Francis D. Kline – Der Netzwerker

Francis D. Kline war ein wichtiger Netzwerker und Multiplikator der pennsylvanisch-deutschen Community (2005)

Eine Würdigung

Francis D. Kline (1937-2013) brachte Menschen zusammen. Als „Schulmeeschter“ von Pennsylvania German Classes, Sänger und Organisator des „Dolpehocken Saenger Chors“ und Mitstreiter in der Bewegung der Dialekt-Versammlungen und Groundhog Lodges sowie als Mitglied in der Pennsylvania German Dialect and Culture Society fand man Francis immer dort, wo die deitsche Mundart in Pennsylvania gepflegt wurde.

Verheiratet war er über 50 Jahre lang mit Marianne Müller, die aus Chemnitz stammte und als kleines Kind nach dem Krieg in die Vereinigten Staaten gekommen war. Deutsch sprach sie nicht mehr. Die beiden waren ein klasse Team, das unter anderem einen monatlichen E-Mail-Newsletter herausbrachte, der wirklich alle relevanten Neuigkeiten rund um das Pennsylvanisch-Deutsche enthielt – einschließlich der Jahrestage und Geburtstage von Mitgliedern der verschiedenen Vereinigungen.

Marianne (im Vordergrund) und Francis bei einem Kulturfrühstück in “Risser’s Restaurant” (2012)

Wenn ich heute davon spreche, dass ich über die vergangenen 30 Jahre mit hunderten Menschen gesprochen und sie interviewt habe, muss ich sagen, dass einer meiner wichtigsten Multiplikatoren in Berks County Francis D. Kline war. Er wusste, wen ich zu welchem Thema ansprechen konnte. Also fuhr ich hin und machte Aufnahmen oder Mitschriften.

Sehr lustig war, als er mir erzählte, dass seine Vorfahren aus dem Ort Ulmet bei Kusel in der Westpfalz kamen. In diesem wirklich kleinen Ort ist auch unsere Familie bis ins 16. Jahrhundert zurück stark verwurzelt. Und Auswanderer hat es von hier nach Gnadenhutten in Ohio verschlagen – einem pennsylvanisch-deutschen Sprachgebiet im westlichen Nachbarstaat von Pennsylvania. Gemeinsame Vorfahren fanden wir jedoch nicht. Die „Kleins“ waren erst Ende des 17. Jahrhunderts aus der Region des heutigen Saarlands zugezogen und haben den Ort bereits Anfang des 18. Jahrhunderts mit den ersten großen Auswanderungswellen in Richtung Pennsylvania wieder verlassen.

Wenn ich in Pennsylvania war, reiste ich manchmal wie ein Groupie tagelang den Veranstaltungen des „Dolpehocken Saenger Chors“ hinterher. Die älteren Damen in der Gruppe freuten sich immer, wenn ich da war, und ich wurde wirklich auch immer gut betreut. Einmal pro Monat gestaltete der Chor die „Pennsylvanisch-Deitsch Schtunn“ im „Berks County TV“ (BCTV). Auch dort war ich oft mit zu Gast.

Der Dolpehocken Saenger Chor im “Berks County TV” in Reading im Jahr 2002 (mit Francis, 2. v. rechts)

Wenn ich darüber nachdenke, muss ich sagen, dass Chöre eine hervorragende Möglichkeit darstellen, sich wieder mit seiner eigenen Kultur zu verbinden. Man muss nicht fließend Pennsylvanisch-Deutsch sprechen können, um pennsylvanisch-deutsch zu singen. So gesehen leistete der Chor über viele Jahre eine hervorragende Arbeit – auch durch die Gestaltung von Mundartgottesdiensten.

Wenn ich mir jetwas wünschen dürfte, wäre es vielleicht das: Dass ein junger Mann oder eine junge Frau in die Fußstapfen von Francis D. Kline tritt und gemeinsam mit anderen einen Chor aufbaut, der aufgrund seines Programms auch Jüngere anzieht. Ich werde dafür werben.

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