Wilhelm Hauth – Der Chef-Tritschologe

Wilhelm Hauth (1950-2025) im Auswanderermuseum Oberalben im Jahr 2015

Zum Tod von Wilhelm Hauth

“Tritsch, tritsch – uiuiuiui” – so habe ich Wilhelm Hauth kennengelernt. Das war bei einem Vortrag in seiner Heimatstadt Landau, möglicherweise im Jahr 2010. Jedenfalls sprach er überzeugend von der Pfalz als “Elwedritsche”- und Bayern als “Wolpertinger”-Gebiet – und davon, dass er sich zu einer Expedition aufmachen wollte, um die Zwischenbereiche dieser beiden Habitate zu erforschen. Insbesondere sei er auf der Suche nach “Elwetingern” und “Wolpertritschen”. Dann erklärte er mit dem Brustton der Überzeugung Biologie und Verbreitung beider Populationen, Mutationen und natürlich seine besonderen Fangmethoden. Auf einem nachfolgenden Vortrag wolle er seine bahnbrechenden Erkenntnisse präsentieren. “Ich werde nachweisen, dass” kam in seiner Rede bestimmt zwei Dutzend mal vor.

Gestern habe ich gelesen, dass er im Alter von 75 Jahren verstorben ist.

Auf seinem Folgevortrag war ich nicht gewesen, aber wir waren seitdem in Kontakt und einem freundschaftlichen Austausch. Er besuchte Veranstaltungen des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises, und manchmal sah man ihn auch in Bockenheim bei Mundartveranstaltungen. Mich interessierte das Thema Tritschologie, und gleichzeitig wurde mir bei meinen regelmäßigen Aufenthalten in Pennsylvania immer mehr klar, dass hier etwas nicht stimmt: Die Gebräuche “hiwwe” und “driwwe” sind – abgesehen von der Jagd als solcher – einfach zu unterschiedlich. Die Elwedritsch in der Pfalz gilt als lustiger, aber scheuer Vogel. Die pennsylvanische Elbedritsch kommt düster-dämonisch daher, und man hält sich das, was sich dahinter verbirgt, besser vom Leib. Haus und Hof schützt man vor diesem Einfluss. Das passte nicht zusammen. Der Widerspruch löst sich erst auf, wenn man die Elbedritsch in Pennsylvania als 300 Jahre ältere Variante des fantastischen Tierwesens begreift, das man heute in der Pfalz jagt. Ich sprach öfter mit Wilhelm über das Thema, auch über meinen Entschluss, ein Buch zum Thema “Elwedritsche” zu schreiben und der Geschichte darin auf den Grund zu gehen. Er hat mich bestärkt und das Crowdfunding noch im Januar 2025 großzügig unterstützt. Als ich ihm im April das fertige Buch schickte, blieb es jedoch unerwartet ruhig. Da ich wusste, dass seine Gesundheit seit längerem angeschlagen war, rechnete ich mit einem Anruf oder einer Mail zu einem späteren Zeitpunkt. Jetzt erreichte mich die Todesnachricht, die mich sehr traurig macht.

Wilhelm Hauth in einem Interview in Hiwwe wie Driwwe Ausgabe 2 (2012)

Denn die Pfalz verliert mit Wilhelm Hauth den unumstrittenen Chef-Tritschologen. Jahrzehntelang hat er das Jägerlatein rund um die Elwedritsche-Jagd gesponnen und vermehrt – immer ausgesprochen unterhaltsam. Als er sich im vergangenen Jahr aus dem Elwetrittche Verein Landau zurückzog, fand sich kein Nachfolger. So musste sich der Verein 2024 auflösen. Auch Gernot Rumpf (1941-2025), Schöpfer des wundervollen Elwedritsche-Brunnens in Neustadt an der Weinstraße, ist vor wenigen Wochen verstorben. Diese Daten markieren im kulturellen Leben der Pfalz eine tiefe Zäsur. Hoffentlich finden sich irgendwann Jüngere, die in die großen Fußstapfen von Wilhelm Hauth treten.

Was die wirkliche Herkunft der Elwedritsche betrifft, waren Wilhelm Hauth und ich am Ende übrigens völlig einig. Darüber sprach der listige Tritschologe mit mir aber nur unter vier Augen. Sobald die Tür aufging, die Bühne wartete und das Publikum klatschte, machte er sich wieder auf die Suche nach “Elwetingern” und “Wolpertritschen”.

“Weidmannsheil”, lieber Wilhelm – wo immer du jetzt jagst.

Der Pälzylvanier

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