Archiv der Kategorie: En Friehjohr fer unser Schprooch

En Friehjohr fer unser Schprooch

Uwe Jung aus Rommersheim – einer der Initiatoren des Rheinhessischen Mundart-Festivals 2026

Rheinhessen liegt irgendwie „dazwischen“ – entstanden nach dem Wiener Kongress 1816 will die Region nicht (mehr) pfälzisch sein, aber auch nicht vom katholischen Mainz vereinnahmt werden. Noch heute meinen ganz alte Mainzer, wenn sie von der „Palz“ sprechen, mehr oder weniger alle Ortschaften südlich von Nieder-Olm. Die Region sucht ihre „Mitte und Identität“, wie es der Rheinhesse Volker Gallé aus Mauchenheim immer wieder ausdrückt. Am 21. Februar 2026 startet das fünfwöchige „1. Rheinhessische Mundart-Festival“ mit einem Vortrag von Gallé in der Alten Schule in Ober-Olm. Was kann ein solches Event für die Identität Rheinhessens leisten? Bringt es „en Friehjohr fer unser Schprooch“? Hiwwe wie Driwwe sprach mit dem Autor Uwe Jung aus Rommersheim, einem der Initiatoren.

HwD: Warum braucht Rheinhessen ein Mundart-Festival?

Uwe Jung: Die rheinhessische Mundart liegt seit Jahren brach, ist in der Öffentlichkeit wenig, in den Medien kaum noch wahrzunehmen. Zwar sind einzelne Autoren und mehrere Gruppen mit Mundartprogrammen in der Region unterwegs, jedoch liegt das Aushängeschild, der „Rheinhessische Mundartwettbewerb“, den es seit Mitte der 1980er Jahre gibt, seit der Corona-Pandemie im Dornröschenschlaf. Um dem entgegenzuwirken und neue Ideen zum Wohle der Mundart zu entwickeln, haben sich Freunde der lokalen Redensart zusammengefunden, um aktiv zu werden.

HwD: Wer macht mit und wie ist es organisiert?

Uwe Jung: Am Mundart-Festival nehmen ein gutes Dutzend Mundartautoren- und Musiker teil, viele davon sehr erfolgreich bei Mundartwettbewerben in Rheinhessen und der Pfalz. In Kooperation mit RheinhessenKULTur, einem Zusammenschluss rheinhessischer Kunst- und Kulturveranstalter, werden sechs Abendveranstaltungen angeboten, inklusive dem großem Mundartabend in Wörrstadt, an dem die ganze Bandbreite der Mundarten in Rheinhessen präsentiert werden soll. Zusätzlich gibt es drei Mundartführungen einheimischer Kultur- und Weinbotschafter.

HwD: Wo bekommt man online einen Überblick, und wo kann man Karten reservieren?

Uwe Jung: Die Veranstaltungen sind auf der Homepage des Touristik Center Rheinhessen Mitte unter „Events: RheinhessenKULTur 2026“ zu finden, dort sind auch die Kontakte für Kartenreservierungen aufgeführt.

Einen kompakten Blick gibt es auch auf „hiwwe-wie-driwwe.com“ auf der Themenseite En Friehjohr fer unser Schprooch, die Veranstaltungen zwischen dem Bockenheimer Murmeltiertag im Februar und den Bockenheimer Mundarttagen im April listet. Hier sind die Events des 1. Rheinhessischen Mundart-Festivals im Februar/März 2026 aufgeführt.

Das 1. Rheinhessische Mundart-Festival: Die Abschlussveranstaltung ist am 27. März in der Neubornhalle Wörrstadt

Bockrem Bert ist sicher: „Der Frühling kommt“

Ortsbürgermeister Uli Keidel, Wieland Benß, Thomas Hennrich (in historischer Feuerwehr-Uniform) sowie Felix Lechner und Martin Brunnett von der Burschenschaft 1813 Bockenheim begrüßen über 200 Gäste

Es war, als habe seine Majestät „Bockrem Bert“ – Seher der Seher, Weiser der Weisen, Prognostiker der Prognostiker und außergewöhnlicher Wetterprophet – kurz gezögert, als er von Mitgliedern der Burschenschaft 1813 Bockenheim e.V. am Sonntag, dem 1. Februar 2026, rechtzeitig zum „Groundhog Day“ aus seinem Weinfass im Mehrgenerationenpark hinter dem „Haus der Deutschen Weinstraße“ gezogen wurde. Über 200 Anwesende konnten sehen, wie er kurz die Augen zusammenkniff, als ob er sich vor der Wintersonne schützen wollte. Die Menge erstarrte und beobachtete andächtig stumm, wie die Burschenschaftler dem Wetterpropheten in der Fachsprache „Groundhogease“ das große Geheimnis um den Beginn des Frühlings entlockten und sorgfältig – übersetzt in pfälzische Mundart – protokollierten.

Die Spannung blieb auch bei der offiziellen Begrüßung durch Ortsbürgermeister Uli Keidel – in Mundart, wie es sich für die Mundartgemeinde Bockenheim gehört. Ebenso im Dialekt berichtete Wieland Benß über die vergangenen und anstehenden Kulturtermine rund um das Pfälzische – so zum Beispiel die 49. Bockenheimer Mundarttage im April und der 74. Pfälzische Mundartdichter-Wettstreit im Oktober 2026. Michael Werner, Herausgeber von „Hiwwe wie Driwwe“, überbrachte eine Grußbotschaft aus Pennsylvania in pennsylvanisch-deitscher Mundart.

Im Anschluss schwor Uli Keidel stellvertretend für die gesamte „Grundsau Lodge No. 19“ (18 weitere gibt es im Pennsylvania Dutch Country) die Anwesenden „mit Pfoten in der Höhe“ ein und verpflichtete sie öffentlich, künftig nicht mehr Wetterberichten im Fernsehen oder der Zeitung zu vertrauen und nur noch zu glauben, was seine Majestät „Bockrem Bert“ verkündet. Niemand der Gläubigen entzog sich diesem Ritual, das üblicherweise der Wetterprophezeiung vorangeht.

Zum Höhepunkt verlasen Uli Keidel und Wieland Benß den von der Burschenschaft protokollierten Wetterbericht. Allen Anwesenden fiel ein Stein vom Herzen, als sich herausstellte, dass „Bockrem Bert“ kurz nach dem Wecken DOCH KEINEN SCHATTEN gesehen hatte. Nur etwas „Schlaf in den Augen“ hatte seine Majestät kurz nach dem unsanften Wecken daran gehindert, seine Augen vollständig zu öffnen. Und so verkündete er: „Kein Schatten gesehen: Der Frühling in der Pfalz kommt schon bald“ (der komplette Wortlaut der Prophezeiung steht im gesonderten Kasten).

Die über 200 Anwesenden bekundeten die Verlautbarung mit Applaus und feierten den nahenden Frühling vor Ort noch mit Speisen und Getränken des Kultur- und Verkehrsvereins Bockenheim e.V., unterhalten von den „Hasslocher Mackebachern“, die neben vielen pfälzischen Gassenhauern auch pennsylvanisch-deutsche Murmeltier-Hits wie „Pennsylvania Polka“ und „Wart bis die Sunn scheint, Nellie!“ spielten.

Wedderbericht 2026

Was waar der Winder kalt un nass,
Zum Glick waar ich do drin im Fass,
Mit ganz viel Schtroh un wennich Wei,
So kammer lewe – so derfs sei.

Ich hab gschlofe lang un guud,
Vor fimf Minudde noch … was duht
Mer mich noht schteere frieh im Yohr,
ich glaab, die Kerle sinn net gloor.

Schleefe mich raus aus em Loch,
Dricke mich un frooge noch,
Wie’s Wedder werd – ich deet gern wisse,
Wie lang mer noch do rumschteh misse.

Ich will sofort zerick ins Bett,
Uffschteh will ich lang noch net.
Noch een Minudd, dann werr ich bees,
Un mach eich all die Hell noht heess!

Doch waart – was heer ich, ihr wollt wisse,
Ob die Fraa Holl noch schiddelt Kisse,
Ob es viel reechent odder schneit,
Odder die Sunn scheint weit un breit …

Ganz korz un knapp:
Ihr frogt mich ab,
ob der Winder lang noch bleibt,
ob’s Friehyaahr sich die Händ schun reibt.

Okay, ich guck mich yuscht mol um,
wu iss se dann? Ich seh kenn Sunn!
Noht gebts nadierlich aa kenn Schadde:
Der Winder geht: Friehyaahr kann schtarte!

Es werd ball warm, des iss gewiss,
So sicher, wie ball Oschdre iss.
Drum freet eich uff en scheeni Zeit,
Mir do in Bockrem sinn bereit!

gezeichnet:
Bockrem Bert
Seher der Seher,
Weiser der Weisen,
Prognostiker der Prognostiker
und außergewöhnlicher Wetterprophet


fer die ganz Grundsau Lodsch No. 19
Bockrem, 1. Februar 2026

„Bockrem Bert“ ruft zum Wetterorakel

Schatten oder kein Schatten? Das ist in Bockenheim am 1. Februar wieder die Frage …

Alljährlich an Maria-Lichtmess, also am 2. Februar ist es soweit: Nicht nur in Amerika, sondern auch in Bockenheim wird der Murmeltiertag gefeiert. Da der 2. Februar dieses Jahr auf einen Montag fällt, haben sich die Veranstalter – die Gemeinde Bockenheim und der Förderkreis Mundart Bockenheim e.V. – entschlossen, das Murmeltier bereits am Sonntag, dem 1. Februar 2026 aus dem Winterschlaf zu holen.

Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Behausung des Murmeltieres „Bockrem Bert“ neben dem Kneipp-Becken am Bockenheimer See hinter dem Haus der Deutschen Weinstraße. Dort wird das Murmeltier standesgemäß von Ortsbürgermeister Uli Keidel gemeinsam mit Wieland Benß und Dr. Michael Werner „geweckt“. Die Jungs und Mädels der Bockenheimer Burschenschaft 1813 werden „Bockrem Bert“ standesgemäß begrüßen. Im Anschluss erfolgt die Wettervorhersage des Murmeltiers: Bleibt der Winter noch weitere sechs Wochen, oder kommt das Frühjahr bald. Alles hängt davon ab, ob das tierische Wetterorakel seinen Schatten sieht oder nicht. Ist es sonnig, könnte „Bockrem Bert“ seinen Schatten sehen und damit dem Winter noch weitere sechs Wochen geben. Ist es wolkig oder regnerisch, könnte das Frühjahr schon hinter der nächsten Ecke lauern. Musikalisch umrahmt wird die Vorhersage von den Hasslocher Mackenbachern. Der Kultur- und Verkehrsverein Bockenheim übernimmt in diesem Jahr die Bewirtung.

Hintergrund:
Im 18. Jahrhundert wanderten viele Pfälzerinnen und Pfälzer nach Pennsylvania aus. Dort feiert man seit 1934 den „Grundsaudaag“. Basierend auf der Bauernregel für den 2. Februar „Wenn der Dachs an Maria Lichtmess einen Schatten sieht, bleibt es noch sechs Wochen lang Winter“. Da die Deutschen in Pennsylvania keinen Dachs hatten, entschieden sie sich für ein Murmeltier (Grundsau). Und seit 2. Februar 2020 gibt es in  Bockenheim den ersten europäischen „Grundsaudaag“ – Murmeltiertag.  Es wurde ein Zuhause für das Murmeltier mit dem Namen „Bockrem Bert“ geschaffen, die „Grundsau Lodsch Nr. 19 im alte Land“.

Was hinter dem archaischen Winterritual steckt und was „Groundhog Day“ mit einer „Elwedritsche-Jagd“ zu tun hat, erfahren Sie, wenn Sie hier klicken.

Zweisprachiges Schild für Dreibelbis Farm

Der Deutsch-Pennsylvanische Arbeitskreis e.V. hat in den letzten Jahren mehrere zweisprachige Schilder finanziert. Dieses Schild jedoch wurde möglich durch die Unterstützung der Miller Brothers.

Richard Miller und seine Brüder haben 2024 ein zweisprachiges Schild für die Dreibelbis Bauerei in Virginville (PA) gesponsert. Der ursprüngliche Eigentümer des Lands, Johann Jakob Dreibelbis (1709-1761), war im Jahr 1732 aus dem pfälzischen Hassloch nach Pennsylvania ausgewandert. Die heute noch existierende Farm haben Nachfahren erbaut. Die Familie Dreibelbis stammt ursprünglich aus der Schweiz. Wie so viele Schweizer, waren sie nach dem 30jährigen Krieg in die Kurpfalz gekommen.

Link zur Website: https://dreibelbisfarm.org/history/

Bild

Pennsylvanisch-Deitsch Gmee

Mach mit beim 11. Kutzeschtettel Schreiwerfescht!

pd-writing-festival

 

11th Annual Pennsylvania German Writing Festival
July 3, 2017, 1:30

The Kutztown Folk Festival is sponsoring the Eleventh Annual Pennsylvania German language writing festival. This festival is modeled on the regional dialect writing festivals held in Germany and France. We encourage participants to submit original examples of Pennsylvania German writing to the festival. These submissions may include short stories, poems, skits, true events, histories or other short literary works in the Pennsylvania German (Deitsch) language.

This year the Writing Festival presentation is scheduled for July 3 at 1:30, 2017 on the Seminar Stage at the Folk Festival. We are honored that Michael Werner, publisher of the Pennsylvania German newspaper „Hiwwe wie Driwwe“ and a leading scholar of the language and literature, will be present at the event. Some entries will be published in Hiwwe wie Driwwe and entered into the Bockenheim, Germany dialect contest.

Entries and presentations should be in Deitsch with an English translation. People who know the Bufffington-Barba-Beam spelling should use that system but we encourage everyone to enter regardless of their spelling system. We will accept entries from people who cannot attend the festival but look forward to seeing and hearing everyone. Any questions, please contact:

Ed Quinter
2444 West Highland Street
Allentown PA 18104
elquinter@aol.com

or

William W. Donner,
Anthropology Department
Kutztown University
Kutztown PA 19530
donner@kutztown.edu

Em Doug sei Blog: Baricks Kaundi Versammling

Der Doug Madenford hot gschwetzt bei die Versammling vun Baricks Kaundi des Yaahr. Un do iss, was er gsaat hot.

PA Dutch 101

Guder Daag Blog Leser! Yuscht eppes katz fer eich. Geschder waar der Barricks Kaunty Versommling un ich hab glee bissel gschwetzt. Ich will mei katze Schwetz do uff re Blog poschde. Ich hab aa en katze Video gemacht. Hoffetlich kann ich sell bis Samschdaag poschde. Awwer bis dann, do iss was ich geschder gsaat hab:

————–

Gude Owed liewe Leit. Ich will aafange mit en Gross Dank an die Barricks Kaunty Versommling Raad fer die Gelegeheit denowed zu schwetze. Ich bin der Douglas J. Madenford un ich waar in em Reading Grankehaus gebore un bin uffgewaxne uff en gleene Bauerei in Centre Taunschip, un ich bin en Pennsylvaanisch Deitscher.

Ich bin do denowed fer zwee Reasons: 1. Um alli-epper wisse zu losse wie unsere Schprooch schteht do in selle Gebei un aa drausse in re Welt un 2: um alle vun eich en Gfalle zu frooge, awwer ich waerr sell…

Ursprünglichen Post anzeigen 413 weitere Wörter