kann man nachspüren. Als Linguist weiß ich, dass das Deutsche zum sogenannten indogermanischen Sprach- und Kulturraum gehört. Die meisten Sprachen zwischen Portugal und Nordindien sind miteinander verwandet, d.h. sie zeigen Ähnlichkeiten im Wortschatz und der Grammatik. Seit ein paar Jahren weiß man aufgrund neuerer Forschungen im Bereich der sogenannten Paläogenetik, dass das indoeuropäische Urvolk, aus dem alle indoeuropäischen Sprachen hervorgegangen sind, vor etwa 8000 Jahren im fruchtbaren Halbmond lebte – vermutlich im nördlichen Iran. Von da aus breitete es sich über die nächsten Jahrtausende nach Westen und Osten aus.

Was, dachte ich mir, wenn sich nicht nur die Sprache ausgebreitet hat und sich in den verschiedenen Regionen eigenständig und in unterschiedlicher Weise weiterentwickelte, sondern auch andere kulturelle Muster. Möglicherweise haben ja all die Figuren, die mir in Pennsylvania begegneten und die von Auswanderern vor drei Jahrhunderten an diesen Ort gebracht worden sind, ihren Ursprung genau dort, wo auch die Geburtsstätte der indoeuropäischen Ursprache liegt: In Mesopotamien.

Meine These ist also wie folgt: Mit der Sesshaftwerdung der Menschen haben sich in in der Region des Fruchtbaren Halbmonds kulturelle Muster entwickelt, die Gutes fördern und das Böse abwehren sollten. Mit indoeuropäischen Wanderungsbewegungen breiteten sich diese Muster aus. Das Römische Reich könnte als Verstärker dieser Bewegung fungiert haben, indem das, was da war, rund um das Mittelmeer verbreitet wurde. In Europa veränderten sich die Muster in den Einflussbereichen der Kelten, Germanen, Slaven etc. – und im Laufe der deutschen Kulturgeschichte seit Beginn der Christianisierung begleiten uns die mesopotamischen Relikte in einer sich ständig wandelnden Form. Die Elbedritsch könnte ein solches Relikt sein.

Ich beschloss also, mich von Pennsylvania aus auf den Weg zurück zu machen – eine Reise durch Raum und Zeit zu wagen und mich so dem Hintergrund auch einer für uns so unerklärlichen Figur wie der Elbedritsch zu nähern. Würde ich auf diesem Weg Antworten finden?

Es war eine Reise durch 8000 Jahre Menschheitsgeschichte und rund um den halben Globus, die eine Vielzahl von Überraschungen bereit hielt. Von diesen will ich in meinem Buch erzählen.

Herbert Tiefel – Der mit dem Murmeltier spricht

Herbert Tiefel, Hauptmann von Grundsau Lodsch No. 19 im alte Land (2020)

Eine Würdigung

Es gibt Menschen, die sind für eine bestimmte Rolle wie gemacht. Und wenn sie diese übernommen haben, ist es ein wenig, als könne nie wieder ein anderer diese Aufgabe übernehmen. Wir alle wissen, dass das letztlich nicht stimmt. Und dennoch treffen wir im Leben immer wieder auf Menschen, die mit einer Rolle mehr als nur verwachsen sind. So ist es mit Herbert Tiefel, der seit Ende 2019 „Hauptmann“ der „Grundsau Lodsch No. 19 im alte Land“ ist und damit der oberste Murmeltier-Versteher. Das ist wichtig, denn wer außer einem Murmeltier kann schon einen verlässlichen Wetterbericht für komplette sechs Wochen abgeben?

In der Pfalz heißt es: „Wenn der Dachs seinen Schatten an Maria Lichtmess sieht, bleibt der Winter noch sechs Wochen.“ Das Datum ist wichtig, denn der 2. Februar markiert exakt die Mitte der kalten Jahreszeit: Sechs Wochen sind vorbei, sechs weitere Wochen kommen (vielleicht) noch. Die Bauern prüften an diesem Tag früher, ob etwa die Hälfte der Vorräte noch in den Scheunen und Fruchtkammern war. Falls nicht, kauften sie nach. Zuvor gingen sie nach draußen und sahen nach, ob Maria Lichtmess sonnig und kalt oder aber trüb und regnerisch war. Im zweiten Fall bestand begründete Hoffnung, dass das Frühjahr schon bald kam. Zumindest traf das – vor dem Klimawandel – auf die Region im Südwesten Deutschlands zu. Mit Auswanderern gelangte das (vermeintliche) Wetterwissen über den Rhein und das Meer nach Pennsylvania – wo es keine Dachse gab. Es gab aber jede Menge Murmeltiere, die wie der Dachs ebenso Winterschlaf machten. Also nutzte man in der neuen Welt eine „Grundsau“ (von engl. „ground hog“), um eine Wetterprognose zu erhalten. Die Tiere wurden am betreffenden Termin aus dem Bau gezogen und peinlich befragt. Dies geschah in der Sprache „Groundhogese“ (Grundsauisch). Das bekannteste Murmeltier in Pennsylvania ist „Punxsatawny Phil“ in Zentral-Pennsylvania, aber ab Mitte der 1930er Jahre gründeten sich im pennsylvanisch-deutschen Kerngebiet im Südosten des Staates 18 Groundhog Lodges, die den Brauch in pennsylvanisch-deutscher Mundart auch heute noch pflegen. Groundhog Lodsch No. 19 hat ihren Sitz in Bockenheim an der Weinstraße, und ihr Hauptmann ist Herbert Tiefel!

New Paltz Band mit Herbert Tiefel (2019)

Als ich Herbert im Sommer 2019 in Kutztown kennenlernte, freundeten wir uns schnell an. Er zeigte großes Interesse an der pennsylvanisch-deutschen Kultur und wollte tiefer in Sitten und Gebräuche eintauchen. Ich fragte ihn am Rande des Folk Festivals, ob er eigentlich einen Frack und einen Zylinder besitzt. Er bejahte beides, und so entstand die Idee für die Gründung einer ersten Grundsau Lodsch in Deutschland – eben in der Pfalz.

Zum Glück stieß die Idee in Bockenheim auf reges Interesse, und so konnten wir am 2. Februar 2020 erstmals einen „Murmeltiertag“ in der Pfalz feiern. Rund 200 Menschen kamen, um die Veranstaltung zu sehen, die komplett in Pennsylvanisch-Deutsch gehalten war. Die musikalische Gestaltung übernahm die „New Paltz Band“. Zwischenzeitlich ist der Event immer pfälzischer geworden und hat seine eigenen kleinen Rituale entwickelt. So wohnt das (Plüsch-)Murmeltier „Bockrem Bert“ seit einiger Zeit in einem Weinfass im Park hinter dem Haus der Deutschen Weinstraße. Dort wird es feierlich zum Murmeltiertag („Grundsaudaag“) geweckt. Nach einem Rückblick von Bürgermeister und Ortshonoratioren auf das vergangene Jahr in Bockenheim und der Pfalz befragt Herbert Tiefel das „Murmel-Plüschi“ und übersetzt die Prognose im Anschluss für die Zuschauer vor Ort. In manchen Jahren schließt sich eine Festveranstaltung in der Emichsburg an – im Jahr 2025 bleibt es bei der Zusammenkunft im Park. Das Medieninteresse ist jährlich gewachsen, und so hoffen wir alle, dass der Bockenheimer Murmeltiertag weiterhin eine Konstante im kulturellen Leben der Gemeinde bleibt.

Herbert Tiefel jedenfalls ist in der Rolle seines Lebens, wenn er feierlich die Wetterprognose für die nachfolgenden sechs Wochen abgibt. Hoffentlich bleibt er noch lange Grundsau-Hauptmann, denn auch die „echten“ pfälzischen Murmeltiere, die im Wildpark Silz in der Südpfalz leben und regelmäßig besucht werden, haben sich zwischenzeitlich sehr an ihn gewöhnt.

Videotipp: Grundsaudaag in Bockenheim 2020

Sam Stoltzfus – Der Amish Botschafter

Ein „Amish Buggy“ im Lancaster County

Eine Würdigung

Wenn ich von Sam Stoltzfus (geboren 1943) erzähle, berichte ich gleichzeitig auch von etwa einem Dutzend Amish, zu denen ich in den vergangenen 30 Jahren eine engere Beziehung aufgebaut habe. Ich war in den Gottesdiensten willkommen und habe Werk- wie Sonntage mit ihnen und ihren Familien verbracht. Wenn es zeitlich passte, bin ich mit zu ihren Zusammenkünften gegangen und habe auch ihren Austausch mit den Old Order Mennoniten aufmerksam verfolgt. Zwischen beiden Gruppen gibt es viele Ähnlichkeiten, aber auch ein paar wesentliche Unterschiede. Fotos von Menschen im Portrait gibt es in diesem Artikel nicht, denn Amish lassen sich – bis auf wenige Ausnahmen – nicht gerne bewusst fotografieren.

Ich habe gelernt, dass es bei Amish ebenso viel Liebe und Leid gibt wie in jeder anderen gesellschaftlichen Gruppe auch. Es gibt Gesunde wie Kranke – und viel Ehrlichkeit und Humor. Aber es ist bestimmt keine heile Welt, und wer sich für Landwirtschaft nach Bio-Standards interessiert, sollte woanders suchen.

Für mich standen die Amish ganz am Anfang meines Interesses am Pennsylvania Dutch Country. Ich hatte mich während meines Linguistik-Studiums in Mannheim gefragt, ob es mir durch meinen eigenen pfälzischen Dialekt möglich sein würde, Zutritt zu dieser verschlossenen Gruppe zu erhalten.

Heu-Auktion in New Holland (PA) im Jahr 2015

Es funktionierte. Vermittelt durch die Kontakte meines Freundes Dick Beam besuchte ich bereits im Sommer 1994 die Bauerei von Sam Stoltzfus und seiner Familie in Gordonville im Lancaster County. Wir verstanden uns prächtig. Ich begleitete ihn zu den Versammlungen der Pequea Bruderschaft Library, ging mit ihm zum gemeinsamen Singen von Amish und Mennoniten und besuchte natürlich die Amish „Gmee“, wann immer es möglich war. Bis zu drei Stunden dauern die Gottesdienste, und man lernt viel für’s Leben: Über Gemeinschaft, Rücksichtsnahme und Toleranz (vor allem gegenüber Kindern), aber auch, was strenge Regeln mit einer Gruppe und Individuen auch im negativen Sinne machen können. Mein Fazit ist sehr ambivalent.

Und da es sich bei den Amish letztlich um eine Gesellschaft handelt, deren Wurzeln in der Schweiz liegen, freute ich mich immer, nach einigen Tagen im Lancaster County ins nördlich gelegene Berks County zu wechseln, wo die Nachfahren der alten pfälzer Bauern leben. Hier fühle ich mich zu Hause!

Wohl gefühlt habe ich mich aber auch in den Wohnzimmern von Sam Stoltzfus, Gid Fisher, Ben Riehl und den vielen anderen Amish, die mir die Türen öffneten und meine vielen Fragen gerne beantworteten.

Amish Farm im Lancaster County (2015)

Sam war in all den Jahren meine Konstante. Niemals versäumte ich es, bei meinen Besuchen in Pennsylvania bei Sam vorbeizusehen. Oft blieb es beim kurzen „Bsuche“ – einem Gespräch auf der Porch – manchmal blieb ich zum Essen. Sam war immer geschichts- und sprachinteressiert. Deshalb gingen uns die Themen nicht aus. Er war regelmäßiger Schreiber für meine Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“. Seine Texte stellten mich immer vor Herausforderungen, denn seine Schreibweise der pennsylvanisch-deutschen Mundart war sehr besonders. Aber die Geschichten waren es auch. Einmal berichtete er von einem Fallschirmsprung, den er als Teenager mit Freunden vom Dach einer Scheune gemacht hatte. Alles ging glimpflich aus. Wenn man gleichzeitig gläubiger Christ und ein offener Freigeist ist, kann man im Laufe seines Lebens immer wieder einmal in Diskussionen mit den jeweiligen Gemeindeoberen kommen. Sam hat das alles gemeistert und ist Oberhaupt einer wunderbaren großen Familie.

Erst seit ich meinen Hauptfokus auf Berks County gelegt habe, ist unser Kontakt etwas spärlicher geworden. So habe ich seinen 80. Geburtstag im Jahr 2023 verpasst. Deshalb werfe ich meinen „deitschen Schtrohut“ heute nachträglich in die Höhe und rufe Sam aus der Ferne: „Alles Bescht zu dir, bis mer uns widder sehne!“

Elwedritsche – Die indoeuropäische Perspektive

Wie sich die indoeuropäische Migrationsgeschichte in der Entwicklung des Wortes „Bruder“ spiegelt.

Von Michael Werner

Seit einigen Wochen gebe ich auf dieser Website, in Facebook und Instagram Hinweise zu meinem Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“, das im Frühjahr 2025 erscheinen soll. Die zugehörige Crowdfunding-Kampagne, in der ich um Unterstützung für die Finanzierung der Druck- und Gestaltungskosten bitte, startet am 5. Januar 2025 (alle Infos hier). Erfreulicherweise sind seit Start meiner Aktion die Zugriffszahlen auf die Website „hiwwe-wie-driwwe.com“ sowie in Facebook und Instagram sprunghaft gestiegen. Das Thema trifft in der Pfalz ganz offensichtlich einen Nerv, weil bisher noch kein Ansatz existiert, das Phänomen „Elwedritsche“ kulturhistorisch zu erklären. Diesen liefern wir mit der Einführung einer völlig neuen Perspektive. Da mich in den vergangenen Tagen immer wieder Fragen zu meinem Buch erreichten, will ich das grundsätzliche Vorgehen hier gerne vorab beschreiben:

Bei meinen Reisen durch das Pennsylvania Dutch Country in den vergangenen 30 Jahren habe ich in den verschiedenen Regionen neben der Sprache auch unterschiedliche Bräuche gesammelt und dokumentiert. Immer bewegt man sich in der Beschäftigung mit Pennsylvania-Deutschen hierbei in einem bäuerlichen Kontext. Es ist wichtig, das im Blick zu behalten. Mir ist aufgefallen, dass es einerseits Bräuche – ich nenne sie „kulturelle Muster“ – gibt, für die mir in der Pfalz ein Äquivalent einfällt (z.B. „Butzemann“ ist Pennsylvania vs. „Bi-Ba-Butzemann“ in der Pfalz). Andererseits gibt es unzählige Bräuche, die mir völlig fremd waren (z.B. „Braucherei“ als Gesundbeten oder das Bemalen von Scheunen mit Symbolen in Pennsylvania). Wenn ich eine Liste von 50 kulturellen Mustern dieser Art mache, finde ich vielleicht nur bei 20 von ihnen etwas in der Pfalz, das auch nur entfernt als Äquivalent gelten könnte. Und das, obwohl die meisten Auswanderer aus der historischen Kurpfalz kamen. Warum ist das so?

Es gibt drei mögliche Antworten: (1) Die restlichen Muster waren auch in der Pfalz bekannt, sind heute aber vergessen. (2) Die restlichen Muster waren nie in der Pfalz bekannt, sondern wurden durch andere Einwanderergruppen mit nach Pennsylvania gebracht. (3) Es ist eine Kombination von beidem.

Ich bin also in die Literatur eingetaucht und habe mit Sprechern verschiedener Mundarten und Sprechern aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen gesprochen. Besonders aufschlussreich waren hierbei Gespräche mit Bekannten und Kollegen, die im weitesten Sinne aus dem kurdischen Kulturkreis stammen. Mein Ziel war herauszufinden, ob die in Pennsylvania erhaltenen Bräuche vielleicht bei diesen Menschen – außerhalb der Pfalz – auch bekannt waren oder sind. Und tatsächlich wurde ich fündig. Dabei stellte sich heraus, dass Bräuche zu einem bestimmten Thema in Pennsylvania und einer anderen Region in Europa um so ähnlicher waren, je näher diese europäische Region zur Pfalz liegt. Es muss also so sein, dass diese kulturellen Muster in früheren Zeit in einer noch bäuerlichen Gesellschaft auch in der Pfalz bekannt gewesen sind. Heute sind sie es nicht mehr.

Es liegt nahe, neben Aufklärung und Kriegen hier auch die Industrialisierung unserer Region als Grund zu sehen. Nur 1,3% der Menschen in Deutschland sind noch in der Landwirtschaft tätig. Rund 250.000 Betriebe gibt es noch – Tendenz fallend. In Pennsylvania allein gibt es aktuell 50.000 Farmen mit einem eindeutig regionalen Schwerpunkt auf dem Pennsylvania Dutch Country. Der Hotspot liegt in Lancaster County (5.000 Farmen) und den Nachbarlandkreisen Berks (2.000 Farmen), York (2.000 Farmen) und Chester (2.000 Farmen). In diesem bäuerlichen Umfeld haben sich kulturelle Muster des 18. Jahrhunderts erhalten, die bei uns längst vergessen sind. Es sind – weit überwiegend – die Bauereien der Pennsylvania-Deutschen.

Warum aber findet man bei einem Brauch in Pennsylvania Ähnlichkeiten mit Bräuchen in den Niederlanden, in Polen, in Russland, Anatolien, bei Kurden, Jesiden und sogar Menschen in Indien? Spätestens jetzt macht es Sinn, die Perspektive des 21. Jahrhunderts zu verlassen und die in Bräuchen in verschiedenen Ländern erhaltenen Relikte der bäuerlichen Kultur als historisch gewachsenes Geflecht zu verstehen, das über viele Generationen durch Migrationsbewegungen entstanden ist. Wir sind in der indoeuropäischen Perspektive angekommen!

Ausgehend von einer Region, die heute im nördlichen Iran gelegen ist, hat sich die indoeuropäische Ursprache ab etwa 6000 v. Chr. zunächst nach Anatolien und in eine heute in Russland und der Ukraine gelegene Steppenregion ausgebreitet. Von hier zogen die Menschen über viele Generationen nach Westen bis nach Portugal und nach Osten bis nach Indien (die Grafik zum Wort „Bruder“ ist hier nicht mehr ganz aktuell – die neuesten Forschungsergebnisse zur indoeuropäischen Migration gibt es auf der Website der Max-Planck-Gesellschaft).

Schaut man sich die Grafik zur Entwicklung des Wortes „Bruder“ an, sieht man schnell die Ähnlichkeiten, die auch nach 8000 Jahren indoeuropäischer Sprachentwicklung noch vorhanden sind. Nun muss man sich nur noch auf die Suche nach Bräuchen machen, die im weitesten Sinne mit dem zu tun haben, was uns in der Pfalz als „Elwedritsche“ bekannt ist. Wie Hänsel und Gretel habe ich mich umgedreht und bin den Pfad der langen Wanderung rückwärts gelaufen. Dabei habe ich immer wieder die Brotkrumen aufgelesen, die mir gezeigt haben, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Es offenbarte sich nicht nur ein pan-europäisches Geflecht an kulturellen Mustern, die in den verschiedenen bäuerlichen Gesellschaften ähnlich waren. Vor dem Hintergrund dieses Geflechts wurde auch immer klarer, was Elwedritsche wirklich sind. Mein Buch erzählt diese wirklich spannende Geschichte.

Prof. Don Yoder – Die Legende

Prof. Don Yoder (1921-2015) mit Michael Werner im Jahr 2007

Eine Würdigung

Manchmal braucht man lange, um zu bemerken, wie wichtig die Bekanntschaft einer Person für einen selbst gewesen ist. Man nimmt die Begegnungen, wie sie kommen – und entdeckt erst viele Jahre später, welch entscheidende Schalter im Rahmen dieses Austauschs umgelegt wurden. So ging es mir mit Prof. Don Yoder (1921-2015), der in vielerlei Hinsicht ein „Jahrhundertmann“ und eine Legende war.

Don Yoder hatte ich mit Rolands Pauls (1951-2023) Hilfe zweimal in einer Bibliothek getroffen, aber da der Kontakt aufgrund des gemeinsamen Interessensgebietes der pfälzisch-amerikanischen Nordamerikaauswanderung nun immer enger wurde, legte Roland mir einen längeren Besuch in Don Yoders Landhaus in Devon (PA) nahe. Ich wusste, dass Roland bei seinen längeren Pennsylvania-Aufenthalten immer in der kolonialen Villa von Don Yoder wohnte – und Don war bereit, mich auch privat zu empfangen, so dass ich in den Jahren zwischen 2000 und 2015 immer einmal wieder für mehrere Stunden Gelegenheit hatte, mich mit einem der Väter der pennsylvanisch-deutschen Volkskunde auszutauschen. Immerhin war Don Yoder einer der Gründer des Kutztown Folk Festivals im Jahr 1951 – diese traditionsreiche Veranstaltung fand 2024 leider zum letzten Mal statt.

Mit Don sprach ich über Geschichten, die ich im Rahmen meiner linguistischen Studien auf Band aufgenommen hatte, und die mir zum Teil als Pfälzer eigenartig vertraut vorkamen. Bei anderen stand ich völlig im Wald und konnte mir auf nichts einen Reim machen: Da sprach eine Frau von einem „Bucklich Maennli“, das bei ihr neben dem Herd in einer unaufgeräumten Ecke der Küche wohnte. Ein Mann berichtete von einer Vogelscheuche auf dem Feld, die er „Butzemann“ nannte und die Opfergaben erhielt. Ein anderer machte alljährlich im März eine Prozession um sein Grundstück herum, sagte eigenartige Sprüche und legte in allen Ecken Samen als  Geschenke für Elfen ab und Teile eines Fisches für Katzen, die einer Gottheit mit Namen „Freya“ gehörten. Es waren ganz seltsame Geschichten, die irgendwie nicht und irgendwie doch zusammenpassten.

Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises e.V. an Prof. Don Yoder in Alzey im Jahr 2009 (v.l. Dr. Michael Werner, Karl Scherer, Prof. Don Yoder, Frank Kessler)

Die Menschen in Pennsylvania hatten mir über Jahre diese Geschichten erzählt, und weil ich mich zu dieser Zeit vorwiegend mit sprachlichen Phänomenen beschäftigte, hatte ich die Inhalte ihrer Erzählungen zunächst nicht wirklich an mich herangelassen. Die einzelnen Phänomene blieben einfach unverbunden und unverknüpft in einer Hinterstube meines Hirns. Bis zu einem besonderen Tag: Da fand ich in einem Kochbuch das Rezept für Hirschgeweihkekse („antler cookies“), die im Februar gebacken werden, um sie im Wald als Opfergabe für den „Waldmops“ abzulegen.

Ich sprach seinerzeit mit jemandem, der diesen Brauch noch kannte. Auf einmal merkte ich, dass diese Geschichte ein „missing link“ sein könnte – das letzte „Puzzle-Teil“. Von diesem kulturellen Muster aus geschaut fügten sich die anderen Geschichten jetzt auf einmal wundersam zusammen und ergaben ein stimmiges Bild. Und wenn ich darauf schaute, fanden jetzt auf einmal auch die Elwedritsche ihren eindeutigen Platz. Konnte es sein, dass sich mir in Pennsylvania eine Tür geöffnet hatte, um über die kulturellen Praktiken der Pennsylvania-Deutschen einen Blick auf die Pfalz und die Pfälzer im 18. Jahrhundert zu erhalten?

Heute kann ich sagen, dass das genau so ist. Don Yoder, mit dem ich lange hierüber sprach, stimmte mir jedenfalls zu. Ich gehe deshalb einen Schritt weiter und sage, man kann die Pfalz vielleicht überhaupt nur verstehen, wenn man die für die Pfalz relevanten Auswanderungsgesellschaften besucht und von ihnen lernt, wie unsere Vorfahren vor 300 Jahren gelebt und gedacht haben. Auf einmal wird es dann möglich zu erkennen, was wir von der Pfalz aus nicht sehen. Um bei den Elwedritsche zu bleiben – eines sind letztere ganz sicher nicht: Fabeltiere.

Don Yoder „atmete“ die pennsylvanisch-deutsche Kultur, und er hat mich gelehrt, kulturelle Muster nicht mit meinen eigenen Augen anzuschauen, sondern mit den Augen derjenigen, die sie praktizieren. Auch in diesem Punkt habe ich lange gebraucht zu verstehen, was er meint. Aber irgendwann ist mir klar geworden, dass wir in der Pfalz auch deshalb nicht verstehen, was zum Beispiel Elwedritsche sind, weil wir nicht bereit sind, unsere Perspektive als aufgeklärte Menschen des 21. Jahrhunderts aufzugeben und uns in die Perspektive der Menschen zu begeben, die vor vielen hundert Jahren in unserer Region lebten.

Ein Tritschologe aus der Pfalz (nicht aus Landau!) hat mir in einem Gespräch einmal gesagt, er könne ein Buch über Elwedritsche in zwei Wochen schreiben, wenn es sein müsse. Ich habe ihn zu dieser Fähigkeit beglückwünscht. Ich habe 30 Jahre gebraucht, um die Zusammenhänge zu sehen. Don Yoder wäre sicherlich ebenfalls sehr beeindruckt gewesen. Seine Buchprojekte nahmen üblicherweise auch einen langen Zeitraum in Anspruch. Man konnte bei der Lektüre seiner Publikationen aber immer sicher sein, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Elwedritsche – Was sie wirklich mit Hühnern zu tun haben

Von Michael Werner

Um zu verstehen, was Elwedritsche wirklich sind, müssen wir uns in die Lebenswelt der Menschen hineinversetzen, die vor vielen hundert Jahren lebten: Es war ein ländlich geprägtes Leben, in dem es viel Arbeit und Armut gab. Wenn jemand krank wurde, gab es kaum medizinische Hilfe. Wenn die Sonne unterging, war es finster. Feuer spielte deshalb eine besondere Rolle. Die Menschen fürchteten sich vor vielem: vor der Obrigkeit, vor dem aktuellen Gott sowie weiterhin vor den alten heidnischen Göttern, die von der Kirche dämonisiert wurden. Man glaubte noch, dass Beten und Wünschen hilft und dass Beschwörungsformeln in der Lage sind, das Böse abzuhalten. Und man glaubte an die Macht von Symbolen, die Dämonen und Hexen bannen. Das alles ist übrigens nicht lange her: In der Landbevölkerung hielt sich dieser Glaube bis weit ins 19. Jahrhundert und in besonders ländlichen Gegenden noch länger. In Pennsylvania bei den Pennsylvanisch-Deutschen haben sich Relikte davon besser erhalten als bei uns in Deutschland.

Jetzt kommen die Hühner! Sie sind ein gutes Vehikel, um zu verstehen, wie die Menschen damals tickten. In unserer Familie laufen seit 2020 „Hinkel“ im Garten herum und versorgen uns mit Eiern. Und wie jeder Anfänger quält man sich zu Beginn mit Problemen: Die Hühner müssen vor Feinden am Tag (Habicht) und in der Nacht (Wiesel, Fuchs) geschützt werden. Sie brauchen ein wenig Apfelessig im Wasser, damit sie keinen Durchfall bekommen. Auf den Sitzstangen und im Stall muss Kieselgur (Muschelkalk) ausgebracht werden, damit die rote Vogelmilbe sich nicht ausbreitet. Wichtig ist dennoch, die Tiere in festen Abständen zu untersuchen und zu prüfen, dass sie sich keine Federlinge – eine andere Parasitenart – im Garten eingefangen haben. Ein paarmal im Jahr erhalten die Hühner ein Medikament gegen Würmer. Dann darf man die Eier ein paar Tage nicht essen. An den Krallen können sich „Kalkbeine“ entwickeln. Auch hier ist ein Parasit verantwortlich. Man muss die Kröpfe im Blick behalten, um zu checken, dass sie keine Kropfverstopfung haben. Und natürlich brauchen sie eine gute Mischung von Futter: Körner (aber nicht nur!) und sogenanntes Legemehl. Alle sechs Wochen gibt es eine verpflichtende Impfung gegen die Vogelgrippe, die man nicht verpassen darf. Erfahrenere Hühnerhalter werden jetzt vielleicht sagen: Da fehlen noch ein paar Regeln. Bestimmt, doch darauf kommt es nicht an. Was ich sagen möchte, ist: Wenn man all diese Regeln beherzigt, hat man normalerweise kein Problem. Vergisst man aber nur ein oder zwei dieser Aspekte, werden über kurz oder lang ziemlich sicher Probleme auftreten. Auch wir haben hier schon Lehrgeld bezahlt!

Was hat das nun mit Elwedritschen zu tun? Als Hühnerhalter muss ich wie ein Bauer denken: Ich darf nichts vergessen, nur dann sind meine Hühner sicher und gesund! Mit dem gleichen Denkansatz schützten die Bauern früher ihren Hof: Sie pflanzten, was sie brauchten und brachten die Ernte in die Scheune, um den Winter zu überleben. Sie sorgten für ordentlich Feuerholz, um am Abend Licht zu haben und in der kalten Jahreszeit nicht zu erfrieren. Und – jetzt kommts – sie sicherten ihr Gehöft vor dem Bösen, das draußen lauerte. Sie malten Pentagramme und Hexagramme auf Betten, auf Kinderwiegen, über Fenster und Türen, auf Stühle und Obstpressen – und auf Scheunen. Wenn alles gut gesichert war, konnte das Böse nicht eindringen. Im Haus selbst musste natürlich auch ordentlich oft gebetet werden, um den Innenraum positiv aufzuladen. Vergaß der Bauer aber irgendwo, ein verblasstes Symbol zu erneuern, konnten Dämonen wieder einen Weg zur Familie finden. Es war wichtig, alles überall gleichmäßig zu sichern und nichts zu vergessen (erinnern Sie sich an den Hühnerhalter!). Für die Bauern funktionierte das System aus abwehrenden Motiven wie eine Alarmanlage in heutiger Zeit. Wenn man an alles gedacht hatte, war man auch in der Nacht einigermaßen sicher.

Vor nichts fürchteten sich die Bauern mehr als vor dem, was die Elwedritsch war, bevor sie zur Elwedritsch wurde. Was sie war und wie sie letztlich zur Elwedritsch wurde, erzählt mein neues Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“, das im Frühjahr 2025 erscheinen soll.

Die Produktion dieses Buches ist teuer, weswegen ich ab 5. Januar 2025 im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne um Unterstützung bitte. Im Gegenzeug erscheint nicht nur die Publikation. Es gibt auch sehr nette Dankeschöns. Schauen Sie einmal rein:

https://www.startnext.com/elwedritsche-dunkle-gefaehrten

„Michael Werner legt den ersten umfassenden Ansatz zum Verständnis von Elwedritschen vor“

Patrick Donmoyer, Direktor des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers in Kutztown (PA)

Von Patrick J. Donmoyer

Jede menschliche Migration bringt die Saat ihrer Kultur – Sprache, Bräuche, Traditionen, Rituale, Geschichten, Gedichte und Lieder – mit sich und pflanzt sie ein, um in einem neuen und unbekannten Land ein Gefühl von Heimat zu schaffen.

Von 1683 bis 1775 brachten etwa 81.000 deutschsprachige Einwanderer, zumeist Pfälzer, ihre Saat über den Atlantik und pflanzten ihre Gärten im Südosten Pennsylvanias. Während einige von ihnen weiter nach Westen zogen und sich in ganz Nordamerika ausbreiteten, schlugen diejenigen, die blieben, Wurzeln in einer neuen kulturellen Kernregion, die das Aufblühen neuer amerikanischer Gemeinschaften sowohl prägte als auch von ihnen geprägt wurde.

Wie alle Diaspora-Kulturen haben auch die Deutschen in Pennsylvania nicht nur Aspekte der Traditionen bewahrt, die sie aus ihren Herkunftsgemeinschaften in Europa mitgebracht haben und dort längst vergessen sind, sondern diese Traditionen haben sich auch an einen neuen Ort und neue Möglichkeiten angepasst und sind auf neue und farbenfrohe Weise aufgeblüht. Trotz der jahrhundertelange Veränderungen und des Wachstums halten diese Gemeinschaften die Verbindung zu ihren Ursprüngen aufrecht, und ihre Gärten erblühen weiterhin.

Als ich noch ein Kind war, wurde ich eines Nachts beim Zelten in den Wald eingeladen, um einen geheimnisvollen Bewohner der wilden Grenzgebiete zu suchen, die sich an die von Menschen bewohnten Bereiche anschließen. Das Tier, das nicht fliegen konnte, wurde als Hybrid beschrieben und war eine Mischung aus Säugetier und Vogel. Mit jeder Erzählung der Geschichte dieses Geschöpfs erweiterte sich seine Form um neue Kombinationen und Möglichkeiten – ein wahrer Gestaltwandler, dessen Grenzen so weit reichen, wie unsere Vorstellungskraft zulässt. Wir haben die Elbedritsch nie gesehen. Aber wir hörten ihre Schreie in der Dunkelheit (begleitet von etwas, das wie menschliches Lachen klang). Und als wir schließlich mit einem schweren Gewicht in der Tasche von unserer Jagd zurückkehrten, entdeckten wir nur einen Stein.

Seit Generationen steht die Elbedritsch (manchmal auch Elderbritsch, Elfedritschli, Elgedritschel, Albetwitsch, sogar Elefandritsch genannt!) für jenes schwer fassbare Element, das wir jagen, aber nie fangen, nie vollständig beschreiben und schon gar nicht zähmen können. Und genau wie die Pennsylvania-Deutschen, die es sich vorstellen, hat sich auch die Elbedritsch eine Reihe von Ritualen, Geschichten und Praktiken ins neue Land mitgebracht, von denen einige in Europa längst vergessen sind.

Dr. Michael Werner, Herausgeber der Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“ und bekannt als Brückenbauer zwischen den Menschen in der Pfalz und Pennsylvania, ist dem verschlungenen Weg der Elbedritsch von Pennsylvania zurück in die Pfalz und von dort weiter zu den Ursprüngen des Phänomens bis in den fruchtbaren Halbmond gefolgt. Anhand von Geschichten, Liedern und Ritualen nähert sich Dr. Werner schrittweise der Elbedritsch durch Raum und Zeit bis zu ihrem Ursprung in den frühen neolithischen Kulturen unserer indoeuropäischen Vorfahren. Seine Studie ist die erste, die einen umfassenden und ausführlich begründeten Vorschlag macht, was hinter der pfälzisch-pennsylvanischen Elbedritsch wirklich steckt.

Dr. Werner erinnert uns daran, dass ein Verständnis der pfälzischen Kultur unvollständig ist, wenn man nicht auch die im ländlichen Pennsylvania praktizierten und bewahrten Traditionen mit berücksichtigt. Unsere gemeinsamen Sprachen, Sitten und Gebräuche, unser Glaube, unsere Kunst und unsere Traditionen finden ihren Widerhall auf den Höhenzügen und in den Tälern Pennsylvanias ebenso wie in den Wäldern der Pfalz mit Blick auf die fruchtbaren Ufer des Rheins. Vielleicht hören auch Sie dort den Ruf der Elbedritsch – er erinnert uns daran, tiefer zu blicken und dem gewundenen Waldpfad zu seiner Quelle zu folgen. Diesen Ansatz verfolgt das Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“.