
Eine Würdigung
Man kann Wissenschaft betreiben, indem man viele Bücher liest und im Anschluss Funde vor dem Hintergrund dieser Bücher bewertet. Das sind die Theoretiker. Man kann Wissenschaft aber auch betreiben, indem man sich Menschen vernetzt und mit ihnen gemeinsam Dinge tut, die einen wissenschaftlich interessieren. Das sind die Praktiker.
Patrick Donmoyer gehört zur zweiten Art Wissenschaftler. Er ist Direktor des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers der Kutztown University – aber gleichzeitig eben auch Vorstandsmitglied von Grundsau Lodge No. 1, Sänger beim Dolpehocken Saenger Chor, Moderator der „Deitsch Schtunn“ auf Berks County TV, Mitherausgeber von „Hiwwe wie Driwwe“, aktiver Teilnehmer bei Folk Festivals und so weiter und so weiter. Dinge verstehen lernen, indem man sie selbst tut – das ist Patricks Devise.

Als Direktor des Heritage Centers obliegt ihm eine große Verantwortung. Er muss das Ohr an der Szene haben und gleichzeitig die Erfordernisse des akademischen Betriebs der Kutztown University erfüllen. Da prallen oft Interessen aufeinander. Aber mit seiner ausgleichenden, ruhigen Art hat er – jedenfalls soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann – viele Diskussionen beenden und manches Feuer löschen können. Das ist eine Gabe!
Ich bin nicht mehr sicher, wann mir Patrick zum ersten Mal begegnet ist. Es müsste im Jahr 2007 gewesen, als ich Ed Quinters Dialektklassen in Kutztown besuchte – man kann dort „Pennsylvania German“ im Nebenfach studieren. Vermutlich saß Patrick da in einer der Reihen unter den Studierenden. Ein Foto aus dieser Zeit habe ich nicht gefunden. Etwa 2011 wurde er Assistent von Prof. Rob Reynolds, dem damaligen Chef des Heritage Centers. Nach dessen Weggang übernahm er 2013 die Leitungsfunktion. Seit diesem Zeitpunkt arbeiten wir beim Projekt „Hiwwe wie Driwwe“ eng zusammen, und seit 2021 ist er Mitherausgeber der Zeitung.
Patrick Donmoyer ist ziemlich genau 20 Jahre jünger als ich, und der Beginn unserer Zusammenarbeit im Jahr 2013 markiert für mich eine Zeitenwende. Während ich in den ersten 20 Jahren meiner Beschäftigung mit dem Pennsylvania-Deutschen seit 2013 immer viel von deutlich Älteren gelernt habe, sind es seit etwa diesem Zeitpunkt die Jüngeren, von denen ich lernen darf. Ich bin sehr froh, dass im Herbst 2024 eine Gruppe von etwa 20 in der Szene Aktiven zusammengekommen ist, um nach dem Ableben des Kutztown Folk Festivals über Möglichkeiten zu diskutieren, den Dialekt und die Kultur der Pennsylvania-Deutschen auch in Zukunft zu pflegen. Ich gehöre in diesem Kreis nun zu den Älteren, und ich bemühe mich, gut zuzuhören. Die Amerikanerinnen und Amerikaner, die hier zusammensitzen, werden entscheiden, wie es mit dem Pennsylvanisch-Deutschen in Berks County und drumherum weitergehen wird.

„We have to walk, before we run”, war einer der Wahlsprüche von Prof. David Valuska, dem Vor-Vorgänger Patrick Donmoyers in der Funktion des Heritage-Center-Direktors. Nun ist Patrick sein würdiger Nachfolger. Gleichzeitig ist er aber auch der Nachfolger Prof. Don Yoders, der große Teile seines Nachlasses dem Heritage Center überlassen hat. Don war ein Menschenfreund, und er hat seine Bücher immer aus einer großen Nähe zu den Menschen heraus geschrieben. Bei den Leuten sein, ihnen zuhören und mit ihnen handeln und erst dann wissenschaftliche Ableitungen treffen – das war sein Ansatz. Wenn Don Yoder oder Patrick Donmoyer ein Buch geschrieben haben, haben sie zuvor ihr Thema über viele Jahre von innen heraus „gelebt“. Das ist im deutschen Wissenschaftsbetrieb oftmals anders. Projektbezogen wird drei bis fünf Jahre an einem Thema gearbeitet, dann ist das nächste dran. Die nachfolgende Finanzierung bestimmt, wo die Reise hingeht.
Ich bin sehr froh, dass Patrick Donmoyer heute der Direktor des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers ist. Und ich freue mich darauf, weiter von ihm zu lernen.























































































































