Archiv der Kategorie: Neiigkeete

Elwedritsche in der SWR Landesschau

Michael Werner mit Patricia Küll und dem Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“

Herzlichen Dank für die Einladung in die SWR Landesschau am 3. Juni 2025 in Mainz. Ich war nicht sicher, wie man ein doch recht komplexes kulturhistorisches Thema wie das Phänomen „Elwedritsch“ in zwölf Minuten Interview bekommt. Ob das geklappt hat, kann überprüft werden, wenn man hier klickt.

Mundarten bewahren und stärken: Vorschlag für eine Dialektstrategie Rheinland-Pfalz

Von Michael Werner (Hiwwe wie Driwwe)

Vorwort

Der größte Reichtum von Rheinland-Pfalz ist seine Vielfalt – die Vielfalt der Landschaften zwischen Eifel und Pfälzerwald und die Vielfalt seiner Menschen, die sich in ihren Dialekten widerspiegelt. In einer Zeit globaler Mobilität ist der Dialekt für viele ein Stück Identität. Akzeptanz gegenüber Mundarten ist somit ein Teil des Respekts vor der Identität des Mitmenschen. Zugleich fördern Dialekte als Form der inneren Mehrsprachigkeit das Erlernen weiterer Sprachen.

Der nachfolgende Vorschlag ist dabei dem „Bockenheimer Manifest für Vielfalt und Toleranz“ aus dem Jahr 2024 verpflichtet, dem sich mehr als 180 Künstlerinnen und Künstler im Bereich Mundart angeschlossen hatten. Hierin heißt es wörtlich: „Wir Kulturschaffende im Bereich Mundart wünschen uns, dass die Pfalz ein Ort bleibt, der Vielfalt begrüßt und Toleranz lebt. Wir fühlen uns bereichert durch Menschen, die in den letzten Jahrzehnten aus anderen Teilen Deutschlands, aus Europa und der ganzen Welt zu uns gekommen sind, um zu bleiben und in der Pfalz eine Heimat zu finden. Sie brachten neue Perspektiven, Traditionen und Ideen mit, die uns allen zugutekommen. Unsere Heimat hat in den vergangenen Jahrhunderten mit offenem Herzen immer auch jene aufgenommen, die Zuflucht gesucht haben. Wir möchten, dass das auch in Zukunft so bleibt. Gemeinsam wollen wir die Zukunft gestalten. Und deshalb sagen wir laut: Uffbasse! Bloß net nochemol!“ Mit anderen Worten: Mundarten bedeuten sprachliche Vielfalt, und gleichzeitig bereichert gesellschaftliche Vielfalt auch die Mundarten und das Zusammenleben in Rheinland-Pfalz insgesamt.

I. Einführung

a. Ziele der Dialektstrategie Rheinland-Pfalz setzt sich zum Ziel, die rheinfränkischen und moselfränkischen Dialekte zu bewahren, zu fördern und zu stärken. In Zeiten von Globalisierung und Medienrevolution wächst das Bedürfnis der Menschen nach Halt und Beheimatung. Wer Mundart spricht, verweist auf seine Herkunft und stärkt seine persönliche sowie regionale Identität.

b. Gegenstand der Dialektstrategie Besonders prägend für Rheinland-Pfalz sind die historisch verankerten Dialekte, die sich grob in zwei große Familien unterteilen lassen:

  • Rheinfränkisch: Vorwiegend in der Pfalz, Rheinhessen und an der Nahe gesprochen.
  • Moselfränkisch: Beheimatet in der Eifel, im Hunsrück und im Westerwald.

Diese Dialekte gehören zu den mitteldeutschen Mundarten, welche die zweite Lautverschiebung nur teilweise durchgeführt haben. Die Strategie berücksichtigt dabei die kleinräumigen Unterschiede im Vokalismus, der Grammatik und der Wortgeographie (z. B. regionale Bezeichnungen für Alltagsobjekte).

c. Träger der Dialektstrategie Dialekt ist ein gesellschaftliches Phänomen, das aus der Sprechpraxis der Bevölkerung entsteht. Rheinland-Pfalz setzt daher auf das Engagement der Bürgergesellschaft und möchte organisch gewachsene Sprachpraxis schützen, statt staatliche Sprachvorgaben zu machen.

II. Die Strategie im Einzelnen

a. Wissen erhalten und stärken Um das immaterielle Kulturerbe zu schützen, muss man es kennen.

  1. Universitäre Forschung: Forschungsstellen für Dialektologie in Rheinland-Pfalz werden gesichert.
  2. Digitalisierung: Historische Tonbandaufnahmen und Dialektarchive sollen erschlossen und über interaktive Webportale der Öffentlichkeit und Lehrkräften zugänglich gemacht werden.
  3. Wörterbucharbeit: Die Fortführung und Online-Überführung großlandschaftlicher Dialektwörterbücher wird als wissenschaftliche Dokumentation des Wortschatzes unterstützt. Hier ist vieles erreicht, aber manches noch offen.

b. Sichtbarkeit verschaffen

  1. Markenbildung: Eine neue Dachmarke soll die Sichtbarkeit der Mundarten erhöhen.
  2. Veranstaltungen: Das Thema Dialekt soll einen festen Platz bei den Heimattagen und Landesfesten erhalten, insbesondere mit Formaten, die gezielt junge Menschen ansprechen.
  3. Medienförderung: Die Unterstützung von Film- und Medienproduktionen, in denen authentischer Dialekt gesprochen wird, soll intensiviert werden.

c. Bildung vermitteln Dialekt ist kein Hindernis, sondern eine Bildungskompetenz.

  1. Schulen: In den Bildungsplänen wird die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen Standardsprache und Dialekt als Teil der Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ gestärkt.
  2. Mundart in der Schule: Künstler (Autoren, Musiker) sollen regelmäßig Schulen besuchen, um in Doppelstunden oder Projekttagen die Freude am Dialekt zu vermitteln.

d. Zivilgesellschaft stärken

  1. Dachverband: Die Gründung eines Dachverbandes der Dialekte Rheinland-Pfalz wird angestrebt, um regionale Vereine (z. B. aus der Pfalz oder der Eifel) landesweit zu vernetzen.
  2. Landespreis für Dialekt: Zur Würdigung besonderer Leistungen in der Pflege und Vermittlung der Mundart wird ein dotierter Landespreis ausgelobt. Dieser wird jährlich in Kategorien wie Literatur, Musik, Neue Medien oder an „Dialektbotschafter“ vergeben.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung: info@hiwwe-wie-driwwe.de

Die „Shooflies“ kommen in die Pfalz

The Shooflies – Pennsylvania Dutch Band

Die „Shooflies“ sind eine singende Familienband rund um die Schwestern Brigitte Weinsteiger und Erika Gustavson. Mit dabei sind auch Erikas Mann Pete und ihre Tochter Adelaide. Im Oktober 2025 kommen sie auf ihrer „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ für insgesamt fünf Konzerte in die Pfalz. Sie stellen die pennsylvanisch-deutsche Kultur in Musik und Texten vor. Gemeinsam singen sie traditionelle pennsylvanisch-deutsche Folk Songs mit Gitarre, Banjo, Geige, Bass, Harfe und vierstimmigem Chorgesang. Und das sind die aktuell geplanten Termine:

  • 16. Oktober 2025: Auswanderermuseum Oberalben, 19 Uhr
  • 17. Oktober 2025: Gemeindebücherei Ober-Olm, 19 Uhr
  • 18. Oktober 2025: Pfälzischer Mundartdichter-Wettstreit Bockenheim, 14 Uhr
  • 18. Oktober 2025: Heimatmuseum Altrip, 20 Uhr
  • 19. Oktober 2025: Deutsch-Pennsylvanischer Tag, Theodor-Zink-Museum Kaiserslautern,

Das Video zeigt die Band bei einem Auftritt im One-Room-Schoolhouse in Kutztown auf dem Gelände des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers. Sie gelangen zum Video, wenn Sie hier klicken. Die „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ wird von „Hiwwe wie Driwwe“ seit 2008 durchgeführt. 21mal waren seitdem Künstler unter diesem Label in der Pfalz unterwegs.

Pälzer Krischer in Kutzeschtettel

Ende Juni 2025 starten die „Pälzer Krischer“ aus Altrip ihre Pennsylvania-Reise. Innerhalb einer Woche werden sie mehrere Auftritte im Pennsylvania Dutch Country absolvieren. Höhepunkt ist der Auftritt beim „Pennsylvania German Day“ des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers in Kutztown gemeinsam mit Scott Reagan. Wir wünschen den Krischern viel Spaß bei der „Hiwwe wie Driwwe Pennsylvania Tour 2025“ und sind gespannt, mit welchen Eindrücken sie in die Pfalz zurückkehren.

„Pälzer Krischer“ gehen auf Pennsylvania-Tour

Im Oktober letzten Jahres fand in Altrip bei Ludwigshafen ein besonderes musikalisches Ereignis statt. Die deutsche Folk-Band „Pälzer Krischer“ und der amerikanische Folk-Musiker Scott Reagan (aus Nazareth, PA) standen beim 19. Deutsch-Pennsylvanischen Tag zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne und trugen Volkslieder in Pennsylvania Dutch und in pfälzischer Mundart vor.

Es war nicht nur ein großer Spaß für die Musiker, sondern auch für das begeisterte deutsche Publikum, das sich gut unterhalten fühlte und fasziniert feststellte, wie ähnlich das Pennsylvania Dutch dem Pfälzischen ist – selbst nach 300 Jahren Trennung. Die Veranstaltung war vom Heimat- und Geschichtsverein Altrip e.V. in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis e.V. organisiert worden. Unterstützt wurde das Event von der Atlantischen Akademie Kaiserslautern.

Unmittelbar nach dem Konzert wurde die Idee geboren, das Konzert in Pennsylvania zu wiederholen, wo viele Menschen Vorfahren haben, die im 18. Jahrhundert aus der Pfalz in die neue Welt gezogen waren. Die pfälzisch-pennsylvanische Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“ lud die Band ein, die Reise im Rahmen der Konzertreihe „Hiwwe wie Driwwe Pennsylvania Tour“ durchzuführen. Unter diesem Label treten seit einigen Jahren Künstlerinnen und Künstler als Botschafter der Pfalz in Pennsylvania auf. Vier Konzerte an unterschiedlichen Orten sind im Sommer 2025 geplant.

Scott Reagan und die „Pälzer Krischer“ freuen sich darauf, die Zuhörer in Pennsylvania im Juni 2025 mit einer besonderen Mischung aus Volksmusik zu unterhalten, die aus pennsylvanisch-deutschen Volksliedern, Liedern in pfälzischer Mundart und ein paar englischen Stücken besteht.

Das Elwedritsche-Erklärbuch kommt

Der Countdown läuft: Letzte Textkorrekturen werden gemacht und die Layouts abgeschlossen. Auf Instagram und in Facebook läuft eine Aufmerksamkeitskampagne mit rund 75 Motiven. Sie geben Hinweise darauf, in welchen kulturhistorischen Kontext die Elwedritsche im neuen „Hiwwe wie Driwwe“-Buch gestellt werden. Es ist eine Reise durch 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte und rund um den halben Globus notwendig, um das Rätsel zu lösen, was Elwedritsche wirklich sind.

Was sie NICHT sind, verraten wir schon hier: „Fabeltiere“ oder „fantastische Tierwesen“. Die Welt, in der uns die Elwedritsche begegnen, ist auch alles andere als „fabelhaft“. Das alles sind Erfindungen der jüngeren Vergangenheit. Harry Potter hat hier sicher einen Beitrag geleistet. Es ist aber eine düstere Lebenswirklichkeit, die hinter den Elwedritsche aufscheint. Denn sie sind alt. Uralt. Ein Echo aus einer lang vergangenen Zeit …

Die Crowdfunding-Kampagne zum Buch startet am 5. Januar 2025. Alle Informationen gibt es hier: https://www.startnext.com/elwedritsche-dunkle-gefaehrten

Wir freuen uns sehr über Unterstützung bei diesem aufwändigen Projekt, das Erkenntnisse zum Thema „Elwedritsche“ aus 15 Forschungsreisen nach Pennsylvania in den vergangenen 30 Jahren erstmals in einer Publikation zusammenträgt.

Das „Kutztown Folk Festival 2025“ ist abgesagt

Das Mudderschprooch-Schreiwer Festival 2022 beim Kutztown Folk Festival

Die Schocknachricht aus Pennsylvania ging gestern durch das Internet: Die Kutztown University Foundation, die das jährliche Kutztown Folk Festival ausrichtet, hat angekündigt, die Veranstaltung im kommenden Jahr nicht durchzuführen. Es ist davon auszugehen, dass es ein Abschied für immer ist. Bei jährlichen Kosten von etwa 1 Millionen Dollar hat das Festival seit 2022 ein Defizit von rund 347.000 Dollar aufgebaut.

Es ist wahrscheinlich, dass die Zwangspause infolge der Covid-Pandemie zu dem jetzt beklagten Besucherrückgang in den vergangenen drei Jahren geführt hat. Nach Wiederaufnahme des Festival-Betriebs kamen deutlich weniger Menschen nach Kutztown. Die Veranstaltung war 1950 gegründet worden und gehörte zu den Top-Events dieser Art in den USA mit jährlich über 100.000 Besuchern an insgesamt neun Tagen. 2025 hätte man das 75. Kutztown Folk Festival gefeiert. Die jetzt getroffene Entscheidung macht diesem Jubiläum einen Strich durch die Rechnung.

Es ist ein herber Schlag für die pennsylvanisch-deutsche Mundart-Community in den USA. Das Kutztown Folk Festival, gegründet von den Professoren Don Yoder, Alfred Shoemaker und Bill Frey, war DER Treffpunkt für Mundartsprecher und Austragungsort wichtiger Events der Gemeinschaft. So wurde etwa das jährliche „Mudderschprooch Schreiwer Festival“ seit 2006 im Rahmen des Festivals durchgeführt. Diese Veranstaltung kooperierte seit vielen Jahren mit dem Förderkreis Mundart Bockenheim e.V. und dem Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit. Aus den Teilnahmebeiträgen in Pennsylvania wählte die Bockenheimer Jury seit 2011 einen Preisträger für den jährlichen „Hiwwe wie Driwwe Award“.

Glücklicherweise befindet sich in Kutztown auch das Pennsylvania German Cultural Heritage Center, das zur Kutztown University gehört. Aktuell überlegen die Verantwortlichen dort, die für die Mundart-Community relevanten Teile des Festivals im Rahmen der Aktivitäten des Heritage Centers durchzuführen. Dies sind derzeit allerdings nur Gedankenspiele.

Ein glücklicher Zufall ist es, dass sich vergangene Woche ebenfalls in Kutztown ein neues „Pennsylvania Dutch Steering Committee“ gegründet hat, dem wichtige Protagonisten der pennsylvanisch-deutschen Szene angehören, unter anderem mit Patrick Donmoyer, Doug Madenford und Michael Werner die Mitglieder der „Hiwwe wie Driwwe“-Redaktion. Insgesamt wollen etwa 20 Persönlichkeiten in dieser amerikanischen „Steuerungsgruppe“ mitarbeiten, um Pläne für neue Projekte und eine bessere Vernetzung und Koordination der pennsylvanisch-deutschen Aktivitäten zu erarbeiten. Das Netzwerk könnte damit auch ein Partner für den Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis e.V. sein, der in der Pfalz und angrenzenden Regionen die Kontakte nach Pennsylvania koordiniert. Nach Einstellung des Folk Festivals ist dies die gute Nachricht des Tages.

Damit bieten sich auch gute Perspektiven für die weitere Zusammenarbeit zwischen den Mundart-Hauptstätten in der Pfalz und Pennsylvania: Bockenheim und Kutztown.