Posted onDecember 9, 2025byMichael Werner|Comments Off on Die Rolle von indoeuropäischer Migrations- und Sprachgeschichte beim Entstehen der Elwedritsche
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Wie sich die indoeuropäische Migrationsgeschichte in der Entwicklung des Wortes “Bruder” spiegelt.
Von Michael Werner
Seit einigen Wochen gebe ich auf dieser Website, in Facebook und Instagram Hinweise zu meinem Buch “Elwedritsche – Dunkle Gefährten”, das im Frühjahr 2025 erscheinen soll. Die zugehörige Crowdfunding-Kampagne, in der ich um Unterstützung für die Finanzierung der Druck- und Gestaltungskosten bitte, startet am 5. Januar 2025 (alle Infos hier). Erfreulicherweise sind seit Start meiner Aktion die Zugriffszahlen auf die Website “hiwwe-wie-driwwe.com” sowie in Facebook und Instagram sprunghaft gestiegen. Das Thema trifft in der Pfalz ganz offensichtlich einen Nerv, weil bisher noch kein Ansatz existiert, das Phänomen “Elwedritsche” kulturhistorisch zu erklären. Diesen liefern wir mit der Einführung einer völlig neuen Perspektive. Da mich in den vergangenen Tagen immer wieder Fragen zu meinem Buch erreichten, will ich das grundsätzliche Vorgehen hier gerne vorab beschreiben:
Bei meinen Reisen durch das Pennsylvania Dutch Country in den vergangenen 30 Jahren habe ich in den verschiedenen Regionen neben der Sprache auch unterschiedliche Bräuche gesammelt und dokumentiert. Immer bewegt man sich in der Beschäftigung mit Pennsylvania-Deutschen hierbei in einem bäuerlichen Kontext. Es ist wichtig, das im Blick zu behalten. Mir ist aufgefallen, dass es einerseits Bräuche – ich nenne sie “kulturelle Muster” – gibt, für die mir in der Pfalz ein Äquivalent einfällt (z.B. “Butzemann” ist Pennsylvania vs. “Bi-Ba-Butzemann” in der Pfalz). Andererseits gibt es unzählige Bräuche, die mir völlig fremd waren (z.B. “Braucherei” als Gesundbeten oder das Bemalen von Scheunen mit Symbolen in Pennsylvania). Wenn ich eine Liste von 50 kulturellen Mustern dieser Art mache, finde ich vielleicht nur bei 20 von ihnen etwas in der Pfalz, das auch nur entfernt als Äquivalent gelten könnte. Und das, obwohl die meisten Auswanderer aus der historischen Kurpfalz kamen. Warum ist das so?
Es gibt drei mögliche Antworten: (1) Die restlichen Muster waren auch in der Pfalz bekannt, sind heute aber vergessen. (2) Die restlichen Muster waren nie in der Pfalz bekannt, sondern wurden durch andere Einwanderergruppen mit nach Pennsylvania gebracht. (3) Es ist eine Kombination von beidem.
Ich bin also in die Literatur eingetaucht und habe mit Sprechern verschiedener Mundarten und Sprechern aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen gesprochen. Besonders aufschlussreich waren hierbei Gespräche mit Bekannten und Kollegen, die im weitesten Sinne aus dem kurdischen Kulturkreis stammen. Mein Ziel war herauszufinden, ob die in Pennsylvania erhaltenen Bräuche vielleicht bei diesen Menschen – außerhalb der Pfalz – auch bekannt waren oder sind. Und tatsächlich wurde ich fündig. Dabei stellte sich heraus, dass Bräuche zu einem bestimmten Thema in Pennsylvania und einer anderen Region in Europa um so ähnlicher waren, je näher diese europäische Region zur Pfalz liegt. Es muss also so sein, dass diese kulturellen Muster in früheren Zeit in einer noch bäuerlichen Gesellschaft auch in der Pfalz bekannt gewesen sind. Heute sind sie es nicht mehr.
Es liegt nahe, neben Aufklärung und Kriegen hier auch die Industrialisierung unserer Region als Grund zu sehen. Nur 1,3% der Menschen in Deutschland sind noch in der Landwirtschaft tätig. Rund 250.000 Betriebe gibt es noch – Tendenz fallend. In Pennsylvania allein gibt es aktuell 50.000 Farmen mit einem eindeutig regionalen Schwerpunkt auf dem Pennsylvania Dutch Country. Der Hotspot liegt in Lancaster County (5.000 Farmen) und den Nachbarlandkreisen Berks (2.000 Farmen), York (2.000 Farmen) und Chester (2.000 Farmen). In diesem bäuerlichen Umfeld haben sich kulturelle Muster des 18. Jahrhunderts erhalten, die bei uns längst vergessen sind. Es sind – weit überwiegend – die Bauereien der Pennsylvania-Deutschen.
Warum aber findet man bei einem Brauch in Pennsylvania Ähnlichkeiten mit Bräuchen in den Niederlanden, in Polen, in Russland, Anatolien, bei Kurden, Jesiden und sogar Menschen in Indien? Spätestens jetzt macht es Sinn, die Perspektive des 21. Jahrhunderts zu verlassen und die in Bräuchen in verschiedenen Ländern erhaltenen Relikte der bäuerlichen Kultur als historisch gewachsenes Geflecht zu verstehen, das über viele Generationen durch Migrationsbewegungen entstanden ist. Wir sind in der indoeuropäischen Perspektive angekommen!
Ausgehend von einer Region, die heute im nördlichen Iran gelegen ist, hat sich die indoeuropäische Ursprache ab etwa 6000 v. Chr. zunächst nach Anatolien und in eine heute in Russland und der Ukraine gelegene Steppenregion ausgebreitet. Von hier zogen die Menschen über viele Generationen nach Westen bis nach Portugal und nach Osten bis nach Indien (die Grafik zum Wort “Bruder” ist hier nicht mehr ganz aktuell – die neuesten Forschungsergebnisse zur indoeuropäischen Migration gibt es auf der Website der Max-Planck-Gesellschaft).
Schaut man sich die Grafik zur Entwicklung des Wortes “Bruder” an, sieht man schnell die Ähnlichkeiten, die auch nach 8000 Jahren indoeuropäischer Sprachentwicklung noch vorhanden sind. Nun muss man sich nur noch auf die Suche nach Bräuchen machen, die im weitesten Sinne mit dem zu tun haben, was uns in der Pfalz als “Elwedritsche” bekannt ist. Wie Hänsel und Gretel habe ich mich umgedreht und bin den Pfad der langen Wanderung rückwärts gelaufen. Dabei habe ich immer wieder die Brotkrumen aufgelesen, die mir gezeigt haben, dass ich auf dem richtigen Weg war.
Es offenbarte sich nicht nur ein pan-europäisches Geflecht an kulturellen Mustern, die in den verschiedenen bäuerlichen Gesellschaften ähnlich waren. Vor dem Hintergrund dieses Geflechts wurde auch immer klarer, was Elwedritsche wirklich sind. Mein Buch erzählt diese wirklich spannende Geschichte.
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