
Zum Abschluss der „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour 2024“
Scott Reagan (Jahrgang 1994) hatte ich erstmals 2022 auf dem Kutztown Folk Festival persönlich getroffen. Im Mail-Austausch waren wir zuvor schon gewesen. Wir kamen am Rande eines meiner Konzerte auf der „Main Stage“ miteinander ins Gespräch. Ich wusste: Er arbeitet für Martin Guitars, macht selbst Musik und spricht neben Pennsylvania Dutch auch Hochdeutsch, weil er für eine gewisse Zeit in Würzburg studiert hat.

Ich fragte ihn konkret, ob er sich vorstellen könnte, neben seiner englischen Musik einmal ein Programm in Pennsylvania Dutch zusammenzustellen und nach Deutschland zu kommen, um es im Rahmen einer „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“ vorzustellen. Seit 2008 lade ich Künstler aus den USA ein, die Kultur der Nachfahren überwiegend kurpfälzischer Auswanderer bei uns zu präsentieren.
„Mol sehne“ war die Antwort, und um so erstaunter war ich, als er mit Videos seiner ersten selbst geschriebenen Stücke auf mich zukam. Mir war sofort klar: Hier entsteht etwas Besonderes. Denn einerseits ist Scott ein hervorragender Gitarrist, und andererseits hat er den Anspruch, die Kultur seiner Vorfahren in selbst geschriebenen Liedern vorzustellen. Das Ergebnis, das wir jetzt im Oktober 2024 in Ohrenschein nehmen durften, ist beeindruckend. Er spielte in Ober-Olm, Oberalben, Bockenheim und Altrip – und alle waren hellauf begeistert.

In Altrip während des 18. Deutsch-Pennsylvanischen Tages konzertierte er gemeinsam mit den „Pälzer Krischern“, die schockverliebt für sich entschieden, nach Kutztown auf die Bühne zu wollen. Mal sehen, ob wir das hinbekommen. Scott wurde von seinen Eltern begleitet, und beim 72. Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit waren noch weitere Pennsylvania-Deutsche zu Gast: Prof. Dr. Hiram Smith mit Frau und zwei Freunden sowie der in Frankenthal wohnende Erich Mace aus Berks County mit Familie und Mutter aus Pennsylvania. So hatten wir in Bockenheim rund ein Dutzend Sprecher des Pennsylvania-Deutschen unter uns.
An diesem Samstag beim Mundartdichter-Wettstreit erzählten mir zwei Menschen zwei Geschichten: Scott Reagan sprach von seinem Großvater, der während des 2. Weltkrieges als Schütze in Jagdbombern der US-Armee auch Ziele in der Rheinebene bombardierte. Und der 87-jährige Karl Scherer, der während unserer Jurysitzung erzählte, wie er 1945 als 7-jähriger Schüler in Achern im Schwarzwald (nicht weit von Strasbourg) von den Splittern einer Granate lebensgefährlich verletzt wurde. So eng können Menschen mit ihren Lebensgeschichten miteinander verwoben sein.
Ich hoffe, Scott ist ebenso begeistert von dieser Reise, wie wir alle in Deutschland es sind – und macht weiter auf dem Weg, die Kultur und Sprache seiner Vorfahren in Musik zu packen. Einen Künstlernamen hat er sich schon ausgesucht: „Der Blobariyer“ – der von den „Blue Ridge Mountains“ kommt, den „Blauen Bergen“ …
Der Pälzylvanier






























































