
Zum 85. Geburtstag
Es war ein bitterkalter 2. Februar im Jahr 2000, und ich saß mit Don Breininger aus dem Hollwigsdaal bei Nei Tripoli im Pennsylvania Dutch Country im Auto, zusammen mit Wörterbuch-Autor Dr. Eugene Stine (1932-2007) und Lee Haas. Es lag hoher Schnee und die Sonne schien, als wir den alten Sterling „Tiny“ Zimmerman (1921-2000) an Werley’s Corner in seinem „Greizweg Hotel“ abholten. Wenige Monate später starb er, doch an diesem Tag quälte sich der schwergewichtige Dutchman noch einmal in den Wagen, um mit seinen Freunden zur Versammling der “Grundsau Lodsch Nummer Zwee an der Schibbach” in Skippack (PA) zu fahren. Damals gab es sie noch. 2018 stellte die Lodge ihre Aktivitäten ein.

Don Breininger, damals 60 Jahre alt und einer der jüngeren „Grundsei Brieder“, war der Fahrer. Und irgendwann nach etwa einer guten Stunde in Richtung Osten in Richtung Philadelphia kamen wir am Versammlungsort an – es muss ein Feuerwehrhaus gewesen sein, wie meistens. Autos stoppten, und es stiegen ältere Herren aus, die mehr oder weniger schnell aus der Kälte ins Warme huschten – in der Hoffnung auf ein wenig „pennsylvanisch-deitscher Gschbass“ und „en guud Iems“, ein gutes deutsches Essen. Als unser Trupp den Saal betrat, kamen schnell weitere mir bekannte Gesichter auf uns zu: Carl D. Snyder (1924-2007), Paul Kunkel (1926-2020), Parre Richard Druckenbrod (1929-2003), Paul P. Bittner („Em Buppy Bittner sei Bu“, 1935-2005), Franklin D. Wanamaker (1935-2007) und aus Oley, das bis zum 1. Weltkrieg Friedensburg hieß, Parre Richard Wolf (1932-2016). Das waren Mitte der 1980er Jahre treibende Kräfte, die die in die Jahre gekommene Bewegung der „Groundhog Lodges“ neu beleben wollten. 1933 als Reaktion auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Berlin gegründet, um Amerika zu zeigen, dass Pennsylvania-Deutsche patriotische Landsleute sind, befand sich die Initiative nach Ableben der ersten Generation von Grundsau-Brüdern spätestens ab Mitte der 1980er Jahre im Niedergang. Zu diesem Zeitpunkt fanden sich die Genannten und viele andere zusammen und führten Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Man gründete eine „Groossdaadi Grundsau Lodsch“ als Dachorganisation der 18 Lodges, führte an verschiedenen Orten Sprachkurse ein, um Nachwuchsförderung zu betreiben und ließ den Künstler Peter V. Fritsch (1945-2015) die heute sehr bekannte „Pennsylvania Dutch Flag“ entwickeln. Diese wurde 1989 offiziell von den Groundhog Lodges anerkannt.

Als ich Anfang der 1990er Jahre die Männer nach und nach kennenlernte, war Aufbruchsstimmung zu spüren. Es sollte voran gehen. Auch Jahre später, als wir uns im eisigen Pennsylvania zum Groundhog Lodge Meeting trafen, war noch einiges davon vorhanden. Und doch konnte man erkennen, dass nur wenige junge Männer in den Reihen der Brüder saßen (Frauen sind erst seit 2023 als Gäste zugelassen, und auch nicht überall).
Die Veranstaltung im Jahr 2000 lief ab, wie es immer abläuft: Nach Begrüßung, Gebet und dem Fahneneid auf die amerikanische Flagge gibt es Musik, ein pennsylvanisch-deutsches Essen und ein Kulturprogramm. An diesem Abend sprach Don Breininger. Der Vortrag war, wie es erwartet wird, humoristisch, und „die Buwe“ klatschten und lachten viel. Man muss sich das Ganze vorstellen wie eine Mischung aus einer Vereinsmitgliederversammlung und einem Saalfasnachtsabend irgendwo rund um Mainz.
In den letzten 24 Jahren musste Don Breininger immer öfter die Reden übernehmen, weil es weniger aktive Mundartsprecher gibt, die dazu in der Lage sind. Man muss nicht nur den pennsylvanisch-deutschen Dialekt beherrschen, sondern auch mit dem Humor der Menschen vor Ort aufgewachsen sein. Und so fuhr Don in den letzten zwei Jahrzehnten immer weitere Strecken, um mitzuhelfen, die Veranstaltungen am Leben zu halten. Im Jahr 2033 feiern die Groundhog Lodges ihr 100. Bestehen – wenn es zu diesem Zeitpunkt noch aktive “Grundsei-Brieder” gibt.

Don Breininger traf ich erstmals Mitte der 1990er Jahre, und ab dem Jahr 2000 war ich bei meinen Besuchen vor Ort immer ein paar Tage bei ihm und seiner lieben Frau Norma Breininger (1939-2016) auf seinem wunderschönen Bauernhof in New Tripoli zu Gast. Es entstand eine Freundschaft, die Breiningers auch nach Ober-Olm und in die Pfalz brachte. 2011 war er unser Künstler bei der „Hiwwe wie Driwwe Palatinate Tour“. Wir führten mehrere Veranstaltungen durch, und vor allem der Pfälzische Mundartdichter-Wettstreit in Bockenheim gefiel ihm sehr.
Seinen 85. Geburtstag feiert Don im August 2024 im Kreis seiner großen Familie mit Kindern, Enkeln und Urenkeln. Aus dem fernen Ober-Olm rufe ich ihm zu: „Hallicher Gebottsdaag, Don! Alles Bescht zu dir, bis mer uns widder sehne …“
Der Pälzylvanier










































































