
Von Michael Werner
Natürlich will ich nicht allzu viel von dem verraten, was im Buch “Elwedritsche – Dunkle Gefährten” stehen wird. Aber ein paar kleine Blicke durchs Schlüsselloch möchte ich doch noch gewähren. Nicht ohne Grund sieht die pennsylvanisch-deutsche Elbedritsch auf dem Buchcover katzenartig aus. So beschreiben sie in Amerika die meisten Menschen (ich will aber nicht verschweigen, dass es auch geflügel- und vogelartige Darstellungen gibt). Ich habe ja schon verraten, dass man aus meiner Sicht der Migrationsspur der Indoeuropäer folgen muss, um das Wesen der Elwedritsche zu ergründen. Jetzt ergänze ich: Folge der Spur der (schwarzen) Katze.
Katzen und Menschen teilen das Leben schon seit Jahrtausenden, und auf dem Bauernhof hat eine Katze vor allem eine Funktion: die Schadensabwehr von Schädlingen wie Mäusen, um die Getreidevorräte zu sichern. Dies passt sich gut ein in die bäuerlichen Abwehrmaßnahmen, die ich in einem etwas älteren Artikel auf dieser Seite beschrieben habe. Man geht davon aus, dass die Ägypter etwa 2000 v. Chr. die ersten Katzen domestizierten. Man weiß aber auch seit kurzem, dass in Mesopotamien Wildkatzen schon vor 100.000 Jahren (die Zahl ist korrekt!) unter Menschen lebten und dort etwa zur gleichen Zeit wie Hunde, Schafe und Ziegen domestiziert wurden. Das wäre dann zeitlich etwa der Bereich der Sesshaftwerdung der Menschen im fruchtbaren Halbmond ab 10.000 v. Chr. – Ausgrabungen in den letzten zehn Jahren haben hier neue Erkenntnisse gebracht.
Wertschätzung genossen Katzen in Ägypten bald nach Beginn der ägyptischen Zivilisation um 5000 v. Chr. – um 450 v. Chr. wurde as Töten einer Katze mit dem Tod bestraft. Die Göttin “Bastet”, üblicherweise als Katze oder Frau mit Katzenkopf dargestellt, war eine wichtige Gottheit im ägyptischen Götterpantheon. Sie war die Hüterin von Herd und Heim, Beschützerin von Frauengeheimnissen und eine Wächterin, die böse Krankheiten und Geister abhielt. Wer mein Buch liest, wird diese Aspekte an einigen Stellen wiederfinden.
Berühmt ist die Geschichte aus der Schlacht von Pelusium (525 v. Chr.). Hier kämpfte Kambyses II. von Persien gegen die Armee des ägyptischen Pharaos Psammetich III. Die Perser siegten, u.a. weil der Herrscher Katzen vor den Invasionstruppen in Richtung der Stadt Pelusium am Nil treiben ließ. Auch malten die persischen Soldaten Bilder von Katzen auf ihre Schilde und hielten möglicherweise Katzen in ihren Armen, als sie hinter der Herde von Katzen marschierten. Die Ägypter zögerten, sich zu verteidigen – aus Angst, den Katzen Schaden zuzufügen. Dies hätte (siehe oben) mit dem Tod bestraft werden können. Demoralisiert gaben die Ägypter die Stadt auf.
Die Ägypter sind keine Indoeuropäer, aber unser Wort für Katze stammt von dem ägyptischen “quattah” ab. Es ist damit ein Lehnwort im Indoeuropäischen, von dem sich u.a. engl. “cat”, franz. “chat” und dt. “Katze” ableiten. Auf der östlichen Flanke des Indoeuropäischen – in Indien – werden Katzen in großen literarischen Epen erwähnt. Die Geschichte vom gestiefelten Kater basiert auf einer indischen Volkssage aus dem 5. Jahrhundert vor Christus.
Es ist wahrscheinlich, dass die zeitlich sehr frühe und hohe Bedeutung der Katzenverehrung in Ägypten mit der Zeit auf die mesopotamischen Völker abstrahlte. Die Verbindung des Tieres mit dem Schutz von Heim und Herd (Feuer) und der Abwehr von Krankheiten und Geistern ist etwas, was sich im Glaubenssystem der Menschen im fruchtbaren Halbmond zu einem frühen Zeitpunkt festgesetzt haben könnte. Jedenfalls ging vieles von dem mit auf die Reise, als sich die Indoeuroper ab etwa 6000 v. Chr. erst nach Norden, dann nach Westen und Osten in Bewegung setzten. Vielleicht nicht im allerersten Migrationsschub, aber in späteren …
Das ist die Vorgeschichte, die ich nicht in mein Buch übernommen habe, weil es zu weit geführt hätte. Uns begegnet die Katze in “Elwedritsche – Dunkle Gefährten” als Zugtier des Streitwagens einer germanischen Göttin und im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Begleiterin von Hexen. Man musste sich vor schwarzen Katzen in Acht nehmen, die den Weg in einer bestimmten Richtung kreuzten und vor allem nachts auf der Hut sein.
Wir sehen: Die Hochachtung, die die Ägypter für Katzen hegten und die sich wahrscheinlich auf die Mesopotamier übertragen hat, ist tausende Jahre später bei den heidnischen Völkern Europas noch erkennbar. Die Christianisierung jedoch machte aus den alten Gottheiten der Heiden Dämonen – und das gesunkene Ansehen von Katzen scheint hier ein Kolateralschaden zu sein. Der Leumund von schwarzen Katzen in der Pfalz in der Zeit der Auswanderung war jedenfalls überwiegend schlecht. Man tötete sie, wenn man sie erwischte. Es konnte ja eine gestaltwandelnde Hexe dahinter stecken – oder man hatte Pech und wurde selbst als Hexe denunziert, weil eine schwarze Katze in der Nähe war.
Das schlechte Image von schwarzen Katzen war auch 300 Jahre später noch in den Geschichten zu erkennen, die Menschen mir in den vergangenen 30 Jahren bei meinen Reisen in Pennsylvania erzählt haben. Wenn ich in den USA einmal darum gebeten habe, eine Elwedritsch zu zeichnen, erhielt ich nicht selten katzenartige Abbildungen.






















































