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Brigitte Weinsteiger: Die Einsteigerin

Brigitte Weinsteiger aus Philadelphia (PA)

Von Michael Werner

Die Lebensmitte ist eine Zeit, in der manche sich ihrer eigenen Wurzeln besinnen – oder auf die Suche nach eben diesen Wurzeln machen. Zu ihnen gehört Brigitte Weinsteiger, die in Philadelphia lebt, aber in der Region Oley in Berks County aufgewachsen ist.

Ich lernte Brigitte im Sommer 2022 kennen, als ich selbst ein Konzert in der wunderschönen Bibliothek der „German Society of Pennsylvania“ in Philadelphia gab. Nach dem Auftritt kam sie zu mir und sprach mich nach ein paar in Englisch gewechselten Sätzen plötzlich in akzentfreiem Hochdeutsch an. So etwas passiert einem in Pennsylvania wirklich nur sehr selten. Es stellte sich heraus, dass sie ebenso wie ihre Schwester Erika Instrumente spielt und auch ihr Schwager, der Ehemann ihrer Schwester, Musiker ist. Ich reagierte, wie ich immer reagiere: Spontan regte ich an, doch einmal gemeinsam Musik zu machen und ein pennsylvanisch-deutsches Programm zu erarbeiten. Wir verabschiedeten uns, und das war es erst einmal.

Etwa ein Jahr später sah ich in der monatlichen Internet-Live-Show von Douglas Madenford – „PA Dutch LIVE“ – ein Musikvideo, in dem ich Brigitte inmitten einer Band wiedererkannte. Das Lied erinnere ich nicht mehr, wohl aber den wunderschönen Chorgesang. Ich glaube auch, dass die Gruppe zu dem Zeitpunkt noch keinen Namen hatte. Die Reaktionen aus dem amerikanischen Publikum waren jedenfalls enthusiastisch.

Fernsehbeitrag der SWR Landesschau (Mainz): „Pfälzer Band aus Amerika“

Ich war elektrisiert, fand im Internet eine Mailadresse von Brigitte und schrieb sie an – mit dem Ziel, ihre Band nach Deutschland einzuladen. Seit 2008 führe ich jährlich eine „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ durch, vier bis fünf Konzerte an vier bis fünf Tagen im Oktober. Es verging wieder eine Weile, und wir tauschten uns zu dem Thema aus. Der Plan reifte. Irgendwann stand der Bandname: The Shooflies. Und sie nahmen eine erste CD auf. Für die Reise waren viele organisatorische Hürden aus dem Weg zu räumen und die Frage der Finanzierung zu klären. Letztere war kompliziert, weil wir erstmals eine komplette Band nach Deutschland in die Pfalz einluden. Aber auch das gelang mit Hilfe uns langjährigen Partner, spendenfreudigen Einzelpersonen und Institutionen wie der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, Europe Direct und der Stadt Kaiserslautern.

So reisten Brigitte Weinsteiger, Erika und Pete Gustavson im Oktober 2025 mit vier Töchtern in die Pfalz. Die Älteste, Adelaide Gustavson, spielt in der Band Geige. Die jüngeren Mädchen wirken bei einzelnen Songs mit. Und, was soll ich sagen: Sie eroberten die Herzen der Pfalz im Sturm. Mehr als 700 Menschen kamen zu ihren Konzerten in Oberalben, Ober-Olm, Bockenheim, Altrip und Kaiserslautern. Und in Kaiserslautern beim 19. Deutsch-Pennsylvanischen Tag kamen sogar so viele, dass etwa 70 Personen aus Brandschutzgründen keinen Einlass mehr fanden. Die „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour 2025“ war ein voller Erfolg, und viele fragen schon, wann die Band wieder kommt.

Wenn ich recht darüber nachdenke, ist es eigentlich verwunderlich, dass es über 30 Jahre brauchte, bis ich die Schwestern Brigitte und Erika kennenlernte. Als Kinder traten sie in den 1980ern und 1990ern in pennsylvanisch-deutschen Shows auf, die mein Freund Peter Fritsch (1945-2015) organisierte. Und Keith Brintzenhoff, ebenfalls ein guter Freund, machte in seinem frühen Erwachsenenleben mit Brigittes und Erikas Mutter pennsylvanisch-deutsche Musik. Auch besuchte ich die Oley Valley High School (PA) immer wieder einmal, unter anderem 1994, 1996, 2000, 2002 und 2005. Aber unsere Wege kreuzten sich erst in den letzten drei Jahren.

Ich hoffe, die „Shooflies“ sind nach ihrer Tour bestärkt nach Pennsylvania zurückgereist und planen schon bald neue Projekte. Wir brauchen Neueinsteiger wie Brigitte Weinsteiger und Erika Gustavson, die sich ihres Erbes und ihrer Herkunft besinnen und versuchen, die kulturellen Schätze der Vergangenheit wieder zugänglich zu machen. Mit ihren wunderschön arrangierten Liedern von „Uff de Bauerei“, „Es bucklich Maennli“ oder „Mer breichte keine Schwiegerma-ma-ma“ ist ihnen das vortrefflich gelungen.

Matthias Zech gewinnt Mundart-Wettstreit

Matthias Zech aus Speyer liest seinen Siegertext

Zum dritten Mal in Folge gewinnt Matthias Zech (Speyer) den Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit – diesmal mit dem Text „Hasselniss vum Vadder“. Dass die Jury so entschieden hat, konnte er selbst kaum glauben. Zweiter wurde Manfred Dechert (Ludwigshafen) mit „Mer redde nix“, Dritte Silvia Kästner (Mainz) mit „äfach mol liche bleiwe“. Den Publikumspreis erhielt Maritta Reinhardt (Wonsheim) mit ihrem Gedicht „Realität“. Den „Preis fer Neie“ sicherte sich Uwe Jung (Rommersheim). Den Sonderpreis für den besten Text zum Thema „300 Jahre Casanova“ schrieb nach Meinung der Zuschauer Cornelius Molitor mit „De Casanova im Alder“. Den Dautermann-Preis für die beste mundartliche Neuveröffentlichung erhielt Hermann J. Settelmeyer für sein Buch „Gut ufghowe – Gedichte und Geschichten in Pfälzer Mundart“ (Maiermedien, Lingenfeld 2024). Den „Hiwwe wie Driwwe Award“ für den besten pennsylvanisch-deutschen Text erhielt Patrick Donmoyer (Kutztown, PA). Begeistert war das Publikum von der musikalischen Umrahmung der Veranstaltung. Für diese sorgte die Band „The Shooflies“ aus Pennsylvania, die im Rahmen der „Hiwwe wie Driwwe Tour 2025“ an diesem Tag in Bockenheim zu Gast waren.

Hasselniss vum Vadder

frieher
do hot er viel gebabbelt
gerechent hot er schnell
fescht gschafft hot er fer uns
un alle Leit hot er gholfe
draagelangt un hiegelangt
uff alle Zochziche gedanzt
gelacht un verzehlt
un verzehlt un gelacht

des alles kanner himmie
heit mit seine 91
er hert nix mäh
er kennt känns mäh
hot uffghert zu verzehle

stunnelang
dut er draus uff de Terrass
Niss uffmache
Hasselniss aus seim Gaade

e Kinnerbreigläselsche voll
hot er mer mitgewwe

un ich du jeden Morche
do draus immer norre
äänie
in mei Müsli
ää äänzischie

do drin is alles
do drin do is
sei ganzie Lieb
sei ganzes Leewe

in dere Hasselnuss fer mich

Matthias Zech (Speyer)
1. Platz

Die „Shooflies“ kommen in die Pfalz

The Shooflies – Pennsylvania Dutch Band

Die „Shooflies“ sind eine singende Familienband rund um die Schwestern Brigitte Weinsteiger und Erika Gustavson. Mit dabei sind auch Erikas Mann Pete und ihre Tochter Adelaide. Im Oktober 2025 kommen sie auf ihrer „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ für insgesamt fünf Konzerte in die Pfalz. Sie stellen die pennsylvanisch-deutsche Kultur in Musik und Texten vor. Gemeinsam singen sie traditionelle pennsylvanisch-deutsche Folk Songs mit Gitarre, Banjo, Geige, Bass, Harfe und vierstimmigem Chorgesang. Und das sind die aktuell geplanten Termine:

  • 16. Oktober 2025: Auswanderermuseum Oberalben, 19 Uhr
  • 17. Oktober 2025: Gemeindebücherei Ober-Olm, 19 Uhr
  • 18. Oktober 2025: Pfälzischer Mundartdichter-Wettstreit Bockenheim, 14 Uhr
  • 18. Oktober 2025: Heimatmuseum Altrip, 20 Uhr
  • 19. Oktober 2025: Deutsch-Pennsylvanischer Tag, Theodor-Zink-Museum Kaiserslautern,

Das Video zeigt die Band bei einem Auftritt im One-Room-Schoolhouse in Kutztown auf dem Gelände des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers. Sie gelangen zum Video, wenn Sie hier klicken. Die „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ wird von „Hiwwe wie Driwwe“ seit 2008 durchgeführt. 21mal waren seitdem Künstler unter diesem Label in der Pfalz unterwegs.