Wie Aberglaube entsteht …

Vor einigen Tagen habe ich ein interessantes Zitat gelesen. Peter Brugger, Professor für Verhaltensneurologie und Neuropsychiatrie an der Universität Zürich, schrieb 2013: „Abergläubische Menschen stellen leicht Bezüge her. Diese Fähigkeit haben sie mit kreativen Menschen gemein. Kreativität zeichnet sich gerade durch die Fähigkeit aus, über herkömmliche Kategoriengrenzen hinweg zu assoziieren. Man denke nur an den Traum einer sich in den Schwanz beißenden Schlange, die den Chemiker Friedrich August Kékulé auf die Ringstruktur des Benzolmoleküls aufmerksam machte. Diese „kreative“ Seite des Aberglaubens könnte der Grund sein, warum er trotz aller unbestrittenen Nachteile evolutionär überlebt hat.“ (Quelle: Das Gehirn)

Seine These ist, dass die Fähigkeit, in nicht zusammen hängenden Dingen Zusammenhängendes zu sehen, ein evolutionärer Vorteil war. Stellen wir uns vor, wir sitzen in der Nacht am Lagerfeuer, und im Dickicht erkennen wir in der Dunkelheit ein Muster. Wir interpretieren das Muster als wildes Tier und machen uns zur Abwehr bereit. Und wir überleben. Wer dieses Muster nicht erkennt und sich nicht auf einen Kampf vorbereitet, wird vielleicht gefressen. Das bedeutet: Es kann sein, dass wir nur Unsinn sehen und diesem Unsinn einen Sinn geben. Dann ist aber nichts verloren. Denn es kann auch sein, dass wir das Muster richtig interpretieren und nur deshalb überleben.

Was hat das mit uns heute zu tun? Ich kenne Menschen, die tragen einen bestimmten Schal, wenn sie zum Fußball auf den Betzenberg gehen. Gewinnt der FCK, ziehen sie denselben Schal beim nächsten Heimspiel wieder an. Sie interpretieren damit nicht Zusammenhängendes als zusammen gehörend. Schal und Fußballergebnis haben nichts miteinander zu tun. Trotzdem interpretieren diese Menschen das so. So entsteht Aberglaube. Aber es macht auch nichts, diesen Schal anzuziehen. Es verschafft den Menschen Kontrollgewinn. Sie meinen, den Sieg damit zwingen zu können. Ein Placebo-Effekt, sicher. Aber es fühlt sich gut an.

Was hat das nun alles mit Elwedritschen zu tun? Wir wir seit den neuesten genetischen Studien des Max-Planck-Instituts aus dem Jahr 2023 wissen, liegt die Urheimat der indoeuropäischen Urvölker im nördlichen Iran, also im fruchtbaren Halbmond. Die Nächte vor vielen tausend Jahren waren gefährlich: Säuglinge starben, ältere Menschen starben – alle im Bett. Irgendetwas musste dafür verantwortlich sein. Man suchte einen Verantwortlichen – und so entstanden Gottheiten (bzw. Dämonen, wenn diese gefallen sind).

Und in dieser Situation versuchte man sich zu schützen. Irgendjemand kam auf die Idee, einen fünfzackigen Stern – ein Pentagram – auf die Fußseite des Bettes zu kritzeln. Und Menschen starben nicht – nicht in diesem Jahr, nicht im darauffolgenden Jahr. Jedenfalls in diesem Haus … Man erzählte den Nachbarn davon, und sie begannen ebenfalls, Pentagramme auf die Fußseite der Betten zu zeichnen. Klar, irgendwann starben in diesen Häusern auch immer wieder Menschen. Vielleicht musste man einfach mehr Pentagramme zeichnen, um die verantwortlichen Dämonen abzuwehren. So zeichnete man die Symbole auch von außen über die Fenster. Es entstand ein System von Schutz- und Abwehrmaßnahmen, das sich über die Zeit immer wieder veränderte. Und es wanderte mit den Menschen auch immer wieder dorthin, wo sich nachfolgende Generationen von Bauern niederließen. Die agrarische Lebensweise mit Vorratshaltung ermöglichte mehr Menschen, satt zu werden. Die Kinder wurden groß, und wenn sie ebenfalls Bauern sein wollten, mussten sie sich an einem anderen Ort niederlassen. Man hat festgestellt, dass sich die bäuerliche Lebensweise von Generation zu Generation um etwa 20 Kilometer ausbreitete. So begannen Vorfahren der Indoeuropäer eine Wanderung, die eigentlich keine war. Nur 20 Kilometer pro Generation, und doch brachte es die Menschen – und ihre Sprachen – vom fruchtbaren Halbmond kommend irgendwann nach Europa und bis nach Indien. Ihre Sprachen diversifizierten – 445 verwandte indoeuropäische Varietäten kennt man heute, und auch ihre kulturellen Muster diversifizierten und veränderten sich durch Raum und Zeit. Die Abwehrmaßnahmen gegen das Böse in der Nacht blieben – aber sie wandelten sich. Ganz am Ende dieses Prozesses steht die Elwedritsch im Pfälzerwald. Es ist eine lange Geschichte, die das Buch “Elwedritsche – Dunkle Gefährten” erzählt. Eine “Künstliche Intelligenz” hat schon mal im Buch gestöbert und berichtet ein wenig. Disclaimer: Nicht alles interpretiert die KI richtig, deshalb enthält das folgende Gespräch auch Ungenauigkeiten und sogar zwei oder drei Fehler. Also: Im Zweifel gilt das geschriebene Wort, also das Buch, das im Frühjahr 2025 erscheint. Aber insgesamt gibt es doch einen ganz netten Einblick. Ich finde es tröstlich, dass wir Menschen die KI noch ein klein wenig voraus sind. Die andere Frage ist: Wie lange noch?

Ein Deep Dive von “Notebook LM” zum Buch “Elwedritsche – Dunkle Gefährten”:

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