
Migration und Wanderungsbewegungen sind keine Phänomene der Neuzeit: Seit der Mensch den aufrechten Gang beherrschte, trieb es ihn aus seiner Heimat Afrika in die ganze Welt. Der Paläoanthropologie Johannes Krause (Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte) und der Journalist Thomas Trappe zeigen in ihrem 2020 erschienenen Buch “Die Reise unserer Gene”: Ohne Einwanderer wäre Europa gar nicht denkbar.
Heute wissen wir, dass sich der „moderne Mensch“ bereits vor etwa 300.000 Jahren über den gesamten afrikanischen Kontinent ausgebreitet hat. Die Menschheit entsteht also durch frühe Wanderungsbewegungen und eine komplexe Evolution auf dem ganzen afrikanischen Kontinent. Durch ein soziales Netzwerk werden Gene und Kulturtechniken über große Distanzen hinweg weitergegeben.
Vor 40.000 Jahren kam Homo Sapiens in Europa an – mit vielen Kulturtechniken im Gepäck. Für das Buch “Elwedritsche – Dunkle Gefährten” sind Funde auf der Schwäbischen Alb aus diesem Zeitraum interessant, etwa die “Venus vom Hohlefels” oder der “Löwenmensch” vom Hohlenstein-Stadel. Beide zeigen uns lange vor den Wanderungen der Indoeuropäer, wie komplex die Gesellschaften der Jäger und Sammler in dieser Zeit waren – und wie sie ihre Ängste zähmten.
Das Buch zeigt, wie sich in der Menschheitsgeschichte Gene immer wieder mischten und Neues hervorbrachten. Seit neue Techniken es möglich machten, DNA aus Skeletten zu extrahieren und ihre “Daten” zu lesen, hat die Wissenschaft Sprünge gemacht, die weit über die Genetik hinausgehen. Das betrifft auch Anthropologie, Archäologie, Geschichte und Linguistik. Mich interessiert an dem Thema der Zusammenhang von “Genen” und “Memen”.
Wikipedia schreibt: Ein “Mem” ist Gegenstand der Memtheorie und bezeichnet dem Urheber der Memtheorie Richard Dawkins zufolge ein im Gehirn gespeichertes, ins Bewusstsein rufbares Informationsmuster, zum Beispiel einen Gedanken, aber nicht bloße Wahrnehmungen oder Gefühle (als Wahrnehmen bzw. Fühlen). Es kann durch Kommunikation weitergegeben und über den Prozess der Imitation internalisiert werden, damit vervielfältigt und so soziokulturell auf ähnliche Weise perpetuiert werden, wie Gene auf biologischem Wege vererbbar sind. Ganz entsprechend unterliegen Meme damit einer soziokulturellen Evolution, die weitgehend mit denselben Theorien beschrieben werden kann.
Was vererbbar ist, kann also weitergegeben werden – durch Raum und Zeit. Also können wir heute Märchen erzählen, die vor vielen tausend Jahren in Mesopotamien entstanden sind. Vielleicht sind sie ja sogar noch älter. Und wir können uns von Europa aus durch Raum und Zeit rückwärts bewegen, um zu klären, was Elwedritsche wirklich sind.
Das Buch kann man zum Beispiel hier kaufen.






















































