Die neue Website „www.paelzer-elwedritsche.de“ erfreut sich bereits großer Beliebtheit. Als ergänzendes Angebot zum Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ präsentiert sie Quellen und ergänzende Informationen zum Thema. Was Elwedritsche kulturhistorisch wirklich sind …
Veröffentlicht amJuli 26, 2025vonMichael Werner|Kommentare deaktiviert für Neie Songs in die Mudderschprooch
Neie blessierliche Lieder gsunge in die Mudderschprooch. Haricht sell mol ab! (Gmacht mit heemgemachte Wadde, Hilf vun en Waddefresser, em Gewebb un glee wennich AI.)
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Veröffentlicht amJuli 25, 2025vonMichael Werner|Kommentare deaktiviert für „Schweizer“ Pfälzer – Einwanderer als Auswanderer
Eine pennsylvanisch-deitsche Scheier im „Hollwig Daal“ (Holbens Valley) bei New Tripoli
Genanalysen liegen unter Genealogen im Trend. In der Pfalz führen diese von verschiedenen Webseiten angebotenen Auswertungen bisweilen zum Ergebnis, dass in der DNA eines Probanden sowohl skandinavische als auch südeuropäische Spuren vorhanden sind. Klar: Germanen und Römer eben. Daneben lassen sich beim genauen Hinsehen sicher oft auch noch keltische Elemente finden.
In den Stammbäumen der Familienforscher findet dies allerdings keinen Niederschlag, denn so weit in der Zeit zurück kommt man mit genealogischen Methoden nicht. Nach zehn bis zwölf Generationen ist, falls die Familie nicht adelig ist, meist Schluss. Aber immerhin: Damit kann man mit viel Arbeit und etwas Glück einen Stammbaum erstellen, dessen Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen.
Das war eine Zeit, in der die Pfalz Einwanderungsland war. Verwüstet durch den 30jährigen Krieg und mehrere Erbfolgekriege in den Jahrzehnten danach, suchte der pfälzische Kurfürst dringend neue Bürger, um das Land wieder aufzubauen. Und sie kamen: Tiroler, französische Hugenotten und – neben weiteren Einwanderergruppen – viele Schweizer. Auf diese Familien kann man bei eigenen genealogischen Forschungen stoßen, und oft führen die Nachforschungen in den Kanton Bern. Von hier sind vor allem mennonitische Glaubensflüchtlinge in die Pfalz gekommen. Aus anderen Regionen der Schweiz kamen Menschen, die problematische klimatische Bedingungen aus ihrer Heimat vertrieben. Kurz, es ist ein bisschen wie heute: Es handelte sich um Glaubens- und Wirtschaftsflüchtlinge. In der Pfalz packten sie kräftig an, halfen bei der Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoden und lebten – mehr oder weniger frei – ihren Glauben.
Als die Kurzpfalz 1685 auf die katholische Dynastie Pfalz-Neuburg überging, wurde es allmählich ungemütlicher. In diesem Jahr machten sich die ersten schweizerdeutschen Pfälzer von Kriegsheim bei Monsheim auf den Weg nach Germantown in die neue Welt. Viele weitere sollten folgen, vor allem nach dem Hungerwinter 1708/1709, der viele Pfälzer den Rhein hinunter zu den Schiffen an der Nordseeküste trieb. Man kann davon ausgehen, dass viele dieser „Schweizer Pfälzer“ zum Zeitpunkt der Auswanderung aus der Pfalz noch mehr oder weniger Schweizerdeutsch sprachen. Denn oft hatten sie außerhalb der Ortschaften Bauerngehöfte gebaut, die heute noch in der Pfalz an ihrer Endung „-hof“ erkennbar sind, z.B. der Weierhof bei Kirchheimbolanden (heute Standort des Mennonitischen Forschungszentrums, das auch das Deutsch-Pennsylvanische Archiv beherbergt). In einer solchen Außenlage waren die Kommunikationsmöglichkeiten eher begrenzt. Und von Auswanderergemeinschaften wie den Deutschen in Amerika im 19. Jahrhundert oder den Italienern in Deutschland im 20. Jahrhundert wissen wir, dass ein kompletter Sprachwechsel bis zu drei Generationen dauern kann.
Bisweilen wird diskutiert, wie viele Spuren die Schweizer im kulturellen Erbe der Pfalz hinterlassen haben. Es ist überschaubar, sagt die eine Seite, die sich in der Mehrheit sieht. Es ist ganz, ganz viel, sagt eine Minderheit und belegt ihre Sicht mit vielen Argumenten. Ich würde sagen: Wie so oft, liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.
Ein Schweizer Einfluss ist sicher nachweisbar – in den Gebräuchen, im Hausbau, Ackerbau, Viehzucht, Speisen und etlichem mehr.
So heißt die pennslyvanisch-deutsche Scheune heute im Englischen „Swiss Barn“. Wie im alemannischen Raum wird das Gebäude mit Vorlieben an einen Hang gebaut, so dass man von hinten einen direkten Zugang zur Tenne im ersten Obergeschoss hat und mit einem Wagen hineinfahren kann. Und auch in der Sprache der Pennsylvania-Deutschen wird der Einfluss der Schweizer sichtbar. Sprach man bei einem Säugling in alter pfälzischer Manier früher von einem „Bobbel“, einem „Bobbche“ oder einem „Bobbelche“, ist heute die Version „Bobbeli“ führend. Der sogenannte „-li“-Diminutiv, also die alemannische Verkleinerungsendung, hat sich fast vollständig durchgesetzt. Dies ist zurückzuführen auf den Einfluss der Mennoniten und Amish. Eigentlich handelt es sich bei ihnen um eine Gruppe von Menschen mit 40 bis 60 Familiennamen. Dazu gehören die Yoders (Jotter), Beilers, Craybills (Crayenbühl), Brackbills (Brechbühl), Lapps und andere mehr. Noch vor 100 Jahren stellten sie nur einen Bruchteil der pennslyvanisch-deutschen Sprechergemeinschaft – vielleicht ein bis zwei Prozent. Heute jedoch sind es vor allem die Vertreter dieser konservativen Religionsgemeinschaften, die am Dialekt festhalten, so dass ihr Anteil an der Gesamtheit der Sprecher aktuell bei über 90 Prozent liegen dürfte. Es hat sich im Pennsylvania-Deutschen mittlerweile die Variante „-li“ als Verkleinerungsform durchgesetzt.
Dass unter den Pionieren in Pennsylvania im 18. Jahrhundert viele Menschen mit Schweizer Wurzeln waren, zeigt auch ein Blick auf die Landkarte. In Berks County gibt es Townships – das wäre bei uns vielleicht etwas wie eine Verbandsgemeinde – mit einem klar regionalen Bezug: „Bern“ und „Upper Bern“. Und mit „Luzerne“ gibt es sogar ein County, also einen Landkreis, bei dem sich ein solcher Bezug herstellen lässt. Geht man weiter in die Tiefe, zeigt sich auch im Detail immer wieder der Einfluss von Schweizern.
Mich interessiert die eher akademische Frage, wie viel Schweiz im Pfälzischen steckt, allerdings nur bedingt. Interessanter finde ich etwas anderes: Die Pfalz hat auch durch ihre verkehrsgünstige Lage mit dem Rhein als schiffbarem Fluss immer wieder Einwanderer angezogen – und in Krisenzeiten in größeren und kleineren Stößen wieder abgegeben – in Richtung Nordamerika, in Richtung Südamerika, aber auch in Richtung Ost- und Südosteuropa. So lassen sich Gemeinsamkeiten in den Dialekten der Pfälzer, Pennsylvania-Deutschen, Ungarn-Deutschen, Rumänien-Deutschen, Jugoslawien-Deutschen, Russland-Deutschen und anderen finden. Auch in Brasilien haben die ausgewanderten Pfälzer Spuren hinterlassen, wenn auch der Schwerpunkt dieser vergleichsweise späten Auswanderung nach Südamerika (ab 1824) eher im Hunsrück, im Nahetal und der Eifel lag.
Für mich ein Indiz, dass sich seit der Zeit der Germanen, Römer und Kelten eigentlich nichts verändert hat: Menschen wandern auf der Suche nach einem besseren Leben. Wenn es uns schlecht ginge, würden wir vermutlich ebenso handeln.
Michael Werner
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An Paul denke ich oft, auch wenn wir uns in den Jahren vor seinem Tod selten – und dann auch nur zufällig – gesehen haben. Aber die meisten von uns werden, wenn sie sich an die eigene Schulzeit zurückerinnern, vielleicht ein oder zwei Lehrinnen oder Lehrer benennen können, die Eindruck hinterlassen haben. Bei mir sind es sogar drei, und sie alle unterrichteten Deutsch. Paul gehörte unbedingt dazu.
Dabei war sein Unterricht, als ich ihn 1980 in der Mittelstufe erstmals als Deutschlehrer bekam, nicht sonderlich strukturiert. Und damit kann ich immer schlecht umgehen. Als sich unsere Wege 1982 zunächst wieder trennten, war ich nicht sonderlich traurig.
Doch schon 1983 trafen wir uns wieder. Er besuchte eines Abends den Musiksaal des Albert-Einstein-Gymnasiums in Frankenthal, wo wir mit unserer Schülerband probten. Er inszenierte gerade mit der Schultheatergruppe Ulrich Plenzdorfs Stück „Die neuen Leiden des jungen W.“, eine moderne Adaption von Goethes Werther-Stoff. Und hierfür suchte er eine begleitende Musikband. Natürlich waren wir Feuer und Flamme, denn die Aufführungen der Theater-AG waren immer gut besucht. Und für 1984 war mit diesem Stück eine Theater-Tour durch Frankreich geplant, die die Truppe unter anderem nach Paris und Montpellier führen sollte. Wir Musiker sagten gerne zu.
„Mr. Molotow’s Cocktail Party“ bei einem Auftritt in Frankenthal (1984)
Die Inszenierung von Paul Brands war sehr erfolgreich. Nicht nur wir Musiker hatten danach „Lust auf mehr“. Auch der Hauptdarsteller Peer Damminger wurde so vom Theater-Virus infiziert, dass er heute in Ludwigshafen die „KiTZ Theaterkumpanei“ betreibt. 1985 brachte Paul mit der Schultheatergruppe Erich Kästners „Die Schule der Diktatoren“ zur Aufführung, wieder mit großem Erfolg. Es gab Vorstellungen bei den rheinland-pfälzischen Schultheatertagen und in der Hamburger Kammgarn-Fabrik bei einem bundesweiten Theatertreffen. Wir waren mit unserer Band „Mr. Molotow’s Cocktail Party“ musikalisch mit dabei. Spätestens jetzt muss eine Hauptdarstellerin dieses Stücks ebenfalls infiziert worden sein: Petra Simon. Sie machte Karriere in der Theaterbranche und ist seit 2024 Geschäftsführerin der Nibelungen-Festspiele Worms.
Das alles – da bin ich mir sicher – hat sehr viel mit Paul Brands zu tun. Jedes Jahr fuhr er an Pfingsten zum „wild campen“ in die Carmargue, und über Jahre hinweg waren viele von uns ehemaligen Schülerinnen und Schülern dabei. Wir fuhren einfach runter nach Südfrankreich, weil wir wussten, dass wir ehemalige Mitglieder der Schultheatergruppe dort treffen würden. Ich war bis 1991 immer wieder im kleinen Ort Salin-de-Giraud, wo der Treffpunkt war – direkt am Strand. In diesem Jahr gründete Paul auch sein „Theater Alte Werkstatt“ einer ehemaligen Schreinerei in der August-Bebel-Straße in Frankenthal. Im Anschluss verschob sich sein Interesse noch ein wenig mehr von der Schule weg und hin zum Theater, und mit seiner Pensionierung wurde er zum Vollzeit-Theaterleiter. Irgendwann erfolgte der Umzug an den heutigen Standort in der Wormser Straße.
1985 – nach meinem Abitur – hatte er mich bei meiner Kriegsdienstverweigerung mit einem Referenzschreiben unterstützt, und als ich 1992 im Rahmen meiner Magisterarbeit zu „französischen Lehnwörtern im Pfälzischen“ Fragebögen auch an Schülerinnen und Schüler ausgeben wollte, machte er das möglich. Längst hatte ich im Rahmen meines Germanistik-Studiums meinen Schwerpunkt auf „Dialektologie“ gelegt. Bis heute lässt mich das Thema nicht los. Wir blieben in Kontakt, und ich gratulierte ihm noch einige Jahre zum 39. Geburtstag – weil er eine Weile mit einem verschmitzten Lächeln an dieser Zahl festhielt.
Jahre später traf ich ihn bei einer Jurysitzung des Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreits wieder. 1998 war ich Mitglied dieses Gremiums geworden, und für zwei Jahre arbeitete er in diesem Kreis mit. Das muss um 2010 herum gewesen sein. Ich habe mich sehr gefreut.
Natürlich habe ich gehört und gelesen, dass es im „Theater Alte Werkstatt“ irgendwann Konflikte gab. Es kam zur Trennung im Unfrieden. Die Hintergründe kenne ich nicht, und sie sind für mich auch nicht von Belang. Paul Brands hat im Laufe seiner Schul- und Theaterkarriere bei ganz vielen jungen Menschen Impulse gesetzt, die ihre Lebenswege maßgeblich beeinflusst haben. Ich bin einer von ihnen. Danke, Paul!
Der Pälzylvanier
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Veröffentlicht amJuli 23, 2025vonMichael Werner|Kommentare deaktiviert für Pälzer Krischer sind zurück von „Hiwwe wie Driwwe Tour“
„Es war anstrengend, hat aber viel Spaß gemacht“ – So lautet das Fazit von Lutz Pfeuffer, Schlagzeuger und Sänger der Altriper Band „Pälzer Krischer“. Gemeinsam mit Scott Reagan (Nazareth, PA) musizierten die Musiker aus der Pfalz im Rahmen der „Hiwwe wie Driwwe Pennsylvania Tour“ als Botschafter der Pfalz im Pennsylvania Dutch Country – unter anderem beim offiziellen „Pennsylvania German Day“ am 28. Juni im Pennsylvania German Cultural Heritage Center in Kutztown.
Pälzer KrischerPälzer KrischerDave Adams und Lutz PfeufferScott ReaganPälzer Krischer
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Warum gibt es Elwedritsche? Wer oder was sind sie? Weshalb heißen sie, wie sie heißen? Warum sehen sie aus, wie sie aussehen? Wie kamen sie in den Pfälzer Wald und warum gibt es überhaupt die Elwedritsche-Jagd? Das sind die zentralen Fragen, wenn es um das vermeintliche pfälzische Fabeltier geht.
Seit Frühjahr 2025 ist das Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ in den Buchhandlungen zu erwerben, und seit kurzem ist die Website „paelzer-elwedritsche.de“ online. Hier werden ergänzende Hinweise gegeben, Quellen genannt oder gleich komplett publiziert sowie interessante Links angegeben. Auf dieser Website findet auch eine fortlaufende Aktualisierung statt. Denn uns erreichen wöchentlich neue Hinweise, die das Bild vervollständigen.
Man kann sich als Leser jetzt wirklich in das Thema einlesen, erhält einen Überblick über die indoeuropäische Kulturgeschichte der letzten 5000 Jahre und erfährt, wie die Elwedritsche hier ihren ganz eigenen Platz finden.
Man kann sich aber auch mit diesem Artikel in 10 Sekunden in einem – sagen wir – „Elwedritsche-to-go“ eine Kurzantwort geben lassen. Hierfür ist der „Elwedritsche-Code“ zuständig. Alle eingangs genannten Fragen werden in nur sieben Schritten beantwortet (die Grafik ist von unten nach oben zu lesen).
Wenn Fragen offen bleiben, sei auf das Buch und die Website verwiesen. Dort findet sich eine ausführliche Behandlung des Phänomens „Elwedritsche“.
Veröffentlicht amJuli 1, 2025vonMichael Werner|Kommentare deaktiviert für Germantown – Neuanfang in Amerika
1777: Die Schlacht um Germantown zwischen britischen Truppen und amerikanischen Rebellen
Von Michael Werner
„Deitscheschteddel“, so nannten die Deutschen in Pennsylvania ihre kleine Ansiedlung – ein Straßendorf, gegründet von 1683 ausgewanderten Krefelder Familien: Reformierte, Mennoniten und Quäker. Die Rechte zur Anlage des Ortes hatte der Jurist Franz Daniel Pastorius (1651-1719) für die Frankfurter Land-Compagnie käuflich von William Penn (1644-1718) erworben, der Siedler für seine junge Kolonie jenseits des Ozeans suchte. Penn selbst hatte das Land vom englischen König zugesprochen bekommen, aber das ist eine andere, längere Geschichte.
Jeder sollte in Pennsylvanien – „Penns Waldland“ – nach seiner Façon glücklich werden und seinem eigenen Glauben folgen können. Besonders für religiöse Minderheitengruppen wie die Mennoniten war dies eine Einladung, die auf offene Ohren stieß. 1677 war William Penn durch die Niederlande und Deutschland gereist und hatte am 23. Juni in „Krisheim“ (Kriegsheim, heute ein Stadtteil von Monsheim) bei einem Zwischenstopp auf dem Weg von „Mentz“ (Mainz) über Worms und Mannheim nach Heidelberg persönlich für seine Kolonie geworben. Die Nacht verbrachte er innerhalb der Mauern von Frankenthal.
Bereits 1685 kamen die ersten Pfälzer Mennoniten aus Kriegsheim in Philadelphia an. Germantown – so der englische Name – lag nur ein paar Meilen nördlich und war vom Hafen aus bequem zu erreichen. Über die Situation der ersten Deutschen schreibt Pastorius: „Den 24. Octobr. 1685 habe ich Franciscus Daniel Pastorius auf Gutbefinden unsers Gouverneurs noch eine neue Stadt Namens Germanton (sic!) oder Germanopolim zwo Stund Wegs von Philadelphia angelegt, allwo ein gut schwarz tragbares Erdreich und viel frische gefundene Brunnenquellen, viel Eichen-, Nuß und Castanien-Bäume, auch eine gute Weyde für das Vieh hat. Der Anfang bestunde nur in 12 Familien von 41 Köpfen, meistens hochteutschen Handwercks-Leuten und Webern, weil ich wahrgenommen, daß man des leinen Tuches nicht würde entbehren können. Die Haupt-Gasse dieser Stadt machte ich 60 Schuh breit und die Zwerch-Strassen 40, das Spatium oder Grundplatz zu einem jeglichen Hause und Garten ist so viel als 3 Morgen Ackers, für meine Wohnung doppelt so viel.“
Im Jahr 1688 verfasste die Quäker-Gemeinde in Germantown in deutscher Sprache einen schriftlichen Protest gegen die Sklaverei – den ersten überhaupt. Bis zur endgültigen Abschaffung sollte es noch bis weit ins 19. Jahrhundert dauern.
Für die nachfolgenden hundert Jahre spielte Germantown beim Zuzug weiterer Deutscher nach Pennsylvania eine wichtige Rolle. Es war der Anlaufpunkt für alle, die sich aus Philadelphia kommend nach Westen auf den Weg machten. Gab es bereits Freunde oder Verwandte im Land, hatten sie oft im „Deitscheschteddel“ schriftlich oder mündlich eine Nachricht hinterlassen, wo sie zu finden sind.
Der Ladenburger Johann Christoph Sauer (1695-1757) ließ sich 1724 in Germantown nieder, bestellte nach einigen Jahren Tätigkeit als Schneider in Frankfurt am Main Fraktur-Lettern und gründete 1739 die erste Druckerei. Sauer produzierte Kalender, Bücher und die erste deutsche Zeitung in der neuen Welt: die „Germantauner Zeitung“. 1743 druckte er die erste deutschsprachige Bibel. Mit seinem Unternehmen stand Sauer zeitweise in Konkurrenz zum Drucker, Verleger und Politiker Benjamin Franklin (1706-1790), einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten.
Um 1750 herum besuchte der schwedische Reisende Pehr Kalm den Ort und notierte: „Sechs Meilen entfernt von Philadelphia liegt Germantown. Dieser Ort hat nur eine Straße, ist aber fast zwei englische Meilen lang. Er wird zum größeren Teil von Deutschen bewohnt, die aus ihrer Heimat nach Nordamerika kommen und sich niederlassen, weil sie hier Rechte genießen, die sie sonst nirgends besitzen. Die meisten Einwohner sind Handwerker, die fast alles in solcher Quantität und ausgezeichneter Qualität herstellen, dass diese Provinz in kurzer Zeit nur noch sehr wenig aus England brauchen wird.“ Einige Jahrzehnte und einen Unabhängigkeitskrieg später, in dem es auch eine „Schlacht von Germantown“ (1777) gab, waren die Vereinigten Staaten 1783 mit dem „Frieden von Paris“ ein von England unabhängiger Staat.
1854 erfolgte die Eingemeindung Germantowns. Der Ort gehörte fortan als „Suburb“ zu Philadelphia und verlor im Zuge der Industrialisierung zunehmend seine dörfliche Struktur. Seine Rolle als Umschlagplatz für Informationen zwischen Siedlern und Neuankömmlingen hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend eingebüßt. Immer mehr Amerikaner mit nicht-deutscher Herkunft siedelten sich an, und spätestens seit den 1960er Jahren zählt das ehemalige „Deitscheschteddel“ zu den armen und nicht immer ungefährlichen Bezirken Philadelphias.
In den 1940er Jahren hatte die „Stevens High School“ in Germantown eine Schülerin, von der man später noch viel sehen, hören und lesen sollte: Grace Kelly (1929-1982). Die spätere Hollywood-Schauspielerin und Fürstin „Gracia Patricia“ von Monaco war die Tochter eines irischstämmigen Bauunternehmers. Spannender jedoch ist die Verwandtschaft mütterlicherseits. Ihre Großmutter Margarethe Berg (1870-1952) wurde in Heppenheim an der Bergstraße im Haus „Am Großen Markt 8“ geboren und wanderte 1890 in die Vereinigten Staaten aus. In jüngerer Zeit haben Ahnenforscher herausgefunden, dass auch der Heppenheimer Rennfahrer Sebastian Vettel mit Grace Kelly und damit Fürst Albert II. von Monaco verwandt ist. Die Welt ist eben doch ein Dorf.
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Aktuelle Termine:
27. März 2026: Abschlussveranstaltung des 1. Rheinhessischen Mundart-Festivals mit allen Beteiligten in der Neubornhalle Wörrstadt, 20 Uhr (Info: kulturkreis-woerrstadt.de)
16. April 2026: Michael Werner präsentiert "Das Geheimnis der Elwedritsche" in Otterstadt (Remigiushaus, 19 Uhr)
17. April 2026: Bockenheimer Mundarttage: Harald Schneider präsentiert sein Buch "Totgebabbelt", Weingut Griebel, Weinstraße 50, 19 Uhr. Eine Veranstaltung der Pfälzischen Mundart-Stiftung
18. April 2026: Bockenheimer Mundarttage: Mundart-Werkstatt (Vormittag) und 2. Pälzer Prosa Wettbewerb (Nachmittag), Weingut Griebel
9. Mai 2026: Michael Werner präsentiert "Das Geheimnis der Elwedritsche" (Musikalische Lesung). Theater Alte Werkstatt, Frankenthal
5. Juni 2026: Michael Werner präsentiert "Das Geheimnis der Elwedritsche" (Musikalische Lesung) beim Saarländischen Genealogentag
19. September 2026: Michael Werner begleitet eine Kulturveranstaltung des HuK Undenheim e.V. mit pennsylvanisch-deutschen Liedern
17. Oktober 2026: 74. Pfälzischer Mundartdichter-Wettstreit in Bockenheim. Festzelt, ab 14 Uhr.
23. Oktober 2026: Multimedia-Vortrag zum Thema "Der Elwedritsche-Code" in Undenheim; Heimatmuseum, 19 Uhr.
Macht mit beim "Pälzer Prosa Preis 2026". Einsendeschluss ist am 1. Februar 2026. Der Wettbewerb findet am 18. April 2026 statt.
Mundarttage Bockenheim 2026
Die Mundart-Werkstatt für pfälzische Nachwuchsautorinnen und Autoren. Termin: 18. April 2026. Bewerbungen sind bis 1. Februar 2026 möglich. Bitte dem Link folgen ...