Hallicher Grischtdaag!

Das Jahr 2025 stand für “Hiwwe wie Driwwe” ganz unter dem Thema “Elwedritsche”. Das neue “Hiwwe wie Driwwe”-Buch “Elwedritsche – Dunkle Gefährten” hat dem vermeintlichen Fabeltier eine Biografie und einen Stammbaum gegeben. Erstmals wurde beleuchtet, was der Grund dafür ist, dass es überhaupt Elwedritsche gibt.

Dabei hat sich herausgestellt, dass keine einzelne wissenschaftliche Disziplin allein in der Lage ist, das Geheimnis zu lüften. Die Ursache für die Existenz der Elwedritsche liegt in einem medizinisch-neurologischen Phänomen des Gehirns (“Schlafparalyse”). Die menschliche Verarbeitung lässt sich gut mit Modellen der Psychologie beschreiben (“HADD Hyperactive Agent Detection Device” und “BVT Benign Violation Theory”), die historische Entwicklung wiederum am besten mit kulturwissenschaftlichen Instrumentarien (“Memetik”). Zu diesem neuen psychologisch-memetischen Ansatz wurden als Hilfswissenschaften einbezogen: Geschichte, Archäologie, Linguistik und Theologie (“Indoeuropäische Migrationsforschung”, “Translationswissenschaft”, “Indogermanistik” und andere). Ganz am Ende lieferte die Volkskunde einen wichtigen deskriptiven Beitrag, die Quellen zu Elwedritschen in der Pfalz in den letzten 175 Jahren darzustellen und zu interpretieren.

Dass die Volkskunde allein das Rätsel nicht lösen kann, wird schon dadurch deutlich, dass erste Quellen zu Elwedritschen in der Pfalz Mitte des 19. Jahrhunderts auftreten – das Phänomen aber z.B. auch im Banat und in Pennsylvania bekannt ist und damit bei Auswanderergesellschaften, die bereits im 18. Jahrhundert etabliert wurden. Nur was um 1700 bereits bekannt war, konnte auch ins Ausland mitgenommen werden. Dieser Sachverhalt wird in der Beschreibung der Elwedritsch als “Fabeltier”, als “fantastisches Tierwesen”, als vermeintlich im 19. Jahrhundert entstandener “Dorf-, Kneipen- oder Jägerspaß” meist geflissentlich ausgeblendet. Die Dissonanz, dass die Elwedritsche im europäischen und nordamerikanischen Ausland düster-dämonisch, in der Pfalz aber harmlos-lustig daherkommt, war einer der Ausgangspunkte der langen Reise zum Ursprung der Elwedritsche. Es musste einen Grund für diese unterschiedliche Wahrnehmung geben. Diesem galt es nachzuspüren.

Wenn es 2025 gelungen sein sollte, die deskriptive volkskundliche Beschreibung um eine historische Tiefenperspektive zu erweitern, ist schon etwas erreicht. Für die Zukunft gilt: Nur ein interdisziplinärer Erklärungsansatz wird dem Thema Elwedritsche wirklich gerecht. Es wäre vermessen zu glauben, dass jetzt alle Geheimnisse dieser imaginären Kreatur bereits gelöst sind. Die Entdeckungsreise wird weitergehen. Ich bin sicher, dass die Ergebnisse um so besser sein werden, je mehr engagierte Menschen aus den genannten wissenschaftlichen Disziplinen sich daran beteiligen und dabei auch vertrauensvoll fachübergreifend zusammenarbeiten. Nur wenn wir gemeinsam aus verschiedenen Perspektiven auf das “Phänomen Elwedritsch” schauen, werden sich auch die verbliebenen Rätsel lösen lassen.

In diesem Sinne verabschiedet sich “Hiwwe wie Driwwe” bis ins neue Jahr und wünscht allerseits “Hallicher Grischtdaag”. Alles Bescht fer 2026!

Michael Werner

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