Monatsarchiv: September 2025

Vadder ich muß geh

Von Manfred Dechert

Vadder, ich muß geh
Des war ewe e Ohrfeich se vel
Muß fort aus dem Kaff wose sich
bloß die Mäuler verreiße iwwer die
wo e anneres Lewe han wolle
Baun Eier Häuser allee unn
werrn glicklich uff Eire Poschte
in de Ämter werrn seelich
in Eierm Vorgarte unn Eierm Verein
Drum muß ich geh

Ich fahr jetzt fort aus dem
schääne langweiliche Ort do
Mei Määre is aa gang drum fahr
ich weit weit fort Vive la France
Wer weeß was werd
Wer weeß was kummt
Do wo ich jetzt bin brauchsche kää Abitur
sondern: es: Iwwerlewe kenne!

Bu kum hääm – hans net so gemäänt
Bei de Fremdelegion sinn schun
Manche nimmie hämkumm!
Musch doch Niemand zeiche-
das de e Held bisch
Vadder, es is zu spät
Sollese mich in Afrika abschieße
oder sunschtwo uff de Welt

Vadder, ich muß geh
Will net lewe als Halbdoter in Eierm Dorf
met Eicheheim unn me Bier zuvel in de Wertschaft
Hasch geh misse, Bu
Han manche Nacht net geschlof
Hasch recht – des war e Ohrfeich zuvel!
No Zwanzich Johr kummt e Bu in Uniform
unn de Vadder is aa e bißche stolz

Bu, loß Dich dricke
Des war Dei Weg

1. Preis Lyrik beim 18. Sickinger Mundartdichter-Wettstreit
September 2025

Interview: Die „Shooflies“ kommen aus Pennsylvania in die Pfalz und nach Rheinhessen

Die „Shooflies“ im TV-Interview bei Jean-Luc Busch im Sender „RheinlOKal“ (Worms)

Im Oktober ist die Band „The Shooflies“ aus Pennsylvania in der Pfalz und Rheinhessen zu Gast. Hier berichten die Schwestern Brigitte Weinsteiger und Erika Gustavson über die Vorbereitungen der Tour. Zum Abspielen des Interviews bitte auf das Bild klicken.

Manfred Dechert und Matthias Zech gewinnen 18. Sickinger Mundartdichter-Wettstreit

Eine Bühne voller Preisträger, Verantwortliche und Jury-Mitglieder: Manfred Dechert (5. von links) siegte in der Sparte Lyrik, Matthias Zech (4. von links) war im Bereich Prosa erfolgreich

Seit 1991 findet alle zwei Jahre der Sickinger Grumbeere-Markt statt, in dessen Rahmenprogramm der Mundartdichter-Wettstreit durchgeführt wird. Matthias Zech aus Speyer gewann mit „Die Brief vun de Lilly“ in der Sparte Prosa. Hier kamen Lothar Sattel und Maritta Reinhardt auf die Plätze 2 und 3. Manfred Dechert (Ludwigshafen) gewann im Bereich Lyrik mit „Vadder, ich muss geh“ vor Norbert Schneider und Renate Demuth. Sonderpreise gingen an Thomas Sattel und Rolf Büssecker. Mit etwa 50 Gästen war das Rathaus der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben gut gefüllt. Marktgraf Lasse Burkhardt wurde nach zwei Jahren verabschiedet und die neue Marktgräfin Johanna Seibert vorgestellt. Die Moderation lag bei Denise Adrian. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Hoffmann-Hammer-Trio aus Neupotz. Die Pfälzische Mundart-Stiftung hatte den Druck des Programmheftes mit allen Texten finanziell unterstützt.

Butch Reigart: Der Schulmeister

Butch Reigart beim ersten Deutch-Pennsylvanischen Tag im Auswanderermuseum Oberalben (2006)

Zum 75. Geburtstag

Butch Reigart hat viele Talente. Sehr ungewöhnlich für einen Amerikaner ist, dass er mehr als eine Handvoll Sprachen gut spricht, darunter Russisch und Arabisch. Und er hat eine angenehme Art, die ihm Türen öffnet – Türen, durch die er dann wiederum andere mitnimmt.

Als ich Butch, der eigentlich Keith heißt, um das Jahr 2000 herum kennenlernte, arbeitete er noch für die US Army und war in Deutschland stationiert. Wir verstanden uns gleich bei unseren ersten Treffen hervorragend, weil uns ein gemeinsames Interesse verband: das Pennsylvanisch-Deutsche. Butch transkribierte zu dieser Zeit alte pennsylvanisch-deutsche Radioprogramme von Johnny Brendel aus Rheinholds (PA) aus den 1960er Jahren. Sprachlich und volkskundlich sind diese Aufnahmen eine wahre Fundgrube, und Butch machte sie auf diese Weise wieder zugänglich.

Butch Reigart in einem TV-Interview im Jahr 2011

Nach seiner Pensionierung ließ sich „der rutschich Butch“, wie er sich in Anspielung auf seine vielen Umzüge selbst nennt, in Lancaster County nieder. Hier hielt er unter anderem Kontakt zu Dick Beam. In der Folgezeit bot er sich Amish Familien als „Fuhrmann“ an, d.h. er fuhr Menschen zum Arzt, zum Supermarkt oder einmal in die große Stadt. Es war eine „Win Win“-Situation. Die Amish kamen auch zu Zielorten, die mit einer Kutsche nicht zu erreichen waren, und Butch verbesserte sein Pennsylvania Dutch.

Butch Reigart und „Bischli Gnippli“ (Prof. C. Richard Beam) im Jahr 2015 in Millersville (PA)

Er gab sein Wissen in pennsylvanisch-deutschen Sprachkursen weiter, unter anderem an der damaligen Mennonite Historical Society in Lancaster. Später startete er einen Konversationskurs an der Muddy Creek Farm Library auf dem „Katzebuckel“ bei Amos Hoover. Alle vier Wochen treffen sich dort seit vielleicht 20 Jahren Amish, Mennoniten und weltliche Pennsylvanisch-Deutsche, um zwei Stunden miteinander in Mundart zu sprechen. Das ist, soweit ich das beurteilen kann, in dieser Form in den Vereinigten Staaten einmalig. Meist starten die Abende mit einem gemeinsamen Dialekt-Lied oder einem Gedicht, in dem es um die „Bauerei“ geht und darum, wie früher auf dem Bauernhof gearbeitet wurde. Dies ist immer ein guter Einstieg, denn dann erzählen die Menschen wie es bei ihnen war. Man sieht die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten. Mit der Zeit entsteht das Gefühl: Wir mögen unterschiedlich sein, aber wir gehören zusammen. Ich war bei meinen Besuchen in Pennsylvania immer wieder in dieser Runde zu Gast, und 2015 feierten dort gemeinsam den 90. Geburtstag von „Bischli Gnippli“, Prof. C. Richard Beam (1925-2018). Es sind schöne Erinnerungen.

Mittlerweile ist die Organisation der Veranstaltung weitgehend auf Caleb Franks übergegangen, der vielleicht 30 Jahre jünger als Butch ist. Er führt dieses Leuchtturmprojekt mit derselben Sensibilität fort, die notwendig ist, um die Menschen zusammenzuhalten. Butch jedoch ist weiterhin ganz vorne dabei, wenn es darum geht, sein geliebtes Pennsylvania Dutch zu fördern und einer nachwachsenden Generation den Zugang zu Menschen zu verschaffen, die noch Dialekt sprechen. Ich selbst habe von seinem Netzwerk sehr profitiert. Vielen Dank!

Der Pälzylvanier

Net vergesse!

Hiwwe wie Driwwe iss die bescht Zeiding!

Unterstützt das Crowdfunding des Projekts „Dehäm – Pälzer in de Pampa“!

Hier geht es direkt zum Crowdfunding …

Auswanderer aus der Pfalz haben sich nicht nur in Pennsylvania niedergelassen. Spuren haben Pfälzer auch in Irland, Osteuropa und Südamerika hinterlassen. Vor allem im Süden Brasiliens findet man sie noch: Menschen, die einen Dialekt sprechen, der uns irgendwie bekannt vorkommt. Bis zu zwei Millionen Brasilianerinnen und Brasiliander sprechen das sogenannte „Riograndser Hunsrickisch“. Die meisten Ähnlichkeiten gibt es sprachlich und kulturell mit dem Hunsrück im nördlichen Rheinland-Pfalz. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass zum Beispiel die Gegend um Simmern auch einmal zur Kurpfalz (Pfalz-Simmern) gehört hat. Grund genug also, sich mit dem Thema einmal filmisch zu beschäftigen, zumal im Jahr 2024 diesseits und jenseits des Ozeans das Jubiläum „200 Jahre Deutsche in Brasilien“ gefeiert werden konnte.

Das Filmteam um den pfälzischen Musiker Monji El Beji begibt sich in diesen Tagen auf eine Reise, um Kultur und Sprache der Brasiliendeutschen filmisch einzufangen. Damit endet nach acht Jahren die Kooperation von „Hiwwe wie Driwwe“ und den südpfälzischen Filmemachern. „Hiwwe wie Driwwe“ dankt für die während dieser Zeit immer hervorragende Zusammenarbeit, bleibt „Hiwwe wie Driwwe“ und feiert bald 30. Geburtstag mit neuen Projekten. Der neue Film erscheint mit anderem Titel unter dem Label Pfalzfilme.

Das Crowdfunding für das Filmprojekt läuft noch bis Mitte Oktober 2025. „Hiwwe wie Driwwe“ freut sich, wenn ihr dieses ambitionierte Projekt in den kommenden Wochen noch nach Kräften unterstützt – damit es erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Hier ist der Link zum Crowdfunding: https://www.startnext.com/dehaem-paelzer-in-de-pampa

Michael Werner (Gründer + Herausgeber von „Hiwwe wie Driwwe“)

Die Ohnenheim Miehl in Alsace

Beim Amos Hoover, 9t Augscht, 2025, an die Muddy Grick Farm Library (Effridaa)

Amos: “Was ich hab zu saage hat mennscht zu du mit die mennischte Geschichte. Ich apologize zu die Leit es nett intressiert sinn. Menscht von die Mennischte denke, es mir sorte zwee Aafange vun die Mennischte henn. Mir henn die Nidderdeitsche, ass herkumme vun Menno Simons un sodergleich.  Mir henn aa die Hochdeitsche, ass von die Schweitze komme. Die Ausbund saagt vanne drin: “G’schriwwe bei die schweitzer Brieder”.

En Zuheerer:  “Amos, wann Du schwetscht vun die Hochdeitsche, bischt Du am schwetze vun die blehne (Plain) Leit un die net blehne?”

Amos: “Yahre zurick, der “Hochdeitsch” hat g’meent “Elevation”. Ich denk’s meent nimme ganz sell.  Die Leit vun die Schweitz, sell’s wu die Mennischte g’schtaehrt henn, die eent Sort, un die sinn unsere Sort Mennischte.  Die Blattdeitscheleit henn en viel greesere Success so weit es die Nummers gehn. Sie sinn ganz iwwer g’schtreut. Ganz iwwer Nord un Sudamerika un noch weiter. Die Schweiter Brieder henn sorte separate aag’fange. Der Menno grickt mennscht vun der Kredit fer Sie z’samme griehe in die Nidderlaender, un awwer, er hat net so gut geduh mit die Schweitzer. Er hat actually sie all in der Bann geduh. Wann Du guckscht im Menno Simons Buch, “Reply to Sylis and Lemke”.  Sell iss en Anwort zu die Schweitzer Brieder. Er hat gar nett z’weeg komme kenne mit Sie. Awwer, immer zitter sell henn die Schweitzer Brieder un die Nidderland Mennischte browiert sich vereeniche. Schon in 1590 war es, was sie “Concept of Cologne” g’heese henn. Wann weiter gehe witt, kannscht du’s aa uffgucke im Mennonite Encyclopedia. In 1591 henn Sie schon en grosse Meeting g’hatte fer browwiere eenich warre. In die Schweitz hat es so en schlimme Verfolging gewwe. Die Schweitzer Brieder sinn aus die Reformierte Karich komme, un die Reformierte henn die schweitzer Brieder datt raus yaage welle.  Es war seefer fer sie in deel vun die annere Laender.  So wie in der Palz un aa in Elsass (Alsace saagt mer im Englische).  Es waare aardlich schweizer Leit in Alsace nei gezooge.Noh, henn die nordliche Mennischte (in die Nidderlenner) browwiert die Schweitzer mit helfe.  Eeh Ding, ass die Schweitzer geduh henn, iss schtoppe sich der Name Wiederteifer heesse (weil es en ganz schlechter Name g’rechelt war), es war schun gehe die katolische Ordning en dausend Jahr. Ich meint der Gary Waltner (ass do hiwwe war) saage, ass die Landeegener (in der Palz un in Alsace usw) henn g’sagt, ass Sie henn die Schweitzer gegliche. Die Schweitzer waare “die Flichtlinger”, ass raus aus die Schweitz kumme sinn, un sie henn in Suddeitschland gsettelt. Un ess waar ihne gsaat “heeset eich selwert Mennischte. Sell iss viel besser ass eich Wiederteifer heese, es iss gehe der Regel.”  Un noch emol eens, an sellre Zeit henn die hollandische Mennischte en guter Name g’hatte.  Der mennischte Name waar viel seefer als wie Wiederteifer. So iss es vorgfalle, ass die Schweitzer “Widderdaafer” henn browwiert der Mennischte Naame aanemme.

Eeh gros Ding hot bassiert in Ohnenheim viel Centuries zerick.  Ohnenheim iss mittes in Elsaess.  Elsaess iss en gleenes Schlifferland zwischich Frankreich unn Deitschland. 

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