Prof. David L. Valuska – Der “Herr General”

Prof. David L. Valuska im Jahr 2019 auf dem Kutztown Folk Festival mit seiner Frau Charlotte (1936-2024)

Eine Würdigung

Am Anfang dieser Geschichte steht eine Frau: Florence Baver (1911-1999). Ich hatte sie im Beitrag über Peter Fritsch bereits erwähnt. Florence war klar, dass ihre „Pennsylvania Dutch Folk Culture Society“ in Lenhartsville (PA) dem Ende entgegen ging. Die Mitgliedschaft war überaltert, und es kamen keine Jüngeren nach, die sich engagieren wollten. Das Thema kennen viele Vereine. So wandte sich Florence im Jahr 1990 an Prof. Dr. David McFarland, seinerzeit Präsident der Kutztown University, um eine Lösung zu finden. David McFarland habe ich in den 1990er Jahren in Deutschland kennengelernt, als er mit Reisegruppen in der Pfalz unterwegs war. Sie kamen überein, dass die Sammlung des Vereins auf die Kutztown University übertragen werden sollte – und dass die Universität ein „Pennsylvania German Cultural Heritage Center“ einrichten würde. All dies sollte rund um einen Bauernhof geschehen, der im Besitz der Universität war. Ein weiter glücklicher Zufall war, dass eine gewisse Dr. Ruth M. Freyburger (Kutztown-Absolventin aus dem Jahr 1935) der Uni einen beträchtlichen Geldbetrag geschenkt hatte, mit dem eine Professur mit pennsylvanisch-deutschem Schwerpunkt unterstützt werden sollte.

Und hier kam David Valuska (geboren 1938) ins Spiel: McFarland übertrug ihm die erste „Freyberger Professur“ und machte ihn 1991 zum Direktor des neu gegründeten „Pennsylvania German Cultural Heritage Centers“ in Kutztown. David war Geschichtsprofessor und hatte einen seiner Schwerpunkte beim Thema „Amerikanischer Bürgerkrieg“. Auch bei der Nachstellung historischer Schlachten („Reenactments“) beteiligte er sich, weshalb er manchmal als „der Herr General“ vorgestellt wurde. Die Valuskas – man hört es am Namen – kamen nicht aus der Kurpfalz, sondern aus Österreich-Ungarn. Aber das tat der Sache keinen Abbruch. David machte sich daran, das Center aufzubauen. Als ich ihn ab 1994 näher kennenlernte, sprachen wir manchmal über die mühsamen kleinen Schritte beim Aufbau und den insgesamt langsamen Fortschritt. „We have to walk, before we run“, entgegnete er mir dann gelassen. Und er hatte recht.

Das Provisorium: Bibliothek in einem Trailer (1991-2022)

In den ersten Jahren beherbergte ein Container das Center und die zugehörige Bibliothek. Und kaum gegründet, meldeten andere Fachbereiche schon wieder Ansprüche auf das große Gelände rund um den zugehörigen Bauernhof an. Sportplätze sollten gebaut werden, auch ein Baseball Field – und es stand wohl mehr als einmal auf der Kippe, ob das Pennsylvania German Cultural Heritage Center erhalten werden kann. 2005 ging David in Ruhestand, und sein Nachfolger Prof. Rob Reynolds entwickelte einen Plan, aus dem Heritage Center ein richtiges Freilichtmuseum mit zusätzlichen Gebäuden zu entwickeln. Im Zuge der Planungen besuchte er das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum in Bad Sobernheim und den Hessenpark – vielleicht auch noch andere. Am Ende wurde nichts daraus, und Rob gab seine Tätigkeit im Heritage Center im Jahr 2012 ab und konzentrierte sich wieder auf seine akademische Laufbahn als Geschichtsprofessor.

Nun kam Patrick Donmoyer (geb. 1985) ins Spiel. Zuvor bereits Mitarbeiter am Center, übernahm er nun die Stelle als Direktor. Und ab diesem Moment kam die Einrichtung vom „Gehen“ ins „Laufen“. Es ging bergauf, und 2022 konnte endlich ein eigenes repräsentatives Gebäude mit Kongressbereich, Bibliothek und Ausstellungsflächen bezogen werden. Das Heritage Center ist nun endlich angekommen.

Die neue Bibliothek des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers seit 2022

Die Grundlagen hierfür hat in den ersten 14 Jahren Dr. David Valuska gelegt, der für diese Leistung zurecht auch das Bundesverdienstkreuz erhielt. Nach Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2005 war David vielleicht sogar mehr auf dem Schlachtfeld von Gettysburg zu finden als in Kutztown – aber zum Folk Festival war er für gewöhnlich in der Stadt. Beim „Fescht“ trifft man ihn auch heute noch, vorzugsweise im Rahmen eines seiner Vorträge auf der „Seminar Stage“.

Ich selbst arbeitete zwischen 2003 und 2009 enger mit David zusammen, als wir gemeinsam im Vorstand des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises e.V. (DPAK) tätig waren. Als Gründungsvorsitzender hatte ich die Aufgabe, den Verein aufzubauen, und wieder hörte ich David sagen: “We have to walk, before we run!” Mit uns im Vorstand arbeiteten in diesen Jahren Frank Kessler (2. Vorsitzender), Dr. Walter Sauer, Dr. Helmut Schmahl (Schatzmeister 2003-2006) sowie Prof. Dr. Heinz Helfrich (Schatzmeister 2006-2012).

Obwohl er selbst kein Pennsylvanisch-Deutscher ist, hat David Valuska mit seiner Arbeit maßgeblich dazu beigetragen, dass wir mit dem Pennsylvania German Cultural Heritage Center heute eine Adresse haben, wenn wir uns mit Sprache und Kultur der Nachfahren deutscher Auswanderer in Pennsylvania beschäftigen möchten. Dafür, David, herzlichen Dank!

Der Pälzylvanier

Comments are closed.