Wilhelm Busch und die Albdrud

Weißt du nicht, daß böse Seelen
Nächtlich aus dem Leibe rücken,
Um den Menschen zu bedrücken
Und zu treten und zu quälen,
Wenn er auf dem Rücken ruht?
Lautlos durch verschloss’ne Türen
Immer näher siehst du’s kommen,
Zauberhaft und wunderlich.
Und dir graust es vor dem Dinge,
Und du kannst dich doch nicht rühren,
Und du fühlst dich so beklommen,
Möchtest rufen, wenn’s nur ginge,
Und auf einmal hat es dich. (Wilhelm Busch)

Das Buch “Elwedritsche – Dunkle Gefährten” ist erschienen und kann über den Buchhandel bezogen werden, zum Beispiel hier.

Ergänzende Informationen zum Buch inklusive Literatur- und Quellenverzeichnis, zusätzliche Videos und interessante Links zum Thema erhält man, wenn man hier klickt: www.paelzer-elwedritsche.de

Das wahre Wesen der Elwedritsch

Eine Albdrude, aus der die Elwedritsch (oder Elwetritsch) entstand

Es ist ein verstörendes Bild: Eine schwarze Katze mit Menschenhänden, Vampirzähnen und Fledermausflügeln bemächtigt sich des größten Schatzes einer Familie: des kleinen, unschuldigen Kindes. Warum? Die einfache Antwort ist: Neid. Hinter dem weiblichen Dämon steckt ein Wesen, das unfruchtbar ist und anderen Frauen ihre Fruchtbarkeit neidet. Was verbirgt sich hinter der Fratze? Es ist eine Albdrude, deren Geschichte mindestens bis in die Zeit der mesopotamischen Hochkulturen zurückreicht. Dort wurde in Keilschrifttexten erstmals fassbar, dass Menschen sich vor der Nacht und dem schädigenden Einfluss von Dämonen fürchteten. Diese brachten Krankheit und Tod. Die regionalen Nachbarn – indoeuropäische Gesellschaften wie Perser und Mitglieder jüdischer Gemeinden – übernahmen die Angst und gaben sie in ihren Kulturen von Generation zu Generation weiter. Durch indoeuropäische Migrationsbewegungen erreichte der Glaube Mitteleuropa, wo man im deutschen Sprachraum zunächst von Alben, später von Druden sprach. Im jüdischen Kontext erreichte derselbe Glaube ab dem 10. Jahrhundert die SchUM-Städte Mainz, Worms und Speyer. Juden hatten dem Schrecken einen anderen Namen gegeben: Lilith. Eine Figur aus dem alten Testament, vor der man sich fürchtete und schützte. Hier im Rheintal traf sich in den Bräuchen christlicher wie jüdischer Nachbarn wieder, was tausende Jahre zuvor im fruchtbaren Halbmond seinen Anfang genommen hatte: die Angst vor der Nacht und dem Dämon, der Kinder nimmt und auch Schwangere und Wöchnerinnen tötet. Abhilfe schaffte, den Dämon zu verkleinern: Aus der Albdrude wurde die Elbedritsch. Anschließend jagte man sie in den Wald … mehr Infos zum Thema findet man hier: www.elwedritsch.de

Vadder ich muß geh

Von Manfred Dechert

Vadder, ich muß geh
Des war ewe e Ohrfeich se vel
Muß fort aus dem Kaff wose sich
bloß die Mäuler verreiße iwwer die
wo e anneres Lewe han wolle
Baun Eier Häuser allee unn
werrn glicklich uff Eire Poschte
in de Ämter werrn seelich
in Eierm Vorgarte unn Eierm Verein
Drum muß ich geh

Ich fahr jetzt fort aus dem
schääne langweiliche Ort do
Mei Määre is aa gang drum fahr
ich weit weit fort Vive la France
Wer weeß was werd
Wer weeß was kummt
Do wo ich jetzt bin brauchsche kää Abitur
sondern: es: Iwwerlewe kenne!

Bu kum hääm – hans net so gemäänt
Bei de Fremdelegion sinn schun
Manche nimmie hämkumm!
Musch doch Niemand zeiche-
das de e Held bisch
Vadder, es is zu spät
Sollese mich in Afrika abschieße
oder sunschtwo uff de Welt

Vadder, ich muß geh
Will net lewe als Halbdoter in Eierm Dorf
met Eicheheim unn me Bier zuvel in de Wertschaft
Hasch geh misse, Bu
Han manche Nacht net geschlof
Hasch recht – des war e Ohrfeich zuvel!
No Zwanzich Johr kummt e Bu in Uniform
unn de Vadder is aa e bißche stolz

Bu, loß Dich dricke
Des war Dei Weg

1. Preis Lyrik beim 18. Sickinger Mundartdichter-Wettstreit
September 2025

Interview: Die “Shooflies“ kommen aus Pennsylvania in die Pfalz und nach Rheinhessen

Die “Shooflies” im TV-Interview bei Jean-Luc Busch im Sender “RheinlOKal” (Worms)

Im Oktober ist die Band “The Shooflies” aus Pennsylvania in der Pfalz und Rheinhessen zu Gast. Hier berichten die Schwestern Brigitte Weinsteiger und Erika Gustavson über die Vorbereitungen der Tour. Zum Abspielen des Interviews bitte auf das Bild klicken.

Manfred Dechert und Matthias Zech gewinnen 18. Sickinger Mundartdichter-Wettstreit

Eine Bühne voller Preisträger, Verantwortliche und Jury-Mitglieder: Manfred Dechert (5. von links) siegte in der Sparte Lyrik, Matthias Zech (4. von links) war im Bereich Prosa erfolgreich

Seit 1991 findet alle zwei Jahre der Sickinger Grumbeere-Markt statt, in dessen Rahmenprogramm der Mundartdichter-Wettstreit durchgeführt wird. Matthias Zech aus Speyer gewann mit “Die Brief vun de Lilly” in der Sparte Prosa. Hier kamen Lothar Sattel und Maritta Reinhardt auf die Plätze 2 und 3. Manfred Dechert (Ludwigshafen) gewann im Bereich Lyrik mit “Vadder, ich muss geh” vor Norbert Schneider und Renate Demuth. Sonderpreise gingen an Thomas Sattel und Rolf Büssecker. Mit etwa 50 Gästen war das Rathaus der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben gut gefüllt. Marktgraf Lasse Burkhardt wurde nach zwei Jahren verabschiedet und die neue Marktgräfin Johanna Seibert vorgestellt. Die Moderation lag bei Denise Adrian. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Hoffmann-Hammer-Trio aus Neupotz. Die Pfälzische Mundart-Stiftung hatte den Druck des Programmheftes mit allen Texten finanziell unterstützt.

Butch Reigart: Der Schulmeister

Butch Reigart beim ersten Deutch-Pennsylvanischen Tag im Auswanderermuseum Oberalben (2006)

Zum 75. Geburtstag

Butch Reigart hat viele Talente. Sehr ungewöhnlich für einen Amerikaner ist, dass er mehr als eine Handvoll Sprachen gut spricht, darunter Russisch und Arabisch. Und er hat eine angenehme Art, die ihm Türen öffnet – Türen, durch die er dann wiederum andere mitnimmt.

Als ich Butch, der eigentlich Keith heißt, um das Jahr 2000 herum kennenlernte, arbeitete er noch für die US Army und war in Deutschland stationiert. Wir verstanden uns gleich bei unseren ersten Treffen hervorragend, weil uns ein gemeinsames Interesse verband: das Pennsylvanisch-Deutsche. Butch transkribierte zu dieser Zeit alte pennsylvanisch-deutsche Radioprogramme von Johnny Brendel aus Rheinholds (PA) aus den 1960er Jahren. Sprachlich und volkskundlich sind diese Aufnahmen eine wahre Fundgrube, und Butch machte sie auf diese Weise wieder zugänglich.

Butch Reigart in einem TV-Interview im Jahr 2011

Nach seiner Pensionierung ließ sich “der rutschich Butch”, wie er sich in Anspielung auf seine vielen Umzüge selbst nennt, in Lancaster County nieder. Hier hielt er unter anderem Kontakt zu Dick Beam. In der Folgezeit bot er sich Amish Familien als “Fuhrmann” an, d.h. er fuhr Menschen zum Arzt, zum Supermarkt oder einmal in die große Stadt. Es war eine “Win Win”-Situation. Die Amish kamen auch zu Zielorten, die mit einer Kutsche nicht zu erreichen waren, und Butch verbesserte sein Pennsylvania Dutch.

Butch Reigart und “Bischli Gnippli” (Prof. C. Richard Beam) im Jahr 2015 in Millersville (PA)

Er gab sein Wissen in pennsylvanisch-deutschen Sprachkursen weiter, unter anderem an der damaligen Mennonite Historical Society in Lancaster. Später startete er einen Konversationskurs an der Muddy Creek Farm Library auf dem “Katzebuckel” bei Amos Hoover. Alle vier Wochen treffen sich dort seit vielleicht 20 Jahren Amish, Mennoniten und weltliche Pennsylvanisch-Deutsche, um zwei Stunden miteinander in Mundart zu sprechen. Das ist, soweit ich das beurteilen kann, in dieser Form in den Vereinigten Staaten einmalig. Meist starten die Abende mit einem gemeinsamen Dialekt-Lied oder einem Gedicht, in dem es um die “Bauerei” geht und darum, wie früher auf dem Bauernhof gearbeitet wurde. Dies ist immer ein guter Einstieg, denn dann erzählen die Menschen wie es bei ihnen war. Man sieht die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten. Mit der Zeit entsteht das Gefühl: Wir mögen unterschiedlich sein, aber wir gehören zusammen. Ich war bei meinen Besuchen in Pennsylvania immer wieder in dieser Runde zu Gast, und 2015 feierten dort gemeinsam den 90. Geburtstag von “Bischli Gnippli”, Prof. C. Richard Beam (1925-2018). Es sind schöne Erinnerungen.

Mittlerweile ist die Organisation der Veranstaltung weitgehend auf Caleb Franks übergegangen, der vielleicht 30 Jahre jünger als Butch ist. Er führt dieses Leuchtturmprojekt mit derselben Sensibilität fort, die notwendig ist, um die Menschen zusammenzuhalten. Butch jedoch ist weiterhin ganz vorne dabei, wenn es darum geht, sein geliebtes Pennsylvania Dutch zu fördern und einer nachwachsenden Generation den Zugang zu Menschen zu verschaffen, die noch Dialekt sprechen. Ich selbst habe von seinem Netzwerk sehr profitiert. Vielen Dank!

Der Pälzylvanier

Net vergesse!

Hiwwe wie Driwwe iss die bescht Zeiding!