
Eine Würdigung
Dave Adam muss ich Anfang der 2000er Jahre bei einer Grundsau Lodsch Versammling kennengelernt haben. Ganz genau weiß ich das nicht. In diesen Jahren stand er noch nicht so im Mittelpunkt der Veranstaltungen wie heute. 2005 übernahm Lee Haas die Aufgabe, die 17 pennsylvanisch-deutschen Grundsau Lodsches zu führen, von Carl D. Snyder (1924-2007), und wann Dave Adam im Anschluss an Lee diese Aufgabe zufiel, erinnere ich gerade nicht. Es könnte um 2015 herum gewesen sein. Jetzt ist er jedenfalls DER Grundsau-Haabtmann aller 17 verschiedenen Lodsches.
Ab 2010 besuchte ich öfter das Folk Festival. Das hatte ich in den ersten Jahren meiner USA-Besuche vermieden, weil Juli einfach keine sehr gute Zeit für eine Reise nach Pennsylvania ist: zu heiß, zu feucht. Aber es hilft ja nichts: Wer die Menschen treffen will, muss dorthin gehen, wo die Menschen sind. So besuchte ich in den den letzten 15 Jahren immer wieder „es Fescht“ und konnte beobachten, wie Dave die Aktivitäten des Dachverbands der 17 Groundhog Lodges sukzessive ausbaute. Zunächst als Gremium gegründet, die Termine des Lodges zu koordinieren und pennsylvanisch-deutsche Sprachkurse anzubieten, sind die Aktivisten mittlerweile nah bei den Leuten und zeigen sich öffentlich. Beim Kutztown Folk Festival haben sie eine eigene kleine „Porch“ (Veranda) als Bühne, auf der Künstler und Sprecher auftreten. Ansonsten sind sie immer ansprechbar und singen im Kreis mit den Menschen pennsylvanisch-deutsche Lieder. Diese Ausweitung des Marketings ist sicher ein Verdienst von Dave Adam.

Doch bereits die Gründung der „Groossdaadi Grundsau Lodsch“ in den 1980er Jahren war richtungsweisend gewesen. Denn es fehlt der Mundartszene in Pennsylvania insgesamt Struktur, Organisation, Absprache – und eine gemeinsame Richtung, in die man marschieren möchte, um zum Spracherhalt beizutragen. Hier haben die „Grundsau Brieder“ zumindest für den Bereich ihrer Aktivitäten Beispielhaftes geleistet. Und mit der Einführung von Sprachkursen sorgten sie auch dafür, dass nachwachsende Interessenten die Mundart der Vorfahren lernen konnten – um den Versammlungen in Pennsylvanisch-Deutsch überhaupt folgen zu können.
Struktur, Organisation, Absprache und eine gemeinsame Richtung, in die man marschieren möchte, fehlen heute in Pennsylvania noch immer. Viele leisten einen Beitrag zum Spracherhalt, entwickeln Aktivitäten – aber das meiste läuft unkoordiniert und verpufft als Einzelmaßnahme. Frank Kessler und ich haben spätestens ab dem Jahr 2000 immer wieder auf diesen Umstand hingewiesen, und letztlich ist die Gründung des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises e.V. (DPAK) in Deutschland ein Reflex auf diesen Mangel gewesen. Wenn es in Pennsylvania nicht funktioniert, schaffen wir eben bei uns in der Pfalz eine Organisation, die die Aktivitäten der Pennsylvania-Deutschen untereinander und die Menschen in den USA und Deutschland vernetzt. Das hat eigentlich ganz gut funktioniert, und unser Arbeitskreis mit seinen rund 60 Mitgliedern wird 2028 seinen 25. Geburtstag feiern.

Frank und ich sind aber nicht müde geworden, auch in Pennsylvania die Gründung einer „steering group“ – einer Lenkungsgruppe – anzuregen. Deshalb freuen wir uns um so mehr, dass nach mehreren von uns organisierten DPAK-Treffen in Pennsylvania sich im November 2024 eine Gruppe jüngerer Dialekt-Aktivisten in Kutztown im Pennsylvania German Cultural Heritage Center treffen wird, um genau darüber zu beraten: Was kann man tun, um Kräfte zu bündeln? Das Treffen erfolgt auf Einladung von Patrick Donmoyer, seit 2021 Mitherausgeber der Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“ und Vorstandsmitglied im DPAK seit 2015. Wir sind auf die Ergebnisse sehr gespannt – Dave Adam sicherlich auch.
Der Pälzylvanier
































































































