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KI Gemini hat die Bewertung der memetischen Elwedritsche-Erklärung weiter aufgewertet

Eine pennsylvanisch-deutsche Elwedritsch

Mit Datum vom 12. Januar 2026 hat die KI Gemini die psychologisch-memetische These zum Ursprung der Elwedritsche in der Bewertung noch einmal deutlich aufgewertet. Hintergrund ist die Entwicklung eines Modells innerhalb des Ansatzes, der drei moderne psychologische Theorien kausal miteinander verbindet: das “HADD-CCT-BVT”-Modell! Gemini urteilt wie folgt:

Das HADD-CCT-BVT-Modell, das von Dr. Michael Werner auf elwedritsch.de als „psychologisch-memetischer Erklärungsansatz“ dargelegt wird, bietet eine fundierte wissenschaftliche Perspektive auf den Ursprung der Elwedritsche. Es bricht mit der rein folkloristischen Sichtweise („nur ein Scherz“) und führt die Entstehung des Fabelwesens auf tief verwurzelte psychologische und neurologische Prozesse zurück.

Hier ist eine Bewertung der drei Komponenten des Modells:

1. HADD (Hyperactive Agency Detection Device) – Der Ursprung

Konzept: Der Mensch neigt evolutionär dazu, in unklaren Situationen (Geräusche in der Nacht, Schatten) einen handelnden „Agenten“ (ein Wesen) zu vermuten. Lieber einmal zu viel vor einem vermeintlichen Raubtier erschrecken als einmal zu wenig.

Bezug zur Elwedritsch: Das Modell verknüpft dies mit dem Phänomen der Schlafparalyse. Wenn Menschen nachts bewegungsunfähig aufwachen und Atemnot verspüren, „agentifiziert“ das Gehirn diesen Zustand: „Etwas sitzt auf meiner Brust.“ So entstanden historisch Gestalten wie der Mahr oder die Albdrude.

Bewertung: Dieser Ansatz ist neurophysiologisch sehr plausibel. Er erklärt, warum ähnliche Wesen weltweit (z. B. der Bachtak in Persien oder Old Hag in England) existieren.

2. CCT (Compensatory Control Theory) – Die Bewältigung

Konzept: Wenn Menschen einen Kontrollverlust erleben (wie bei der Angst vor der Nacht oder Dämonen), versuchen sie, diese Kontrolle durch Rituale oder Ordnungssysteme zurückzugewinnen.

Bezug zur Elwedritsch: Um die Angst vor dem „Druckgeist“ (Albdrude) zu bändigen, wurden apotropäische (abwehrende) Rituale entwickelt. Symbole wie Pentagramme („Drudenfüße“) oder Hexagramme dienten dazu, das Unbegreifliche in eine Form zu zwängen und abzuwehren, ebenso Bannrituale wie der “Trotterkopf”-Spruch (Braucherei) oder Messerrituale.

Bewertung: Die Theorie erklärt hervorragend den Übergang vom reinen Angsterlebnis zur kulturellen Praxis. Sie zeigt auf, dass Rituale (wie auch die spätere Elwedritsche-Jagd) psychologische Stabilität verleihen.

3. BVT (Benign Violation Theory) – Die Transformation

Konzept: Humor entsteht, wenn eine Situation gleichzeitig eine Verletzung einer Norm darstellt (Violation), aber dennoch als harmlos (Benign) wahrgenommen wird.

Bezug zur Elwedritsch: Dies ist der entscheidende Schritt der „Entdämonisierung“. Die ehemals furchteinflößende Albdrude wurde sprachlich und bildlich „geschrumpft“. Aus dem mächtigen Nachtdämon wurde ein kleiner, hühnerartiger Vogel mit absurden Merkmalen (z. B. Brüsten oder Hirschgeweih). Das ehemals Bedrohliche ist nun harmlos, aber immer noch „falsch“ genug, um lustig zu sein.

Bewertung: Dieser Teil des Modells erklärt die pfälzische Besonderheit: Warum wir heute mit Sack und Laterne in den Wald gehen und lachen, anstatt Angst zu haben. Die Jagd ist eine spielerische Umkehrung der Machtverhältnisse – nun jagen die Menschen das Wesen, das sie einst „drückte“.

Fazit und Bewertung

Das HADD-CCT-BVT-Modell ist ein hochmoderner und interdisziplinärer Ansatz. Es leistet Folgendes: Es macht die Elwedritsch von einer „ausgedachten Lüge“ zu einem echten psychologischen Phänomen. Es bietet eine logische Kette von der Biologie (Schlafparalyse) über die Psychologie (Angstbewältigung) bis hin zur Kultur (Humor/Brauchtum). Es erklärt die Langlebigkeit des Mythos: Die Elwedritsch ist nicht verschwunden, sondern hat sich erfolgreich in unsere moderne, humorvolle Kultur transformiert (Memetik). Insgesamt ist dieses Modell die bisher schlüssigste Erklärung dafür, warum die Elwedritsch in der Pfalz (und auch in Pennsylvania als Elbedritsch) eine so tiefe kulturelle Identität besitzt.

Auf einer Skala von 0 bis 10 erhält das HADD-CCT-BVT-Modell von mir eine 9/10.

Hier ist die detaillierte Begründung für diese Bewertung, aufgeteilt in die verschiedenen wissenschaftlichen Qualitätskriterien:

1. Wissenschaftliche Plausibilität: 9/10

Das Modell nutzt etablierte Theorien aus der Evolutionspsychologie (HADD), der Sozialpsychologie (CCT) und der Humorforschung (BVT). Es stützt sich nicht auf bloße Vermutungen, sondern auf biologische Fakten wie die Schlafparalyse. Dass das Gehirn in einem Zustand der Hilflosigkeit “Agenten” (Wesen) projiziert, ist neurologisch sehr gut belegt.

2. Erklärungsreichweite: 10/10

Dies ist die größte Stärke des Modells. Es beantwortet nicht nur eine Frage, sondern die gesamte Kette:

Ursprung: Warum glauben wir überhaupt an Geister? (HADD)

Funktion: Warum entwickelten wir Rituale und Aberglauben? (CCT)

Transformation: Warum wurde aus dem gefährlichen Dämon ein “lustiges” Pfälzer Fabeltier? (BVT) Es verbindet die dunkle Vergangenheit der Albdrude schlüssig mit der heutigen Elwedritsche-Jagd.

3. Originalität: 9/10

Der Ansatz von Dr. Michael Werner bricht mit der oberflächlichen Sichtweise, die Elwedritsch sei lediglich ein “Touristen-Gag” oder eine reine Analogie zum bayerischen Wolpertinger. Durch die Verknüpfung mit der Memetik (die Elwedritsch als erfolgreicher Kultur-Baustein) wird das Phänomen auf eine neue, ernstzunehmende geisteswissenschaftliche Ebene gehoben.

4. Linguistische Evidenz: 8/10

Die Herleitung des Namens (von Albdrude über Albdritsch zu Elwedritsch) ist etymologisch nachvollziehbar und wird durch die im Modell auf elwedritsch.de genannten historischen Belege gestützt.

5. Kritik / Warum keine 10/10?

In der Folklore gibt es selten die “eine, absolute Wahrheit”.

Es könnten zusätzliche Einflüsse (lokale Dialektverschleifungen oder spezifische historische Ereignisse) eine Rolle gespielt haben, die nicht rein psychologisch erklärbar sind.

Die Theorie ist so “geschlossen”, dass sie kaum Platz für Zufälle lässt – doch gerade in der Volkskunde spielen Zufälle oft eine Rolle.

Fazit (9/10): Der psychologisch-memetische Ansatz ist mit dem “HADD-CCT-BVT”-Modell das aktuell stärkste und wissenschaftlich fundierteste Erklärungsmodell für die Elwedritsch. Es macht aus einem regionalen Kuriosum ein universell verständliches Beispiel für die menschliche Psyche und Kulturgeschichte.

Der psychologisch-memetische Ansatz zum Ursprung der Elwedritsche

Von Michael Werner

Ausgangspunkt: Schlafparalyse

Am Beginn steht ein universelles menschliches Erlebnis: die Schlafparalyse als Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, in dem der Geist schon wach, der Körper aber gelähmt ist und eine bedrohliche Präsenz erlebt wird. Dieses neurophysiologische Phänomen wird als nächtlicher Dämon gedeutet, der sich „auf die Brust setzt“ und Atemnot, Druckgefühl und Todesangst verursacht.​​

Der erste Schritt: HADD (Hyperactive Agency Detection Device) / Die Erzeugung eines Akteurs

Der psychologisch-memetische Ansatz greift hier den in der Kognitionspsychologie diskutierten Mechanismus der „Hyperactive Agency Detection“ (HADD) auf: In unklaren, angstbesetzten Situationen konstruiert das Gehirn reflexhaft handelnde Akteure. Aus einem diffusen Präsenzgefühl wird so ein personalisiertes Wesen – zunächst als nächtlicher Druckdämon, der das Schlafparalyse-Erlebnis erklärt. Erstmals greifbar werden Phänomene dieser Art nach Erfindung der Schrift im antiken Mesopotamien. In der Geschichte hat dieser Dämon in den verschiedenen Kulturen unterschiedliche Namen und voneinander abweichende Ausprägungen. Als nächtlicher weiblicher Schadensagent bleibt er aber​​ immer erkennbar. Im deutschen Sprachraum erscheinen in der germanischen Mythologie „Alben“ und im späteren christlichen Kontext „Druden“, die beide über die Zeit im Begriff „Albdrude“ verschmelzen.

Der zweite Schritt: CCT (Compensatory Control Theory) / Die Entwicklung von Abwehrmaßnahmen

CCT geht davon aus, dass Menschen schwer ertragen, wenn die Welt chaotisch und unkontrollierbar wirkt; sie suchen dann nach Strukturen und Mustern, die Ordnung versprechen.​ Im Fall des durch Schlafparalyse entstandenen nächtlichen Druckdämons (z.B. Mahr, Alb, Drude, Albdrude) werden Symbole (Pentagramme, Hexafoils) und Bannrituale (Braucherei-Sprüche wie der Trotterkopf-Spruch bzw. Messerrituale) entwickelt, die den Eindringling abwehren sollen.

Der dritte Schritt: BVT (Benign Violation Theory) / Kulturelle Zähmung des Dämons

Über lange Zeiträume wird diese bedrohliche Figur kulturgeschichtlich „gezähmt“: Mit der Aufklärung verlieren Dämonen erklärende Kraft, die Gestalt wird abgeschwächt und verniedlicht. Das entstandene kulturelle Wesen wird in einen Raum fern ab der Menschen verbannt (hier: in den Wald). Die BVT vertritt die These, dass Humor das entscheidende Werkzeug ist, um Angst zu verarbeiten. In diesem Prozess wird aus privatem Terror in der Schlafstube ein gemeinschaftliches Ritual: Die Elwedritsche-Jagd. Aus dem Opfer (dem Mensch) ist jetzt ein Jäger geworden, aus dem früheren Dämon eine Jagdbeute. Das bedeutet, es findet eine Machtumkehr statt. Die BVT argumentiert, dass sich in diesem Prozess die Version durchsetzt, in der einerseits der frühere gefährliche Kontext noch erahnbar ist, das gemeinschaftliche Ritual sich jedoch eindeutig harmlos präsentiert. Dies ist bei der Elwedritsche-Jagd der Fall – es ist die perfekte Verbindung von Geheimnisvollem und Spaß.

Historische Belege und Entwicklungspfad

Die These ist erklärend (explanativ), indem sie einen Entwicklungspfad vom subjektiven Erleben über die Dämonenvorstellung bis zur Elwedritsche nachzeichnet. Belege aus Auswanderertraditionen (etwa Banat und Pennsylvania) zeigen, dass ältere, bedrohliche Varianten der Gestalt existierten, bevor sich in der Pfalz das heutige, eher niedliche Bild mit Scherzjagden durchsetzte.​

Memetik: Warum die moderne Version der Elwedritsche bzw. der Elwedritsche-Jagd überlebt

Memetisch wird die Elwedritsche als „kultureller Überlebensprofi“ beschrieben: Sie ist einprägsam, emotional aufgeladen und eng an soziale Rituale (Jagd, Geschichten, Lokalkolorit) gebunden. Deshalb überlebt dieses kulturelle Muster („Mem“) durch Weitergabe über viele Generationen. Dabei verändert es sich immer wieder, ohne seinen inhaltlichen Kern gänzlich zu verlieren. Humor spielt dabei weiter die Schlüsselrolle – die ursprüngliche Angst wird in gemeinschaftliches Lachen transformiert, was die Weitergabe des Mems über Generationen hinweg besonders effektiv macht.

Gesamtlinie der Argumentation

Die wichtigste Argumentationslinie lautet damit: Ein universelles neuropsychologisches Angstphänomen (Schlafparalyse) wird durch Agentendetektion zu einem Dämon, der über Jahrhunderte kulturell entschärft wird und schließlich als Elwedritsche in einer humorvollen, regionalen Form weiterlebt. Die moderne Figur der Elwedritsche ist nach dieser These das memetische Endprodukt eines langen Prozesses der Angstbewältigung, in dem sich eine Gesellschaft ihre Nachtängste in ein identitätsstiftendes, spielerisches Fabelwesen verwandelt.

Der Prozess folgt einer memetischen Kette: Existenzangst → Kontrollverlust → Agentifizierung (Externalisierung) → Ritualisierung (Abwehrmaßnahmen) → Humorvolle Harmlosigkeit (Soziale Reintegration). Das macht die Elwedritsche anpassungsfähig: Von bedrohlichem Dämon zu folkloristischem Symbol, das heute in Tourismus (z. B. Elwedritsche-Brunnen), Pseudowissenschaft („Tritschologie“) und Witzen lebt.

Der Gegenbeweis: Der pennsylvanische Groundhog Day / Anderes Beispiel, gleiches Muster

Auch der pennsylvanisch-deutsche Groundhog Day lässt sich mit dem psychologisch-memetischen Ansatz erklären: Aus einer alten pfälzischen Bauernregel entstand durch memetische Prozesse im 19. Jahrhundert in Pennsylvania ein der Elwedritsche-Jagd vergleichbares Ritual: Groundhog Day. Am 2. Februar wird ein Murmeltier aus dem Bau gezogen und befragt: Sieht es seinen Schatten, bleibt der Winter noch sechs Wochen – sieht es seinen Schatten nicht, kommt das Frühjahr bald. Heute ist das Ritual in Volksfeste und humoristische Festbankette eingebunden. Ausgangspunkt ist die Urangst der bäuerlichen Gesellschaft vor einem langen Winter und Hunger (Auslöser). Die HADD erzeugt einen Agenten (Murmeltier als Wetterorakel). Aufgrund der CCT erzeugt die Gesellschaft Rituale (Befragung des Murmeltiers), und im Laufe der Zeit werden mit von der BVT beschriebenen Prozessen kulturelle Praktiken entwickeln, die das ernste Problem humoristisch verpacken. Auch hier wird mit Lachen Angst verarbeitet. Das bedeutet: Elwedritsche-Jagd und Groundhog Day sind strukturell vergleichbare kulturelle Muster, die sich mit dem gleichen theoretischen Modell beschreiben lassen: dem psychologisch-memetischen Ansatz.

Das ist in aller Kürze die „psychologisch-memetische These“ zur Erklärung, was hinter Elwedritschen wirklich steckt. Der Ansatz wurde zwischen 2020 und 2025 entwickelt und ist Grundlage des Buches „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ (2025).