Rudolf Post – DER Pfälzisch-Experte

Rudolf Post im wunderbaren Podcast von PFALZCAST aus dem Jahr 2020. Aufs Bild klicken und genießen!

Zum 80. Geburtstag

Manchmal muss man Glück haben und zur rechten Zeit am richtigen Ort sein. Ich studierte ab 1989 in Mannheim Germanistik, Allgemeine Linguistik und Soziologie – und besuchte gleich in den ersten Semestern eher zufällig ein Seminar über Johann Jakob Hemmer (1733-1790). Der aus dem südwestpfälzischen Horbach stammende Geistliche, Meteorologe, Physiker und Sprachwissenschaftler lebte zeitweise als Hauslehrer im Sturmfederschen Schloss in Dirmstein und war Hofkaplan bei Kurfürst Karl Theodor in Mannheim. Der Mann veröffentlichte 1769 eine „Abhandlung über die deutsche Sprache zum Nutzen der Pfalz“ und beklagte dabei die schlechte Umgangssprache seiner pfälzischen Landsleute. Dabei machte er eine sehr frühe Bestandsaufnahme der Mundart. Das Thema Pfälzisch bzw. Regionalsprachen machte mir gleich großen Spaß. Mein Interesse an Dialektologie war geweckt. Daneben faszinierte mich an Hemmer auch, dass er sich zu seinen Lebzeiten in dem Gebäude aufhielt, in dem ich gerade studierte, und er zeitweise in Dirmstein in einer Gemeinde lebte, in der ich enge Verwandte habe.

Rudolf Post mit Beate Henn-Memmesheimer in Bockenheim (2011)

Und genau zur Zeit dieses Seminars über Hemmer tauchten zwei neue Lehrende im Vorlesungsverzeichnis der Uni Mannheim auf: Prof. Dr. Beate Henn-Memmesheimer und Dr. Rudolf Post. Beate hatte bereits 1980 ein Buch mit Titel „Pfälzisch“ veröffentlicht, Rudolf 1992 sein Standardwerk „Pfälzisch – Einführung in einer Sprachlandschaft“. Von dem Zeitpunkt an war klar, dass mein Studienschwerpunkt im Bereich Linguistik liegen würde. Zumal ich im Nebenfach bei Prof. Per Sture Ureland Allgemeine Linguistik studierte und mich dort mit Sprachkontaktzonen und Sprachkontakterscheinungen in Europa und dem Rest der Welt beschäftigte. In einem zweiten Nebenfach studierte ich Soziologie, was hilfreich war, weil die sogenannte “Soziolinguistik” – die Untersuchung von sprachlichen Varietäten im gesellschaftlichen Kontext – in dieser Zeit Konjunktur hatte. Konsequenterweise führte mich diese Ausrichtung zu einer Magisterarbeit über „Französisches im Pfälzischen“ und einer Dissertation über „Sprachkontaktphänomene im Pennsylvania-Deutschen“, einer mit dem Pfälzischen zumindest verwandten Mundart, die in Pennsylvania im Wesentlichen zwischen 1775 und 1820 neu entstanden ist.

Während des Studiums immer an meiner Seite waren Beate, Sture – und vor allem Rudolf. Denn er war in den 1990er Jahren Bearbeiter des „Pfälzischen Wörterbuches“, dessen Arbeitsstelle sich am Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern befand. Wenn ich mit irgendeinem Thema nicht weiter kam, fuhr ich nach Kaiserslautern. Und ich erhielt immer Unterstützung. In dieser Zeit habe ich viel über das Pfälzische gelernt und ab 1993 begonnen, ein „Deutsch-Pennsylvanisches Archiv“ aufzubauen, in dem ich zunächst vor allem literarische Mundarttexte aus Pennsylvania sammelte. Später kam viel Sekundärliteratur dazu. Heute ist das Archiv im Mennonitischen Forschungszentrum auf dem Weierhof öffentlich zugänglich.

Rudolf Post konnte das Generationenprojekt „Pfälzisches Wörterbuch“, dessen Anfänge in die Kaiserzeit zurückreichen (1912/13), im Jahr 1998 zum Abschluss bringen, und der letzte der insgesamt sechs Bände wurde in der Fruchthalle Kaiserslautern vorgestellt. Es war ein sehr feierlicher Akt, bei dem Rudolfs Leistungen zurecht hoch gelobt wurden.

1998 erhielt Rudolf den renommierten „Preis der Emichsburg“ der Gemeinde Bockenheim an der Weinstraße für seine Leistungen im Bereich der Mundart. Im gleichen Jahr begann ich, in der Jury des Pfälzischen Mundartdichter-Wettstreits in Bockenheim mitzuarbeiten. Dort traf ich Beate Henn-Memmesheimer und Rudolf Post wieder. Rudolf verließ die Jury aber recht bald, weil er eine neue Arbeitsstelle am „Badischen Wörterbuch“ in Freiburg antrat und nicht regelmäßig nach Bockenheim kommen konnte. Nach seiner Pensionierung kam er in die Jury zurück, bis er sich aus Altersgründen entschloss, die Tätigkeit aufzugeben. Insgesamt war er knapp 20 Jahre dabei und lange Jahre auch ihr Sprecher.

Dr. Rudolf Post, Dr. Walter Sauer, Dr. Michael Werner und Prof. Dr. Mark Louden in Essenheim beim 2. Deutsch-Pennsylvanischen Tag (2007)

Während dieser Zeit haben wir uns oft die Köpfe heiß geredet bei der Frage, ob man im Pfälzischen dies oder das so schreiben könne oder nicht – ob es einen bestimmten Ausdruck überhaupt gebe und ob denn eine bestimmte Wortform oder eine Satzkonstruktion überhaupt noch Pfälzisch sei. Es konnte durchaus laut werden am Jury-Tisch, bis es gewöhnlich dann mit einem Mal ganz still wurde. Dann schauten wir uns an und drehten unsere Köpfe in Richtung Rudolf Post, der bei hitzigen Diskussionen meist ruhig blieb. Rudolf dachte zwei oder drei weitere lange Sekunden nach und antwortete dann eher leise, aber überlegt. Seine Worte galten im Anschluss als gesetzt, und das Thema war erledigt. Aufgrund seiner herausragenden Expertise, die er sich über Jahrzehnte erworben hat, ist Rudolf Post schlicht DER Pfälzisch-Experte, den wir heute in der Pfalz haben. Ich darf das sagen, weil er es selbst aufgrund seiner Bescheidenheit nie selbst sagen würde. Er ist die letzte Instanz in allen Zweifelsfällen.

In diesen Tagen feiert Rudolf Post im rheinhessischen Gabsheim seinen 80. Geburtstag. Ich wünsche von Herzen alles Gute und weiterhin eine große Schaffenskraft.

Der Pälzylvanier

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