
Eine Würdigung
Am 25. März 2025 ging im kleinen Oberalben bei Kusel in der Westpfalz eine Ära zu Ende: Heidrun Werner, langjährige Vorsitzende und gemeinsam mit ihrem 2015 verstorbenen Mann Ekkehard „Ekkel“ Werner und weiteren engagierten Menschen im Dorf Wegbereiterin des kleinen Auswanderungmuseums, hat nach über 30 Jahren den Vorstand verlassen. Wo es viel um Schiffe und die Überfahrt in die neue Welt geht, darf man sagen: Die Lotsin geht von Bord! Mit der neuen Vorsitzenden Sabrina Werner, dem 2. Vorsitzenden Sebastian Gilcher und einem großen Team jüngerer Mitstreiterinnen und Mitstreiter übernimmt jetzt eine neue Generation die Geschicke des Museums, das 1993 gegründet worden ist und eine Erfolgsgeschichte wurde.
Und es gibt viele Ideen: Neben den traditionsreichen Veranstaltungen Ostermarkt, Irish Folk, Jazz und dem pennsylvanischen Abend gibt es Kneipenabende, Whisky Tastings und vieles mehr. Das Museum ist oft gut gefüllt, und auch der Rubel rollt. Das ist wichtig, denn die alte westpfälzische Scheune ist im Unterhalt teuer. Da wird jeder Euro gebraucht.

Heidrun Werner hat versprochen, sich nicht komplett zurückzuziehen, sondern gemeinsam mit den beiden Vorsitzenden eine Arbeitsgruppe einzuberufen, die die konzeptionelle Weiterentwicklung des Museums vorantreiben wird. Hier gibt es bereits viele Ideen: Neben der Nordamerika-Auswanderung könnte Brasilien als Zielland der Pfälzer verstärkt in den Blickpunkt genommen werden (2024 war das Jubiläumsjahr „200 Jahre Brasilien-Auswanderung“), die Südosteuropa-Auswanderung in die Batschka, ins Banat und nach Galizien ist unterrepräsentiert, und letztlich ist sicher zu überlegen, die Parallelen der historischen Wanderungsbewegungen mit aktuellen Migrationswellen des 21. Jahrhunderts aufzuzeigen. Dabei wird es vermutlich auch darum gehen, einen zeitgemäß modernen Zugang zum Thema zu schaffen, der über das Aufhängen von Infotafeln hinaus geht. Ich bin sicher, Heidrun wird sich hier mit Energie und Leidenschaft weiterhin einbringen.
Sie und Ihren Mann habe ich Ende der 1990er Jahre bei einem ersten Besuch kennengelernt. Wir haben Familie in Ulmet, das nur einen Katzensprung vom Museum entfernt ist. 2003 trat das Museum dem neu gegründeten „Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis e.V.“ bei, und seitdem arbeiten wir intensiv zusammen. Der erste Deutsch-Pennsylvanische Tag wurde 2006 in Oberalben begangen. Seit 2008 bringt „Hiwwe wie Driwwe“ jedes Jahr im Oktober mit der “Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour” einen Künstler bzw. eine Künstlerin aus Pennsylvania in die Pfalz, um Pfälzerinnen und Pfälzern an verschiedenen Orten die pennsylanisch-deutsche Kultur näherzubringen. Oberalben ist hier immer dabei, und so ist die Liste der Menschen lang, die schon im Auswanderermuseum gesungen oder gesprochen haben: John Schmid (2010, 2015, 2020, 2023), Don Breininger (2011), Keith Brintzenhoff (2012), Richard Miller (2013), Bill Meck (2014), Chris LaRose (2016), Mike & Linda Hertzog (2017), Patrick Donmoyer (2018), Benjamin Rader (2019), Erich Mace (2022), Doug Madenford (2017, 2022) und Scott Reagan (2024).

Vielen Menschen im Ort ist, glaube ich, gar nicht bewusst, was für ein Juwel das Museum ist. Man muss sonst weit fahren, um sich in einer Ausstellung mit Auswanderung beschäftigen zu können: nach Hamburg ins Auswanderermuseum BallinStadt oder gleich ins Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven. Das Auswanderermuseum Oberalben ist ein echter „Scheinriese“ wie Herr Tur Tur im 1960 erschienenen Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende. Je weiter man sich von Oberalben entfernt, um so größer wird das Museum aus Sicht der Menschen, die darauf schauen. In Pennsylvania jedenfalls ist es durch die Besuche der vielen Freunde und Künstler mittlerweile gut bekannt und eine der wichtigen Adressen, wenn man in der Pfalz unterwegs ist.
Dies alles wäre nicht möglich gewesen ohne den über 30 Jahre währenden Einsatz von Heidrun, die alle Besucherinnen und Besucher immer mit Kompetenz und Herzenswärme empfangen hat. Völlig verdient ist sie jetzt auch Ehrenmitglied des Museumsvereins. Ich bin ganz sicher, sie wird sich in verschiedenen Funktionen auch weiterhin engagiert in die Museumsarbeit einbringen. Dem neuen Vorstandsteam wünsche ich viel Spaß und alle Zeit ein volles Haus!





































































